Diese Arbeit wird die Lernfelder des Rahmenlehrplans des Industriekaufmanns untersuchen und erste Vorschläge erarbeiten, wie und welche Lernfelder mit Merkmalen der Postwachstumsökonomie erweitert werden können. Die Forschungsfrage lautet: Welche Lernfelder des Rahmenlehrplans des Industriekaufmanns können mit Merkmalen der Postwachstumsökonomie erweitert, bzw. verändert werden, für eine nachhaltige berufliche Bildung? Für die Zielstellung muss zunächst erklärt werden, was unter Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) verstanden wird, um eine Basis für das weitergehende Vorgehen zu erhalten.
Darauf aufbauend werden die wesentlichsten wirtschaftswachstumsbezogenen Merkmale (wwM) der vorherrschenden Theorie der Neoklassik, welches auch in den SGD enthalten ist, im Gegensatz zu den wwM der Postwachstumsökonomie in tabellarischer Form gegenübergestellt und miteinander verglichen, um die Unterschiede dieser beiden Theorien herauszuarbeiten und eine Trennschärfe für die Untersuchung der Lernfelder zu gewährleisten. Aus der Gegenüberstellung werden zudem Merkmale festgelegt, um die Lernfelder zu untersuchen. Für den Vergleich dieser beiden Theorien, neben einer kurzen Definition dieser, bedarf es vorher eine Charakterisierung der grundsätzlichen Merkmale der beiden Theorien im Bezug auf das Wirtschaftswachstum und dessen Grenzen.
Nach der Gegenüberstellung erfolgt eine Untersuchung der Lernfelder des Industriekaufmanns auf die vorher festgelegten Merkmale der Neoklassik. Anhand der Identifikation der wirtschaftswachstumsbezogene Merkmale der Neoklassik in den Lernfeldern werden Vorschläge erarbeitet diese durch Merkmale der Postwachstumsökonomie zu erweitern oder sogar zu ersetzen. Im Sinne der Forschungsfrage werden somit diejenigen Lernfelder identifiziert die wwM der Neoklassik aufweisen und erste Vorschläge erarbeitet anhand der wwM der Postwachstumsökonomie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zielstellung
1.2. Aufbau und Methodik
2. Bildung für nachhaltige Entwicklung
3.wirtschaftswachstumsbezogene Merkmale der Neoklassik und Postwachstumsökonomie
3.1. Merkmale der Neoklassik
3.2. Merkmale der Postwachstumsökonomie
3.3. Gegenüberstellung: Neoklassik und Postwachstumsökonomie
4. Merkmale der Neoklassik in den Lernfeldern des Industriekaufmanns
5. Vorschläge für Ergänzungen/ Erweiterung der geeigneten Lernfelder
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Lernfelder des Rahmenlehrplans für Industriekaufleute neoklassische Merkmale enthalten, die kritisch im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) zu betrachten sind, und entwickelt Vorschläge für eine Integration postwachstumsökonomischer Aspekte.
- Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) in der beruflichen Bildung
- Charakterisierung neoklassischer Wachstumsmerkmale
- Kritische Analyse der Postwachstumsökonomie
- Analyse des Rahmenlehrplans für Industriekaufleute
- Konkrete Vorschläge zur Lehrplan-Umgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.1. Merkmale der Neoklassik
Um die wirtschaftswachstumsbezogenen Merkmale der Neoklassik zu charakterisieren, muss zunächst geklärt werden, was unter Wirtschaftswachstum und Neoklassik verstanden wird.
Wirtschaftswachstum wird als die positive Veränderung der Summe der produzierten Güter und Dienstleistungen innerhalb einer Volkswirtschaft in einer Periode im Vergleich zu der vorherigen Periode definiert.15
Die Neoklassik, im Sinne der Wirtschaft, bezeichnet eine Modelltheorie der Wachstumstheorien mit dem Ziel des langfristigen und stabilen Wirtschaftswachstums. Das Modell beruht auf der Annahme der vollkommenen Konkurrenz zwischen Unternehmen und dem stetigem Ziel der Unternehmen nach Gewinnmaximierung. Der Fokus der Theorie liegt dabei auf der Angebotsseite, also der privaten Investitionen von Unternehmen und deren Produktion von Gütern und Dienstleistungen.16
Wirtschaftswachstum wird in der Neoklassik als die Überwindung von Knappheit an Gütern und Dienstleistungen durch mehr Konsum, also Kauf von Gütern und Dienstleistungen, gesehen. 17 Wirtschaftswachstum wird in der Neoklassik als Möglichkeit identifiziert, die Einkommen der „Wirtschaftssubjekte“ (private Verbraucher, Staat, Ausland und Unternehmen) zu steigern und damit mehr Konsum zu ermöglichen. 18 Grundannahme ist dabei ein unendlicher Bedarf der Wirtschaftssubjekte nach Gütern und Dienstleistungen ohne Sättigung. Sättigung wird durch technische Innovationen und die damit verbundene Effizienzsteigerung, ständigem Bevölkerungswachstum und/oder Einkommenssteigerungen der Wirtschaftssubjekte überwunden. Als Voraussetzung und Antreiber für Wachstum gelten private Investitionen, Bevölkerungswachstum und technischer Fortschritt.19
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Bildung für nachhaltige Entwicklung ein und begründet die Notwendigkeit der Untersuchung des Ausbildungsberufes Industriekaufmann.
1.1. Zielstellung: Das Ziel dieser Arbeit ist die Identifikation von Neoklassik-Merkmalen in den Lernfeldern des Industriekaufmanns sowie das Erarbeiten von Erweiterungsvorschlägen im Sinne der Postwachstumsökonomie.
1.2. Aufbau und Methodik: Der methodische Ansatz umfasst eine theoretische Charakterisierung der Neoklassik und Postwachstumsökonomie, deren Gegenüberstellung sowie die anschließende Analyse des Rahmenlehrplans.
2. Bildung für nachhaltige Entwicklung: Dieses Kapitel definiert BnE als Werkzeug für zukunftsfähiges Handeln und problematisiert den wissenschaftlichen Diskurs um den Kern der BnE.
3.wirtschaftswachstumsbezogene Merkmale der Neoklassik und Postwachstumsökonomie: Hier erfolgt die notwendige theoretische Grundlegung für den Vergleich der unterschiedlichen ökonomischen Wachstumsverständnisse.
3.1. Merkmale der Neoklassik: Die Neoklassik wird als Modelltheorie mit dem Ziel stetigen Wachstums durch Investitionen und Konsum charakterisiert.
3.2. Merkmale der Postwachstumsökonomie: Dieses Kapitel stellt die ökologische und verschuldungsorientierte Kritik am permanenten Wachstumsgedanken dar.
3.3. Gegenüberstellung: Neoklassik und Postwachstumsökonomie: Eine tabellarische Gegenüberstellung verdeutlicht die unterschiedlichen ökonomischen Kernannahmen der beiden Theorien.
4. Merkmale der Neoklassik in den Lernfeldern des Industriekaufmanns: Die Analyse des Rahmenlehrplans zeigt auf, in welchen Lernfeldern neoklassische Wachstumsprämissen explizit oder implizit enthalten sind.
5. Vorschläge für Ergänzungen/ Erweiterung der geeigneten Lernfelder: Basierend auf der Analyse werden konkrete Ergänzungsvorschläge für die Lernfelder 9 und 12 formuliert.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse, reflektiert die methodische Herangehensweise und zeigt Grenzen sowie künftige Forschungsmöglichkeiten auf.
Schlüsselwörter
Bildung für nachhaltige Entwicklung, BnE, Neoklassik, Postwachstumsökonomie, Wirtschaftswachstum, Industriekaufmann, Rahmenlehrplan, Nachhaltigkeit, Gewinnmaximierung, Ressourcenverbrauch, Konjunkturpolitik, berufliche Bildung, Lernfelder, stetiges Wachstum, ökologische Grenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, inwieweit neoklassische Wirtschaftsvorstellungen im Ausbildungsberuf Industriekaufmann verankert sind, und schlägt Wege vor, diese durch postwachstumsökonomische Inhalte zu ergänzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE), die Gegenüberstellung von neoklassischer Theorie und Postwachstumsökonomie sowie die didaktische Analyse des Rahmenlehrplans für Industriekaufleute.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: „Welche Lernfelder des Rahmenlehrplans des Industriekaufmanns können mit Merkmalen der Postwachstumsökonomie erweitert, bzw. verändert werden, für eine nachhaltige berufliche Bildung?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Methode stützt sich auf eine theoretische Charakterisierung, eine tabellarische Gegenüberstellung von Wachstumsmodellen sowie eine anschließende inhaltliche Analyse der Lernfelder des Rahmenlehrplans.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die wirtschaftswachstumsbezogenen Merkmale der Neoklassik und Postwachstumsökonomie definiert, verglichen und anschließend zur Untersuchung des offiziellen Rahmenlehrplans für Industriekaufleute genutzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE), Neoklassik, Postwachstumsökonomie, Wirtschaftswachstum, Industriekaufmann und Lernfeldorientierung.
Warum wird gerade der Industriekaufmann untersucht?
Der Industriekaufmann ist ein zentraler Beruf in Unternehmen, da Absolventen häufig in Entscheidungspositionen aufsteigen; eine frühzeitige Ausbildung im Sinne der BnE hat daher hohe Hebelwirkung für nachhaltigeres unternehmerisches Handeln.
Welche Lernfelder des Rahmenlehrplans sind besonders relevant für die Erweiterung?
Die Analyse identifiziert insbesondere die Lernfelder 9 (Investition und Finanzierung) und 12 (Projektarbeit/Konjunkturpolitik) als geeignet für eine Erweiterung bzw. kritische Ergänzung.
Sind die Vorschläge der Autorin als feste Lehrplanvorgaben zu verstehen?
Nein, die Autorin betont explizit, dass es sich um erste Vorschläge handelt, die einen Diskussionsbeitrag zur Umgestaltung leisten sollen und keinen verbindlichen Charakter haben.
Welche theoretische Schwäche benennt die Autorin selbst?
Die Autorin weist darauf hin, dass die Stützung auf das Werk von Majer (1998) als primäre Quelle zur Wirtschaftswachstumstheorie als Schwäche der Arbeit gewertet werden kann, da aktuellere Literatur zur umfassenden Darstellung des Themas kaum verfügbar war.
- Arbeit zitieren
- Jonas Lichtl (Autor:in), 2019, Merkmale der Neoklassik und der Postwachstumsökonomie. Änderungsbedarf in den Lernfeldern des Industriekaufmanns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254165