Diese Untersuchung beschäftigt sich im Folgenden mit dem zwischen CDU, SPD und FDP geschlossenen Koalitionsvertrag. Es soll untersucht werden, wie sich die sozioökonomische Konfliktlinie zwischen Arbeit und Kapital, hier verstanden als der Konflikt zwischen sozialstaatlichen und wirtschafts(neo-)liberalen Denkweisen der Parteien im Koalitionspapier niederschlägt, und wo in diesem Spannungsfeld der Vertrag zu verorten ist. Der Untersuchung zugrunde liegt eine zwischen April und Juli 2021 durchgeführte Wahlprogrammanalyse welche von meinen Projektpartnerinnen und mir durchgeführt wurde. Die Wahlprogrammanalyse stellte sich dieselbe Forschungsfrage und und traf eine Aussage über mögliche Koalitionen auf Grundlage der Koalitionstheorie der minimalen ideologischen Spannweite.
Ausgehend von den Ergebnissen und der Methodik der Wahlprogrammanalyse soll in dieser Untersuchung der Koalitionsvertrag ebenfalls ideologisch verortet und vergleichend zu den Ergebnissen der Wahlprogrammanalyse untersucht werden. Dabei wird die These vertreten, dass sich die CDU aufgrund ihres sehr guten Wahlergebnisses und der damit einhergehenden Ressortmehrheit in den Koalitionsverhandlungen stärker durchsetzen konnte als die beiden kleinen Koalitionspartner SPD und FDP. Dabei wird wie folgt vorgegangen. Zunächst soll ein kurzer Überblick über die Ergebnisse der der Wahl, und die Ressortzuteilung gegeben werden.
Im Anschluss daran, soll kurz auf Koalitionstheorie eingegangen werden. Auch soll knapp auf die Ergebnisse der besagten Wahlprogrammanalyse Bezug genommen werden, sowie auf die Kompetenzen einer Landesregierung. Im Anschluss an diese Bestandsaufnahme wird die Methodik der Untersuchung vorgestellt und der Forschungsprozess offengelegt, um dann darauf Folgend die Ergebnisse dieser Untersuchung vorzustellen und auszuwerten. Geschlossen wird die Untersuchung mit einem Fazit. Da die Stoßrichtung dieser Untersuchung eng mit der vorangegangenen Wahlprogrammanalyse verbunden ist, sind die Arbeiten vom Aufbau und der Herangehensweise fast identisch miteinander. Alle zugehörigen Tabellen und Codelisten sind dem Anhang zu entnehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
2. Grundlagen der Koalitionstheorie
2.1 Erkenntnisse der Wahlprogrammanalyse
2.2 Kompetenzen der Länder in der Bundesrepublik
2.3 Das Wahlergebnis und dessen mögliche Folgen für die Koalitionsverhandlungen
3. Fallauswahl und Untersuchungsdesign
3.1 Material
3.2 Untersuchungsdesign und Methodik
3.3 Das Kategoriensystem:
3.4 Erstellung der Skala und Auswertung mit dieser
4. Auswertung der Ergebnisse:
4.1 Sozialpolitik:
4.2 Wirtschaftspolitik:
4.3 Familien- und Gesellschaftspolitik:
4.4 Gesundheitspolitik:
4.5 Bildungspolitik:
4.6 Arbeitsmarktpolitik:
4.7 Andere Politikfelder:
5. Schlussbetrachtung:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Koalitionsvertrag der Landesregierung von Sachsen-Anhalt (Legislaturperiode 2021-2026) in Hinblick auf die Verortung der darin enthaltenen Ansätze auf der sozioökonomischen Konfliktlinie zwischen Arbeit und Kapital.
- Analyse der ideologischen Spannweite von CDU, SPD und FDP im Koalitionspapier.
- Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Quantifizierung der Ergebnisse.
- Vergleich der Vertragsergebnisse mit den vorangegangenen Wahlprogrammen der beteiligten Parteien.
- Identifikation von Koalitionseinflüssen anhand der Verschiebung politischer Positionen.
- Untersuchung der Bedeutung der SPD als Vetospieler aufgrund der notwendigen Regierungsmehrheit.
Auszug aus dem Buch
3.2 Untersuchungsdesign und Methodik
Im Folgenden soll nun ein Überblick über die methodische Herangehensweise an das Material zur Beantwortung der Forschungsfrage gegeben werden. Dabei wird auf die gewählte Methodik an sich, den allgemeinen Ablauf der Untersuchung, auf das Kategoriensystem und dessen Kodierung sowie auf die genutzte Skala zur Auswertung eingegangen. Am Ende des Kapitels werden auf die Vor- und Nachteile der angewandten Methodik reflektiert.
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und FDP wurde mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring untersucht. Die Methode der Inhaltsanalyse ist von Vorteil für diese Untersuchung, da sie durch ihr klares und systematisch-regelgeleitetes Vorgehen die Möglichkeit bietet, große Textmengen zu bearbeiten und dabei in einem höchstmöglichen Maß nachvollziehbar und objektiv zu bleiben. Durch den weitgefächerten Ansatz der Inhaltsanalyse ergibt sich die Möglichkeit, Texte auch auf sehr spezifische Thematiken hin zu untersuchen, in diesem Fall anhand der sozioökonomischen Konfliktlinie.
Im Falle dieser Untersuchung wurde sich im speziellen für die strukturierende Inhaltsanalyse Mayring entschieden. Diese bietet die Möglichkeit, den Koalitionsvertrag anhand individueller Kriterien zu untersuchen, in diesem Fall anhand der sozioökonomischen Konfliktlinie zwischen Arbeit und Kapital. Ausgehend von der Festlegung auf die strukturierende Inhaltsanalyse wurde sich für die Untersuchung im speziellen auf das weitere Vorgehen anhand der skalierenden Strukturierung entschieden. Ziel hierbei ist es, die Stellen im Koalitionsvertrag, welche mit der sozioökonomischen Konfliktlinie in Verbindung gebracht werden können, in eine Likert-Skala zu überführen. Diese soll dann in der Auswertung Aufschluss über die programmatische und ideologische Verortung des Koalitionsvertrages ermöglichen, und den Vergleich zu den Ergebnissen der Wahlprogrammanalyse zulassen. Die durch vorherige qualitative Textarbeit gewonnenen Einsichten in das Material, könne so besser und verständlicher ausgewertet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Kontext der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 und definiert das Ziel, den Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und FDP ideologisch zu verorten.
2. Grundlagen der Koalitionstheorie: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen der Koalitionsbildung ein und beleuchtet die Rolle von Wahlprogrammen sowie die Kompetenzverteilung innerhalb der föderalen Struktur.
3. Fallauswahl und Untersuchungsdesign: Hier wird der methodische Ansatz der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring vorgestellt, der zur systematischen Auswertung des Koalitionsvertrags dient.
4. Auswertung der Ergebnisse: Dieses zentrale Kapitel analysiert die verschiedenen Politikfelder auf der Likert-Skala und vergleicht die Ergebnisse mit den ursprünglichen Wahlprogrammen der Parteien.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert, inwieweit die Parteien ihre Positionen im Koalitionsvertrag verwirklichen konnten.
Schlüsselwörter
Sachsen-Anhalt, Koalitionsvertrag, Regierungsbildung, CDU, SPD, FDP, sozioökonomische Konfliktlinie, Sozialpolitik, qualitative Inhaltsanalyse, Mayring, Wahlprogrammanalyse, Koalitionstheorie, Wirtschaftspolitik, politische Ideologie, Regierungslehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert ideologisch den Koalitionsvertrag der Landesregierung von Sachsen-Anhalt für die Legislaturperiode 2021-2026 unter Berücksichtigung der sozioökonomischen Konfliktlinien.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse bearbeitet?
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf die Politikfelder Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik, Familien- und Gesellschaftspolitik, Gesundheitspolitik, Bildungspolitik sowie Arbeitsmarktpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die ideologische Verortung des Koalitionspapiers in einem Spannungsfeld zwischen sozialstaatlichen und wirtschaftsliberalen Denkweisen sowie der Vergleich mit den Wahlprogrammen der Parteien.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin oder der Autor verwendet die strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, ergänzt durch eine Skalierung (Likert-Skala) zur quantitativen Messbarkeit der Ergebnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung, das Kategoriensystem zur Textcodierung und die detaillierte Auswertung der einzelnen Politikbereiche sowie deren Ergebnisse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Schlüsselbegriffen gehören die Koalitionstheorie der minimalen ideologischen Spannweite, Politiksuche, Regierungsmacht und die sozioökonomische Konfliktlinie zwischen Arbeit und Kapital.
Welchen Einfluss hatte die SPD laut der Analyse auf den Koalitionsvertrag?
Die Analyse legt nahe, dass die SPD aufgrund ihrer notwendigen Stimmen für eine stabile Mehrheit als Vetospieler fungierte und ihre sozialstaatlichen Positionen besonders in Kernbereichen wie der Sozial- und Gesundheitspolitik gut einbringen konnte.
Wie positioniert sich die FDP innerhalb der "Deutschland-Koalition"?
Der FDP gelingt es zwar weniger stark als der SPD, ihre wirtschaftsliberalen Vorstellungen im großen Maßstab durchzusetzen, sie kann jedoch spezifische Interessen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung, erfolgreich im Vertrag verankern.
- Quote paper
- Paul Hempfling (Author), 2022, Der Koalitionsvertrag der CDU, SPD und FDP in Sachsen-Anhalt. Sozioökonomische Konfliktlinie zwischen Arbeit und Kapital, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1256802