Vollständiges Kompendium der rhetorischen Mittel, Stilfiguren und Tropen für Oberstufenschüler und Studienanfänger


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009

41 Seiten


Leseprobe

Vollständiges Kompendium der rhetorischen Mittel, Stilfiguren und Tropen

für Oberstufenschüler und Studienanfänger

zusammengestellt von Gerd Berner, M.A., StD a.D.

Bezeichnung, Erklärung, Beispiele, Verfasser

Akkumulation: lat. accumulatio; syndetische oder asyndetische Anhäufung von Einzelbegriffen, der Oberbegriff kann vor- oder nachgestellt, aber auch weggelassen sein, eine Aussage wird über das zur Verständigung Nötige hinaus kunstvoll erweitert

- Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt’ und Felder, es ruht die ganze Welt ( Ger)
- ugs. Feld, Wald, Wiesen waren überflutet
- Wer zählt die Völker, nennt die Namen,/ Die gastlich hier zusammenkamen?/ Von Theseus’ Stadt, von Aulis’ Strand,/ Von Phokis, vom Spartanerland,/ Von Asiens entlegner Küste,/ Von allen Inseln kamen sie/ Und horchen von dem Schaugerüste/ Des Chores grauser Melodie ( Schi)
- in den „Ideen. Das Buch Le Grand“ geht des Nachts „der Spektakel erst recht los, in meinem Kopf gibt’s dann einen Kongress von allen Völkern der Gegenwart und Vergangenheit, es kommen die Assyrer, Ägypter, Meder, Perser, Hebräer, Philister, Frankfurter, Babylonier, Karthager, Berliner, Römer, Spartaner, Türken, Kümmeltürken – Madame, es wäre zu weitläufig, wenn ich Ihnen all diese Völker beschreiben wollte, lesen Sie nur den Herodot, den Livius, die Haude- und Spenersche Zei-tung, den Curtius, den Cornelius Nepos, den „Gesellschafter“ – Ich will unterdessen frühstücken.“ (Hei)
- Ein Wort – ein Glanz, ein Flug, ein Feuer,/ ein Flammenwurf, ein Sternenstrich -/ und wieder Dunkel, ungeheuer,/ im leeren Raum um Welt und Ich ( Ben): hier steigern sich die asyndetisch gereihten Glie-der der Akkumulation zur Klimax

Akrostichon: gr.; die Initialen eines Satzes ergeben hintereinander gelesen einen Sinn oder ein Wort oder eine Reihenfolge - Mein Vater erklärt mir sonntags unseren Namen. ( Anfangsbuchstaben ergeben Planeten um Sonne)

- Des Krieges Buchstaben: Kummer, der das Mark verzehret,/ Raub, der Hab und Gut verheeret,/

Jammer, der den Sinn verkehret,/ Elend, das den Leib beschweret,/ Grausamkeit, die Unrecht fähret:/ Sind die Frucht, die Krieg gewähret ( Log)

- ugs. Blaue Jeans nur bei leichtem Sprühregen waschen ( die ostfriesischen Inseln von West nach Ost)

- G DIETERICH T I ist ein mhd. Akrostichen und nennt mit den Anfangsbuchstaben des ersten Wortes im strophigen Prolog ( Vers 1 – 45) den Verfasser ( Gottfried von Straßburg), den Titel ( Tri-stan und Isolde) und mit Dieterich den Namen dessen, dem dieser Versroman gewidmet ist ( Gottfried

von Straßburg)

- in dem Kirchenlied „Befiehl du deine Wege“ hat Paul Gerhard als Akrostichon einen Psalmenvers genommen: Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen ( Ps. 37, 5)

- der barocke Dichter Paul Fleming hat in einigen seiner Gedichte die Worte so gewählt, dass durch den jeweils ersten Buchstaben jeder Strophe der Mädchenname Elsgen gebildet wird, so in: Ein getreues Hertze wissen/ hat deß höchsten Schatzes Preiß; in: Erbarme du dich meiner Quahlen/ du dicker wüster Heyn. – die Angebeteten wechseln, andere Akrosticha in den „Oden“ ergeben Elsabe und Anna, letztere hat er dann ein Jahr nach der Verlobung schon zur Witwe gemacht

Allegorie: gr. Adv. álle: auf andere Weise, allegoréo: bildlich reden; ein durch ein Konkretum substi-tuiertes Abstraktum; im Barock, heute kaum noch verwendet. Nach Bussmann ( Lexikon der Sprach-wissenschaft) ist Allegorie „die Metaphorisierung eines ganzen Textes bzw. Sachverhalts mittels einer und derselben Bildsphäre, z.B. die Darstellung der Staats- oder Lebensführung im Bildfeld der Schiff-fahrt.“ ( Kröner, Bd. 452) ( vgl. meine ausführlichen Erläuterungen zu Allegorie und Symbol und wes-halb ich die Bezeichnung im Unterricht nicht verwendet habe)

Alliteration: lat. littera: Buchstabe; gleicher konsonantischer Anlaut in einer Wortfolge, im Gegensatz zum Mittel- und Endreim auch Anreim genannt

- bên zi bêna, bluot zi bluota, lid zi geliden ( 2. Merseburger Zauberspruch)
- Winterwinde wichen dem Wonnemond ( Wag)
- Komm, Kühle, komm, küsse den Kummer/ Süß säuselnd von sinnender Stirn! ( Bren)
- Stock, der du gewesen, steh doch wieder still! ( Goe)
- Waffenlos bin ich, dem wunden Gast/ Wird dein Gatte nicht wehren. ( Wag)
- ugs. Zwischen zwei Zwetschenzweigen zwitschern zwei Zwerge.
- porta patent: proficiscere! ( Cic), übers.: die Tore stehen offen: Geh!
- Leise zieht durch mein Gemüt/ Liebliches Geläute./ Klinge, kleines Frühlingslied,/ Kling hinaus ins Weite.// Kling hinaus, bis an das Haus,/ Wo die Blumen sprießen./ Wenn du eine Rose schaust,/ Sag, ich lass sie grüßen. ( viermal alliteriert das l, viermal das kl in Heines Gedicht von 1830)
- Wenn das Volk, das drohnenträge,/ trabt den altvertrauten Trott,/ möchte ich weiße Wanderwege/ wallen durch das Duftgehege/ ernst und einsam wie ein Gott ( Ril)
- Von Harburg fuhr ich in einer Stund/ Nach Hamburg. Es war schon Abend./ Die Sterne am Himmel grüßten mich,/ Die Luft war lind und labend ( Hei)
- ugs. über Stock und Stein, mit Kind und Kegel, mit Mann und Maus, bei Wind und Wetter
- Sister Susie’s sewing socks for soldiers
- als Buchtitel: Götter, Gräber und Gelehrte; als Slogan: Titel, Thesen, Temperamente
- ugs. Milch macht müde Männer munter

Allusion: lat. ad + ludere: an + spielen; eine Anspielung auf künstlerische Werke, Personen oder historische, oft zeitgeschichtliche Ereignisse, von daher sehr stark situationsgebunden, zu ihrer Wirkung setzt sie das mitwissende Verständnis der Rezipienten voraus

Emilia Galotti: Ehedem wohl gab es einen Vater, der seine Tochter vor der Schande zu retten, ihr den ersten den besten Stahl in das Herz senkte – ihr zum zweiten Male das Leben gab. Aber alle solche Taten sind von ehedem! Solcher Väter gibt es keinen mehr! / Odoardo: Doch, meine Tochter, doch! Indem er sie durchsticht. Gott, was hab’ ich getan! --- ( Les), i.e. Emilia erinnert ihren Vater an das Schicksal der römischen Virginia, die von ihrem Vater erstochen wurde, um sie vor der Entehrung durch den Decemvir Appius Claudius zu bewahren;

eine solche Anspielung wurde 1772 noch verstanden, aber das ist schon eine neue Allusion ( !!!)

- ugs. Es weiß ja wohl jeder, was hier gemeint ist!
- ugs. und zeitgebunden: Eisbär, Robbe und Co, die polaren Sympathieträger ( Die Zeit Nr. 17, 2008)
- Habt ihr nicht nachts zuweilen Träume, die euch vor den kleinsten, windigsten Würmern warnen, die ihr des Tags zufällig kriechen gesehen? Ängstigt euch nicht! Ich scherze nur, ihr seid ganz sicher. … Seid auch außer Sorge in betreff der kleinen Narren, die euch zuweilen mit bedenklichen Späßen umgaukeln. Der große Narr schützt euch vor den kleinen. Der große Narr ist ein sehr großer Narr, riesengroß, und er nennt sich deutsches Volk. Oh, das ist ein sehr großer Narr! Seine buntscheckige Jacke besteht aus sechsunddreißig Flicken. An seiner Kappe hängen, statt der Schellen, lauter zent-nerschwere Kirchenglocken. ( Hei), i.e. Heine spielt hier auf die Staaten des Deutschen Bundes und das von ihnen praktizierte Bündnis von Thron und Altar an.
- Egon Erwin Kisch bei der Betrachtung einer Schaufensteruhr in der Prager Altstadt: Aber nicht nur die Längengrade und die Himmelsrichtung entscheiden die Stunde – wenn du die All-Uhr nicht nur mit Auge und Ohr betrachtest, sondern auch mit Hirn und Herz, so merkst du das schon. Sieh das Uhr-werk! Es ist das gleiche für alle Zifferblätter, eine Kraft bewegt die Zeiger, eine Kraft bestimmt die Stunde. Und überall wird einmal die gleiche Stunde schlagen. Uhren aller Länder, vereinigt euch! (Kis)
- eine ganz deutliche Allusion verwendet Alfred Lichtenstein in seinen „Gesängen auf Berlin“, wenn er seine Verbundenheit mit dieser Großstadt so ausdrückt: In fremden Städten treib ich ohne Ruder./ Hohl sind die fremden Tage und wie Kreide./ Du, mein Berlin, du Opiumrausch, du Luder./ Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide. – er verweist hier auf die Mignon aus Goethes „Wilhelm Meister“ mit ihrer unstillbaren Sehnsucht nach dem „Land, wo die Zitronen blühn“ ( auch eine Allusion!)
- „Carmenia“, der von CNN ausgestrahlte Werbespot für Urlaub in Armenien spielt mit dem lat. carmen, inis n
- ugs. sein Waterloo erleben, einen Gang nach Canossa tun, ausgehen wie das Hornberger Schießen
Amplifikation: lat. Vergrößerung, Steigerung; eine rein umfangreichere Erweiterung eines Gedankens durch detaillierte Ausführung über das zum Verständnis Nötige hinaus, ist oft eine überflüssige Aufbauschung oder inhaltlich nicht notwendige Häufung, auch Congéries genannt
- verdammter Zorn, … du schwächst den Leib, benimmst die Kräften, kürzest ab das Leben, verur-sachest Krankheiten, erweckest Gallfluß, quälest mit Podagra … ( Clem )
- Ein altes Eisen, zu was taugt es? An einigen Stellen ist es bereits durchgerostet, es glänzt nicht mehr, seine geschmiedete Stärke ist dahin, es hat hässliche Schrunden. Für die Funktion, die es einst innehatte, ist es nicht mehr brauchbar. Es gehört auf den Schrottplatz. Geht es den „alten Eisen“ unter den Menschen heute ähnlich? ( Christa Meves)

Anadiplóse: gr. anadíplosis: Verdoppelung; Wiederholung des letzten Wortes e. Satzes/ Zeile am Anfang des( r) folgenden Satzes/ Zeile

- Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen,/ Wind und Wellen nicht mit seinem Herzen ( Goe)
- Nicht der Frühling kann dir geben,/ geben musst dem Frühling du ( Rü)
- Quámvis súnt sub aquá,/ sub aquá maledícere témptant ( Ov)
- Ob sie die Flut auch bedeckt,/ auch bedeckt noch schimpfen sie klecklich ( übers. v. J.H.Voß)
- Sein Mantel war aus Eisen,/ Aus Eisen sein Habit ( Ha)
- Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt/ der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarethe ( Cel)
- ugs. Wenn Sie jetzt nichts tun, tun Sie genau das Richtige
- Deiphobon videt lacerum crudeliter ora/ ora manusque ambas, übers.: er sah den Deiphobos grau-sam verstümmelt im Gesicht,/ im Gesicht und an beiden Händen

Anagramm: gr.; Wortumbildung durch Wort- oder Silbenumstellung ( Permutation), für Wortspiele

oder Pseudonyme benutzt, auch Gebrauch eines anderen Namens anstelle des eigenen, so : Novalis für: Friedrich von Hardenberg, Jeremias Gotthelf für: Albert Bitzius, Peilkarastres für den barocken Dichter Kaspar Stieler oder der von Nietzsche „ein Verhängnis im Schlafrock“ genannte Jean Paul für: Johann Paul Friedrich Richter, nicht entschlüsselt ist bisher der Verfassername der 1804 er-schienenen Nachtwachen des Bonaventura, das Anagramm „Celan“ steht für den Lyriker Paul Antschel, dessen Name in Ancel rumänisiert wurde; auch der Autorname Ceram ist ein Anagramm, der DDR-Autor Kurt Bartels nannte sich Kuba, Jakob van Hoddis hat seinen Nachnamen anagrammatisch aus seinem Geburtsnamen Davidsohn gebildet; Arno Schmidt verrätselte sich zu Dr. Mac Intosh; mehr zu Anonymen und Pseudonymen haben Holzmann/ Bohatta, H. Gültig und G. Schneider veröffentlicht

- Pamela Anderson = das Paar Melonen oder: Damenpo Arsenal
- Adolf Hitler = Folterhilda

Anakolúth: gr. an-akóluthos: nicht folgerichtig; eine Unfolge in der Satzführung, ein Herausfallen aus der Bauart des Satzanfanges, die Satzkonstruktion wird anders als begonnen fortgeführt, auch als absoluter Nominativ bezeichnet: ein im Nominativ stehender prädikatloser, vorausgenommener und pronominal wieder aufgenommener Satzteil oder Kasus

- Der Prinz vom Homburg, unsrer tapfrer Vetter,/ Befehl ward ihm von dir ( Kle)
- Deine Mutter glaubt nie, dass du vielleicht erwachsen bist und kannst allein für dich aufkommen (Jo)
- Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reißend,/ Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust ( Kle)
- Den du nicht verlässest, Genius,/ Wirst ihn heben übern Schlammpfad/ mit den Feuerflügeln…// Den du nicht verlässest, Genius,/ Wirst die wollnen Flügel unterspreiten,/ Wenn er auf dem Felsen schläft ( Goe)
- ugs. es geschieht oft, dass, je freundlicher man ist, nur Undank wird einem zuteil
- ugs. der Mensch, ich kenne ihn nicht
- ugs. sind auch die mit weil eingeleiteten Gliedsätze in Hauptsatzform: weil das ist nun wirklich ein schlechtes Deutsch

Anápher: gr. anaphora: Wiederholung, lat. repetitio; Wiederholung des Anfangswortes in aufeinander folgenden Sätzen oder Zeilen - - Wer nie sein Brot mit Tränen aß,/ Wer nie die kummervollen Nächte/ Auf seinem Bette weinend saß,/ der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte! ( Goe)

- Lies keine oden, mein sohn, lies die fahrpläne:/ sie sind genauer ( Enz)
- Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,/ Netzt’ ihm den nackten Fuß ( Goe)
- O Mutter, was ist Seligkeit?/ O Mutter, was ist Hölle? ( Bür)
- Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?/ Was ist die Welt und ihre ganze Pracht? ( Gry)
- Wo ist denn nun mein Ehrgeiz hin?/ Wo sind die flüchtigen Gedanken? ( Gün)
- Ja, da kann man sich doch nur hinlegen./ Ja, da muss man kalt und herzlos sein./ Ja, da könnte so viel geschehen./ Ach, da gibt’s überhaupt nur: nein! ( Bre)
- Scipio hat Numantia vernichtet, Scipio Karthago zerstört, Scipio hat Frieden gebracht ( Cic)
- Oder zeigt mir das Ding in der Welt, das schöner ist, als Wolken sind! Sie sind Spiel und Augentrost, sie sind zart, weich und friedlich wie die Seelen von Neugeborenen, sie sind schön, reich und sprechend wie gute Engel, sie sind dunkel, unentrinnbar und schonungslos wie die Sendboten des Todes. Sie schweben silbern in dünner Schicht, sie segeln lächelnd weiß mit goldenem Rand, sie stehen rastend in gelben, roten und bläulichen Farben. Sie schleichen finster und langsam wie Mörder, sie jagen sausend kopfüber wie rasende Reiter, sie hängen traurig und träumend in bleichen Höhen wie schwermütige Einsiedler ( Hes)
- Lerne das Einfachste! Für die,/ Deren Zeit gekommen ist,/ Ist es nie zu spät!/ … Du musst die Führung übernehmen./ Lerne, Mann im Asyl!/ Lerne, Mann im Gefängnis!/ … Du musst die Führung übernehmen./ Scheue dich nicht zu fragen, Genosse!/ Lass dir nichts einreden,/ Sieh selber nach! … Du musst die Führung übernehmen ( Bre)
- Die Krähen schrein/ Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:/ Bald wird es schnein - / Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat! ( der zur Winter-Wanderschaft verfluchte Narr muß dann eingestehen in der letzten Strophe:) Die Krähen schrein/ Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:/ - Bald wird es schnein,/ Weh dem, der keine Heimat hat! ( Nie)
- ich spreche von euerm nicht,/ ich spreche vom ende der eulen ( Enz) - Ein Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang. Ein Orkan, das war das Schreien und Weinen im Dunkel unter Deck und der saure Gestank des Erbrochenen. Das war ein Hund, der in den Sturzseen toll wurde und einem Matrosen die Sehnen zerriß. Über der Wunde schloß sich die Gischt. Ein Orkan, das war die Reise nach Tomi. ( Rans)
- Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,/ Wir weben emsig Tag und Nacht - / Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,/ Wir weben hinein den dreifachen Fluch./ Wir weben, wir weben! ( Hei)

Anástrophe: gr. anastrépho: umwenden; Umkehrung, auch : Hypérbaton, lat. inversio genannt,

emphatische Umstellung eines Wortes aus seiner ursprünglichen Position, oft anstelle des Adjektiv-attributes vor dem Nomen hinter das zugehörende Substantiv gestellt

- Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden ( Goe)
- Brüderlein fein ( Volkslied)
- Und als die Zeit erfüllet/ des alten Helden war,/ lag einst, schlicht eingehüllet,/ Hans Zieten, der Husar./ Wie selber er genommen/ die Feinde stets im Husch,/ so war der Tod gekommen -/ wie Zieten aus dem Busch ( Fon)

Annominátio: Wortspiel aus der Lautähnlichkeit zweier Wörter oder der Ähnlichkeit e i n e s Lau-tes in zwei Wörtern, siehe Paronomasíe

Anthropomorphisíerung: gr. ánthropos: Mensch + morphé: Gestalt; Vermenschlichung

siehe Personifikation

- „im Himmel einen Platz“ hat er sich mal gewünscht, Günter Grass „rieb“ ihm im Juni 2008 „drei Tröpfchen Grappa“ auf „die Stirn“ und personifizierte in „Verwaiste Reime. Peter Rühmkorf nachge-rufen“ den, der ihn holte, so: Wir hatten den Tod erwartet./ Er ließ mit sich reden, war nachts/ woanders geschäftig, trat gegen Mittag ein,/ schattenlos aus der Helle kommend:/ der verlässliche Gast ( Gra)

Antiklímax: gr. antí: gegen + klímax: Leiter, Treppe; Gradation ( Stufenfolge) nach unten

- Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen ( Goe)
- Und um den Papst zirkulieren die Kardinäle./ Und um die Kardinäle zirkulieren die Bischöfe usw. über Sekretäre, Stadtschöffen, Handwerker, Dienstleute, Hunde, Hühner bis zu den Bettlern ( Bre)
- Doch will ich mein Maul frei auftun, es verdrieße Papst, Bischof oder wen es will ( Lu)
- Auf dem Throne, im Palaste, in der Hütte ( Bür)
- Urahne, Großmutter, Mutter und Kind ( Schw)
- Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten ( Bre)
- „ Zollsekretär – jawoll! - - Aber ein Zigarrenmacher, ein Sozi, ein Roter, ein Knallroter sogar … puh! Ich werde das künftig noch lauter betonen!“ ( Bredel)
- in „Abu Telfan“ ist Leonhard Hagebucher nach zwölfjähriger Gefangenschaft aus dem afrikanischen Tumurkieland in sein Heimatdorf zurückgekehrt: … er war fremd geworden in der Zivilisation, in Europa, in Deutschland, in Nippenburg und Bumsdorf ( Raa)

Antíquitas: siehe Archaísmus

Antithése: gr. antí + tithesis: Gegensetzung; Gegenüberstellung entgegengesetzter Begriffe in einem Satz

- Was dieser heute baut,/ reißt jener morgen ein;/ Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein,/ Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden ( Gry)
- Faust: Nun gut, wer bist du denn? Mephistopheles: Ein Teil von jener Kraft,/ Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Faust: Was ist mit diesem Rätselwort gemeint? Mephistopheles: Ich bin der Geist, der stets verneint! ( Goe)
- Der Tod, das ist die kühle Nacht,/ das Leben ist der schwüle Tag ( Hei)
- Und eh du förder gehst, so geh in dich zurück ( Fle)
- Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden ( Gry)
- Wir Modernen, wir gehen erschüttert, gerührt aus dem Schauspiel,/ Mit erleichterter Brust hüpft der Grieche heraus ( Goe)
- Marx war kein Gott … Aber er war ein Denker. ( Mehring)
- Ungeachtet der scheinbaren Eintönigkeit gab es dennoch in unserer Bürgerschaft Böse und Gute, Vornehme und Geringe, Mächtige und Niedrige und neben manchen Klugen eine ergötzliche Samm-lung von Narren ( Hes)
- Jeder Reichtum weckt Neid, das Werdende, Lebendige den Haß des Untergehenden, Überlebten. Gegen die Freiheit der Völker steht die Drohung des Atomtodes, gegen die Freiheit des Schöpfe-rischen heulen die kleinen, ganz kleinen Geister, heult die Journaille des Dollars wie ein Wolfsrudel in ohnmächtigem Zorn. Denn seit je bäumt sich das Alte, Sterbende auf, wo immer das neue Leben sich in all seiner Fülle und Vielfalt zeigt ( Dieter Noll)
- Wenn er aufhört, über uns Lügen zu verbreiten, werden wir aufhören, über ihn die Wahrheit zu verbreiten ( Harold Wilson)
- Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang ( Schi)
- Es gibt zwei Sorten von Ratten:/ Die hungrigen und die satten./ Die satten bleiben vergnügt zu Haus,/ Die hungrigen aber wandern aus.// … Gar manche ersäuft oder bricht das Genick,/ Die lebenden lassen die toten zurück ( Hei)
- Ja, ein Messer, aber nicht für die arme Hure! Was tat sie? Nichts! Ihr Hunger hurt und bettelt. Ein Messer für die Leute, die das Fleisch unserer Weiber und Töchter kaufen. Weh über die, so mit den Töchtern des Volkes huren! Ihr habt Kollern im Leib, und sie haben Magendrücken; ihr habt Löcher in den Jacken, und sie haben warme Röcke; ihr habt Schwielen in den Fäusten, und sie haben Samthände. Ergo, ihr arbeitet, und sie tun nichts; ergo, ihr habt’s erworben, und sie haben’s gestohlen; ergo, wenn ihr von eurem gestohlnen Eigentum ein paar Heller wiederhaben wollt, müsst ihr huren und betteln; ergo, sie sind Spitzbuben, und man muß sie totschlagen! ( Büch)
- ugs. jung und alt, Himmel und Hölle, gut und böse, auf und ab

Antonomasíe: gr. antí + ónoma: Name, Umbenennung; ein Eigenname steht für den Gattungsnamen oder umgekehrt, der metonymische Ausdrucksersatz kann auch in Sonderformen auftreten, nämlich:

als Patronymikon: der Pelide = Achilleus, der Sohn des Peleus, oder der Laertiade = Odysseus, der Sohn des Laertes; des weiteren als Ethnikon ( die Volkszugehörigkeit aufzeigend): der Korse = Napoleon I., ebenso:

General Wellington rief 1815 vor der Schlacht bei Belle Alliance ( Waterloo): Ich wollte, es wäre Nacht, oder die Preußen kämen – er meinte den Marschall Vorwärts, Gebhard Leberecht von Blücher; auch eine herausragende Eigenschaft kann metonymisieren: der Soldatenkönig für: Friedrich I. von Preu-ßen, der Auferstandene für: Christus, der Walzerkönig für: J. Strauß, Judas für: Verräter, Casanova für: Frauenheld, der Schwarze Schwan Israels für die Lyrikerin Else Lasker-Schüler, der Dichterfürst für: Goethe, der Eiserne Kanzler für den Fürsten Bismarck, weil der den deutschen Dualismus 1864 nur mit Blut und Eisen für lösbar hielt ( warum hat man ihn nicht den blutigen genannt?) oder der Kartätschenprinz für Wilhelm, den späteren Kaiser Wilhelm I., der 1848 mit Kartätschen auf die Berliner schießen ließ, analog steht the Iron Lady für: M. Thatcher

- ugs. Demosthenes für: großer Redner, Mäzen(as) für: Kunstförderer, mit Stentorstimme für: laut, ein Herkules für: starker Mann, Xanthippe für: zänkische Frau

Aphärése: Wegnahme, Schwinden eines Vokals im Wortanlaut, Anlautschwund eines meist schwachen Vokales, ist eine Form des Metaplasmus ( Umbildung von Wortformen aus Gründen des Wohlklangs, der Metrik u.a.), siehe auch Apokope und Elision

- wie’s scheint statt: wie es scheint
- ‚s ist Krieg! ‚s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,/ Und rede du darein!/ ‚s ist leider Krieg – und ich begehre/ Nicht schuld daran zu sein! ( Claud)
- und der wilde Knabe brach ‚s Röslein auf der Heiden ( Goe)
- póscebátur humús, sed itum est ( lies: sed itúmst) in víscera térrae ( Ov)

Apokoinú: ein zu zwei Sätzen gehörender Satzteil steht ohne Bindewort in der Mitte

- alt: du bist alt bist du: alt (Enz)
- dô spranc von dem gesidele her hagene alsô sprach ( Kud)
- Dô volgeten si dem râte unt truogen für die tür/ siben tûsend tôten wurfen si darfür / vor des sales stiegen vielen si zetal./ dô huop sich von ir mâgen ein vil klagelîcher schal ( Nib, 34.Âventiure)
- Uns ist in alten maeren wunders vil geseit/ von helden lobebaeren, von grôzer arebeit,/

von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,/ von küener recken strîten muget ir nu wunder hoeren sagen ( Nibelungenlied, 1. Âventiure)

die den beiden finiten Verben in Z. 1 und Z. 4 gemeinsame ( tò koinón) adverbiale Bestimmung reicht von ‚von Helden’ bis ‚Recken Streiten’

- … ich schmeiß / dir mit Veilchen die Fenster/ ein jeder sehe wie ( Hah)
- versoffen hängt der Mond/ im Dunst/ über den Dächern der Städte/ treibt Unfrieden/ im Morgen/ schleift sein Messer/ der Horizont … noch/ hängt der Mond/ versoffen/ unter den Dächern/ erstickt/ Menschlichkeit/ in ausgerichteten Mauern ( Bernd Pol)

Apókope: gr. apokópto: abschneiden, abschlagen; Abschneidung, Wegfall eines Buchstaben am Wortende, im Lat. Elision, das Ausstoßen eines unbetonten Vokals im Wortauslaut vor einem vokalisch anlautenden Wort, um einen Hiat zu vermeiden, auch das Herausstoßen eines Vokals im Wortinneren wegen des Metrums

- ugs. wart statt: warte, häufig beim Imperativ der schwachen Verben
- da steh’ ich, oder: Verwechs’lung, oder: der mut’gen Augen lichter Schein
- auch das sprachgebrauchliche Weglassen der Dativendung -e ist eine Apokope: dem Mann statt: Manne

Aposiopése: gr. aposiópesis, zu: aposiopáo: verstummen; Verschweigen des Wichtigen unter affektbetontem Abbruch der Rede mitten im Satz

- Was? Ich? Ich hätt’ ihn-? Unter meinen Hunden-? ( Kl)
- Du willst-? Nun, sprich! Du willst-?/ Was also will ich, was ist’s, das ich so ungeheuer will?/ Du hast sie in die Schranken bloß gefordert, um ihr - - -? ( Kl)
- drei Jahre sind’s … Auf einer Hugenottenjagd …/ Ein fein, halsstarrig Weib ( Mey)
- „Mädchen“, spricht er, „sag mir, ob …“/ Und sie lächelt: „Ja, Herr Knopp!“ ( Bu)
- als Grünlich in den „Buddenbrooks“ dem Vater seines Konkurrenten mitteilt, dass sein Sohn auf Lie-bespfaden wandele, empört der sich: Was? rief der Lotsenkommandeur, indem er sich heftig auf die Armlehnen stützte und emporsprang … Da soll doch gleich … I, dat wier je denn doch woll … Und mit zwei Schritten war er an der Tür ( Man)
- Ich aber hatte Zahnweh im Herzen … Wie ein Wurm nagte das Elend in meinem Herzen und nagte … Es lag schon mit mir in der Wiege, und wenn meine Mutter mich wiegte, so wiegte sie es mit, und wenn sie mich in den Schlaf sang, so schlief es mit mir ein, und es erwachte, sobald ich wieder die Augen aufschlug. Als ich größer wurde, wuchs das Elend und wurde endlich ganz groß und zer-sprengte mein – Wir wollen von anderen Dingen sprechen, vom Jungfernkranz, von Maskenbällen … ( Hei)
- Tony Buddenbrook hat sich von dem Bierbrauer Permaneder getrennt, nachdem sie ihn ertappt hatte, wie er nach einer Zechtour der Köchin Babette nachstellte: Da aber war, zum Schlusse, ein Wort ihr nachgeklungen, ein Wort, das sie nicht wiederholen würde, das über ihre Lippen niemals kommen würde, ein Wort … ein Wort … - der Leser weiß nicht, welches Wort Tony „bis in ihr Innerstes hinein hatte erstarren lassen“, erst viel „später, auf eine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familienmitgliedern das „Wort“ bekanntgeworden, dieses desperate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Was hatte er gesagt? – „ Geh zum Deifi, Saulud’r dreckarts!“ ( Man)
- wenn es mir nicht gelingt, den Grafen augenblicklich zu entfernen: so denk’ ich – Doch, doch, ich glaube, er geht in diese Falle gewiss ( Les)
- ugs. Du wirst doch nicht … ?

Apostróphe: gr. apóstrophe: Abwendung; ein sich Abwenden von der Wirklichkeit und hinwendende Anrufung visionärer Gestalten oder Abwesender, als seien sie anwesend, i.w.S. auch jede feierliche Anrede

- Und lieben, Götter, welch ein Glück ( Goe)
- Ihr wandelt droben im Licht/ auf weichem Boden, selige Genien ( Höl)
- Tage der Wonne, kommt ihr so bald? ( Goe)
- O flammenreiche Zeit der dunk’len Frühe ( Mör)
- Fetter grüne, du Laub ( Goe) und: fließe, fließe, lieber Fluß ( Goe)
- O Täler weit, o Höhen, o schöner grüner Wald ( Eich)
- Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste ( Goe)
- Sagt an, Herr Stoc ( Walther von der Vogelweide), gemeint ist der Opferstock
- Für was hängt’s denn da droben, ihr dummen Wolken, wenn’s nicht blitzen könnt zur rechten Zeit? ( Nes)
- Denn euch, ihr Höhen und Haine von Alba, ja, euch flehe ich jetzt an ( Cic)
- Alter Freund! Immer getreuer Schlaf! Fliehst du mich auch wie die übrigen Freunde? Wie willig senktest du dich sonst auf mein freies Haupt herunter und kühltest, wie ein schöner Myrtenkranz der Liebe, meine Schläfe! ( Goe)

Archaísmus: gr. archaismos: Altertümlichkeit; Gebrauch veralteter Wörter oder Wendungen, auch: Antiquitas genannt

- Ich ästimiere das nicht ( Tor)
- der Räuber „schwingt sein Hünenschwert empor“, Nimm hier die alte Klinge!/ Sie ist der Skalden Preis./ Und fällst du, so verschlinge/ Die Flut mich armen Greis! ( Uhl)
- Das Frauenzimmer ist nie so schön als im Schlafgewand, es ist die Tracht seines Gewerbes ( Schi)
- Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele ( Lu); viele grammatikalisch korrekte Konjunktivformen werden heute für Archaismen gehalten
- Es ist besser zu wohnen im Winkel unter dem Dache denn mit einem zänkischen Weibe in einem Hause beisammen ( Sprüche Salomonis 21, 9) oder: Eine gute Botschaft aus fernen Landen ist wie kalt Wasser einer durstigen Seele ( Sprüche 25, 25) : dieses Lutherdeutsch verwendet statt der im heutigen Sprachgebrauch üblichen Präpositionalfügungen oft ein heute antiquiert klingendes Genitiv-objekt: - wie Sittah im „Nathan“: Hab ich des schönen Traums nicht gleich gelacht? ( Les) - oder Heine am Schluss der „Harzreise“:

Es ist der erste Mai, und ich denke deiner, du schöne Ilse … ich denke deiner, und ich möchte wieder zusehen, wie du leuchtend den Berg hinabläufst ( Hei)

- archaisierend wirken auch das Dativ-e und auffällige Diminutionen:
- Im echten Manne ist ein Kind versteckt; das will spielen. Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne! ( Nie)
- in „Peter Camenzind“: Da ging ein altes krummes Bäuerlein in die Kredenz, brachte einen großen Steinkrug und legte ihn der Länge nach auf den Tisch. „Ich will dir was sagen“, lachte er ( !) ( Hes) - oder: … ein Nürnberger Spießbürger, der mit weißer Nachtmütze auf dem Kopfe und weißer Ton-pfeife im Maule, am lauen Sommerabend vor seiner Haustüre saß und recht behaglich meinte, es wäre doch hübsch, wenn er nun so immer fort, ohne dass sein Pfeifchen und sein Lebensatemchen ausgingen, in die liebe Ewigkeit hineinvegetieren könnte! ( Hei)
- meisterhaft in Adrian Leverkühns Geständnis in „Doktor Faustus“: „Wißt es also, sagte der am Tische, ihr Guten und Frommen, die ihr mit euerer mäßigen Sünd in Gotes ( wieder verbesserte er sich und sagte: Gottes, kam aber dann auf die andere Form zurück) die ihr in Gotes Gnade und Nachsicht ruhet, denn ich habe es so lange bei mir verdruckt, will’s euch aber nicht länger verhalten, dass ich allbereit seit meinem einundzwanzigsten Jahr mit dem Satan verheirat bin und habe mit Wissen der Fahr, aus wohlbedachtem Mut, Stolz und Verwegenheit, weil ich in dieser Welt einen Ruhm erlangen wollte, eine Versprechung und Bündnis mit Ihm aufgerichtet, also dass alles, was ich während der Frist von vierundzwanzig Jahren vor mich gebracht, und was die Menschen mit Recht misstrauisch betrachtet, nur mit Seiner Hilf zustandkommen, und ist Teufelswerk, eingegossen vom Engel des Giftes.“ ( Man)
- ugs. wie weiland die alten Römer, Wams für: Jacke, Eidam für: Schwiegersohn, einer Sache abhold sein
- ugs. O holde Lady Di, wie ging dein Glück entzwei
Assonanz: lat. adsono: mit einstimmen; vokalischer Gleichklang in verschiedenen, i.e.S. nur in be-tonten Silben; auch: vokalischer Halbreim genannt
- Wehe, wehe, beide Teile steh’n in Eile ( Goe)
- Unter der grünen blühenden Kraft/ naschen die Bienen, summend im Saft ( Goe)
- Zu dem entschlossenen Bau schneiden sie steifer den Stein ( Ril)
- Gelassen stieg die Nacht ans Land,/ lehnt träumend an der Berge Wand ( Mör)
- Ottos Mops trotzt / otto: fort mops fort/ ottos mops hopst fort ( Jan)
- Endlich auch nach langem Ringen/ Muss die Nacht dem Tage weichen./ Wie ein bunter Blumengar- ten/ Liegt Toledo ausgebreitet ( Hei)
- ugs. in Acht und Bann, mit Schrot und Korn, Angst und Bange
Asýndeton: gr. sýndetos: gefesselt + alpha privativum; Unverbundenheit, Aneinanderreihung gleichgeordneter Satzglieder ohne Konjunktion
- es muss auf unser Fragen ein Vieh, ein Baum, Bild, ein Marmor Antwort sagen ( Gry)
- veni, vidi, vici ( Cae, Suet. Div. Iul. 37, 2)
- Flackernd steigt die Feuersäule,/ Durch der Straßen lange Zeile/ Wächst es fort mit Windeseile,/ Kochend wie aus Ofens Rachen/ Glühn die Lüfte, Balken krachen,/ Pfosten stürzen, Fenster klirren,/ Kinder jammern, Mütter irren,/ Tiere wimmern/ Unter Trümmern,/ Alles rennet, rettet, flüchtet,/ Taghell ist die Nacht gelichtet ( Schi)
- Mord! Zetter! Jammer/ Angst/ Creutz! Marter Würme! Plagen! ( Gry)
- Stehlen morden huren balgen – heißt bei uns nur die Zeit zu zerstreuen. – Morgen hängen wir am Galgen! ( Schi)
- So standen sie nun und sahen sich an. Beide mit einer zu kurzen Zunge, beide mit demselben Fehler. Aber jeder mit einem völlig anderen Schicksal. Klein, verbittert, verarbeitet, zerfahren, fahrig, farblos, verängstigt, unterdrückt: der Kellner. Der kleine Kellner. Ein richtiger Kellner: Verdrossen, stereotyp höflich, geruchlos, ohne Gesicht, nummeriert, verwaschen und trotzdem leicht schmuddelig. ( Bor)
- April ist der übelste Monat von allen, treibt/ Flieder aus der toten Erde, mischt/ Erinnerung mit Lust, schreckt/ Spröde Wurzeln auf mit Frühlingsregen ( der Beginn von „The Waste Land“, 1922, by T.S.Eliot ( dt. Das öde Land), .zugleich eine Paraphrase von Geoffrey Chaucers „Canterbury Tales“)
- ugs. frisch, fromm, fröhlich, frei ( Friedrich Ludwig Jahn)
- ugs. schnell, sicher, bequem ( Mehdorn)

Brachylogíe: gr. brachýs: kurz, lat. Brévitas, Kürze; Knappheit des Ausdrucks im Gegensatz zu dessen Abundanz ( Überströmen, Überfluss, von lat. unda, ae f: Welle, Woge), wie sie in der Amplifikation sich äußert; mit deren Abklingen in der nachbarocken Zeit kaum noch als Stilmittel eingesetzt

Grundzüge der Brachylogie haben sich erhalten in den Begriffen „lakonischer“ oder „Lapidarstil“ ( be- nannt nach den in Stein ( lat. lápis) gehauenen römischen Inschriften), eine sinnvolle Kürze statt eines aufgeblähten Schwulstes gilt heutzutage als anerkannt guter Stil

Captátio benevoléntiae: zu lat. capere: ergreifen; Haschen nach Wohlwollen, Wendung, mit der ein Sprecher oder Autor sich des Wohlwollens seiner Hörer oder Leser zu versichern sucht

Nach Cicero: sin autem causa partem turpitudinis, partem honestatis habebit, benevolentiam captare opportebit, ut in genus honestum causa translata videatur, übers.: wenn aber die Sache teils Verächt-liches, teils Ehrenvolles an sich hat, sollte man versuchen, das Wohlwollen der Zuhörer zu gewinnen, damit die Sache derart auf die ehrenhafte Seite übertragen erscheint

- Ich habe in der Tat, teure Dame, die Denkwürdigkeiten meiner Zeit, insofern meine eigene Person damit als Zuschauer oder als Opfer in Berührung kam, so wahrhaft und getreu als möglich aufzuzeichnen gesucht. … Jedoch, ein Höfling Ihrer Liebenswürdigkeit, wie ich es immer war, kann ich Ihnen kein Begehr unbedingt verweigern, und um meinen guten Willen zu bekunden, will ich in anderer Weise die holde Neugier stillen, die aus einer liebenden Teilnahme an meinen Schicksalen hervorgeht. Ich habe die folgenden Blätter in dieser Absicht niedergeschrieben, und … Die Hülle fällt ab von der Seele, und du kannst sie betrachten in ihrer schönen Nacktheit. ( Hei)

Chiásmus: Überkreuzstellung von syntaktisch oder semantisch entsprechenden Satzteilen

- die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben ( Goe)
- Sie kommen, um zu seh’n, wenn sie, geseh’n zu werden, kommen ( Ov)
- Und doch, welch Glück, geliebt zu werden, und lieben, Götter, welch ein Glück ( Goe)
- Ich weiß nicht, was ich will, ich will nicht, was ich weiß ( Op)
- die Schauspielerin erzählt Wilhelm Meister über ihre Liebe zu Lothario: … er ging und kam, kam und ging – und nun, mein Freund, ist es hohe Zeit, dass Sie auch gehen ( Goe)
- der zum Schatzmeister beim Sultan aufgestiegene Derwisch urteilt über die leere Kasse seines Herrn: Es taugt nun freilich nichts,/ Wenn Fürsten Geier unter Äsern sind./ Doch sind sie Äser unter Geiern, taugt’s/ Noch zehnmal weniger ( Les)
- Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. ( Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie) ( Mar)
- Das Leben ist der Güter höchstes nicht,/ Der Übel größtes aber ist die Schuld ( Schi)
- Früher gab es in Persien Puffs, die glichen Schlössern. Heute gibt es in Persien Schlösser, die gleichen Puffs ( Cobra)
- Rubens war nicht nur der König der Maler, sondern auch der Maler der Könige
- Nicht das Recht des Stärkeren muss gelten, sondern die Stärke des Rechtes ( Ratz)
- Schönste Sonne unter den Mädchen, schönstes Mädchen unter der Sonne ( Hei)
- Während man über geheime Sünden öffentlich schreibt, habe ich mir vorgenommen, über öffentliche Sünden heimlich zu schreiben ( Licht)
- in den Reisebildern, „Die Bäder von Lucca“, ergriff Mathilde „meine beiden Ohrlappen und küsste mich mit der drolligsten Herzlichkeit“, dann sagt sie: Die Orientalen sind ein gescheutes Volk, sie verehren einen Verrückten wie einen Propheten, wir aber halten jeden Propheten für verrückt ( Hei)
- ob diese Bemerkung ( i.e. Göttingen sei das deutsche Bologna) treffend ist, will ich nicht untersuchen; auf jeden Fall aber unterscheiden sich beide Universitäten durch den einfachen Umstand, dass in Bologna die kleinsten Hunde und die größten Gelehrten, in Göttingen hingegen die kleinsten Gelehrten und die größten Hunde zu finden sind ( Heine in: Italien. Die Bäder von Lucca)

[...]

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Vollständiges Kompendium der rhetorischen Mittel, Stilfiguren und Tropen für Oberstufenschüler und Studienanfänger
Veranstaltung
Unterricht in der gymnasialen Oberstufe
Autor
Jahr
2009
Seiten
41
Katalognummer
V125804
ISBN (eBook)
9783656079200
ISBN (Buch)
9783656079385
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das alphabetische Kompendium enthält fast 100 Stilmittel, rhetorische Figuren und Tropen.
Schlagworte
vollständiges, kompendium, mittel, stilfiguren, tropen, oberstufenschüler, studienanfänger
Arbeit zitieren
Gerd Berner, M.A. (Autor), 2009, Vollständiges Kompendium der rhetorischen Mittel, Stilfiguren und Tropen für Oberstufenschüler und Studienanfänger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125804

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