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Maurice Godeliers Versuch einer universalen Theorie der Wirtschaftsformen

Titel: Maurice Godeliers Versuch einer universalen Theorie der Wirtschaftsformen

Hausarbeit , 2005 , 13 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ulrich Ackermann (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„In meinen Augen hat sich die alte Zweiteilung oder gar Opposition zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften überlebt und muss den Wissenschaften vom Menschen und der Gesellschaft Platz machen. “ So wird der französische Anthropologe Maurice Godelier in einem Interview mit der Europäischen Komission Forschung zitiert. Die Wurzeln dieser Vorstellung einer umfassenden, allgemeinen Humanwissenschaft lassen sich auf Godeliers in den 70er Jahren anvisierten universalen Theorie der Produktionsverhältnisse zurückführen, einer Theorie, in der der direkte Schüler von Claude Leví- Strauss und indirekte Schüler von Karl Marx eine Synthese von Strukturalismus und Marxismus anstrebte. Dieser universaltheoretische Syntheseversuch wurde auch von Pierre Bourdieu in seinem 1972 veröffentlichten Buch Theorie der Praxis unternommen, in dem er eine „allgemeine Wissenschaft der Ökonomie der praktischen Handlungen“ anstrebte. Karl Polanyi verweist in seinem 1944 veröffentlichten Werk Great Transformation darauf, dass das was allgemeingültig für das Zeitalter der Industrialisierung von 1750 - 1850 als ökonomisches Handeln gilt, in soziokulturelle Kontexte eingebettet war. Von Bourdieu grenzt sich Godeliers Werk dadurch ab, dass er seine ökonomische Anthropologie im Rahmen des klassischen marxschen Basis-Überbau- Modells entwickelt, dieses allerdings grundlegend verändert. Von Polanyi, dessen Theorien eher „recht unsystematische Generalisierungen aus empirischen Befunden“ darstellen, unterscheidet ihn die strenge theoretische Vorgehensweise.
In seinem Werk Ökonomische Anthropologie. Untersuchung zum Begriff der sozialen Struktur primitiver Gesellschaften nennt Godelier zwei für die Erforschung verschiedener Produktionsweisen und des Güterverkehrs unterschiedlicher Wirtschaftsformen grundlegende Prinzipien:

1. Jenseits der äußerlich sichtbaren Logik muss eine unsichtbare zugrunde liegende Logik gesucht und entdeckt werden.
2. Die strukturellen und historischen Bedingungen ihres Auftretens, ihrer Reproduktion und ihres Verschwindens in der Geschichte müssen gesucht und entdeckt werden

In der folgenden Arbeit soll nach ein paar biographischen Angaben zur Person Maurice Godeliers versucht werden, seinen theoretischen Entwurf kurz darzustellen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. 1) Maurice Godelier: Zur Person

II. 2) Der Begriff einer ökonomischen Anthropologie bei Maurice Godelier

II. 3) Von der Anthropologie zur Universalwissenschaft

II. 4) Kritik an formalistischen ökonomischen Theorien

II. 5) Der Einfluss Karl Polanyis auf Godeliers Theorie

II. 6) Kritik am Funktionalismus

III. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den theoretischen Entwurf des französischen Anthropologen Maurice Godelier darzustellen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Godelier unter Rückgriff auf marxistische und strukturalistische Ansätze eine universelle Theorie der Wirtschaftsformen zu entwickeln versucht und welche Kritik er an bestehenden ökonomischen sowie funktionalistischen Denkweisen übt.

  • Grundlagen der ökonomischen Anthropologie nach Godelier
  • Die Synthese von Strukturalismus und Marxismus
  • Kritik am Formalismus und Funktionalismus in der Ökonomie
  • Einfluss von Karl Polanyi auf Godeliers Denken
  • Methodologische Herausforderungen der Universalwissenschaft

Auszug aus dem Buch

II. 1) Maurice Godelier: Zur Person

Maurice Godelier wurde am 28. Februar 1934 in Cambrai/ Nordfrankreich geboren. Nach dem Studium der Philosophie, Psychologie und der Neuphilologie in Saint Cloud, wurde er Projektleiter bei Fernand Braudel an der Ecole Pratique des Hautes Etudes. Anschließend wurde er Oberassistent von Claude Lévi-Strauss, damals Professor für Anthropologie am Collège de France. 1975 wurde Godelier zum Forschungsleiter an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales.

Der Geisteswissenschaftler Godelier interessierte sich sehr schnell für die Ökonomie. So veröffentlicht er bereits 1966 sein Werk Rationalität und Irrationalität in der Ökonomie. Hiermit gehörte er zu den Begründern der ökonomischen Anthropologie in Frankreich. 1975 wurde Godelier zum Forschungsleiter der Sonderklasse an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales ernannt. Die Forscherkarriere des Spezialisten für die Gesellschaften Ozeaniens wurde stark durch die Begegnung mit den Baruya geprägt, einer klassen- und staatenlosen Gesellschaft im Hochland Neuguineas, die 1951 von den Australiern entdeckt wurde und durch enorme Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und zahlreichen Einrichtungen zur Festigung männlicher Herrschaft gekennzeichnet ist. Bei ihnen betrieb er Feldforschung zwischen 1967 und 1988.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in Godeliers Bestreben ein, Geistes- und Sozialwissenschaften zu einer allgemeinen Humanwissenschaft zu vereinen, und skizziert seine theoretischen Wurzeln im Marxismus und Strukturalismus.

II. 1) Maurice Godelier: Zur Person: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Abriss über Godeliers Werdegang, seine akademischen Stationen und seine wegweisende Feldforschung bei den Baruya.

II. 2) Der Begriff einer ökonomischen Anthropologie bei Maurice Godelier: Hier wird Godeliers Verständnis der ökonomischen Anthropologie dargelegt, die nichtkapitalistische Ökonomien durch Funktionen statt Institutionen analysiert.

II. 3) Von der Anthropologie zur Universalwissenschaft: Das Kapitel beschreibt den theoretischen Anspruch Godeliers, eine universelle Gesellschaftstheorie zu schaffen, die verschiedene Disziplinen verbindet.

II. 4) Kritik an formalistischen ökonomischen Theorien: Godelier kritisiert hier den formalistischen Ansatz, da dieser eine apologetische Sichtweise auf die Marktwirtschaft einnehme und ethnozentrisch sei.

II. 5) Der Einfluss Karl Polanyis auf Godeliers Theorie: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss von Karl Polanyi auf Godelier, insbesondere die Bedeutung der Einbettung ökonomischer Handlungen in soziokulturelle Kontexte.

II. 6) Kritik am Funktionalismus: Godelier setzt sich kritisch mit dem Funktionalismus auseinander, dem er eine mangelnde Analyse tieferer sozialer Strukturen vorwirft.

III. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert Godeliers Beitrag zur Analyse nichtkapitalistischer Gesellschaften und ordnet seine methodische Position kritisch ein.

Schlüsselwörter

Maurice Godelier, ökonomische Anthropologie, Marxismus, Strukturalismus, Universalwissenschaft, Produktionsverhältnisse, Karl Polanyi, Funktionalismus, Baruya, Wirtschaftsformen, Gesellschaftstheorie, Sozialwissenschaften, Basis-Überbau-Modell, Ethnologie, Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Arbeit von Maurice Godelier und seinem Versuch, eine universelle Theorie der Wirtschaftsformen zu begründen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den Schwerpunkten zählen die ökonomische Anthropologie, die Verbindung von Marxismus und Strukturalismus sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Formalismus und Funktionalismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, Godeliers theoretischen Entwurf darzustellen, der durch eine Synthese von Disziplinen eine umfassende Wissenschaft vom Menschen und der Gesellschaft anstrebt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet Godelier?

Godelier bedient sich einer marxistisch geprägten Methode, die soziale Strukturen hinter der sichtbaren Oberfläche sucht und mit strukturalistischen Ansätzen kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in biographische Hintergründe, die Definition der ökonomischen Anthropologie, die Kritik an bestehenden Strömungen und die Diskussion universaltheoretischer Ambitionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie ökonomische Anthropologie, marxistische Theorie, Produktionsverhältnisse und interdisziplinäre Gesellschaftswissenschaft geprägt.

Inwiefern beeinflusste die Feldforschung bei den Baruya Godeliers Werk?

Die jahrelange Arbeit bei den Baruya in Neuguinea prägte Godeliers Verständnis von sozialer Ungleichheit und männlicher Herrschaft, was seine theoretischen Überlegungen zu Machtstrukturen maßgeblich beeinflusste.

Wie bewertet der Autor die theoretische Stimmigkeit Godeliers?

Der Autor würdigt Godeliers herausragende Stellung, kritisiert jedoch dessen vollkommene Ablehnung empirischer Ansätze und die teilweise widersprüchliche Verbindung von Marxismus und Strukturalismus.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Maurice Godeliers Versuch einer universalen Theorie der Wirtschaftsformen
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Volkskunde )
Veranstaltung
Proseminar (Wintersemester 2004/2005): Kulturtheorien
Note
1,0
Autor
Ulrich Ackermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V125980
ISBN (eBook)
9783640314287
ISBN (Buch)
9783640317868
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maurice Godeliers Versuch Theorie Wirtschaftsformen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ulrich Ackermann (Autor:in), 2005, Maurice Godeliers Versuch einer universalen Theorie der Wirtschaftsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125980
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