Die Legalisierung von Sterbehilfe ist aber nicht nur im politischen und rechtlichen Kontext relevant, sie ist auch von ethischer Bedeutung. Philosophen verschiedenster Epochen haben sich bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt und auch der deutsche Ethikrat formuliert Positionierungen, mit dem er die Politik unterstützt und berät. Die Meinungen der Ethik sind in derartigen Debatten sogar richtungsweisend.
Es wird deutlich, dass eine genauere Auseinandersetzung mit der ethischen Seite der Problematik um die Sterbehilfe wichtig ist. Aus diesem Grund soll sich diese Arbeit damit beschäftigen. Hierfür soll zunächst auf den Begriff Sterbehilfe und seine Formen eingegangen werden, auch soll die rechtliche Lage in Deutschland und Europa beschrieben werden. Im Anschluss wird sowohl die deontologische als auch die utilitaristische Sichtweise auf die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe unter Bezugnahme auf einen ausgewählten Philosophen dargestellt. Abschließend werden die Positionierungen zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Sterbehilfe
2.1 Definition und Formen der Sterbehilfe
3. Die aktuelle Rechtslage in Deutschland und Europa
4. Diskussion der Sterbehilfe
4.1 Die deontologische Sichtweise – Immanuel Kant
4.2 Die utilitaristische Sichtweise – Dieter Birnbacher
5. Fazit
6. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Kontroverse um die Sterbehilfe unter Einbeziehung rechtlicher Rahmenbedingungen sowie gegensätzlicher philosophischer Positionen. Ziel ist es, die moralische Zulässigkeit der Sterbehilfe zu reflektieren, wobei insbesondere die Frage der menschlichen Würde und des Selbstbestimmungsrechts kritisch hinterfragt wird.
- Grundlagen und Definition der verschiedenen Formen der Sterbehilfe
- Die aktuelle rechtliche Lage in Deutschland und im europäischen Vergleich
- Ethische Analyse mittels der deontologischen Sichtweise Immanuel Kants
- Ethische Analyse mittels der utilitaristischen Sichtweise Dieter Birnbachers
- Persönliche Reflexion im Kontext moralischer und religiöser Überzeugungen
Auszug aus dem Buch
4.1 Die deontologische Sichtweise – Immanuel Kant
Im Folgenden wird die deontologische Sichtweise auf die Selbsttötung und Sterbehilfe unter Bezugnahme auf den Philosophen Immanuel Kant dargestellt. Deontologisch kommt von dem griechischen Wort δέον (deon) und bedeutet auf Deutsch das Gesollte bzw. die Pflicht.44
Kant hat sich mehrmals mit der Ethik des Selbstmordes befasst. Um seine Gedankengänge zu verstehen, ist es sinnvoll, zunächst einige Grundzüge seiner Philosophie dargelegen. Nach Kant ist nur „der gute Wille“45 ausschlaggebend für eine moralisch richtige Handlung. Er ist bestimmt durch Pflicht und bedeutet, dass die Person die aufrichtige Intention hat, das gute Ziel mit allen Mitteln zu verfolgen.46
Für die Pflicht formuliert Kant drei Formen der Handlungen.47 Es gibt pflichtwidrige und pflichtmäßige Handlungen, sowie Handlungen aus Pflicht.48 Letzteres sind für Kant die einzigen von moralischem Wert, da bei dieser der Handelnde die Handlung ausführt aufgrund von Vernunft und Achtung vor dem moralischen Gesetz.49 Er folgt seiner moralischen Pflicht. Pflichtmäßige Handlungen hingegen sind zwar im Eingang mit dem moralischen Gesetz, allerdings verfolgt der Handelnde auch eigene Interessen.50 Pflichtwidrige Handlungen verstoßen gegen die Pflicht.51
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die ethische und rechtliche Problematik der Sterbehilfe dar und führt in die Fragestellung ein, ob eine Legalisierung aus philosophischer Sicht zu begründen ist.
2. Der Begriff Sterbehilfe: In diesem Kapitel werden die verschiedenen Formen der Sterbehilfe definiert, darunter aktive Sterbehilfe, passive Sterbehilfe und assistierter Suizid.
3. Die aktuelle Rechtslage in Deutschland und Europa: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe, wobei Unterschiede zwischen dem strikten deutschen Verbot der aktiven Sterbehilfe und liberaleren Regelungen in europäischen Nachbarländern aufgezeigt werden.
4. Diskussion der Sterbehilfe: Das Kapitel bietet eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Thematik, indem es die Positionen von Immanuel Kant und Dieter Birnbacher gegenüberstellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die philosophischen Positionen zusammen und reflektiert kritisch über die Diskrepanz zwischen menschlicher Autonomie und einer religiös geprägten Ablehnung der Sterbehilfe.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Euthanasie, assistierter Suizid, Deontologie, Utilitarismus, Immanuel Kant, Dieter Birnbacher, Selbstbestimmungsrecht, Menschenwürde, Patientenverfügung, Ethik, Lebensende, Rechtslage, Sterben, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die philosophische und ethische Debatte über das Recht auf einen selbstbestimmten Tod durch Sterbehilfe.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Definitionen der Sterbehilfe, die aktuelle Rechtslage in Europa sowie die abwägenden ethischen Theoreme von Kant und Birnbacher.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die moralische Legitimität verschiedener Formen der Sterbehilfe vor dem Hintergrund der persönlichen Würde und des Rechtes auf Selbstbestimmung zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und Gegenüberstellung von primären philosophischen Ansätzen sowie eine Auswertung einschlägiger rechtlicher Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachliche Begriffsdefinition, eine juristische Bestandsaufnahme der Rechtslage und eine ethische Diskussion zwischen deontologischen und utilitaristischen Positionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am treffendsten?
Die wesentlichen Begriffe sind Sterbehilfe, Deontologie, Utilitarismus, Selbstbestimmungsrecht und Menschenwürde.
Wie unterscheidet sich Kants Sicht auf das Leben von der Birnbachers?
Kant argumentiert, dass das Leben als Zweck an sich selbst unantastbar ist und Suizid die moralische Person zerstört, während Birnbacher den Fokus auf den Nutzen und die Linderung von Leiden legt.
Welche religiöse Position nimmt die Autorin oder der Autor in der Arbeit ein?
Die Arbeit reflektiert die christlich geprägte Ansicht, dass Selbsttötung eine Sünde gegen Gott darstellt, ringt jedoch damit, dass dies gegenüber dem unerträglichen Leid des Menschen als unmenschlich empfunden wird.
Was kritisiert Birnbacher konkret am deutschen Gesundheitssystem?
Er kritisiert unter anderem das Tabuthema Sterben sowie die mangelhafte Versorgung von Krebspatienten in Hospizen, was Betroffene in eine ausweglose Situation bringt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Sterbehilfe in Deutschland. Deontologische und utilitaristische Sichtweise auf die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1262991