Sterbehilfe in Deutschland. Deontologische und utilitaristische Sichtweise auf die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe


Hausarbeit, 2020

21 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff Sterbehilfe
2.1 Definition und Formen der Sterbehilfe

3. Die aktuelle Rechtslage in Deutschland und Europa

4. Diskussion der Sterbehilfe
4.1 Die deontologische Sichtweise – Immanuel Kant
4.2 Die utilitaristische Sichtweise – Dieter Birnbacher

5. Fazit

6. Quellen

1. Einleitung

„Selbstbestimmtes Sterben durch Verhungern oder Verdursten, weil es keine Sterbehilfe gibt – ist das nicht erbarmungslos?“1

Petra Sitte, Parteimitglied der Linken, überspitzt mit dieser Aussage, was viele Befürworter der Sterbehilfe fordern: Ein würdevolles Sterben für die Menschen, die sich umbringen wollen, deren körperliche Verfassung dies aber verhindert. So würde ihnen nur der Tod durch Verhungern und Verdursten bleiben.

Im Grundgesetz steht festgeschrieben, dass Menschen über ihr Leben frei verfügen dürfen und sich auch straffrei selbst umbringen können. Das schließt aber nur den Suizid ein. Menschen, die den Tod wollen, aber körperlich nicht mehr dazu in der Lage sind und somit auf Hilfe bei der Selbsttötung angewiesen sind, werden hierbei ausgeschlossen. In der deutschen Politik wird schon seit längerem diskutiert, ob man diesen Menschen nicht bei ihrem Wunsch helfen darf. Debatten darüber treten oft im Kontext von unheilbar kranken Menschen auf, deren Leben nur noch von Quälerei geprägt ist. Es stellt sich die Frage, ob man ihr Leben nicht erleichtern würde, indem man ihnen dieses nimmt. Petra Sitte positioniert sich deutlich für die Möglichkeit, sich mithilfe anderer töten zu können. Es gibt aber auch andere Politiker, die dies nicht unterstützen. Sie befürchten beispielsweise, dass durch die Erlaubnis der Sterbehilfe in bestimmten Fällen, die Frage nach der Legitimation dieser auch bei weiteren Personengruppen aufkommt.

Die Legalisierung von Sterbehilfe ist aber nicht nur im politischen und rechtlichen Kontext relevant, sie ist auch von ethischer Bedeutung. Philosophen verschiedenster Epochen haben sich bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt und auch der deutsche Ethikrat formuliert Positionierungen, mit dem er die Politik unterstützt und berät. Die Meinungen der Ethik sind in derartigen Debatten sogar richtungsweisend.

Es wird deutlich, dass eine genauere Auseinandersetzung mit der ethischen Seite der Problematik um die Sterbehilfe wichtig ist. Aus diesem Grund soll sich diese Arbeit damit beschäftigen. Hierfür soll zunächst auf den Begriff Sterbehilfe und seine Formen eingegangen werden, auch soll die rechtliche Lage in Deutschland und Europa beschrieben werden. Im Anschluss wird sowohl die deontologische als auch die utilitaristische Sichtweise auf die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe unter Bezugnahme auf einen ausgewählten Philosophen dargestellt. Abschließend werden die Positionierungen zusammengefasst und ein Fazit gezogen.

2. Der Begriff Sterbehilfe

2.1 Definition und Formen der Sterbehilfe

Unter den Begriff Sterbehilfe fallen alle Handlungen, die vollzogen werden können, um beim Sterben zu helfen.2 Das schließt die aktive und passive Sterbehilfe ein, aber auch die Sterbebegleitung in Form einer palliativmedizinischen Versorgung ist damit gemeint.3

Bei der aktiven Sterbehilfe wird dem*der Patienten*in zum Sterben geholfen durch die Zuführung eines Medikaments, welches in kurzer Zeit zum Tod führt.4 Entweder wird indirekt aktiv das analgesierende oder sedierende Medikament unter Inkaufnahme der lebensverkürzenden Nebenwirkungen eingenommen oder eine direkte Tötung vollzogen, was meist durch die tödliche (Über-)Dosis eines Medikaments herbeigeführt wird (direkte aktive Sterbehilfe).5 Das Medikament wird in beiden Fällen durch eine zweite Person und nicht durch den*die Patienten*in selbst verabreicht.6 Wichtig ist in diesem Kontext, dass es um Menschen geht, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, die auch zum Tod führen würde.7

Die passive Sterbehilfe unterscheidet sich von dieser, denn es wird nicht aktiv etwas dem Körper hinzugeführt, sondern lebenserhaltende Maßnahmen werden nicht durchgeführt.8 Diese können entweder abgebrochen werden oder aber im Falle einer neu auftretenden Komplikation gar nicht erst begonnen werden.9 Diese Maßnahmen sind beispielsweise Dialyse, Reanimation und Beatmung.10 Man spricht hier oftmals auch von Behandlungsabbruch.11

Die Sterbebegleitung wird auch als indirekte Sterbehilfe bezeichnet.12 Es werden Medikamente dem Körper verabreicht, die kurzfristig betrachtet eine Verbesserung des Zustands und geringere Schmerzen verursachen, allerdings führen sie langfristig meistens zum Tod.13 Sogenannte palliative Maßnahmen werden hierbei meist ergriffen. Die Palliativmedizin meint die Medizin, die sich speziell mit schwerkranken oder todkranken Patienten*innen beschäftigt.14 Der Fokus liegt in der Schmerzlinderung und der Verbesserung der Lebensqualität auch auf psychosozialer und spiritueller Ebene.15

An dieser Stelle ist die Beihilfe zum Suizid noch zu nennen, die auch assistierter Suizid genannt wird.16 Sie zählt nicht direkt als Form der Sterbehilfe, wird aber oft in diesem Kontext mit aufgeführt. Bei dem assistierten Suizid wird dem*der Patienten*in meist ein Gift bereitgestellt, welches er sich dann aber selbst zuführen muss.17

3. Die aktuelle Rechtslage in Deutschland und Europa

In Deutschland ist nicht jede Form der Sterbehilfe erlaubt.

Die aktive Sterbehilfe ist verboten. Sie wird als Tötung auf Verlangen bezeichnet und kann laut § 216 StGB mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.18 Auch der Versuch ist strafbar.19 Dies ist aber nur der Fall, wenn der*die Getötete dies ernsthaft und ausdrücklich verlangt.20 Wenn die Situation anders beurteilt wird und dementsprechend ohne die Einwilligung des*der Getöteten stattfindet, gilt die aktive Sterbehilfe als Totschlag und wird nach § 212 StGB mit einer mindestens fünfjährigen Freiheitsstrafe bestraft.21

Die passive Sterbehilfe ist nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes im Jahre 2010 in Deutschland erlaubt.22 Hierfür gibt es aber strenge Vorgaben.23 Der*die Patient*in muss diesem Handeln zustimmen.24 Nicht immer ist der*die Patient*in noch dazu fähig, dies in der notwendigen Situation zu tun.25 Der Wille muss dann ermittelt werden oder aber es wurde zuvor etwas diesbezüglich niedergeschrieben, wie beispielsweise in einer Patientenverfügung, an die sich die Ärzte*innen halten müssen.26

Die Sterbebegleitung bzw. indirekte Sterbehilfe ist bereits seit dem Jahre 1996 erlaubt.27 Mediziner*innen diskutieren sogar, ob es durch eine korrekte palliativmedizinische Behandlung überhaupt zur Lebensverzögerung kommen kann.28

Die Selbsttötung und die Beihilfe zu dieser sind ebenfalls nicht strafbar.29 Wichtig ist hierbei, dass der sich töten Wollende die Handlung selbst ausführt.30 Bis zum Februar 2020 galt auch, dass der beim Suizid Helfende nicht geschäftsmäßig handeln darf.31 Da dies aber einen assistierten Suizid fast unmöglich machte, klagten Schwerkranke, Ärzte*innen und professionelle Suizidhelfende dagegen.32 In Deutschland hat ein*e jede*r das Recht auf selbstbestimmtes Sterben und dies schließt laut dem Gerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle auch "die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen"33. In manchen Fällen können die Helfenden dennoch belangt werden, da sie keine Hilfeleistung geleistet haben, zu der sie aber verpflichtet gewesen wären.34

[...]


1 Die wichtigste Debatte des Jahres in 23 Zitaten. (2014). Bild.

2 vgl. Sterbehilfe. (2016). Flexikon.doccheck.

3 vgl. ebd.

4 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

5 vgl. Sterbehilfe. (2016). Flexikon.doccheck.

6 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

7 vgl. Sterbehilfe. (2016). Flexikon.doccheck.

8 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

9 vgl. ebd.

10 vgl. Sterbehilfe. (2016). Flexikon.doccheck.

11 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

12 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

13 vgl. ebd.

14 vgl. Palliativmedizin. Meinepatientenverfügung.

15 vgl. ebd.

16 vgl. Sterbehilfe. (2016). Flexikon.doccheck.

17 vgl. Sterbehilfe. stiftung-patientenschutz.

18 vgl. § 216 Tötung auf Verlangen . dejure.

19 vgl. ebd.

20 vgl. ebd.

21 vgl. § 212 Totschlag. dejure.

22 vgl. Sterbehilfe. stiftung-patientenschutz.

23 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

24 vgl. vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

25 vgl. Sterbehilfe. stiftung-patientenschutz.

26 vgl. ebd.

27 vgl. ebd.

28 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

29 vgl. Sterbehilfe. stiftung-patientenschutz.

30 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

31 vgl. Paragraf 217: Bundesverfassungsgericht kippt Sterbehilfe-Gesetz. (2020). Zeit.

32 vgl. ebd.

33 ebd.

34 vgl. Sterbehilfe Indirekt/ passiv, Gesetzeslage, Voraussetzungen & Rolle der Patientenverfügung. Meinepatientenverfügung.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Sterbehilfe in Deutschland. Deontologische und utilitaristische Sichtweise auf die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Jahr
2020
Seiten
21
Katalognummer
V1262991
ISBN (Buch)
9783346702104
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sterbehilfe, deutschland, deontologische, sichtweise, legalisierung
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Sterbehilfe in Deutschland. Deontologische und utilitaristische Sichtweise auf die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1262991

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