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Welche Performative Funktion verfolgt die Mastektomie in Heiligenlegenden? Ein Vergleich des Martyriums in den Legenden der Hl. Katharina und der Hl. Barbara

Titel: Welche Performative Funktion verfolgt die Mastektomie in Heiligenlegenden? Ein Vergleich des Martyriums in den Legenden der Hl. Katharina und der Hl. Barbara

Seminararbeit , 2022 , 16 Seiten , Note: 3

Autor:in: Iris Vondraschek (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Christliche Heiligenlegenden des Mittelalters sind als Teil der katholischen Kirche mitverantwortlich für einige der Reliquien und die daraus resultierenden Pilgerreisen. Diese Arbeit will sich mit zwei Heiligenlegenden der elsässischen Legenda Aurea beschäftigen. Die der Barbara und die der Katharina von Alexandrien. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf eben diese Märtyrerlegenden gerichtet werden. Bei der näheren Analyse der unterschiedlichen Primärtexte sollen vor allem auch Sichtweisen und Analysemerkmale der Gender Studies berücksichtigt werden. Besonders Tropen wie Jungfräulichkeit und Gelehrtheit, sollen einer Analyse unterzogen werden. Ebenso soll ein Augenmerk auf unterschiedliche Foltermethoden, welche in den Werken dargestellt werden, gerichtet werden. Von besonderem Interesse ist hierbei die Foltermethode der Mastektomie. Hier stellen sich die Fragen, ob ein weiblicher Körper erst entstellt werden muss, um das Begehren der heidnischen Männer in den jeweiligen Legenden abzuwehren. Nehmen die heiligen Frauen diese Folter überhaupt noch als solche wahr oder befinden sie sich bereits im Zustand des heiligen Körpers, der weder Schmerz noch Scham empfindet?
Das Ziel dieser Arbeit ist es festzustellen, welche performative Funktion die gewaltsame Entfernung der Brüste hat und ob die Heiligen diese überhaupt noch als Folter wahrnehmen oder sich schon im Zustand des Heiligen Körpers befinden.
Zuerst wird allgemein beschrieben, was eine Märtyrerlegende ausmacht. Danach wird an den Fallbeispielen der Hl. Katharina von Alexandria und der Hl. Barbara analysiert, inwiefern sie miteinander vergleichbar sind oder auch voneinander abweichen und welche performativen Funktionen sich hinter einzelnen Tropen verbergen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Methode

2. Allgemeines zu Märtyrerlegenden

3. Aufbau einer Legende

4. Analyse der Fallbeispiele Katharina von Alexandria & Barbara

4.1. Bekehrungswerkzeuge, Bestrafungen der Heiden & Wunder

4.2. Foltermethoden

4.2.1 Abgeschlagene Brüste & die Negierung der Weiblichkeit

4.2.2 Unzerstörbarkeit des heiligen Körpers

4.3. Enthauptung als ultimative Tötungsmethode

5. Fazit

Zielsetzung & Forschungsthemen

Die vorliegende Arbeit untersucht die performative Funktion der gewaltsamen Mastektomie in mittelalterlichen Märtyrerlegenden am Beispiel der Heiligen Katharina von Alexandria und der Heiligen Barbara. Dabei soll geklärt werden, ob diese physische Entstellung als notwendiges Mittel zur Abwehr heidnischen Begehrens fungiert oder die Heiligen bereits in einem Zustand des „heiligen Körpers“ leben, der Schmerz und Scham transzendiert.

  • Analyse von Geschlechterrollen und Körperbildern im Medium der Hagiographie.
  • Untersuchung der performativen Funktion der weiblichen Mastektomie.
  • Vergleich der Leidensfähigkeit und des Martyriums bei Katharina und Barbara.
  • Deutung der Jungfräulichkeit als Mittel zur Abwehr patriarchaler Machtstrukturen.
  • Synthese der Polarität von körperlicher Begierde und spiritueller Unversehrtheit.

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Abgeschlagene Brüste & die Negierung der Weiblichkeit

Brüste sind ein markantes Merkmal des weiblichen Körpers und im Zuge beider Legenden werden den Heiligen die Brüste abgetrennt. Ingrid Kasten thematisiert die Negierung des Weiblichen um Heiligkeit zu erzeugen. Der Gedanke liegt nahe, dass weibliche Körper erst dem männlichen Körper ähnlich gemacht werden müssen, um ihnen den Status einer Heiligen zusprechen zu können. Dazu fehlt jedoch in anderen Legenden von heiligen Frauen dieselbe Vorgehensweise. Man kann stattdessen die Parallele ziehen, dass die weibliche Schönheit, die die heidnischen Männer in beiden Legenden begehren, zerstört werden muss, um das unerwünschte Begehren abzuwenden und in den Himmel aufsteigen zu können.

Was man in mehreren Legenden sieht sind andere Arten die Weiblichkeit in irgendeiner Form zu negieren. In den Cross-Dressing Legenden passiert das durch das Anlegen von Männerkleidung, bei Wüstenheiligen durch die Entstellung des Körpers aufgrund des langen Fastens. In all diesen Fällen lehnen die Frauen – bewusst oder unbewusst – ihre Weiblichkeit so lange ab, bis sie zu einem neutralen Körper übergehen, der von Männern nicht mehr begehrt wird. Ihr Geist wird dabei würdig, in den Himmel zu kommen.

Dabei entsteht ein asexueller Eindruck, die heiligen Frauen überwinden ihr schwaches Geschlecht und werden auch von den Männern ihrer Geschichte nicht mehr als Objekt der Begierde identifiziert.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung steckt den theoretischen Rahmen der Gender Studies ab und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der performativen Funktion der Mastektomie bei Märtyrerlegenden.

1. Methode: Das Kapitel beschreibt den hermeneutischen Ansatz, mit dem die Primärtexte der Legenden im Kontext von Gewalt und Martyrium analysiert werden.

2. Allgemeines zu Märtyrerlegenden: Hier wird der soziokulturelle Kontext von Hagiographien beleuchtet, insbesondere die Konstruktion von Geschlecht und die Rolle der Jungfräulichkeit in patriarchalen Narrativen.

3. Aufbau einer Legende: Dieses Kapitel erläutert das Grundschema der Legenden der „Elsässischen Legenda Aurea“ (ELA) von der Schilderung des Lebens bis hin zum Martyrium.

4. Analyse der Fallbeispiele Katharina von Alexandria & Barbara: Ein detaillierter Vergleich der beiden Heiligenbiographien hinsichtlich ihrer Bekehrungspraxis, ihrer Folterung und ihres Umgangs mit dem eigenen Körper.

4.1. Bekehrungswerkzeuge, Bestrafungen der Heiden & Wunder: Fokus auf die narrativen Funktionen von Wundern und die direkte Konfrontation zwischen christlicher Gelehrtheit und heidnischer Tyrannei.

4.2. Foltermethoden: Übersicht über die Gewaltdarstellungen und deren paradoxe Wirkung, bei der Schmerz in spirituelle Stärke verkehrt wird.

4.2.1 Abgeschlagene Brüste & die Negierung der Weiblichkeit: Untersuchung der symbolischen Abtrennung der weiblichen Attribute als Mittel zur Desexualisierung und Erlangung spiritueller Reinheit.

4.2.2 Unzerstörbarkeit des heiligen Körpers: Analyse der Unverwundbarkeit als Anzeichen für den Übergang in einen überirdischen, unsterblichen Seinszustand.

4.3. Enthauptung als ultimative Tötungsmethode: Betrachtung des finalen Akts der Tötung als Erlösung und Belohnung durch den himmlischen Vater.

5. Fazit: Die abschließende Zusammenführung der Ergebnisse zeigt, dass die Heiligen ihre Fleischlichkeit hinter sich lassen und durch das Martyrium ihre spirituelle Identität als „Gemahlin Christi“ festigen.

Schlüsselwörter

Heiligenlegende, Martyrium, Katharina von Alexandria, Barbara, Mastektomie, Gender Studies, Jungfräulichkeit, Körperbilder, Hagiographie, Elsässische Legenda Aurea, performative Funktion, Christentum, Mittelalter, Enthauptung, Keuschheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Gewalt und Martyrium in den Legenden der Heiligen Katharina und Barbara, wobei der Fokus auf dem Themenfeld Gender und Körpergeschichte liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse weiblicher Heiligenfiguren, der Bedeutung von Foltermethoden im Mittelalter und der symbolischen Entstellung des Körpers zur Bewahrung spiritueller Reinheit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Hauptziel ist es, die performative Funktion der gewaltsamen Brustentfernung bei Märtyrerinnen zu ergründen und die Frage zu beantworten, ob dieser Akt als Entstellung oder als Übergang in einen heiligen Zustand zu deuten ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Methode der Hermeneutik, kombiniert mit theoretischen Ansätzen aus den Gender Studies und der historischen Literaturwissenschaft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der vergleichenden Analyse der beiden Fallbeispiele: von den Bekehrungsversuchen über verschiedene Folterungen bis hin zum endgültigen Märtyrertod durch Enthauptung.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?

Märtyrerlegenden, Mastektomie, Geschlechterdiskurse und die Transformation des irdischen Körpers in den spirituellen, heiligen Körper.

Wie unterscheiden sich Katharinas und Barbaras Verhältnis zum eigenen Martyrium?

Während Katharina als bereits gefestigte Christin in Erscheinung tritt, wirken Barbaras Fluchtreflexe und Bitten um Verhüllung menschlicher, was die Autorin als unterschiedliche Grade der spirituellen Transformation interpretiert.

Welche Rolle spielen die männlichen Figuren in den Legenden?

Die männlichen Figuren werden meist als heidnische Tyrannen kontrastiert: Sie fungieren als Quelle der Gefahr und Begierde, während die Heiligen durch ihr Martyrium eine spirituelle Gleichwertigkeit erzielen, die sich ihrem Zugriff entzieht.

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Details

Titel
Welche Performative Funktion verfolgt die Mastektomie in Heiligenlegenden? Ein Vergleich des Martyriums in den Legenden der Hl. Katharina und der Hl. Barbara
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar Gender und mittelalterliche Legenden
Note
3
Autor
Iris Vondraschek (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
16
Katalognummer
V1263556
ISBN (PDF)
9783346701749
ISBN (Buch)
9783346701756
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mastektomie heiligenlegenden legenden katharina barbara christophorus katholische kirche kirche propaganda leiden märtyrer martyrium imitatio christi immitatio christi sponsa christi jungfrau jungfräulichkeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Iris Vondraschek (Autor:in), 2022, Welche Performative Funktion verfolgt die Mastektomie in Heiligenlegenden? Ein Vergleich des Martyriums in den Legenden der Hl. Katharina und der Hl. Barbara, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1263556
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Leseprobe aus  16  Seiten
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