Die Erweiterung Athens in hadrianischer Zeit

Untersuchungen zu städtebaulichen Erweiterungen


Hausarbeit, 2008
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hadrians athenische Verfassungsreform

3. Die Profanbauten
3.1. Das Straßensystem
3.2. Der hadrianische Aquädukt
3.3. Das Gymnasion

4. Hadrians panhellenisches Bauprogramm
4.1. Das Hadrianstor
4.2. Das Olympieion
4.3. Das Panhellenion von Travlos
4.4. Das Pantheon

5. Fazit: Hadrians Bauprogrammatik als Ausdruck einer panhellenischen Einigungspolitik

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie eine Anekdote in der Historia Augusta zu berichten weiß, war der römische Princeps Hadrian dem Griechentum so zugetan, dass einige ihn „Graeculus“, also den „kleinen Griechen“ nannten. Auch wenn diese altertümliche Biographiensammlung für Historiker alles andere als eine verlässliche Quelle ist, schreibt man ihr für Hadrian doch eine hohe Verlässlichkeit zu.1 Archäologisch sehr sicher belegt, ist seine Zuneigung für Athen in jedem Fall. In der heutigen griechischen Hauptstadt wurden in hadrianischer Zeit beeindruckende Bauwerke errichtet, welche die Aufmerksamkeit der antiken Welt auf sich zogen. Schon der griechische Reisende Pausanias fand für diese Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts zahlreiche Worte der Bewunderung.2 Dabei kann davon ausgegangen werden, dass den hadrianischen Baumaßnahmen ein wohl durchdachtes politisches Programm zugrunde lag.

Die vorliegende Arbeit verfolgt vor allem zwei Ziele: Erstens soll ein Überblick der hadrianischen Bauaktivität gegeben werden. Hier berichtet uns der bereits erwähnte Pausanias von einem - oder jeweils einem - Heiligtum der Hera und des Zeus, sowie einem Tempel für alle Götter. Auch ist von 100 Säulen aus phrygischem Marmor die Rede, mit einem vergoldeten Dach, geschmückt mit Statuen und Gemälden. Letzteres wurde als die sogenannte Hadriansbibliothek identifiziert, auch wenn dies in der Forschung nicht gänzlich unumstritten ist.3 Des Weiteren spricht Pausanias von 100 Säulen aus afrikanischem Marmor, was heute als ein von Hadrian gestiftetes Gymnasion verstanden wird.4 Diesen von Pausanias erwähnten Gebäuden ist noch eine Reihe weiterer Baumaßnahmen hinzuzufügen. So ist zum einen der Ausbau der athenischen Infrastruktur zu nennen. In diesem Zusammenhang schreibt man dem römischen Kaiser Verbesserungen des athenischen Straßensystems und die Stiftung einer Wasserleitung inklusive eines Abschlußnymphäums zu. Aber neben diesen infrastrukturellen Maßnahmen – die bereits für sich genommen schon bemerkenswerte Leistungen darstellen – sind Bauten wie das Olympieion, das sog. Hadrianstor oder das Pantheon von besonderem Interesse. Dem begrenzten Rahmen dieser Hausarbeit geschuldet, können die hier behandelten Artefakte nicht erschöpfend betrachtet werden. Im Mittelpunkt des Interesses steht vielmehr ihre Interpretation bezüglich eines politisch motivierten Bauprograms. Denn eines ist klar: Projekte in solcher Vielzahl und in diesem Ausmaß verursachten horrende Kosten, und es stellt sich die Frage: Was bezweckte ein römische Kaiser damit, der griechische Polis Athen eine solche Förderung zukommen zu lassen? Um dies zu beantworten, ist es von Nutzen, sich die politischen Reformen Hadrians in Athen vor Augen zu führen.

2. Hadrians athenische Verfassungsreform

Die enge Beziehung Hadrians zu Athen wird allein schon dadurch deutlich, dass er im Jahre 112/113 das Amt des namensgebenden Archonten innehatte.5 Dies war für einen Römer in der Tat ein höchst ungewöhnlicher Posten. Für den Kaiser Hadrian sind darüber hinaus mindestens drei Aufenthalte in Athen belegt. Nämlich die Wintermonate 124/125, der Herbst 128 und der Winter 131/132.6 Es erscheint also keineswegs abwegig, dem Kaiser ein besonderes Interesse an der griechischen Polis zu unterstellen. Dabei waren seine politischen Reformen ebenso einschneidend wie der architektonische Wandel der Stadt. Man geht heute davon aus, dass erstere noch vor dem ersten Besuch 124/125 einsetzten und den Baumaßnahmen quasi vorrausgingen.

Zum einen wurde die Zahl der Ratsmitglieder – die Ratsversammlung (Prytaneion) war die Regierung der antiken Polis – von 600 auf 500 vermindert.7 Einerseits arbeitete die Versammlung dadurch effizienter, andererseits konnten so unliebsame Mitglieder entlassen werden. Hinzu kam die Wiedereinführung des Prytanenamtes. Die Prytanen waren die Geschäftsführer des Rates und legten die Tagesordnung desselbigen fest. Zweifelsohne zielten diese Maßnahmen darauf ab, die Position der ]athenischen Selbstverwaltung zu stärken. Zusätzlich wurde auch die Finanzlage der Stadt konsolidiert, da Athen das Monopol des Olivenölverkaufs zurück erhielt.8

Die für unsere Fragestellung bedeutendste Reform war jedoch die Schaffung einer dreizehnten Phyle „Hadrianis“. Sie muss im unmittelbaren Zusammenhang mit der Bauprogrammatik Hadrians verstanden werden. Gewiss ist, dass diese Planung die Gründung einer hadrianischen Neustadt vorsah, welche der Phyle als Demos zugeteilt werden sollte.9 Damit verbunden war gleichzeitig das Recht, eine Ehrenstatue des Hadrian neben den Stadtheroen auf der Agora zu platzieren.

[...]


1 Willers, S. 10.

2 Sinn, S. 78.

3 Schade, Seminar „Athen von der Spätklassik bis in die römische Kaiserzeit“ WS 2007/08.

4 Willers, S.9.

5 Sinn, S. 78.

6 Willers, S. 8.

7 Willers, S. 11.

8 Ebenda.

9 Willers, S. 68.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Erweiterung Athens in hadrianischer Zeit
Untertitel
Untersuchungen zu städtebaulichen Erweiterungen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Winckelmann-Institut für klassische Archäologie)
Veranstaltung
WS 2007/08 Athen von der Spätklassik bis in die römische Kaiserzeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V126601
ISBN (eBook)
9783640324743
Dateigröße
4733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Athen, Antike, Hadrian, Stadterweiterung, Römisches Imperium, Rom, Archäologie, Stadtplanung, Pausanias, Pantheon, Hadriansbibliothek, Hadrianstor, Griechen, Griechenland, Hausarbeit, Seminararbeit, Bauwesen
Arbeit zitieren
Markus Huth (Autor), 2008, Die Erweiterung Athens in hadrianischer Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126601

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