Die Flottenpolitik im Deutschen Kaiserreich

1890er Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges


Examensarbeit, 2008

94 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Theoretische Grundlagen der maritimen Rüstung
1. Alfred T. Mahan: Die Bedeutung von Seemacht
2. Konzeption des deutschen Flottenbaus

II. Innenpolitische Genese der Flottenpolitik (1897 – 1900)
1. Kaiser und Reichsregierung – Förderer des Flottenbaus
2. Die Gewinnung des Reichstages

III. Die Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage in Europa
1. Deutsche „Weltpolitik“
2. Europäische Mächtekonstellation bis 1912

IV. Vom Wettrüsten zum Verfall des Flottenkonzepts
1. Das deutsch-britische Wettrüsten
2. Ein letzter Verständigungsversuch: Die Haldane-Mission

Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Jahrhunderte hindurch konnte Deutschland nicht als maritime Macht bezeichnet werden. Wie selbstverständlich schien die See den Spaniern, Franzosen, Portugiesen, Engländern, Holländern und Dänen zu gehören. Die Deutschen hingegen waren in ihrem kontinentalen Partikularismus gefangen; kaum etwas erinnerte noch an alte hanseatische Traditionen. 1898 postulierte Wilhelm II., Kaiser des noch jungen deutschen Nationalstaates, anlässlich der Eröffnung des neuen Stettiner Hafens, die künftige Zielsetzung des Kaiserreiches: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser“[1]. Deutschland wollte Weltmacht werden und benötigte dafür – ganz im Zeichen des Navalismus[2] - eine Flotte, die in der Lage war, ihm den Status einer Seemacht zu verleihen und seine Interessen auf der Welt selbstbewusst durchzusetzen.

Die Idee einer gesamtdeutschen Flotte war indes nicht neu. Bereits 50 Jahre vor der Rede des Kaisers hatte sich die Nationalversammlung der Paulskirche dem Projekt einer deutschen Flotte gewidmet. Sie sollte als weithin sichtbares Zeichen die Einheit der Deutschen und die Macht eines geeinten Deutschlands nach außen transportieren. Gerade erst hatte Dänemark den Deutschen durch eine Blockade vor Augen geführt, wie verwundbar sie an ihren Küsten waren. So folgte im Juni 1848 ein Beschluss der Nationalversammlung, der ein ambitioniertes Flottenbauprogramm forcierte. Doch es fehlte zu dessen Umsetzung an qualifiziertem Führungspersonal, den notwendigen finanziellen Mitteln, an dem Willen der Einzelstaaten sich an diesem Programm zu beteiligen - dafür etwaige eigene Flottenplanungen zurückzustellen – und schließlich an der Unterstützung durch die deutsche Öffentlichkeit. Damit scheiterten diese ersten gesamtdeutschen Flottenpläne, wie am Ende auch jenes Parlament, welches sie beschlossen hatte.[3]

In den folgenden fünf Jahrzehnten hatten sich die Rahmenbedingungen für eine Flottenrüstung jedoch entscheidend verändert. Mit Blut und Eisen[4] wurde 1870/71 der erste (klein)deutsche Nationalstaat geschmiedet. Das Kaiserreich entwickelte sich bis zur Jahrhundertwende wirtschaftlich wie militärisch zu einem Schwergewicht im Herzen Europas; seit den 1880er Jahren kamen auch koloniale Ambitionen hinzu. Im Bewusstsein der Stärke seiner selbst, schrieb sich das Reich „eine deutsche Weltpolitik auf die Banner“[5]. Nach imperialistischem Verständnis war nur eine schlagkräftige Marine in der Lage, dem Reich Weltgeltung zu verschaffen; eine solche musste jedoch das Verhältnis der Deutschen zu den führenden Seemächten – allen voran dem Britischen Empire - belasten, befand sich doch Deutschland auf dem Kontinent bereits in einer halbhegemonialen Stellung[6]. Unter der Ägide des Kaisers und des Konteradmirals Alfred von Tirpitz begann, mit dessen Berufung zum Staatssekretär des Reichsmarineamtes 1897, alsbald eine maritime Aufrüstung des Reiches, die sich an den theoretischen Grundsätzen des navalistischen Konzeptes von Seemacht orientierte und bereits seit Beginn der 1890er Jahre von Tirpitz in Denkschriften entwickelt wurde. Im Gegensatz zu 1848 waren jetzt die ökonomischen und politischen Voraussetzungen gegeben. Die Unterstützung der Bevölkerung wurde durch eine geschickte Öffentlichkeitsarbeit gewonnen und die Organisation des Flottenbaus in Gesetzesvorlagen sollte diesen schrittweise der Zustimmungspflicht des Reichstags entziehen.

Gezielt wollte die deutsche Führung die Flotte fortan als außenpolitisches Instrument einsetzen, durch sie sollte das Reich „als Gegner gefürchtet, als Bündnispartner begehrt sein.“[7] Die Flottenfrage wurde so in den Folgejahren zunehmend ein immanenter Faktor der deutsch-britischen Beziehungen. Zudem geriet das Kaiserreich mit seiner kontinentaleuropäischen Außenpolitik in eine prekäre Sicherheitslage. Unter dem Druck der außenpolitischen Isolation wechselte der Schwerpunkt der deutschen Politik 1912, trotz nochmaliger Flottennovelle, wieder auf die kontinentale Landmacht; die Hochzeit des deutschen Flottenbaus war somit beendet.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die ideologischen Voraussetzungen und theoretischen Planungen des deutschen Flottenbaus, sowie seine innenpolitische Initiation darzustellen. Ebenso die Klärung der Frage, in welcher Beziehung er zur deutschen Außenpolitik stand und welche Auswirkungen er auf die Sicherheitslage des Kaiserreichs hatte. Dem folgend, ausgehend von der These, dass die deutsche Flottenpolitik 1912 gescheitert war, sollen ebenfalls das deutsch-britische Wettrüsten und die Flottenverhandlungen von 1912 analysiert werden.

Der Kaiserreichsforschung wohnte nach 1945 auch immer der Versuch inne, eine Erklärung dafür zu finden, wie es zum Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland kommen konnte. Vielfach wurde hierbei mit Hilfe der Sonderwegsthese argumentiert; an den Besonderheiten der deutschen Entwicklung wurde versucht, den Weg in den Nationalsozialismus zu erklären.

Zentraler Untersuchungsschwerpunkt bezüglich des Kaiserreiches hierfür war die Diskrepanz zwischen der technisch-gesellschaftlichen Modernisierung und einem veralteten, autoritären Staatswesen? In den 1970er Jahren fanden zunehmend die gesellschaftlichen Verhältnisse des Kaiserreiches Eingang in die wissenschaftlichen Untersuchungen. Hans-Ulrich Wehler steht hierbei als einer der richtungweisenden Vertreter, der der Forschung neue Impulse gab. Obwohl er im 1995 erschienenen dritten Band seiner „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“ von vormaligen Leitbegriffen aus den 1970er Jahren wie „Sozialimperialismus“ und dem „Primat der Innenpolitik“ Abstand nahm, hielt er doch an seinem gesellschaftspolitischen Interpretationsweg fest. In den diesem Muster folgenden Interpretationen wird die Flottenrüstung eher aus einem innenpolitischen Blickwinkel betrachtet, ihr Charakter als nationale Aufgabe und gesellschaftliches Integrations- und innenpolitisches Kampfinstrument hervorgehoben.

Dem stehen Kaiserreichsdarstellungen gegenüber, die die Innenpolitik des Reiches zwar aufgreifen, ihr jedoch keine übergeordnete Stellung zugestehen, sie vielmehr in das gesamtstaatliche und gesellschaftliche System des kaiserlichen Deutschland einreihen. Hierzu zählt Thomas Nipperdeys „Deutsche Geschichte“, in der der Autor Planung und Umsetzung der Flottenrüstung verstärkt in einen außenpolitischen und geostrategischen Kontext stellt. Zudem wendet er sich gegen die Sonderwegsthese und versucht die deutsche Entwicklung als eine Variation gesamteuropäischer Entwicklungen zu klassifizieren. Hierbei wird bereits eine Tendenz der jüngeren Forschung seit den 1990er Jahren deutlich. Eine Trennung außen-, innen- und gesellschaftspolitischer Entwicklungen und Faktoren erscheint zunehmend analytisch ungeeignet, umfassende Gesamtdarstellungen damit jedoch deutlich schwieriger; Winklers „Der lange Weg nach Westen“ stellte hier für Ewald Frie einen verspäteten Schlusspunkt bezüglich der Gesamtdarstellungen dar. Die Sonderwegsthese wirkte nicht länger beschränkend und somit ist die jüngere Forschung durch spezialisierte Fallstudien, aber auch vergleichende Studien, die auch die Verhältnisse anderer Staaten in die Betrachtung einbeziehen, gekennzeichnet.[8]

Bereits in den 1920er Jahren gab es teils emotional geführte Diskussionen um die kaiserliche Flottenrüstung, die vielfach in die Debatte über die deutsche Verantwortung für den Ausbruch des Weltkrieges eingebettet waren. In den folgenden Jahrzehnten folgten weitere Analysen, die von Überlegungen über strategische Fehlkalkulationen des Tirpitz-Plans bis hin zu dessen Auswirkungen auf die außenpolitischen Konstellationen zwischen den Großmächten reichten. Einen wissenschaftsanalytischen Auftrieb erhielt die Forschung dann in den 1960er Jahren mit der Öffnung der Archive der westlichen Staaten, denen infolge des Zweiten Weltkrieges eine große Anzahl an Aktenmaterial in die Hände gefallen waren.[9]

Grundlegend für die Forschung zur kaiserlichen Flottenrüstung erschien wenige Jahre später Volker Berghahns Werk „Der Tirpitz-Plan“. Er analysierte die Planung und die Umsetzung des deutschen Flottenbaus; hierbei fokussierte er zum Einen den anti-parlamentarischen, zum Anderen aber auch den anti-englischen Charakter des Rüstungsprogramms. „Die wilhelminische Flottenrüstung“ von Michael Epkenhans stellt ein weiteres grundlegendes Werk dar, das in dieser Untersuchung Verwendung finden wird. Es setzt analytisch neben die Umsetzung des Flottenbaus auch die deutsche Industrie und den technischen Fortschritt als treibende Faktoren des Wettrüstens. Zusätzlich benennt der Autor präzise die gesellschaftlichen und außenpolitischen Rahmenbedingungen für den Flottenbau im Reich. Bezüglich des seestrategischen Denkens, das der deutschen Flottenpolitik zugrunde lag, wird hier Rolf Hobsons „Maritimer Imperialismus“ herangezogen werden. Hobson stellt der deutschen Flottenkonzeption eine Analyse des seestrategischen Denkens der Zeit – England und Deutschland stehen hierbei im Mittelpunkt – voran und versucht hierbei die Logik der Strategie Tirpitz´ in dieses einzubetten. Für einen besseren Blick auf den Flottenbau aus englischer Perspektive werden die Untersuchungen von Paul Kennedy hinzugezogen, da seine eher traditionalistische britische Sicht Divergenzen besonders deutlich werden lässt.

In Kapitel I werden die Seemachtideologie als Teil des internationalen bzw. imperialistischen Denkens und die Konzeption des Admirals Tirpitz für den deutschen Schlachtflottenbau und die damit verbundene Zielvorstellung für den Gebrauch dieser Flotte dargestellt. Dem folgend, wird im Kapitel II fortführend einerseits die Förderung der deutschen Flottenpolitik durch den Kaiser respektive der Reichsregierung und andererseits die innenpolitische Initiierung des Flottenbaus in Form der Bewilligung der ersten beiden Gesetzesvorlagen durch den Reichstag beschrieben. Mit dem Kapitel III wird die Einbettung des Flottenbaus in die deutsche Außenpolitik und die aus Flotten- und Außenpolitik resultierenden sicherheitspolitischen Lage des Kaiserreiches vorgenommen. Zusammenführend werden in Kapitel IV die Aspekte des deutsch-britischen Wettrüstens und die letzte Flottenverhandlung beider Staaten analysiert, die zum Scheitern der deutschen Flottenpolitik, in Anbetracht ihrer strategischen Konzeption, führten.

I. Theoretische Grundlagen der maritimen Rüstung

Wenn im Zeichen des Imperialismus der Status einer Nation als Weltmacht maßgeblich von der Größe und Schlagkraft seiner Flotte abhing, so musste doch im Bezug auf das Deutsche Kaiserreich um 1912 - dem Britischen Empire folgend - von der zweiten Macht auf der Welt gesprochen werden. Innerhalb von nur eineinhalb Dekaden rüstete das Reich ab 1897 seine Kriegsmarine „von der sechstgrößten Flotte der Welt zur zweitgrößten nach der Royal Navy“[10] auf und ließ damit selbst traditionelle Seemächte wie Frankreich, Holland und Russland hinter sich. Doch erscheint diese Beschreibung wenig aussagekräftig und unter Einbeziehung sicherheitspolitischer und ökonomischer Analysen als zu kurz gegriffen. Betrachtet man auch den ideengeschichtlichen Hintergrund der kaiserlichen Flottenrüstung, so erklärt sich doch zumindest, wie es überhaupt zu einer solchen Rüstung - und dies nicht nur im Kaiserreich - kam.

Der Imperialismus hatte in den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die europäischen Großmächte vollends ergriffen und zu einem erneuten und verstärkten Ausgreifen der europäischen Staaten auf dem Globus geführt; gleiches taten die USA und das Kaiserreich Japan als außereuropäische Mächte. Die Nationen verteilten zwischen „1876 und 1915 […] etwa ein Viertel der Landoberfläche der Erde als Kolonien“[11] untereinander. Zunehmend immanent war dem Imperialismusbegriff, der seit den 1890er Jahren im politischen wie journalistischen Gebrauch geläufig wurde, auch eine ausgeprägte ökonomische Komponente. Im Zuge weitreichender Industrialisierung und einem rasanten wissenschaftlich-technischen Fortschritt begann ein Wettlauf um die Erschließung und Sicherung neuer Absatzmärkte. Lag also eine der „Grundtatsachen des 19. Jahrhunderts in der Schaffung einer einzigen Weltwirtschaft“[12], musste die Durchsetzung eigener Wirtschafts- und Machtinteressen auch in Übersee nationalpolitisches Ziel jeder Großmacht sein. Dabei muss auch immer in Betracht gezogen werden, dass zum Ende eben jenes Jahrhunderts mehrere entwickelte und industrialisierte Volkswirtschaften konkurrierten, was wiederum spätestens seit den 1880er Jahren zu einem vermehrten wirtschaftlichen Protektionismus führte.[13] Dem folgend erschien den Großmächten eine schlagkräftige Flotte als eine Notwendigkeit nicht nur zur territorialen Expansion, sondern auch im Kampf um Absatzmärkte und die Sicherung wirtschaftlicher und politischer Einflusssphären.

Ebenso wie die Vereinigten Staaten und das Kaiserreich Japan, stieg das Deutsche Kaiserreich erst verspätet in den Kreis der Großmächte auf. Neben der Behauptung gegenüber den bereits etablierten Mächten, trat um die Jahrhundertwende immer häufiger auch die Vorstellung des Kampfes im sozialdarwinistischen Sinne, ganz im Zeichen der immer populärer werdenden Naturwissenschaften. Dieser „Kampf ums Dasein“ - als Grundmuster des menschlichen Wesens - wurde auf den Kampf der Völker, Staaten und Rassen um die Vorherrschaft auf der Welt übertragen. Besonders deutlich wurde dies beispielsweise bei der Weltreichslehre, die in Deutschland seit den 1890er Jahren weit verbreitet war. Diese Lehre ging davon aus, dass im 20. Jahrhundert nur wenige Staaten in der Lage sein würden, den Weltmachtstatus zu erhalten und für sich beanspruchen zu können. Neben dem Rassegedanken und der Frage nach dem verfügbaren Raum einer Nation, stellte gerade die Abhängigkeit vom Weltmarkt – im Umkehrschluss also der Zugang zum selben – ein zentrales Kriterium dar. Deutschland sollte nach Tirpitz´ Vorstellung das vierte Weltreich des 21. Jahrhunderts werden, wofür es eine schlagkräftige Flotte brauchte.[14]

Für das kaiserliche Deutschland erwiesen sich vor allem sicherheitspolitische und ökonomische Faktoren als Angelpunkte der Überlegungen. Gerade die deutsche Nation wuchs seit der Reichsgründung zunehmend zu einem wirtschaftlichen Schwergewicht im Herzen Europas heran - im Osten wie im Westen von potenziellen Kriegsgegnern umgeben. Sowohl der Export industrieller Fertigwaren, aber auch der Import von Nahrungsmitteln und Rohstoffen war für die deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Politisch schien den Deutschen die Mittellage zwischen Frankreich und Russland kritisch und es wohnte der deutschen Politik einerseits vielfach die Angst inne, den als fragil empfundenen Großmachtstatus in Zukunft möglicherweise verlieren zu können. Auf der anderen Seite stand das Bedürfnis, sich als Weltmacht zu profilieren – zu zeigen, dass man überhaupt Weltmacht sein konnte und wollte. Die alten Weltmächte hingegen „hatte[n] Weltgeltung, brauchte[n]“ diese nicht stetig unter Beweis zu stellen. Diesbezüglich ist folglich der Umstand nicht zu unterschätzen, dass es ebenso um das Prestige der Nation ging und „Weltmacht zu sein, eine unter den anderen, war auch an sich ein Ziel.“[15]

Gleichwohl musste sich den Zeitgenossen nun die Frage stellen, wie der Weltmachtstatus erlangt und der Großmachtstatus gesichert werden konnte. Die Antwort war offensichtlich, schaute man in Richtung der führenden Nation der Erde: dem Britischen Empire. England besaß eine Flotte, die in der Lage war – und dies in der Geschichte bewiesen hatte – das Mutterland, den Kolonialbesitz und die Handelswege zu schützen. Wenig verwunderlich daher, dass die Seestreitkräfte als das machtpolitisch-militärische Instrument betrachtet wurden, das als Garant für die Behauptung als Großmacht im Zeitalter des Imperialismus geeignet schien.[16] Doch inwiefern war Seemacht eben gleichbedeutend mit Weltmacht und war sie es, wie musste Seemacht definiert sein, damit sie überhaupt brauchbar war?

Viele Strategen und Militärs durchdachten das Konzept der Seemacht, einer jedoch tat sich besonders hervor. Alfred Thayer Mahan legte seine Überlegungen allgemein verständlich und weniger elaboriert dar, als es andere wissenschaftliche Studien der Zeit taten. Auf der anderen Seite verstand er es, seine Argumentation mit historischen Gegebenheiten zu verknüpfen und orientierte sich an der Weltmacht schlechthin: dem Empire.[17] Mahans Werk beeinflusste, wie folgend dargestellt wird, seit 1890 maßgeblich Strategen, Politiker, Machthaber und Militärs gleichermaßen; gerade wegen der Art seines Werkes, welches eine wesentlich größere Reichweite erlangte, als Fachbeiträge anderer Marineforscher – auch in der Öffentlichkeit. Im Anschluss wird die deutsche Flottenplanung genauer betrachtet, die vornehmlich von Alfred von Tirpitz geprägt wurde. Hier zeigen sich Denkmuster, die dem Navalismus entsprechen, jedoch auf Grundlage der spezifisch deutschen Voraussetzungen adaptiert, modifiziert oder umgedeutet wurden.

1. Alfred T. Mahan: Die Bedeutung von Seemacht

Die „Verheißung eines amerikanischen Marineakademielehrers“, erwuchs zur „Hoffnung jener europäischen Großmächte“, die davon überzeugt waren, dass sie nur Großmacht bleiben und zur Weltmacht aufsteigen konnten, wenn sie sich „neben der Macht zu Lande eine solche zur See“[18] schufen. Diese Ansichten, die sich an historischen Entwicklungen orientierten, wurden durch Mahan nicht neu erdacht; waren bereits von anderen Strategen untersucht worden.[19] Doch keiner belegte diese bis dato so fundiert und detailliert historisch - oftmals blieben deren Analysen lediglich einem kleineren Kreis von Fachleuten vorbehalten, während Mahans Erkenntnisse weltweit in Büchern veröffentlicht wurden. In den verschiedenen Nationen wurden die Schriften des Amerikaners auch durchaus unterschiedlich rezipiert und an die nationalen Besonderheiten angepasst – zeitgenössische Diskussionen zu eben jenen Fragen kamen jedoch nicht an Mahans Argumenten vorbei, ohne zu ihnen Stellung nehmen zu müssen.[20]

Mahan[21] datierte in seinen Memoiren den Zeitpunkt, zu dem er die Einsicht gewann, die ihn berühmt werden ließ, auf den Herbst des Jahres 1884. Einer Einladung auf die vor Peru kreuzende USS Wachusett folgend, sei ihm fast religiös die Erkenntnis gekommen, das Seemacht ein bedeutender Faktor der Geschichte sei, der bis dato weder ausreichende Beachtung, noch Beschreibung gefunden habe. Die Realität – so zeigt Rolf Hobson – sah wohl weniger spektakulär aus, vielmehr fiel der Gedanke an Seemacht mit Mahans Wendung zum Imperialisten zusammen. Er war Befürworter der territorialen, maritimen und wirtschaftlichen Expansion der Vereinigten Staaten und kann zu recht als Vertreter des Imperialismus gelten. Dabei machte er mit seinen Schriften auf den Faktor der Seemacht aufmerksam – abgeleitet aus der Geschichte, richtungweisend für die Zukunft, für das Werden einer Nation als Weltmacht.[22] Mahan schrieb nicht aus einer distanzierten Perspektive: Sein schriftstellerischer Stil in Verbindung mit dem seestrategischen Fachwissen eines Offiziers und Marinetheoretikers schien die Zeitgenossen zu beeindrucken und zudem dem imperialistischen Impuls der Zeit zu entsprechen. Abgesehen davon, erhöhte seine Qualifikation die Aussagekraft seiner Analyse. Er entsprach auch einem Bedürfnis seiner eigenen Heimat, der aufsteigenden Großmacht USA, die in den Jahren um die Jahrhundertwende eine zunehmend imperialistische Politik verfolgte. Am Beispiel der britischen Seemacht sollten die Vereinigten Staaten verstehen können, wie sie selbst Weltmacht werden könnten.

Seemacht war also ein Element der Weltmacht, mehr noch, das entscheidende Instrument, dessen es nicht fehlen durfte, wollte eine Nation Weltmacht sein. Es war der bestimmende Begriff, der bestimmende Faktor bei Mahans theoretischen Überlegungen in „The Influence of Sea Power upon History“[23]. In seinem Werk versuchte Mahan allgemein darzustellen, welchen Einfluss die Seemacht – verstanden als die Beherrschung der See – auf die Geschichte hatte; im Speziellen auf den Aufstieg und den Fall großer Mächte. Dazu begann er zunächst mit der Definition des Begriffes, wobei er Determinanten typologisierte und Grundelemente und Bedingungen für Seemacht aufstellte. Er zeichnete chronologisch an verschiedenen, ausführlichen Exempeln den Aufstieg Englands zur Weltmacht, also zu der Seemacht par exellence, nach. Das brachte Mahan höchst lobende und ehrende Töne auch in der englischen Presse ein, die ihn damals mit Kopernikus verglich. Mahan habe gezeigt, dass alles von der Seemacht abhänge. Für ihn erschien das Empire als das „supreme example of sea power at work“[24], dem nachzueifern es seiner Meinung nach für die Vereinigten Staaten galt – und das eine faszinierende Anziehungskraft auch bei anderen Großmächten bis hin zu Staaten der Peripherie, wie Chile, Argentinien und Brasilien, erzeugte.[25]

Mahan war der festen Überzeugung, dass trotz des waffentechnischen Fortschritts - gerade im Bezug auf die Seekriegsführung - das Studium der Geschichte mit „its illustration of the general principles of maritime war“[26] hilfreich für zukünftige Strategien und die Politik wäre. Eine dieser Lehren legte er gleich zu Beginn seines Werkes dar: Kriege und ihr Ausgang wurden in der Vergangenheit wesentlich durch die Seeherrschaft bestimmt. Hierbei zielte er vornehmlich auf große Mächte ab, die durch Sicherung von Ländern und Absatzmärkten in Übersee ihren Wohlstand bezogen, überhaupt erst groß wurden durch die Nutzung der See und die Herrschaft über diese.[27]

Seemacht war nun aber wie zu definieren? Mahan selbst blieb hierbei eher unscharf und grenzte den Begriff auf unterschiedlichen Ebenen ein. Zunächst beinhaltete er von vornherein sowohl eine militärische, als auch eine ökonomische Dimension. Der Seeweg stellte den wichtigsten Transportweg des internationalen Warenhandels und Verkehrs dar. Mahan argumentierte, dass der Transport von Waren und Personen auf dem Wasserweg stets günstiger gewesen wäre, als der zu Lande. Gerade für den Handel mit weit entfernten Gebieten träfe dies zu, umso mehr, da der Seehandel seit der frühen Neuzeit für die europäischen Staaten an Relevanz gewonnen hatte; der Im- und Export von Rohstoffen und Fertigwaren wurde für die sich industrialisierenden Volkswirtschaften immer wichtiger, für die Nationen mit Meereszugang war nach Mahan die wirtschaftliche Expansion nach Übersee ein natürliches Ziel zur Mehrung und dem Erhalt des Wohlstandes. Objekt dieser ökonomischen Dimension der Seemacht waren die Handelsflotten der Staaten.[28] Die Kriegsflotte stand in den Überlegungen der Handelsflotte anbei: die militärische Dimension von Seemacht. Der bewaffneten Marine eines Staates wies er die Aufgabe zu, die Handelsschiffart im Konfliktfalle zu verteidigen und die Handelsrouten offen zu halten, es sei denn, eine Nation hielte sich lediglich „a navy merely as a branch of the military establishment.“ Im Umkehrschluss war somit eine bewaffnete Marine auch für die friedfertigen Staaten von Nöten um sich und den eigenen Handel vor Übergriffen anderer Mächte zu schützen.[29]

In den einleitenden Worten umriss das Werk die Seemacht definitorisch als ein strategisches Durchsetzungsmittel. Beispielhaft wurde das antike Rom herangezogen, das aufgrund seiner maritimen Logistik, der Fähigkeit also, großen Truppen- und Versorgungsnachschub über das Meer zu transportieren, den Karthagern überlegen war. Der Gegner musste dann im Idealfalle noch selbst an eigenen maritimen Operationen gehindert werden. Damit deckte sich seine Vorstellung strategischer Seemacht auch mit der anderer Theoretiker, wonach die erste Möglichkeit, den Gegner zu besiegen, in einer durch Seemacht abgesicherten Invasion lag. Die zweite Variante war eine „economic strangulation“[30] des Gegners; Mahan zog hier ein britisch-französisches Beispiel der napoleonischen Zeit heran. Die feindliche Nation sollte durch eine Blockade vom Handel und damit der Quelle seines Wohlstandes und Nachschubes abgeschnitten werden.[31] Einer der Gründe für den Erfolg der britischen Flotte lokalisierte er in der Nutzung der strategischen Offensive.

Die Grundelemente, die die Seemacht auf ein Fundament stellten, sah Mahan in der Trias von Produktionskraft und dem damit verbundenen Im- und Export von Waren, der Schifffahrt und ihrer logistischen Möglichkeiten und schließlich in Kolonien, die die Reichweite der Marine erweiterten und als Schutzplätze zur Verfügung standen. Diese zweite Definition war eher unscharf konturiert, leitete aber zu den Grundbedingungen von Seegeltung über, die eine besondere Faszination auf die Zeitgenossen ausübte. Die von ihm zusammengefassten Punkte gaben den Strategen der Zeit eine Art Kompendium in die Hand, welches für die jeweils eigene Nation abgearbeitet werden konnte um die Seemacht zu begründen und die Notwendigkeit derselben deutlich zu machen.[32]

Die geografische Lage der Nation war der erste entscheidende Faktor. Dabei spielte die Nähe des Landes zu den internationalen Handelsrouten ebenso eine Rolle, wie auch die Frage, wie lang die Küstenlinie der jeweiligen Nation war. Gerade bei Staaten wie den USA oder Russland, die Küsten an zwei Ozeanen besaßen, stellte sich die Problematik der gewichtenden Positionierung der eigenen Seestreitkräfte, was wiederum auch in Abhängigkeit eines Konfliktfalles stand. Die „Physical Conformation“ war ein weiterer Faktor, „which affect the development of sea power.“[33] Die Küstenlinie musste also so beschaffen sein, dass Hafen- und Werftanlagen überhaupt angelegt und genutzt werden konnten. Es stand auch die Frage nach dem natürlichen Reichtum eines Landes im Blickpunkt, der darüber entschied, inwiefern sich eine Nation eher in Richtung Übersee oder nach innen orientierte, wobei Mahan auch dem Rechnung trug, dass es Unterschiede gab, ob eine Nation die See nur nutzte, um den Wohlstand und Prestige zu steigern oder ob es eine Überlebensfrage wie im Falle Englands darstellte. Frankreich stand aufgrund seines inneren Reichtums als Beispiel für den ersteren Fall. Zudem trat hier die Überlegung nach der Beschaffenheit der Küsten in den Vordergrund, was wiederum im Kriegsfalle von entscheidender Bedeutung war. Die territoriale Ausdehnung und die Bevölkerungszahl als dritter und vierter Aspekt spielten ineinander. Das militärische Potenzial stand dabei im Vordergrund, so zum Beispiel, wie viel Menschen - in Küstennähe - der Marine im Notfall zur Verfügung ständen. Der Nationalcharakter und die Art des Regierungssystems (Regierungspolitik) bildeten die abschließenden Betrachtungspunkte Mahans. Gemeint war die Art des Handelns einer Nation in Bezug auf nationale Strategien, bspw. im Bereich der Kolonialverwaltung. Dies war abhängig von dem Charakter einer Nation. Der Regierungscharakter bestimme maßgeblich die Umsetzung politischer Entscheidungen und die Frage der Stringenz politischer Strategien und deren Verfolgung.[34]

Mahan galt als Historiker, wobei dies nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass seine wissenschaftlichen Methoden teils fragwürdig, teils de facto nicht vorhanden waren. Einige seiner Thesen wurden später falsifiziert, freilich erst nach Jahren, zu gut scheint sein Werk in das imperialistische Denken gepasst zu haben. Er simplifizierte und betrachtete in seinen Kriegschroniken zu einseitig, ließ militärische Ereignisse auf dem Land außer Acht[35] und erhob die Seeschlachten zu entscheidenden Angelpunkten des jeweils betrachteten Krieges. Kritiker seiner Theorien wurden oft nicht gehört oder ignoriert, bot „The Influence of Sea Power upon History“ doch eine ideale Vorlage, sich seines eigenen Status zu versichern, zu begründen, weshalb eine Nation eine Seemacht brauchte. Seemacht als Machtfaktor und ihre Bedeutung für eine Weltmacht wurde damit eine weithin anerkannte Meinung und fand ihren Niederschlag in navalistischen Tendenzen der Politik vieler Staaten. Genug Freiraum boten die Interpretationen im Sinne Mahans auch einer Nation, die keine Seemacht war, aber eine solche werden wollte, um endlich gleichberechtigte Weltmacht zu sein: das Deutsche Kaiserreich.

Hier fiel die Veröffentlichung der Thesen mit einer allgemeinen Steigerung des öffentlichen Interesses für eine weltweite deutsche Außenpolitik zu Beginn der 1890er Jahre zusammen. Zusätzlich hatten sich auch in den Marinekreisen des Reiches seestrategische Überlegungen entwickelt, die sich scheinbar in weiten Teilen mit der Seemachtideologie des Amerikaners deckten. Dies muss im Gesamtverhältnis gesehen werden, so waren „Mahans Ideen […] hier nur ein Teil einer umfassenderen ideologischen Mischung“[36] ; allerdings lässt sich konstatieren, dass es sich um einen wichtigen Teil gehandelt hat, der zudem internationale Wirkung entfaltete. Bedeutend waren diese Ideen in ganz besonderer Weise für die Flottenpropaganda – also die Mobilisierung der öffentlichen Meinung – und auch in dem sie den preußisch-deutschen Marineoffizieren einen enormen Auftrieb und den Schritt aus dem Schatten des deutschen Heeres heraus ermöglichten. Für die Propaganda ließ das Reichsmarineamt 8000 ins Deutsche übersetzte Exemplare des Werkes drucken. Interessant ist sicherlich der Umstand, dass der Kaiser ebenfalls zu den interessierten Lesern des Buches zählte.[37] Jener Mann also, der Oberkommandierender der deutschen Streitkräfte war, über deren Zusammensetzung entschied und selbst eine ausgeprägte Affinität zur Flotte besaß.

Deutlich wird, dass die Thesen Mahans internationale Anerkennung fanden und vielfach in die nationalen strategischen Planungen einflossen. Sie wurden ebenso im Kreis deutscher Marineoffiziere aufgegriffen, teils adaptiert und letztlich auch als öffentlichkeitswirksame Argumentationshilfe zur Begründung des eigenen Strebens nach Weltmacht genutzt.[38] Zudem war die Seemachtideologie ein Kind ihrer Zeit und fügte sich gänzlich in das Theorem des Imperialismus ein; Ökonomie und Militärstrategie als Grundkonstanten hatten beide gemein. Am Ende wollten Staaten, die niemals Seemacht waren, es werden, da die unzweifelhafte Lehre der Geschichte zu sein schien, dass „nur die Seemächte die wahren Mächte in der Vergangenheit gewesen seien und es unzweifelhaft auch in Zukunft sein würden.“[39] Weltweit hatten sich Militärs mit Mahans Werk auseinandergesetzt und Großbritannien als Beispiel für Seemacht schlechthin schien die Argumentationskette so eindeutig zu belegen, dass keine strategische Flottenplanung daran vorbei kam. Dabei stellte „The Influence of Sea Power upon History“ nicht zwingend die Grundlage der nationalen maritimen Rüstungsplanungen dar. Vielmehr war es in seiner scheinbaren Klarheit und Kausalität ein Beleg für die Richtigkeit der eingeschlagenen Seemachtpolitik, wie jener, die das Deutsche Kaiserreich Anfang der 1890er Jahre zu forcieren begann.

2. Konzeption des deutschen Flottenbaus

Das Kaiserreich hatte seit den 1880er Jahren verstärkt koloniale Ambitionen entwickelt und kollidierte hierbei fast zwangsläufig mit den Interessen der etablierten Kolonialmächte, allen voran England. Im Gegensatz zu diesen gehörte es aber mitnichten zur Riege der Seemächte. Einerseits hieß es für die aufstrebende deutsche Wirtschaftsmacht, neue Absatzmärkte zu erschließen und zu sichern, andererseits verhieß der noch junge deutsche Kolonialismus Partizipation an der Außenpolitik der Großmächte über den europäischen Rahmen hinaus. Nationales Interesse war nicht nur gespeist aus ökonomischen Faktoren, sondern auch aus dem Bedürfnis nach politischem Ansehen, ausgedrückt in dem Wunsch nach „Weltgeltung“ – man wollte gleichberechtigt auf gleicher Augenhöhe den bisherigen Weltmächten gegenübertreten können. Hierzu fehlte aber faktisch - und gemäß der navalistischen Denkrichtung der Zeit - das notwendige Instrument: die Seemacht.

Die Kaiserliche Kriegsmarine war zu Beginn der 1890er Jahre zwar existent, jedoch in keiner Weise einem einer Seemacht entsprechenden Maße gerüstet. Die Aufgabe der Flotte lag bis Mitte der 1890er vornehmlich in der Küstenverteidigung. Selbst für diesen Zweck war sie mittlerweile zu klein geworden und zudem veraltet; die Linienschiffe der hauptsächlich genutzten Siegfried-Klasse galten gar als nicht mehr kriegstauglich, was selbst den erfolgreichen Küstenschutz im Kriegsfalle in Frage stellte.

Angesichts der sicherheitspolitischen Situation des Reiches, mit Frankreich und Russland an seinen beiden Küstenlinien maritimen Großmächten – die zudem ambitionierte Flottenbauprogramme forcierten - als potenziellen Gegnern eben nicht nur auf dem Land gegenüberzustehen, erwuchs im deutschen Oberkommando das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Flottenverstärkung.[40] Der koloniale Ausgriff Deutschlands nach Afrika und in den pazifischen Raum, die vermeintlich notwendige Sicherung der überseeischen Handelsrouten des Reiches und der Wunsch danach, von den anderen Staaten nicht nur als europäische Macht, sondern als gleichberechtigte Weltmacht anerkannt zu werden, was nur realisiert werden konnte, wenn eben auch die führende Welt- und Seemacht England dies tat, verstärkten dieses Bewusstsein des Oberkommandos. Schließlich mündeten diese Überlegungen in nicht weniger als einem seestrategischen Paradigmenwechsel des Kaiserreiches. Seine enorme Landmacht, im europäischen Vergleich führend, schien die Bedürfnisse nach „Weltgeltung“ nicht befriedigen zu können, war sie doch gänzlich an den europäischen Kontinent gebunden. Das geeignete Mittel, die Hoffnungen zu erfüllen, sahen die Deutschen in einer schlagkräftigen Flotte, deren operativen Möglichkeiten und zunehmend in ihrem machtpolitischen Selbstzweck.

Im Allgemeinen muss man „sich hüten, die Flottenpolitik moralisch zu verdammen, […] [denn] weder der Wunsch, Weltmacht noch der Wunsch, Seemacht zu sein, [waren] europäisch anormal“[41]. Gerade für die noch jüngeren Mächte, allen voran Deutschland, aber auch Italien, ebenso Japan und die Vereinigten Staaten im außereuropäischen Kontext, galt die Notwendigkeit sowohl ökonomischer und damit verbunden territorialer, als auch machtpolitischer Expansion als Grundvoraussetzungen für den Aufstieg zur Weltmacht. Dies musste Rückwirkung auf die etablierten Weltmächte England, Frankreich und Russland haben, die kein Interesse an weiteren weltpolitischen Konkurrenten – weder ökonomisch, noch machtpolitisch – hatten und ebenfalls Expansion, zumindestens aber die Wahrung des eigenen Besitzstandes anstrebten. Dabei befanden sich die drei Dimensionen, also die Öffnung und Sicherung neuer Absatzmärkte und Handelsrouten, die territoriale Expansion respektive der Kolonialerwerb und der Zuwachs militärischer (maritimer) Macht in einem Interdependenzverhältnis, in welchem Zu- oder Abnahme der einen oder anderen Dimension unweigerliche Rückwirkung auf die anderen und damit auf das Gesamtkonzept Weltmacht hatten.[42] All dies sublimiert sich folglich im Konzept der Seemacht, wobei deren Notwendigkeit erst durch Überseehandel und Kolonialbesitz begründet wird, im Umkehrschluss aber den Schutz derselben und eine weitere Expansion erst zulässt. Seemacht ist somit als das bestimmende Moment auszumachen, das einerseits Ziel und andererseits Absicherung der drei Dimensionen darstellt. Hierbei zeigt sich nochmals deutlich, wie das allgemeine Konzept, welches Mahan „Sea Power“ nannte, Eingang in das allgemeine Denken der Zeit und dessen Kausalitäten Beachtung gefunden hatte. Die maritime Macht als Instrument eines Staates, Weltmacht zu werden und Garant, von den bisherigen Weltmächten als gleichberechtigt anerkannt zu werden – Ziel auch der deutschen Flottenpolitik.

Diese neue Zielrichtung erhielt der Flottenbau im Kaiserreich entscheidend durch Alfred von Tirpitz[43]. Schon bevor er 1897 Chef des Reichsmarineamts wurde, verfasste er Memoranden und Denkschriften, in denen er seine Vorstellungen zur Flottenverstärkung darlegte. Zunächst blieben diese Analysen nur einem engeren Zirkel von deutschen Militärs zugänglich. Wurde in ihm bis dato teils lediglich ein von Ressorteifer getriebener Bürokrat gesehen, muss dies zurückgewiesen werden, war ihm doch die politische Tragweite seiner Flottenkonzeptionen bereits zu Beginn der 1890er Jahre durchaus bewusst; er hatte sie analysiert und kalkuliert.[44]

Neben den von Tirpitz herausgearbeiteten Begründungen und Konzeptionen für die maritime Rüstung, sollen zunächst allgemeine Beweggründe für die Notwendigkeit der Flottenverstärkung aufgezeigt werden, die auch über den Kreis der Marinestrategen hinaus in der deutschen Politik und Öffentlichkeit ihre Beachtung fanden (und größtenteils sicher auch auf andere imperiale Staaten zutrafen). Zuvorderst stand die Küstenverteidigung als einer der traditionellen Gründe für die Vergrößerung einer Flotte. Im Zentrum der Analysen befand sich auf deutscher Seite die latente Bedrohung durch die französische Nordflotte und die russische Ostseeflotte, das Empire stand zu jener Zeit aufgrund der aktuellen Bedrohungsanalyse bezüglich Russlands und Frankreichs noch weniger im Fokus der Überlegungen. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt verstärkte – nicht nur im Kaiserreich - den Trend zum Bau von Großkampfschiffen. Da eben die Schiffe der potenziellen Gegner größer und kampfstärker wurden, lag die Einsicht nahe, dass auch die deutschen Schiffe, wollten sie beispielsweise eine engere Blockade durchbrechen, größer und schlagkräftiger werden mussten.

Der Schutz und Durchsetzung von Auslandsinteressen kann als weiteres Motiv gesehen werden, dies galt hauptsächlich in der deutschen Wirtschaft als eines der Hauptargumente. Gemeint ist damit einerseits die militärische Deckung deutscher Handelsinteressen, die im Erwerb und der Sicherung von Kolonien lag. Die deutschen Kaufleute und Händler gingen in oftmals bereits von anderen Europäern kontrollierte Wirtschaftsräume und empfanden dies als eine Position der Schwäche und fürchteten handelspolitische Benachteiligungen. So wurde ihrerseits die deutliche Forderung nach staatlicher Unterstützung und dem Schutz deutscher Handelsinteressen, des deutschen Exports, wie auch des Imports der von der deutschen Wirtschaft so dringend benötigten Rohstoffe laut.[45] Andererseits ergab sich ebenso die Notwendigkeit einer Flotte aus der Möglichkeit heraus, auch außerhalb Europas gegen säumige Schuldner vorgehen zu können: die Kanonenbootdiplomatie. Vornehmlich stand jedoch die Schaffung von „Markt- und Machtmonopolen zum Ausschluss der Konkurrenz“ als eine „außenhandelspolitische Notwendigkeit“[46] im Vordergrund. Die besprochenen Beweggründe für den Flottenausbau waren also eher allgemeiner Natur und nicht auf Deutschland beschränkt, fokussierten neben rein defensiver Küstenverteidigung vornehmlich ökonomische Faktoren.

Dazu, zum Schutz der ökonomischen Interessen, bedurfte es einer möglichst großen Flotte an Auslandskreuzern; dies entsprach auch den anfänglichen Vorlieben des Kaisers. Problematisch gestaltete sich der Umstand, dass gerade dies teilweise ein Grund für die Stagnation der Flottenrüstung im Kaiserreich bis Mitte der 1890er darstellte; so erweckten die immer neuen Forderungen und wechselnden Konzeptionen einer Auslandskreuzerflotte und das Fehlen jeglicher Systematik gerade beim Reichstag den Eindruck, es handle sich lediglich um eine Spielerei des Kaisers, nicht um ein wirtschaftliches oder sicherheitspolitisches Bedürfnis des Reiches.[47]

Eine Wende erfuhr die Flottenpolitik dann mit Alfred von Tirpitz, der bereits vor 1897 eine stringente Konzeption und Argumentation entworfen hatte. Neben den bereits besprochenen allgemeinen übernationalen Motiven, derer Tirpitz sich auch in seinen Begründungen vielfach bediente, schuf er eine Flottenplanung, die sich an den Voraussetzungen und (nach Tirpitz´ Denkart) sicherheitspolitischen Bedürfnissen des Reiches orientierten und somit eben jenen Paradigmenwechsel einleitete, infolgedessen der defensive Charakter und die ökonomische Dimension einer deutschen Seemacht zunehmend in den Hintergrund – der offensive Charakter und die Wendung von einer Kreuzer- hin zu einer Schlachtschiffflotte in den Vordergrund - traten.

Die von Tirpitz verfasste Dienstschrift Nr. IX vom 16. Juni 1894[48] umriss bereits seine Vorstellungen und Konzeption für den Ausbau der Kriegsmarine. Aufgrund der argumentativen Bandbreite und der Wendung zum Offensiven, die die Notwendigkeit einer starken deutschen Flotte bereits 1894 beschwor, ist dieses Dokument von zentraler Bedeutung. Umfassend stellte der Admiral hier seemilitärisch-strategische Überlegungen an, analysierte aber auch diesbezüglich Aspekte der Kolonialpolitik, die diplomatischen Vorteile, die mit einer solchen Hochseeflotte entstünden und letztlich auch die innenpolitischen Möglichkeiten derselben.

Grundlegend für alle weiteren Motive und Konzeptionsideen bezüglich der Flotte war die prinzipielle Ausrichtung, die der Admiral der Marine in diesem Dokument zuwies. Er sah die „natürliche Bestimmung einer Flotte“ in der „strategischen Offensive“[49]. Dieser Aspekt darf nicht unterschätzt werden, wirkte er sich doch auf die Zusammensetzung aber auch auf die zukünftige Einsatzplanung aus. Strategische Offensive meint, dass die Flotte so beschaffen sein musste, dass sie zumindest zu kurzen offensiven Schlägen gegen eine feindliche Flotte in der Lage gewesen wäre und nicht lediglich nahe der eigenen Küsten eine defensive Rolle einnehmen konnte. Er nimmt dabei indirekt Bezug zur Zielsetzung der deutschen Außenpolitik - zunehmendes koloniales Engagement bis hin zur „Weltpolitik“[50] -; wahrt dabei aber den Anschein der Allgemeingültigkeit. Tirpitz konstatiert, dass „Ein Staat, der See- oder, […] Weltinteressen hat“, in der Lage sein müsse, „seine Macht über seine Territorialgewässer hinaus fühlbar“ zu machen. Der Umkehrschluss seinerseits besteht in der Behauptung, dass in einer Nation, die dazu nicht in der Lage wäre, Wirtschaft und Handel in der Expansion gehemmt sein würden. Die Flotte müsse das Rückgrat der ökonomischen Expansion darstellen.[51] Inwiefern diese handelspolitische Begründung an dieser Stelle nur vorgeschoben war, wiegt weniger schwer, als die grundsätzliche Richtung, die der Flotte mit der Notwendigkeit der strategischen Offensive gegeben wurde. Allerdings sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass auch Handelspolitik durchaus ein machtpolitisches Instrument darstellte, welches auch im Konfliktfalle an Bedeutung gewinnen konnte.[52] Im deutschen Fall jedoch war die Möglichkeit, den Überseehandel der Konkurrenten empfindlich zu behindern, kaum gegeben. Eine auf die Offensive ausgerichtete strategische Planungsgrundlage bedeutete, dass das Reich zum Einen eine starke Flotte – eine, die mit den anderen Weltmächten zu konkurrieren in der Lage war - benötigte, zum Anderen lässt sich hieran bereits erkennen: Sie sollte so aufgerüstet werden, dass sie auch dementsprechend genutzt werden konnte. Nicht zwangsläufig darf hier unter dem offensiven Einsatz der Flotte eine militärische Aktion verstanden werden; Handlungspotenzial konnte und sollte sie vor allem auch (außen-)politisch entfalten.

Deutlich zeigt sich nochmals der Paradigmenwechsel, weg von einer defensiven Verteidigungsflotte der deutschen Küsten, hin zu einer mit offensivem Potenzial.[53] Klar werden auch die Parallelen zum allgemeinen navalistischen Denken, so verdeutlichte beispielsweise Mahan am britisch-französischen Beispiel, welche Vorteile die strategische Offensive in der Geschichte entfaltet hatte. Ebenso forcierte Tirpitz die Organisation in Geschwadern, was sich im weiteren Sinne auch mit Mahans Analyse deckte, der das Zusammenhalten der Kräfte forderte; die Flotte wurde im Zeitalter der Großkampfschiffe als ein ganzes Gebilde betrachtet, im Vordergrund stand so weniger die Kampfkraft des einzelnen Schiffes, sondern die des gesamten Geschwaders.[54]

Die Lage des Reiches „am Rande und am Winkel der Nordsee“[55] bedingte die Möglichkeiten taktischer Operationen der deutschen Flotte. Bei der Analyse der wahrscheinlichen Gegner war die Durchbrechung einer engeren Blockade, die den Weg in den Atlantik öffnete, planerisch die wichtigste taktische Option. Aufgrund der Position und der potenziellen Stärke der feindlichen Seestreitkräfte, erschien eine Flotte aus Schlachtschiffen als essenzielle Voraussetzung, dieses Ziel zu erreichen; Tirpitz konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Heimatschlachtflotte, billigte dem Kreuzer nur eine ergänzende Rolle in der Systematik der Seemacht zu.[56] Die Wendung von der Idee eines ausschließlichen Kreuzerkrieges – entsprechend der „jeune école“[57] hin zum Schlachtflottenbau vollzog sich bereits Anfang der 1890er Jahren in Teilen des Oberkommandos. Maßgeblich waren eben jene Überlegungen, die Tirpitz anstellte und ebenso die Anerkennung der Realitäten – faktisch gingen alle Seemächte vermehrt zum Bau von Schlachtschiffen über, wenngleich für einige auch weiterhin die Kreuzer eine wichtige Rolle in der strategischen Planung einnahmen. Das Kaiserreich verfügte nicht über ausreichende Stützpunkte in Übersee, entlang der Haupthandelsrouten, was den reinen Kreuzerkrieg für das Reich, überhaupt dessen Erfolgsmöglichkeiten, abwegig erscheinen ließ.

[...]


[1] Eröffnung des neuen Hafens in Stettin (23. September 1898), abgedruckt in: Johann, Ernst (Hrsg.), Reden des Kaisers, Ansprachen, Predigten und Trinksprüche Wilhelms II., 2. Auflg., München 1977, Dok. 26, S. 80 – 81, S. 81.

[2] Der Navalismus stellt eine Sonderform des Militarismus dar und wurde u.a. durch den amerikanischen Historiker und Strategen Alfred T. Mahan begründet.

[3] Vgl. Wollstein, Günter, Das „Großdeutschland“ der Paulskirche, Nationale Ziele in der bürgerlichen Revolution 1848/49, Düsseldorf 1977, S. 255 - 265.

[4] Hierbei ist die Konstituierung des Deutschen Reiches durch machtpolitische Entscheidungen und Kriegsführung gemeint - im Gegensatz zu einer parlamentarischen Einigung bspw. durch eine verfassungsgebende Versammlung.

[5] Winkler, Heinrich A., Der lange Weg nach Westen, Deutsche Geschichte 1806-1933, Bonn 2002, S. 275.

[6] Nach der Reichsgründung war das Kaiserreich vor allem militärisch, später auch ökonomisch, im direkten Vergleich stärker als jede andere kontinentaleuropäische Großmacht.

[7] Nipperdey, Thomas, Deutsche Geschichte 1866-1918, Bd. II, Machtstaat vor der Demokratie, München 1992, S. 634.

[8] Vgl. Frie, Ewald, Das Deutsche Kaiserreich, (Kontroversen um die Geschichte), Darmstadt 2004, S. 10 - 14. Frie gibt einen Überblick über die Kaiserreichsgeschichte vom Kaiserreich selbst bis zur Gegenwart und stellt exemplarisch Forschungskontroversen dar.

[9] Vgl. Hobson, Rolf, Maritimer Imperialismus, Seemachtideologie, seestrategisches Denken und der Tirpitzplan 1875 bis 1914, (hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Potsdam, und dem Institut für Verteidigungsstudien, Oslo), München 2004, S. 1 - 5.

[10] Kennedy, Paul, Aufstieg und Fall der großen Mächte, Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 – 2000, Frankfurt a. M. 2000, S. 325.

[11] Hobsbawm, Eric J., Das imperiale Zeitalter 1875 – 1914, Frankfurt a. M./New York 1989, S. 82.

[12] Ebd., S. 86.

[13] Vgl. ebd., S. 82 f.; vgl. Schöllgen, Gregor, Das Zeitalter des Imperialismus, 3. Aufl., (Oldenbourg-Grundriss der Geschichte, Bd. 15), München 1994, S. 2; vgl. Hobsbawm, E., Das imperiale Zeitalter, S. 91.

[14] Vgl. Kennedy, Paul, Aufstieg und Fall, S. 303; sowie: Neitzel, Sönke, Weltmacht oder Untergang, Die Weltreichslehre im Zeitalter des Imperialismus, Paderborn 2000, S. 81 – 209. Die Theoretiker der Weltreichslehre gingen davon aus, dass sowohl die Vereinigten Staaten als auch Russland definitiv (je nach Analyse auch Japan und das Empire) zu den führenden Weltmächten des 20. Jahrhunderts gehören würden. Das Deutsche Reich habe zwar das „rassische“ Potential, territorial und ökonomisch hätte es jedoch expandieren müssen (hierbei sahen die Vertreter dieser Lehre durchaus verschiedene Wege) um sich seinen Platz unter den Weltmächten zu sichern.

[15] Nipperdey, Th., Deutsche Geschichte, S. 630 f.

[16] Vgl. Rahn, Werner, Strategische Probleme der deutschen Seekriegführung 1914 – 1918, in: Michalka, Wolfgang (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg, Wirkung, Wahrnehmung, Analyse, München 1994, S. 341 – 365, S. 341.

[17] Vgl. Epkenhans, Michael, Seemacht = Weltmacht, Alfred T. Mahan und sein Einfluss auf die Seestrategie des 19. und 20. Jahrhunderts, in: Elvers, Jürgen / Jensen, Jürgen / Salewski, Michael (Hrsg.), Kiel, die Deutschen und die See, (Historische Mitteilungen, im Auftrag der Ranke-Gesellschaft, Vereinigung für Geschichte im öffentlichen Leben e.V.), Stuttgart 1992, S. 35 – 47, S. 37 f.

[18] Salewski, Michael, Deutschland als Seemacht, in: Elvers, J. (Hrsg.) u.a., Kiel, die Deutschen und die See, S. 21 - 34, S. 21 f.

[19] Vgl. Kennedy, Paul, Strategy and Diplomacy 1870 – 1945, Eight Studies, Aylesbury 1983, S. 41.

[20] Vgl. Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 165.

[21] Am 27. September 1840 wurde Alfred T. Mahan in West Point, New York, geboren. Er besuchte die United States Naval Academy in Annapolis, die er 1859 erfolgreich absolvierte. Er wurde Rear Admiral (Konteradmiral) und war zwischenzeitlich Präsident des us-amerikanischen Naval War Colleges; vgl. Crowl, Philip A., Alfred Thayer Mahan: The Naval Historian, in: Paret, Peter (Hrsg.), Makers of Modern Strategy, from Machiavelli to the Nuclear Age, Oxford 1990, S. 444 – 480, S. 444 - 447.

[22] Vgl. Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 167. Zu Mahans imperialistischen Ansichten: Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 176 - 182.

[23] „The Influence of Sea Power upon History, 1660 – 1783” von Alfred Thayer Mahan, erschienen 1890 (Boston), gefolgt vom zweiten Teil „The Influence of Sea Power upon the French Revolution and Empire, 1793 – 1812”, erschienen 1892, begründeten seinen weltweiten Ruf als Historiker und Strategen. Die Arbeit wird sich vornehmlich auf das erste Buch stützen, da Mahan dort die allgemeinen Überlegungen zur Frage von Sea Power anstellte und das zweite Buch lediglich chronologisch mit der Auflistung maritimer Eckdaten und Schlachten anschließt. Für Genaueres zu dem Werk Mahans: Hanke, Michael, Das Werk Alfred T. Mahan´s, Darstellungen und Analysen, (Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Bd. IV), Osnabrück 1974.

[24] Crowl, P., Alfred Thayer Mahan, S. 451.

[25] Vgl. Epkenhans, M., Seemacht = Weltmacht, S. 35 - 37.

[26] Mahan, Alfred Thayer, The Influence of Sea Power upon History, 1660 – 1783, (first published in Boston 1890), Edt. with a new Introduction, London 1965, S. 2.

[27] Vgl. ebd., S 1.

[28] Hanke, M., Das Werk Alfred T. Mahan´s, S. 91; vgl. Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 168 f.

[29] Mahan, A. T., The Influence of Sea Power upon History, S. 26; vgl. ebd., S. 25 f.

[30] Crowl, P., Alfred Thayer Mahan, S. 452.

[31] Vgl. Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 168 f.

[32] Vgl. ebd., S. 168 – 176.

[33] Mahan, A. T., The Influence of Sea Power upon History, S. 35.

[34] Vgl. Hanke, M., Das Werk Alfred T. Mahan´s, S. 101 - 111; vgl. Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 170 - 176.

[35] Vgl. Crowl, P., Alfred Thayer Mahan, S. 451 f.

[36] Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 193.

[37] Vgl. Berghahn, Volker R., Der Tirpitz-Plan, Genesis und Verfall einer innenpolitischen Krisenstrategie unter Wilhelm II., Düsseldorf 1971, S. 179f.; sowie: vgl. Epkenhans, M., Seemacht = Weltmacht, S. 35.

[38] Wichtig sind an dieser Stelle die allgemeinen Einflüsse, die Mahans Konzepte international und im Besonderen auf Deutschland gehabt haben. Inwiefern sie von deutscher Seite einer Fehlinterpretation unterlagen – was teilweise zweifellos der Fall war – ist in diesem Zusammenhang von untergeordnetem Interesse. Hierzu: Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S.191 – 207.

[39] Salewski, M., Deutschland als Seemacht, S. 21.

[40] Vgl. Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 233 f.

[41] Nipperdey, Th., Deutsche Geschichte, S. 634.

[42] Ohne ökonomische Potenz war an ein teueres Flottenbauprogramm nicht zu denken, im Gegenzug stand die Befürchtung, ohne militärische Macht im Verteilungskampf um Ressourcen und Kolonien ins Hintertreffen zu geraten. Ohne koloniale Expansion sah man die Weiterentwicklung der Wirtschaft gefährdet und ohne ein ausreichendes Maß an Seemacht glaubte man, im Konfliktfalle seine kolonialen und wirtschaftlichen Interessen nicht gegen die anderen Mächte vertreten zu können.

[43] Alfred Peter Friedrich Tirpitz wurde am 19. März 1849 in Küstrin geboren und begann seine Kariere 1865 als Seekadett in der preußischen Marine. 1897 übernahm (Konteradmiral) Tirpitz den Posten des Chefs des Reichsmarineamts von seinem Vorgänger Friedrich Hollmann. Am 12. Juni 1900 hatte der Kaiser ihn in den preußischen Adelsstand erhoben.

[44] Vgl. Wehler, Hans-Ulrich, Das Deutsche Kaiserreich 1871 -1918, 3. Auflg., (Deutsche Geschichte, hrsg. von Joachim Leuschner, Bd. 9), Göttingen 1977, S. 165.

[45] Vgl. Berghahn, V., Der Tirpitz-Plan, S. 129 - 138; Der Autor bringt hierbei den deutschen Flottenbau bereits in der Frühphase mit den deutschen Handelsinteressen in Übersee in Verbindung. Seit Mitte der 1890er Jahre bis in die letzten Vorkriegsjahre fand eine fast kontinuierliche Aufschwungphase statt, in deren Verlauf das Volumen des deutschen Außenhandels insgesamt um 181% wuchs.

[46] Nipperdey, Th., Deutsche Geschichte, S. 633.

[47] Vgl. Röhl, John C. G., Wilhelm II., Der Aufbau der persönlichen Monarchie 1888 - 1900, II. Bd., München 2001, S. 1109 -1112.

[48] Auszüge aus ‚Taktische und Strategische Dienstschriften des Oberkommandos der Marine’ Nr. IX vom 16. Juni 1894 über ‚Allgemeine Erfahrungen aus den Manövern der Herbstübungsflotte’, BA-MA Freiburg, RM 4/176, abgedruckt in: Berghahn, Volker R. / Deist, Wilhelm, Rüstung im Zeichen wilhelminischer Weltpolitik, Grundlegende Dokumente 1890 – 1914, Düsseldorf 1988, Dok. II/2, S. 87 – 99.

[49] Auszüge aus ‚Taktische und Strategische Dienstschriften des Oberkommandos der Marine’ Nr. IX vom 16. Juni 1894 über ‚Allgemeine Erfahrungen aus den Manövern der Herbstübungsflotte’, BA-MA Freiburg, RM 4/176, abgedruckt in: Berghahn, V. / Deist, W., Rüstung, Dok. II/2, S. 88.

[50] Unter Weltpolitik ist die weltweit aktive deutsche Außenpolitik - vor allem unter Bernhard von Bülow – zu verstehen. Eine genauere Betrachtung dazu erfolgt in Kapitel III.

[51] Ebd. S. 89; vgl. ebd., S. 89.

[52] Siehe Anm. 30.

[53] Vgl. Berghahn, V., Der Tirpitz-Plan, S. 54.

[54] Die Aspekte der (strategischen) Offensive und dem Zusammenhalten der Kräfte behandelt Mahan in seinen einleitenden Betrachtungen: vgl. Mahan, A. T., The Influence of Sea Power upon History, S. 10 - 89.

[55] Nipperdey, Th., Deutsche Geschichte, S. 633.

[56] Vgl. Berghahn, V., Der Tirpitz-Plan, S. 75.

[57] Die „jeune école“ hatte sich um 1871 in Frankreich gebildet und sah den Kreuzerkrieg als strategisch sinnvollsten Einsatz der Seemacht. Es sollte der Konflikt auf das Meer hinaus getragen werden, indem der gegnerische Handel unterbunden würde. Hierzu: vgl. Berghahn, V., Der Tirpitz-Plan, S. 55 f.; detaillierte Betrachtung der „jeune école“ in: Hobson, R., Maritimer Imperialismus, S. 103 – 118.

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Die Flottenpolitik im Deutschen Kaiserreich
Untertitel
1890er Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges
Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
94
Katalognummer
V126637
ISBN (eBook)
9783640324019
ISBN (Buch)
9783640321926
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Erste Staatsexamensarbeit
Schlagworte
Flotte, Flottenpolitik, Kaiserreich, maritime Rüstung, Navalismus, Mahan, Kriegsmarine, Wettrüsten, Imperialismus, Flotte gegen England, deutsch, deutsche, Deutschland, Schlachtflotte, Platz an der Sonne, Tirpitz, Flottenrüstung, german battlefleet, Wilhelm II., Flottenkaiser, Deutsches Kaiserreich, Kaiserliche Flotte, Kaiserliche Marine
Arbeit zitieren
Dennis Schneider (Autor), 2008, Die Flottenpolitik im Deutschen Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126637

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