Kern dieser Arbeit ist der Versuch einer Analyse und Interpretation jener Sinfonie unter dem Aspekt der Kunst als Zerstörer des Schweigens. Im folgenden Kapitel soll die Geschichte der Sinfonie beleuchtet sowie die Probleme aufgezeigt werden, mit denen Schostakowitsch im sowjetischen System zu kämpfen hatte. Kapitel drei gibt einen Überblick über Inhalt und Charakteristik der einzelnen Sätze, um die weitschweifenden Thematiken aufzuzeigen, die der Komponist in seinem Werk behandelt und in welcher Weise er diese musikalisch umsetzt. Das 4. Kapitel widmet sich der Analyse und Interpretation des 1. Satzes und soll dessen besondere, namensgebende Stellung innerhalb des Werkes verdeutlichen. Die innerhalb der Analysen angegebenen Verweise beziehen sich auf die 1971 in der Edition Sikorski erschienene Taschenpartitur der Sinfonie mit der deutschen Nachdichtung des Textes von Jörg Morgener.
Da die detaillierte Analyse der gesamten Sinfonie im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist, wird versucht einen Ansatz zum Verständnis der grundlegenden Intentionen und Kompositionstechniken Schostakowitschs zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Werksgeschichte
2.1 Der Entstehungsprozess
2.2 Eine problematische Uraufführung
2.3 Die Folgen der Aufführung
3. Inhalt und Charakteristik der einzelnen Sätze
3.1 Бабий Яр (Babi Jar)
3.2 Юмор (Humor)
3.3 В магазине (Im Laden)
3.4 Страхи (Ängste)
3.5 Карьера (Karriere)
4. Der 1. Satz – Analyse und Interpretation
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die 13. Sinfonie „Babi Jar“ von Dmitri Schostakowitsch unter dem Gesichtspunkt der Kunst als Mittel gegen das politische Schweigen. Im Zentrum steht dabei die Analyse der musikalischen Umsetzung der vertonten Gedichte von Jewgeni Jewtuschenko und deren historisch-sozialer Kontext in der Sowjetunion.
- Historische Entstehungsgeschichte und die schwierige Uraufführung der Sinfonie
- Analyse der inhaltlichen und musikalischen Charakteristika aller fünf Sätze
- Detaillierte musikalische Interpretation des ersten Satzes „Babi Jar“
- Schostakowitschs Auseinandersetzung mit Antisemitismus und sowjetischer Vergessenspolitik
- Die kompositorische Verbindung von Wort und Musik
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Es wäre gut, wenn russische Juden endlich unbehelligt und glücklich in Rußland, wo sie geboren sind, leben könnten. Unablässig muß man auf die Gefahren des Antisemitismus aufmerksam machen. Der Bazillus ist noch allzu kräftig. Niemand weiß, ob er je absterben wird. Darum war Jewtuschenkos Gedicht ‚Babi Jar‘ so unendlich wichtig. […] Viele wußten zwar von Babi Jar, aber es bedurfte dieses Gedichts, um Babi Jar ins Bewußtsein zu heben; denn die Erinnerung an Babi Jar hatte getilgt werden sollen. […] Erst nachdem die Menschen das Gedicht gelesen hatten, brach das Schweigen. Die Kunst ist der Zerstörer des Schweigens.1
Diese Worte Dimitri Schostakowitschs verdeutlichen seine Haltung zum Antisemitismus in Russland sowie der sowjetischen „Vergessenspolitik“ um Babi Jar, die der Komponist in seiner 13. Sinfonie „Babi Jar“ für Bass-Solo, Männerchor und Orchester, nach Gedichten von Jewgeni Jewtuschenko verarbeitet und zum Ausdruck bringt, um dem Vergessen jener Verbrechen innerhalb der russischen Gesellschaft entgegenzuwirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation des Komponisten und legt den Fokus auf die Sinfonie als Instrument gegen die sowjetische Vergessenspolitik.
2. Werksgeschichte: Dieses Kapitel behandelt den Entstehungsprozess, die Konflikte rund um die Uraufführung und die politischen Folgen bis hin zum Aufführungsverbot.
3. Inhalt und Charakteristik der einzelnen Sätze: Hier werden alle fünf Sätze der Sinfonie hinsichtlich ihrer inhaltlichen Thematik und ihrer kompositorischen Besonderheiten vorgestellt.
4. Der 1. Satz – Analyse und Interpretation: Der erste Satz wird einer tiefgehenden musikalischen Analyse unterzogen, um seine zentrale Bedeutung für das gesamte Werk zu verdeutlichen.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und betont die Bedeutung der Sinfonie als wichtiges Dokument der Zeitgeschichte.
Schlüsselwörter
Dmitri Schostakowitsch, 13. Sinfonie, Babi Jar, Jewgeni Jewtuschenko, Sowjetunion, Antisemitismus, Musikwissenschaft, Analyse, Interpretation, Vergessenspolitik, Kompositionstechnik, Uraufführung, Vokalwerk, 20. Jahrhundert, Kulturpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der 13. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch und deren Rolle als künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Missständen und Antisemitismus in der Sowjetunion.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Die zentralen Themen sind die historisch-politische Entstehungsgeschichte, die inhaltliche Spezifik der einzelnen Sätze sowie die musikalische Vertextung der Gedichte von Jewtuschenko.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Intention des Komponisten zu verstehen, das Schweigen über antisemitische Verbrechen durch die Kunst der Sinfonie „Babi Jar“ zu durchbrechen.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?
Der Autor verbindet eine historische Analyse der Werksgenese mit einer fachspezifischen musiktheoretischen Untersuchung der Partitur und der darin verwendeten Kompositionstechniken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Untersuchung der Werksentstehung, einen Überblick über alle fünf Sätze und eine detaillierte musikalische Analyse des ersten Satzes.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Antisemitismus, sowjetische Vergessenspolitik, musikalische Analyse, Kompositionsprozess, Babi Jar und die Zusammenarbeit von Musiker und Dichter.
Warum spielt der erste Satz eine so besondere Rolle in der Sinfonie?
Der erste Satz trägt den Titelgeber des gesamten Werkes und bildet den thematischen Ausgangspunkt, indem er das Massaker von Babi Jar und die Geschichte des Antisemitismus explizit thematisiert.
Wie beeinflusste die sowjetische Ideologie die Entstehung der Sinfonie?
Die sowjetische Ideologie und das offizielle Schweigen über bestimmte historische Ereignisse zwangen Schostakowitsch in eine Konfrontation mit den Kulturbehörden, was die Entstehung und Aufführung des Werkes maßgeblich erschwerte.
- Arbeit zitieren
- Christoph Kellermann (Autor:in), 2022, Dmitri Schostakowitsch Sinfonie Nr. 13 b-Moll op. 113 "Babi Jar". Analyse und Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267029