Im Jahr 2020 jährte sich die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zum 30. Mal. Fraglich ist, ob 30 Jahre nach der Wiedervereinigung diese nicht nur rechtlich zusammengewachsen sind, sondern ob auch die gleichen Wertvorstellungen verfolgt werden. Ziel dieser Hausarbeit ist es, empirisch zu untersuchen, ob die Folgen der politischen Sozialisation der neuen Bundesländer weiterhin ersichtlich sind oder ob ein Wertewandel stattgefunden hat.
Zunächst werden hierzu die Begriffe der Werte und Sozialisation kurz definiert sowie die Ausgangslage der DDR dargestellt. Anschließend wird ein Erklärungsansatz für mögliche unterschiedliche Wertorientierungen vorgestellt. Auf diesen theoretischen Grundlagen werden Hypothesen gebildet, welche anhand der Daten aus einer Bevölkerungsumfrage aus dem Jahr 2019 untersucht und mit dem Datenauswertungsprogramm PSPP ausgewertet werden.
Gliederung
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Werte
2.2 Sozialisation
2.3 Ausgangslage der DDR im Jahr 1990
2.4 Die stille Revolution
3 Hypothesen
4 Daten und Methodik
4.1 Datensatz
4.2 Abhängige Variable
4.3 Unabhängige Variablen
4.4 Kontrollvariablen
4.5 Methodik
5 Ergebnisse und Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht empirisch, ob 30 Jahre nach der Wiedervereinigung eine Angleichung der Wertvorstellungen zwischen Ost- und Westdeutschland stattgefunden hat, wobei die Zufriedenheit mit der Demokratie als zentraler Indikator dient.
- Analyse des Einflusses politischer Sozialisation auf die gegenwärtige Werthaltung.
- Überprüfung der Theorie der "Stillen Revolution" nach Ronald Inglehart.
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Demokratiezufriedenheit und Generationszugehörigkeit.
- Einsatz statistischer Regressionsmodelle zur Identifikation von Einflussfaktoren.
Auszug aus dem Buch
2.4 Die stille Revolution
Entsprechend der Theorie der „Stillen Revolution“ von Ronald Inglehart bevorzugen Menschen Dinge, die nicht ausreichend vorhanden sind und bilden die Wertorientierung abschließend im Jugendalter. Seine Theorie besteht demnach aus einer Kombination der Knappheits- und der Sozialisationshypothese (Kohler, 2002, S. 75). Die Sozialisationshypothese besagt, dass die Beziehung zwischen der Umwelt und den Wertevorstellungen eines Individuums kein Prozess einer unmittelbaren Anpassung ist. Vielmehr wird der größte Teil der Werte bereits in der Kindheit und Jugend geprägt, bis zum 20. Lebensjahr verfestigt und bleibt im Alter beständig. „In dem Maße, wie die jüngere Generation in einer Gesellschaft nachrückt und die ältere ablöst, verändern sich die vorherrschenden Anschauungen“ (Inglehart, 1989, S. 11). Demnach erfolgt eine Auswechslung der Werte. Die Knappheitshypothese besagt, dass die Bedürfnisse, die vollends erfüllt sind, nicht weiterverfolgt werden.
So legt die gegenwärtige Generation, die in Wohlstand aufgewachsen ist, mehr Wert auf postmaterialistische Ziele, wie Selbstverwirklichung, als die ältere Generation, deren Fokus auf die Befriedigung der materialistischen Ziele, wie Gewinn lag. Sie weist somit auch die Entstehung bestimmter Wertorientierungen aus (Kohler, 2002, S. 75). Die Kombination der beiden Hypothesen besagt, dass jemand, der seine Jugend mit knappen materiellen Gütern erlebte, eher eine materielle Wertorientierung behält. Jemand, der in materiellem Wohlstand aufgewachsen ist, wird sich dementsprechend eher an postmaterialistischen Werten orientieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Teilung Deutschlands ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ein Wertewandel stattgefunden hat.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die Begriffe Werte und Sozialisation definiert sowie die Ausgangssituation der DDR im Jahr 1990 und die Theorie der Stillen Revolution erläutert.
3 Hypothesen: Auf Basis der theoretischen Grundlagen werden drei Hypothesen aufgestellt, die den Zusammenhang zwischen Herkunft, Generation und Zufriedenheit mit der Demokratie untersuchen.
4 Daten und Methodik: Dieses Kapitel erläutert den verwendeten Datensatz, die Operationalisierung der Variablen sowie die Anwendung binär-logistischer Regressionsanalysen.
5 Ergebnisse und Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass Wohnort und Schulabschluss signifikante Faktoren für die Demokratiezufriedenheit sind, während die anderen untersuchten Variablen kaum Einfluss haben.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein endgültiger Schluss über einen Wertewandel aufgrund der nicht aussagekräftigen Ergebnisse schwierig ist, wenngleich Unterschiede in der Zufriedenheit bestehen.
Schlüsselwörter
Wiedervereinigung, Deutsche Einheit, Demokratie, Werte, Sozialisation, Wertewandel, DDR, BRD, Stillen Revolution, Regressionsanalyse, Generationen, politische Einstellung, Materialismus, Postmaterialismus, Umfrage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, ob 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung eine Angleichung der Wertvorstellungen zwischen Ost- und Westdeutschen stattgefunden hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die politische Sozialisation in der DDR, die Theorie der "Stillen Revolution" nach Inglehart und die Zufriedenheit mit dem demokratischen System.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, empirisch zu analysieren, ob die Folgen der politischen Sozialisation in den neuen Bundesländern weiterhin sichtbar sind oder ob ein Wertewandel zu westlichen Standards stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine empirische Analyse auf Basis eines Datensatzes durchgeführt, wobei binär-logistische Regressionsanalysen sowie Korrelationsanalysen genutzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Hypothesenbildung, die methodische Vorgehensweise anhand von Variablen und die anschließende Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Wiedervereinigung, Sozialisation, Demokratiezufriedenheit, Wertewandel sowie die Theorie nach Ronald Inglehart.
Wie unterscheidet sich die Zufriedenheit zwischen Ost- und Westdeutschen laut der Analyse?
Die Untersuchung ergab, dass 69,4 % der Westdeutschen mit der Demokratie zufrieden sind, während es unter den Ostdeutschen nur 51,8 % sind.
Warum konnte die Theorie von Inglehart weder bestätigt noch widerlegt werden?
Aufgrund der schwachen statistischen Erklärungsgüte der Modelle und der vermutlich nicht optimal gewählten abhängigen Variable sind die Ergebnisse nicht ausreichend aussagekräftig.
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- Anonym (Autor:in), 2020, 30 Jahre Wiedervereinigung und Deutsche Einheit. Deutsche Gleichheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268863