Zielsetzung der Arbeit ist es, die Chancen und Vorteile darzustellen, die sich durch den Einsatz eines Tax Compliance Management Systems (TCMS) im Bereich Umsatzsteuer für Unternehmen steuerlich, aber auch wirtschaftlich ergeben. Ferner soll aufgezeigt werden, welche Herausforderungen sich bei der Implementierung und im laufenden Einsatz ergeben und wie diese einzuschätzen sind. Auf der Basis der gesetzten Ziele lässt sich folgende Forschungsfrage
formulieren: Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich durch den Einsatz eines Tax Compliance
Management Systems für Unternehmen?
Die Arbeit wertet hierfür die vorherrschende steuerrechtliche und betriebswirtschaftliche Literatur, die die Themen Compliance, Tax Compliance und Tax Compliance Management Systeme behandelt, aus. Im ersten Abschnitt der Arbeit werden die notwendigen Begrifflichkeiten definiert, Abgrenzungen zu ähnlichen Themen vorgenommen und der grobe rechtliche Rahmen dargestellt.
Der Hauptteil der Arbeit wird in drei Teile separiert. Im ersten Teil werden die Chancen des Einsatzes eines Tax Compliance Management Systems aufgezeigt. Hier werden steuerrechtliche Chancen und Vorteile wie auch allgemeine wirtschaftliche Chancen herausgearbeitet. Im zweiten Teil des Hauptteils werden die Grundelemente eines Tax Compliance Management Systems und die Ausgestaltung im Bereich der Umsatzsteuer veranschaulicht. Abgerundet
wird der zweite Teil von der Darstellung der möglichen Herausforderungen, die sich bei der Einrichtung und im laufenden Betrieb ergeben.
Der letzte Teil des Hauptteils legt das Risiko der Umsatzsteuer für Unternehmen anhand der Beispiele der Karussell- und Streckengeschäfte dar und veranschaulicht mögliche präventive Maßnahmen. Zum Abschluss werden die größten Herausforderungen den möglichen Chancen und Vorteilen eines TCMS gegenübergestellt, und es erfolgt eine Bewertung, für welche Unternehmen ein Tax Compliance Management System sinnvoll oder sogar verpflichtend ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2 Begriff Tax Compliance
2.1 Compliance
2.2 Corporate Compliance
2.3 Tax Compliance
2.4 Tax-Compliance-Management-System
2.5 Abgrenzungen
2.5.1 Tax Risk Management
2.5.2 Tax Accounting
2.6 Rechtlicher Rahmen
3 Chancen eines Tax Compliance Management Systems
4 Ausgestaltung eines Tax Compliance Management Systems im Bereich der Umsatzsteuer
4.1 Compliance-Grundlagen in der Umsatzsteuer
4.2 Ausgestaltung der einzelnen Grundelemente eines TCMS
4.2.1 Tax Compliance-Kultur
4.2.2 Tax Compliance-Ziele
4.2.3 Tax Compliance-Risiken
4.2.4 Tax Compliance-Programm
4.2.5 Tax Compliance-Organisation
4.2.6 Tax Compliance-Kommunikation
4.2.7 Tax Compliance-Überwachung und -Verbesserung
4.3 Spezifische Herausforderungen im Hinblick auf die Ausgestaltung eines TCMS
5 Besonderheiten des Umsatzsteuerstrafrechts – Risikofaktor Umsatzsteuerhinterziehung durch Karussell- und Streckengeschäfte
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Chancen und Herausforderungen sich für Unternehmen durch die Implementierung eines Tax Compliance Management Systems (TCMS) im Bereich der Umsatzsteuer ergeben, um Rechtssicherheit zu erlangen und Haftungsrisiken zu mindern.
- Grundlagen und Definitionen zu Tax Compliance und TCMS
- Methoden zur Ausgestaltung von TCMS-Grundelementen im Umsatzsteuerbereich
- Analyse steuerstrafrechtlicher Risiken, insbesondere durch Karussell- und Streckengeschäfte
- Prozessoptimierung und Digitalisierung der Steuerfunktion
- Bedeutung der Unternehmensorganisation und IT-Einbindung
Auszug aus dem Buch
Besonderheiten des Umsatzsteuerstrafrechts – Risikofaktor Umsatzsteuerhinterziehung durch Karussell- und Streckengeschäfte
Der Umsatzsteuerbetrug hat in den letzten Jahren immer weiter zugenommen. So beläuft sich der verursachte Schaden durch die Hinterziehung der Umsatzsteuer Schätzungen nach auf ca. 130 Milliarden Euro pro Jahr in der EU und allein in der Bundesrepublik Deutschland auf ca. 14 Milliarden Euro pro Jahr. Der Tatbestand der Steuerhinterziehung dürfte so alt sein, wie die Steuererhebung selbst. Dabei beschränkt sich die moderne Steuerhinterziehung nicht auf die schlichte Nichtzahlung von Steuern. Die Umsatzsteuer bietet auch andere Ansätze zu ihrer Hinterziehung, deren Bekämpfung deutlich schwieriger ist. Das Schlagwort der letzten Jahre hierzu war der „Karussellbetrug“, der die Schwachstellen des geltenden Umsatzsteuersystems im europäischen Binnenmarkt bei grenzüberschreitenden Lieferungen und Leistungen ausnutzt. Maßgeblichen Anteil hieran haben bestimmte Vorgehensweisen, die unter Einbindung von Scheinunternehmen oder durch die geschickte Aneinanderreihung von Leistungen innerhalb der Europäischen Union die Umsatzsteuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen (§§ 4 Nr. 1b, 6a UStG) ausnutzen, um einen fiktiven Vorsteuerabzug zu generieren.
Der Kern des schädigenden Verhaltens liegt hierbei darin, dass die an dem Karussell beteiligten Unternehmen für bestimmte Warenlieferungen keine Umsatzsteuer abführen, obwohl der Leistungsempfänger für diesen Warenbezug die entsprechende Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt geltend macht. Die so hinterzogene Umsatzsteuer wird dabei teilweise mit in die Preisgestaltung mit einbezogen, sodass die Ware zu einem leicht überhöhten Preis eingekauft und zu einem marktunterdurchschnittlichen Preis weiterverkauft wird. Die Waren sind meistens kleine, hochpreisige Gegenstände, die sich schnell in Großer Stückzahl transportieren lassen wie z.B. Computerprozessoren oder Mobiltelefone, aber auch Waren mit großen Handelsvolumen wie etwa Schrott.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt den Wandel der Steuerfunktion durch Digitalisierung und verschärfte Rahmenbedingungen sowie die Notwendigkeit von Tax Compliance.
2 Begriff Tax Compliance: Definiert die Grundlagen von Compliance, Corporate Compliance und Tax Compliance im Kontext steuerlicher Pflichten.
3 Chancen eines Tax Compliance Management Systems: Erläutert die Enthaftungsmöglichkeiten für Leitungsorgane und Vorteile bei Betriebsprüfungen durch ein TCMS.
4 Ausgestaltung eines Tax Compliance Management Systems im Bereich der Umsatzsteuer: Detailliert die Umsetzung der Grundelemente eines TCMS mit Fokus auf die spezifischen Umsatzsteuerprozesse und Anforderungen.
5 Besonderheiten des Umsatzsteuerstrafrechts – Risikofaktor Umsatzsteuerhinterziehung durch Karussell- und Streckengeschäfte: Analysiert Tatbestandsmerkmale moderner Umsatzsteuerbetrugsformen und notwendige Präventionsmaßnahmen.
6 Fazit: Führt die Erkenntnisse zusammen und betont die Unverzichtbarkeit eines risikoorientierten TCMS trotz des initialen Aufwands.
Schlüsselwörter
Tax Compliance, Tax-Compliance-Management-System, TCMS, Umsatzsteuer, Umsatzsteuerhinterziehung, Karussellbetrug, Streckengeschäfte, Steuerstrafrecht, Innenrevision, Compliance-Kultur, Risikomanagement, Betriebsprüfung, Steuerschuld, Vorsteuerabzug, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis primär?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Rolle eines Tax Compliance Management Systems (TCMS) als Instrument für Unternehmen, um im komplexen Bereich des Umsatzsteuerrechts Rechtssicherheit zu schaffen, Haftung zu minimieren und steuerliche Prozesse effizient zu gestalten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung der Compliance, die praktische Ausgestaltung von TCMS in Unternehmen, die spezifischen steuerlichen Risiken bei grenzüberschreitenden Geschäften sowie strafrechtliche Aspekte der Umsatzsteuer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Chancen und Herausforderungen sich für Unternehmen durch den Einsatz eines TCMS ergeben, insbesondere um rechtliche Sanktionen zu vermeiden und administrative Prozesse zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine umfassende Literaturanalyse durch, bei der relevante steuerrechtliche und betriebswirtschaftliche Fachpublikationen ausgewertet werden, um den Ist-Zustand und Best-Practice-Ansätze zu systematisieren.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die operative Umsetzung eines TCMS, unterteilt in die Grundelemente der Compliance-Organisation, Risikoidentifikation, Kommunikation und Überwachung, mit tiefgreifendem Fokus auf die Spezifika des Umsatzsteuerrechts.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Wesentliche Begriffe sind Tax Compliance, Umsatzsteuerrecht, Karussellgeschäfte, steuerliche Risikominimierung, Enthaftung und Prozessoptimierung.
Warum sind gerade Karussellgeschäfte ein besonderer Risikofaktor?
Karussellgeschäfte nutzen Schwachstellen im europäischen Binnenmarkt für den fiktiven Vorsteuerabzug aus, was für Unternehmen, die unverschuldet in solche Ketten einbezogen werden, zu existenziellen finanziellen Verlusten und schwerwiegenden strafrechtlichen Vorwürfen führen kann.
Inwiefern beeinflusst ein TCMS eine Betriebsprüfung?
Ein implementiertes TCMS kann dazu führen, dass die Finanzverwaltung den Prüfungsschwerpunkt von der Belegprüfung auf die Systemprüfung verlagert, was zu schlankeren und effizienteren Betriebsprüfungen sowie möglicher Zeit- und Zinsersparnis führen kann.
Gibt es eine gesetzliche Verpflichtung zur Einführung eines TCMS?
Grundsätzlich existiert keine allgemeine gesetzliche Pflicht für alle Unternehmen, jedoch können sich aus speziellen Branchenvorgaben, gesellschaftsrechtlichen Überwachungspflichten und der Rechtsprechung zur Haftungsvermeidung faktische Notwendigkeiten ergeben.
Wie trägt die IT zum Erfolg eines TCMS bei?
Durch die Integration steuerlicher Anforderungen in ERP-Systeme können automatisierte Kontrollen geschaffen werden. Da bei großen Datenmengen in der Umsatzsteuer manuelle Prozesse fehleranfällig sind, dient die IT als technisches Rückgrat für eine korrekte Steuerfindung.
- Arbeit zitieren
- Florian Esser (Autor:in), 2020, Tax Compliance Management Systeme im Umsatzsteuerrecht. Chancen und Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268966