Mit der Einführung des StaRUG wurde erstmalig im deutschen Recht ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren eingeführt. Doch welche Vor- oder Nachteile bietet das enthaltene Restrukturierungsverfahren? Und worin unterscheidet es sich zum Schutzschirmverfahren nach ESUG, welches ebenfalls im frühen Krisenstadium eingesetzt werden kann? Diese Arbeit stellt aus beiden Verfahren die wesentlichen Grundzüge dar, um am Ende eine konkrete Empfehlung zur Anwendung auf die jeweilige Krisenphase eines Unternehmens zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rechtliche Einordnung
2.1 Das deutsche Sanierungsrecht
2.2 Das europäische Sanierungsrecht und seine Umsetzung
3 Das Restrukturierungsverfahren nach StaRUG
3.1 Zielsetzung
3.2 Voraussetzungen
3.2.1 Drohende Zahlungsunfähigkeit
3.2.2 Restrukturierungsplan
3.2.2.1 Inhalt
3.2.2.2 Darstellender Teil
3.2.2.3 Gestaltender Teil
3.3 Ablauf
3.4 Wirkungsweise
3.5 Sanierungsmoderation
3.6 Erkenntnisse aus der Praxis
3.7 Zwischenfazit
4 Das Schutzschirmverfahren nach ESUG
4.1 Zielsetzung
4.2 Voraussetzungen
4.2.1 Drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung
4.2.2 Schutzschirmantrag
4.2.2.1 Eröffnungsantrag
4.2.2.2 Antrag auf Eigenverwaltung
4.2.2.3 Vorlage Insolvenzplan
4.2.2.4 Sanierungsbescheinigung
4.2.2.5 Vorschlag der Person des Sachwalters
4.2.3 Gläubigerausschuss
4.3 Ablauf
4.4 Wirkungsweise
4.5 Erkenntnisse aus der Praxis
4.6 Zwischenfazit
5 Abwägungskriterien für die Unternehmensentscheidung
5.1 Vergleich der Verfahren
5.2 Eskalationsstufen bei Unternehmenskrisen
5.3 Kriterien für die Entscheidung ausgehend von der Krisenphase
6 Schlussfazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten, die Unternehmen im Krisenstadium offenstehen, um frühzeitig eine Sanierung einzuleiten und eine drohende Insolvenz idealerweise zu vermeiden. Dabei werden das StaRUG-Verfahren und das Schutzschirmverfahren nach ESUG gegenübergestellt.
- Rechtliche Einordnung der deutschen Sanierungsinstrumente
- Detaillierte Analyse des Restrukturierungsverfahrens nach StaRUG
- Untersuchung des Schutzschirmverfahrens nach ESUG
- Gegenüberstellung und Vergleich beider Sanierungsverfahren
- Entscheidungshilfen basierend auf verschiedenen Krisenphasen
Auszug aus dem Buch
Die drohende Zahlungsunfähigkeit
Es muss eine konkret drohende Zahlungsunfähigkeit vorliegen. Dabei handelt es sich um eine Zugangsschranke, die solvente Restrukturierungen ausschließen soll. Nach § 18 Absatz 2 Satz 1 InsO droht die Zahlungsunfähigkeit, wenn das Unternehmen voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, bestehende Zahlungspflichten zum Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen. Nach § 18 Absatz 2 Satz 2 InsO ist hier ein Prognosezeitraum von vierundzwanzig Monaten zugrunde zu legen.
Droht die Zahlungsunfähigkeit zu einem früheren Zeitpunkt, folglich innerhalb der kommenden zwölf Monate, befindet sich das Unternehmen terminologisch nach § 19 Absatz 2 Satz 1 InsO in der Überschuldungsphase. Der Zugang zum präventiven Restrukturierungsverfahren ist demnach zwischen dem zwölften und vierundzwanzigsten Monat der prognostizierten Zahlungsunfähigkeit eröffnet.
Ein Eintritt ins Restrukturierungsverfahren kann zwar auch vor dem zwölften Monat erfolgen, jedoch muss der Restrukturierungsplan dann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Überschuldung beseitigen. Die Zahlungsunfähigkeit droht, wenn innerhalb des maßgeblichen Prognosezeitraums die Gegenüberstellung der verfügbaren Zahlungsmittel zu den Zahlungsverpflichtungen ergibt, dass das Unternehmen diesen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Dies muss mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eintreten und sich aus einem Liquiditäts- und Finanzplan ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung verdeutlicht die Relevanz von Liquidität als zentrale Unternehmensressource und erläutert die Notwendigkeit von präventiven Sanierungsinstrumenten durch exogene Faktoren wie die COVID-19-Pandemie.
2 Rechtliche Einordnung: Dieses Kapitel stellt das deutsche Sanierungs- und Insolvenzrecht in einen rechtlichen Kontext und beleuchtet die Rolle der europäischen Vorgaben.
3 Das Restrukturierungsverfahren nach StaRUG: Hier wird das StaRUG als Gesetz zum Erhalt von Unternehmen und zur Vermeidung von Insolvenzen detailliert analysiert, inklusive seiner Voraussetzungen, Abläufe und praktischen Anwendung.
4 Das Schutzschirmverfahren nach ESUG: Dieses Kapitel behandelt das Schutzschirmverfahren als integrativen Bestandteil der Insolvenzordnung, wobei Schwerpunkte auf den Zugangsvoraussetzungen und der Rolle der Eigenverwaltung liegen.
5 Abwägungskriterien für die Unternehmensentscheidung: Hier werden die besprochenen Verfahren direkt gegenübergestellt und Entscheidungshilfen für verschiedene Phasen der Unternehmenskrise erarbeitet.
6 Schlussfazit: Das Fazit fasst die Eignung beider Verfahren zusammen und betont die Bedeutung eines funktionierenden Frühwarnsystems für den Unternehmenserfolg.
Schlüsselwörter
Sanierungsrecht, Restrukturierung, StaRUG, Schutzschirmverfahren, ESUG, Eigenverwaltung, Liquiditätsengpass, Zahlungsunfähigkeit, Insolvenzplan, Frühwarnsystem, Sanierungsmoderation, Unternehmenskrise, Sanierungsinstrumente, Gläubiger, Masseverbindlichkeiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den rechtlichen Möglichkeiten der Unternehmenssanierung im Krisenstadium, speziell durch das StaRUG-Verfahren und das Schutzschirmverfahren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Voraussetzungen für den Zugang zu vorinsolvenzlichen Verfahren, die Erstellung sowie der Inhalt von Restrukturierungs- und Insolvenzplänen sowie die Haftung der Geschäftsleitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist, Kriterien für die Auswahl des jeweils passenden Sanierungsverfahrens abhängig von der Art der Krise und der Unternehmensstruktur herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor verwendet eine rechtswissenschaftliche Analyse gestützt durch aktuelle Fachliteratur sowie die Auswertung von Praxisfällen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung des StaRUG, des Schutzschirmverfahrens und einen abschließenden Rechtsvergleich beider Instrumente.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Sanierungsrecht, StaRUG, Schutzschirmverfahren, Eigenverwaltung und Unternehmenskrise beschreiben.
Warum ist das Frühwarnsystem laut der Arbeit so wichtig?
Ein Frühwarnsystem ist essenziell, um Krisen so frühzeitig zu erkennen, dass die gesetzlichen Sanierungsinstrumente überhaupt noch erfolgreich zur Anwendung kommen können.
Welche Rolle spielt die Sanierungsmoderation?
Die Sanierungsmoderation fungiert als eine freiwillige, vorgelagerte Option zum Restrukturierungsplan, um zwischen Schuldnern und Gläubigern zu konsensualen Lösungen außerhalb der Öffentlichkeit zu vermitteln.
Gibt es Vor- und Nachteile der Verfahren für Unternehmen?
Ja, während das StaRUG Diskretion bietet, ermöglicht das Schutzschirmverfahren den Ausstieg aus ungünstigen Verträgen, bringt aber durch das Insolvenzstigma eigene Risiken mit sich.
- Arbeit zitieren
- Regina Schneider (Autor:in), 2022, Restrukturierungsverfahren und Schutzschirmverfahren als Möglichkeiten der Sanierung im Krisenstadium. Funktionen, Wirkungsweise und Erkenntnisse aus der Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1270343