Zuschauerpartizipation bei Richard Schechner anhand der Aufführung von 'Dionysus in 69'


Seminararbeit, 2009
11 Seiten, Note: 3

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Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Dionysus in 69 – Die Aufführung

2. Grenzüberschreitungen zwischen Kunst und Realität

Resümee

Quellenangaben

Einleitung

Als junger Mann in der Happening- und Antikriegsbewegung der 1960er Jahre in den USA begann Schechner sich schon früh für die Umgestaltung des westlich- traditionellen Theaters hin zu einem environmental theater zu interessieren. Neben etwa der Bespielung des gesamten Raumes und der Öffnung für neue Schauspielmethoden war die aktive Beteiligung der Zuschauer ein wichtiger Aspekt im Theater Schechners.

„I felt that participation was a good thing – but I didn’t know why, or even how.“1 schreibt der Schauspieler, Regisseur und Professor für Performance-Theorien Richard Schechner über seine Anfänge mit dem environmental theater. Mit der Performance Group in New York, deren Regisseur er mehrere Jahre lang ab Mitte der 1960er war probte er unterschiedliche Methoden der Zuschauerpartizipation im Spielraum der Performance Garage. Beeinflusst in seinen Überlegungen zur Einbeziehung des Publikums war Schechner von John Cage und Allan Kaprow. Die Experimente fallen in die Zeit der Forderung nach Kunst = Leben.

Vorstellen möchte ich im Rahmen dieser Arbeit die Experimente der Performance Group in einer Adaptierung von Euripides’ Bakchen, genannt Dionysus in 69. Die Wahl auf die Aufführung fiel aufgrund der guten Verfügbarkeit des Filmes von Brian de Palma im Gegensatz zu anderen Schechner- Performances, die aber nicht weniger interessante Experimente der Publikumsbeteiligung darstellen. Im ersten Kapitel will ich die Aufführung selbst und ihre Wirkung kurz beschreiben und einige Überlegungen anstellen, mit welchen Mitteln die Zuschauerpartizipation erreicht werden sollte. Im zweiten Kapitel der Arbeit sollen theoretische Überlegungen Richard Schechners selbst sowie von Erika Fischer-Lichte und auch Hans-Thies Lehmann zur direkten Einbeziehung des Publikums vorgestellt werden.

1. Dionysus in 69– Die Aufführung

Die Adaptierung von Euripides’ Bakchen wurde erstmals im Sommer 1968 in New York gespielt. Zu Beginn der Proben war die Beteiligung des Publikums noch nicht geplant, nach Schechner schienen dann aber im Laufe der Erarbeitung des Spiels immer mehr Szenen eine Partizipation zu benötigen.

Der Raum der Performance Garage war ausgelegt mit schwarzen Matten, die Zuschauer saßen im ganzen Raum verteilt, an den Rändern als auch in der Mitte des Raums. Zwei turmähnliche Gerüste dominierten den Raum, weiters gab es mehrere Plattformen und Türme, die alle den Zuschauern als Sitzflächen, aber auch den Performern als Spielflächen dienten. Die Handlung spielte in verschiedenen Bereichen, auf den gesamten Raum verteilt. ‚Dominante’ Teile der Handlung wie das Geburtsritual des Dionysos oder der Tod von Pentheus spielten auf den schwarzen Matten und verlangten nach Zuschauerpartizipation. Chorische Szenen spielten meist unter den Zuschauern oder an der Peripherie des Raumes. Es gab aber auch Szenen, die privat, dem Zuschauer nicht verfügbar, in den Gerüsten eingebauten Verstecken spielen. Der gesamte Raum war, Schechner zufolge, ganz auf Partizipation angelegt. Durch die Überschreitung der herkömmlichen Grenze zwischen der Rolle als Zuschauer und der Rolle als Performer wurde versucht, Gemeinschaft zu erzeugen und einen Rollenwechsel durchzuführen. Diese Grenze zwischen Zuschauer und Spieler wurde mit verschiedenen Methoden aufzuheben versucht. In manchen Szenen waren für den außen stehenden (Film-) Betrachter Publikum und Performer tatsächlich nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Durch Szenen der Berührungen und des gemeinsamen rituellen, rhythmischen Summens wirken teilweise sogar die Grenzen zwischen den Individuen aufgelöst zu einer verschmolzenen Masse.

Natürlich ließen sich nicht alle Zuschauer auf eine derartig ungewohnte Erfahrung ein. Die Beteiligung auf höchst unterschiedliche Weise – von der starken Einbindung ins Stück über die Ekstase (selten) bis hin zur Distanzierung – war von der Performance Group intendiert. Die Erfahrung von großen Extremen war ein Teil des Konzeptes. Wichtig ist für Schechner auch gewesen, dass die Zuschauer zwischen unterschiedlichen Plätzen und Arten, zu sitzen, wählen können. Alle Teilnehmer sollten sich gegenseitig sehen können und entweder alleine oder in Gruppen, auf einem Turm oder am Boden, etc. der Performance beiwohnen können.

[...]


1 Schechner: 1994, S. 68.

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Zuschauerpartizipation bei Richard Schechner anhand der Aufführung von 'Dionysus in 69'
Hochschule
Universität Wien
Note
3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V127078
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zuschauerpartizipation, Richard, Schechner, Aufführung, Dionysus
Arbeit zitieren
Angelika Kreitner (Autor), 2009, Zuschauerpartizipation bei Richard Schechner anhand der Aufführung von 'Dionysus in 69', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127078

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