Diese Hausarbeit geht der Frage nach, welchen Einfluss die emotionale Involviertheit auf den kognitiven Vorgang des Textverstehens beim Lesevorgang hat. Speziell soll also in dieser Arbeit betrachtet werden, wie sich Stimmungseinflüsse auf Sprachrezeptionsprozesse im Bereich des Textverstehens verhalten.
Anfangs werde ich mit begrifflichen Definitionen in den Problembereich Emotion und Kognition einführen. Im Anschluss folgt ein kurzer Exkurs in die Grundlagenforschung des Textverstehens und der Lesekompetenzforschung, Dies soll ein zentrales Bindeglied der vorangegangenen Elemente darstellen und Lesen als emotionalen und kognitiven Verarbeitungsprozess verdeutlichen. Darauf aufbauend möchte ich den wegweisenden Begriff der Involviertheit vorstellen, um ihn im Anschluss in den Lesekompetenzdiskurs einzugliedern. Mit Hilfe des Stimmungskongruenzeffekts (nach Hielscher 1996) möchte ich abschließend die Effekte emotionaler Involviertheit auf das kognitive Textverstehen aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Emotionen und Kognition: Einführung in den Problembereich
3.1 Emotion und Stimmung: Definition und Abgrenzung von Begriffen
3.1.1. Emotionen
3.1.2. Grundemotionen des Menschen
3.1.3. Stimmung und Gefühl
3.2. Kognition
3.3. Verhältnis Emotion und Kognition
4. Lesen als kognitiver Konstruktionsprozess:
4.1 Grundlagen der Textverstehensprozesse
4.2. Der Begriff der Lesekompetenz am Ebenmodell nach Rosebrock und Nix (2008)
5. Emotionale Involviertheit im Leseprozess
5.1. Involviertes Lesen als Teil der Lesekompetenz nach Artelt (2007)
5.2. Leseinteresse und Lesemotivation als Ausgangsvoraussetzung für involviertes Lesen
5.3. Stimmungskongruenzeffekt als Messgegenstand der kognitiven Verarbeitung emotionaler Zustände und Teilbereich involvierten Lesens
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss emotionaler Involviertheit auf kognitive Textverstehensprozesse beim Lesen. Ziel ist es, die Verbindung zwischen emotionspsychologischen Grundannahmen, kognitiven Lernvorgängen und Lesekompetenz theoretisch zu fundieren und aufzuzeigen, wie persönliche Stimmungslagen und emotionales Engagement die Tiefe und Effizienz der Textverarbeitung beeinflussen.
- Grundlagen von Emotionen, Stimmung und Kognition
- Prozesse des Lesens als kognitive Konstruktion
- Bedeutung der Involviertheit im Leseprozess
- Rolle von Leseinteresse und Lesemotivation
- Wirkung des Stimmungskongruenzeffekts auf das Textverständnis
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Emotionen
Der Begriff der Emotion hat sowohl aus einer kulturwissenschaftlichen, literaturwissenschaftlichen als auch einer psychologischen Perspektive Hochkonjunktur. Dies zeigt sich beispielsweise mit Blick auf die aktuelle Spiegelbestsellerliste, wo mit Stefanie Stahls: Das Kind in dir muss Heimat finden (2015) und Ichiro Kishimis: Du musst nicht von allen gemocht (2013) zwei Bücher aus dem großen Bereich der Emotionspsychologie starken Anklang finden. Im Grunde ist jedoch der Terminus Emotion im hauseigenen Forschungsbereich, der Emotionspsychologie, bis heute nicht einheitlich definiert worden und deutet nach wie vor auf ein „multidisziplinäres und daher äußerst schwer fassbares Konstrukt“ (Steinhauer 2010: 73) hin. In dieser Arbeit möchte ich deshalb auf die Emotionsdefinition von Kleinginna und Kleinginna (1981) zurückgreifen und diese im Folgenden näher erläutern.
Emotionen sind den beiden Autor:innen zur Folge „eine komplexe Reihe von Interaktionen zwischen subjektiven und objektiven Faktoren, vermittelt durch neuronale / hormonelle Systeme“ (Kleinginna und Kleinginna 1981: 355). Diese führen einerseits zu affektiven Erfahrungen, wie Erregungsgefühlen, Vergnügen/ Unmut, andererseits erzeugen sie den Autor:innen zur Folge kognitive Prozesse, wie emotional relevante Wahrnehmungseffekte, Bewertungen (vgl. ebd. 355). Emotionen erfüllen somit die Funktion, dem Individuum über die Situation, in der es sich befindet, aufzuklären und ihm dabei zu helfen, die Situation zu verarbeiten (vgl. Bless; Igou, 2001: 75). Dabei „tragen sie zur Selektion von Inhalten bei und legen zudem den Prozess der Verarbeitung der Inhalte nahe. Emotionen lenken gerade dann die Aufmerksamkeit einer Person, wenn nicht genügend Informationen für eine analytisch begründete Entscheidung vorliegt“ (Steinhauer 2010: 95).
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der emotionalen Teilhabe beim Lesen ein und leitet die Forschungsfrage hinsichtlich des Einflusses der emotionalen Involviertheit auf Textverstehensprozesse ab.
3. Emotionen und Kognition: Einführung in den Problembereich: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Emotion, Grundemotion, Stimmung, Gefühl sowie Kognition und beleuchtet deren wechselseitiges Verhältnis.
4. Lesen als kognitiver Konstruktionsprozess:: Hier wird Lesen als aktiver Prozess der mentalen Modellbildung verstanden und das Mehrebenenmodell von Rosebrock und Nix zur Veranschaulichung der verschiedenen Ebenen der Lesekompetenz eingeführt.
5. Emotionale Involviertheit im Leseprozess: Dieses Hauptkapitel analysiert Involviertheit als zentrale Qualitätsdimension des Lesens, beleuchtet Motivation und Interesse als Voraussetzungen und erläutert den Stimmungskongruenzeffekt.
6. Zusammenfassung: Abschließend werden die erarbeiteten lernpsychologischen Aspekte zusammengeführt und das Potenzial für die schulische Praxis diskutiert.
Schlüsselwörter
Lesekompetenz, Textverstehen, Emotionale Involviertheit, Kognition, Stimmungskongruenzeffekt, Lesemotivation, Leseinteresse, Emotionspsychologie, Mentales Modell, Konstruktionsprozess, Sprachrezeption, Selbstregulation, Lernprozesse, Lesedidaktik, Affektive Bindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie emotionale Prozesse beim Lesen, wie z.B. Involviertheit und Stimmung, das kognitive Verständnis von Texten beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Emotions- und Kognitionspsychologie sowie deren Anwendung in der Leseforschung und Lesedidaktik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie emotionale Beteiligung einen wesentlichen Einfluss auf den Gesamtvorgang des Textverstehens ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Diskussion psychologischer Modelle und der Übertragung dieser Erkenntnisse auf den Leseprozess basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Fokus liegt auf der Verknüpfung von kognitiven Konstruktionsprozessen mit emotionaler Involviertheit und der Erklärung spezifischer Phänomene wie dem Stimmungskongruenzeffekt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lesekompetenz, Emotionale Involviertheit, Stimmungskongruenzeffekt, kognitive Verarbeitung und Textverstehen.
Was versteht man unter involviertem Lesen?
Involviertes Lesen ist eine Form der ästhetischen Erfahrung, bei der sich Lesende von einem Text persönlich angesprochen fühlen und sich emotional auf die im Text präsentierte Welt einlassen.
Wie beeinflusst die aktuelle Stimmung den Leseprozess?
Durch den Stimmungskongruenzeffekt werden Inhalte, die zur eigenen Stimmung passen, oft schneller verarbeitet und besser erinnert, da sie an bestehende Wissensstrukturen gekoppelt werden können.
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- Lorenz Knothe (Author), 2021, Involviertes Lesen. Emotionale Involviertheit beim Textverstehen im Leseprozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1271586