Jean-Marc Bosman war kein herausragender Fußballer und trotzdem hat er den Fußball wohl für immer verändert. Der Grund dafür ist der 15. Dezember 1995. An diesem Tag hat der Europäische Gerichtshof, kurz EuGH, ein Urteil verkündet, welches als das „Bosman-Urteil“ in die Geschichte einging. Es versetzte das europäische Sportrecht in große Unordnung, indem das damals gültige Transfersystem und die Ausländerbeschränkung für rechtswidrig erklärt wurden.
Der Aufbau meiner Arbeit gestaltet sich folgendermaßen: Das zweite Kapitel zeigt, wie der Fußball organisiert ist. Sowohl allgemein, als auch speziell vor dem Bosman-Urteil. Darauffolgend wird der Sachverhalt des Urteils dargestellt. Danach gehe ich auf die Grundfreiheit der Arbeitnehmerfreizügigkeit ein und prüfe die dem EuGH vorgelegten Fragen. Abschließend wird erläutert, welche Folgen und Auswirkungen das Urteil mit sich trug.
Gliederung
I. Einleitung
II. Organisationsstruktur im Fußball
1. Grundsätzlich
2. Vor dem Bosman-Urteil
a) Transferregelung
b) Ausländerklausel
III. Sachverhalt
a) Ausgangsverfahren
b) Fragen an den EuGH
IV. Freizügigkeit der Arbeitnehmer nach Art. 39 (ex-Art. 48) EGV
1. Freizügigkeitskonzept der EG
2. Geltungsbereich
3. Schranken
V. Prüfung der Vorlagefragen
1. Schutzbereich
a) Arbeitnehmerstatus
b) Drittwirkung
c) Inlandssachverhalt
2. Beeinträchtigung
a) Transferregeln
b) Ausländerregeln
3. Rechtfertigung der Beeinträchtigung
a) Transferregelungen
aa) Gleichgewichtsfunktion
bb) Talentsuche- und ausbildung
b) Ausländerregelungen
aa) Nationale Bindung
bb) Reservebildung für Nationalmannschaft
cc) Sportliches Gleichgewicht
4. Ergebnis
VI. Reaktionen der Verbände
1. „Gentlemen‘s Agreement“
2. Reaktionen der FIFA und UEFA
3. Reaktion des DFB
4. Beschluss der FIFA vom 27.03.97
VII. Auswirkungen des Urteils
a) Wegfall der Ablösesummen bei Vertragsende
aa) Vertragslaufzeiten
bb) Ungleichgewicht auf Vereinsebene
b) Wegfall der Ausländerklausel
b) Änderung des Leistungsniveaus
c) Entwicklung der Spielergehälter und Ablösesummen
d) Integration des Nachwuchses
VIII. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert das wegweisende „Bosman-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs von 1995 sowie dessen tiefgreifende Auswirkungen auf die Organisationsstruktur, die Transfersysteme und die rechtlichen Rahmenbedingungen im europäischen Profifußball.
- Historische Entwicklung der Transferregeln und Ausländerklauseln vor 1995
- Rechtliche Prüfung der Arbeitnehmerfreizügigkeit im Kontext des Profisports
- Analyse der Reaktionen nationaler und internationaler Fußballverbände
- Wirtschaftliche Folgen wie die Entwicklung von Ablösesummen und Gehältern
- Integration des Nachwuchses nach der Aufhebung von Beschränkungen
Auszug aus dem Buch
1. Grundsätzlich
Der Weltfußball ist wie eine Pyramide organisiert, an dessen Spitze die FIFA¹ steht, die den Fußball auf weltweiter Ebene organisiert. Die FIFA ist ein 1904 gegründeter Verein schweizerischen Rechts. Die Aufgabe der FIFA ist es einerseits den Fußball zu verbessern und weltweit zu verbreiten und andererseits die Schaffung allgemeiner und global einheitlicher Regeln. Die FIFA ist für die Austragung und Organisation von Turnieren, wie der Weltmeisterschaft und der Klub-WM, verantwortlich. Zudem werden die Spielregeln von der FIFA festgelegt.² Der FIFA sind einzelne Kontinentalverbände, auch Konföderationen genannt, untergeordnet. Die AFC in Asien, der CAF-Verband in Afrika, die CONMEBOL in Südamerika, in Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik der CONCACAF, der OFC-Verband in Ozeanien und die UEFA³ in Europa. Mitglieder der einzelnen Konföderationen sind die nationalen Verbände. Die nationalen Verbände haben sich in ihren Satzungen und Regelungen an die Vorgaben der FIFA sowie dem zugehörigen Kontinentalverband zu halten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung des Bosman-Urteils und Skizzierung des Aufbaus der Arbeit.
II. Organisationsstruktur im Fußball: Erläuterung der hierarchischen Struktur des Fußballs von der FIFA bis zu den nationalen Verbänden sowie der Regeln vor dem Urteil.
III. Sachverhalt: Darstellung des juristischen Weges von Jean-Marc Bosman und der Hintergründe des Rechtsstreits.
IV. Freizügigkeit der Arbeitnehmer nach Art. 39 (ex-Art. 48) EGV: Theoretische Herleitung der Grundfreiheit der Freizügigkeit im europäischen Recht.
V. Prüfung der Vorlagefragen: Detaillierte juristische Prüfung der Anwendung dieser Grundfreiheit auf den Profifußball und Begründung der Rechtswidrigkeit der bestehenden Regeln.
VI. Reaktionen der Verbände: Analyse, wie FIFA, UEFA und der DFB auf das Urteil reagierten und ihre Reglements anpassten.
VII. Auswirkungen des Urteils: Untersuchung der langfristigen ökonomischen und strukturellen Konsequenzen wie Gehaltsentwicklung und Wettbewerbsveränderungen.
VIII. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Gewinner und Verlierer des Urteils sowie ein Ausblick auf die Stabilität des europäischen Sports.
Schlüsselwörter
Bosman-Urteil, EuGH, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Transfersystem, Ablösesummen, Ausländerklausel, Fußballverbände, Profisport, sportliches Gleichgewicht, Talentförderung, Europarecht, Spielerverträge, FIFA, UEFA, DFB
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Bosman-Urteil von 1995 und dessen rechtliche sowie wirtschaftliche Konsequenzen für den europäischen Profifußball.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Arbeitnehmerfreizügigkeit, die Veränderung der Transfersysteme, der Wegfall von Ausländerbeschränkungen und die wirtschaftliche Entwicklung der Spielergehälter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Urteil die Machtverhältnisse zwischen Vereinen und Spielern verschoben hat und wie diese heute rechtlich und wirtschaftlich eingeordnet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Analyse, die einschlägige Fallrechtsprechung des EuGH sowie verbandsrechtliche Regelungen und ökonomische Auswirkungen betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der Organisationsstruktur des Fußballs über die juristische Prüfung der Vorlagefragen bis hin zur detaillierten Analyse der wirtschaftlichen Folgen für die Vereine und Spieler.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Bosman-Urteil, Freizügigkeit, Transferwesen, Europarecht und ökonomische Auswirkungen im Sport.
Inwiefern hat das Urteil das Machtgefüge verschoben?
Das Urteil hat die Macht der Vereine beschnitten, da Spieler bei Vertragsende ablösefrei wechseln dürfen, was die Verhandlungsposition der Spieler und ihrer Berater deutlich gestärkt hat.
Welche Rolle spielte das „Gentlemen's Agreement“ nach dem Urteil?
Es war ein Versuch der deutschen Vereine, die Ausländerklausel auf freiwilliger Basis aufrechtzuerhalten, was jedoch aufgrund kartellrechtlicher Bedenken und mangelnder Verbindlichkeit scheiterte.
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- Lukas Boysen (Author), 2018, Das Bosman-Urteil und seine Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1272742