Wirkungen der europäischen Strukturfonds auf Wachstum und Konvergenz

Europäische Wirtschaftspolitik - Regionalpolitik


Hausarbeit, 2008
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konvergenz und Divergenz
2.1 Was ist Konvergenz?
2.2 Die Konvergenzthese
2.3 Die Divergenzthese

3. Die Strukturfonds der europäischen Regionalpolitik
3.1 Regionale Disparitäten in der Europäischen Union
3.2 Begründungen regionalpolitischer Interventionen
3.3 Ziele europäischer Regionalpolitik
3.4 Die Strukturfonds und ihre Grundsätze

4. Auswirkungen der Strukturfonds auf Wachstum und Konvergenz
4.1 Konvergenz oder Divergenz in der EU? – Empirische Befunde
4.2 Der Einfluss der Strukturfonds
4.3 Kritik an der Regionalpolitik
4.4 Wirtschaftspolitische Empfehlungen

5. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. Pro-Kopf-BIP in KKS im Jahr 2005

Abb. 2 Anstieg des realen BIP pro Kopf in den Beitrittsländern, 1995-2005

Tabellenverzeichnis

Tab 1.: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 im Jahr 2005

Tab 2.: Effekte der Kohäsionspolitik 2000-2006 auf das BIP und die Beschäftigung in 2006

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Zuge fortschreitender europäischer Integration schließen sich immer mehr heterogene Volkswirtschaften zu einer Gemeinschaft zusammen. Besonders in Hinblick auf die kürzlich erfolgte Osterweiterung wird zunehmend nach den Wohlfahrtswirkungen dieser Zusammenschlüsse gefragt. Diskutiert wird dabei immer wieder, ob es insgesamt zu einer Angleichung der Pro-Kopf-Einkommen im Integrationsraum kommt, oder aber zu einem verstärkten Auseinanderdriften. Die europäische Regionalpolitik hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Unterstützung von Wachstum und Konvergenz in der EU, möglichen regionalen Disparitäten entgegenzuwirken. Zur Erreichung eben dieser Ziele bedient sie sich der europäischen Strukturfonds, aus denen finanzielle Transfers an benachteiligte oder rückständige Regionen gezahlt werden. Die vorliegende Arbeit diskutiert diesbezüglich die Wirkungen der angesprochenen Fonds auf das Wachstum und die Konvergenz in der Europäischen Union. Dazu ist in Kapitel 2 zu klären was unter Konvergenz zu verstehen ist und wie sie gemessen werden kann. Im Anschluss werden zwei theoretische Ansätze vorgestellt. Im dritten Kapitel folgt eine genauere Darstellung der Strukturfonds der europäischen Kohäsionspolitik. Diesbezüglich wird das Auftreten regionaler Disparitäten untersucht, um dann nach der grundsätzlichen Daseinsberechtigung der europäischen Regionalpolitik zu fragen. Ihre Ziele, Instrumente und Grundsätze werden daraufhin vorgestellt. In Kapitel 4 dieser Arbeit wird versucht, die tatsächlichen Wirkungen und mögliche Erfolge der Förderungen durch die Strukturfonds herauszuarbeiten. Um zu zeigen, ob in den letzten Jahren wirklich Konvergenzprozesse oder gar Divergenzen zu beobachten waren, betrachten wir zunächst empirische Befunde. Ob und wenn ja, welchen Anteil an jenen Entwicklungen die regionalpolitischen Interventionen letztendlich hatten, wird daraufhin versucht zu klären. Ferner sind einige Kritikpunkte an der bisherigen Art und Weise der Förderungen anzumerken, um daraus abschließend Empfehlungen für die Zukunft abzuleiten.

2. Konvergenz und Divergenz

Im Rahmen des europäischen Integrationsprozesses wird immer wieder nach seinen ökonomischen Auswirkungen gefragt. Um die Vorteilhaftigkeit der europäischen Zusammenschlüsse zu messen, wird neben dem Effizienzziel oft auch das Konvergenzziel zur Beurteilung herangezogen. Insbesondere wenn sich sehr unterschiedlich entwickelte Länder zusammentun, ist zu schauen, ob es in der Folge zu einem Annähern des Wohlstandes oder womöglich zu noch größeren Ungleichheiten kommt.[1] Aus diesem Grund ist im Folgenden zu betrachten, was genau man unter Konvergenz versteht.

2.1 Was ist Konvergenz?

Unter realer Konvergenz versteht man eine Angleichung des Wohlstandes, bezüglich der EU also eine Angleichung der ärmeren Volkswirtschaften an den EU-Durchschnitt. Kommt es stattdessen zu einem Auseinanderdriften des Wohlstandes zwischen den Staaten oder Regionen, sprechen wir von Divergenz.[2] Regionale Konvergenz bezeichnet man ebenso als eine Verringerung von Disparitäten, die anhand der Beschäftigung oder Arbeitslosenquote, dem Indikator Armut, dem Pro-Kopf-BIP oder auch anhand von Faktorausstattungen der Regionen gemessen werden können.[3] Es gibt zwei Konzepte anhand derer die Konvergenz operationalisiert werden kann. Von β-Konvergenz wird gesprochen, wenn sich ein armes Land oder eine arme Region in der Tendenz schneller entwickelt als ein reiches Land oder eine reiche Region und daher, gemessen bspw. am BIP pro Kopf oder am Pro-Kopf-Einkommen, im Verhältnis zur stärkeren Volkswirtschaft aufholt. Laut Barro und Sala-i-Martin tendieren ursprünglich ärmere Ökonomien zu schnellerem Wirtschaftswachstum als reichere.[4] In diesem Fall spricht man auch von absoluter (unbedingter) β-Konvergenz. Im Falle bedingter β-Konvergenz hingegen sind die Wachstumsraten umso höher, je entfernter ein Staat oder ein Gebiet noch von seiner eigenen steady-state-Rate ist.[5] Die β-Konvergenz gilt als umso höher, je schneller sich eine Stichprobe von Regionen dem EU-Durchschnitt nähert. Die europäische Kommission bevorzugt hingegen oftmals das Konzept der σ-Konvergenz. Diese liegt vor, wenn die Streuung der Wohlstandsunterschiede mit der Zeit abnimmt, also eine reduzierte Varianz der Pro-Kopf-Einkommen innerhalb einer Stichprobe zu beobachten ist. Gemessen werden kann Konvergenz nicht nur anhand der Pro-Kopf-Einkommen oder des BIP pro Kopf, sondern oft auch anhand von Produktivitäts- oder Beschäftigungsraten. Um Konvergenz- oder Divergenzprozesse zu analysieren, ist es ferner nötig Regionen und Gebiete räumlich abzugrenzen, damit gewonnene Daten zugeordnet und zwischen den Regionen vergleichbar gemacht werden können. Die Europäische Kommission arbeitet hier mit der „Nomenclature des Unités territoriales statistiques“, einer als NUTS[6] bezeichneten Regioneneinteilung. Mit Hilfe dieser räumlichen Einteilung in Regionen werden Daten erhoben, anhand ausgewählter Indikatoren verglichen und die gegebenenfalls auftretende Konvergenz oder Divergenz gemessen.[7] Daran anknüpfend werden nun zwei Thesen vorgestellt, die auf verschiedenen Theoriesträngen basieren und das Entstehen von Konvergenz- bzw. Divergenzprozessen auf unterschiedliche Weise erklären.

2.2 Die Konvergenzthese

Oft sind divergierende Pro-Kopf-Einkommen das Ergebnis ganz unterschiedlicher Wachstums- und Produktivitätsraten in den Mitgliedstaaten der EU. Da diese Produktivität von der Kapitalintensität und dem technischen Fortschritt einer Volkswirtschaft abhängig ist, sind letzten Endes Kapitalmangel und nur geringer technischer Fortschritt für die Einkommensdisparitäten verantwortlich. Im Zwei-Faktoren-Modell der neoklassischen Wachstumstheorie geht eine hohe Kapitalausstattung c.p. mit einem geringen Grenzprodukt des Kapitals einher. Das Grenzprodukt der Arbeit und damit das Lohnniveau sind in diesem Fall hoch. Andersherum haben Volkswirtschaften mit einer niedrigen Kapitalausstattung ein hohes Kapitalgrenzprodukt und dementsprechend ein niedrigeres Lohnniveau. Da nun durch die fortschreitende Integration ein gemeinsamer Markt geschaffen wurde, ist das Kapital mobiler geworden und kann ungehindert in andere Regionen investiert werden. Laut der neoklassischen Theorie fließt der Faktor Kapital jetzt in diejenigen Regionen, denen wenig Kapital zur Verfügung steht und die somit ein hohes Grenzprodukt des Kapitals aufweisen. Da sich die dortige Kapitalknappheit durch den Zufluss verringert, kommt es zu einem Anstieg des Fortschritts und der Arbeitsproduktivität sowie des Wirtschaftswachstums. Das Lohnniveau sowie das gesamtwirtschaftliche Realeinkommen steigen, und letztendlich steigt auch das Pro-Kopf-Einkommen. Da im ursprünglich kapitalreichen Land diese Vorgänge genau andersherum vonstatten gehen, kommt es schlussendlich zu einer Konvergenz der Einkommen. Die Neoklassik geht also davon aus, dass Einkommensdisparitäten allein durch Faktorbewegungen innerhalb des gemeinsamen Marktes wieder ausgeglichen werden und sich Konvergenz somit durch Marktprozesse einstellt. Anzumerken bei dieser These ist jedoch, dass sie sehr restriktiven Annahmen unterliegt, denn es wird von konstanten Skalenerträgen, einer Entlohnung nach dem Grenzprodukt, absoluter Faktorpreisflexibilität und sogar unbegrenzter Faktormobilität ausgegangen.[8]

2.3 Die Divergenzthese

Die Divergenzthese geht aufbauend auf der endogenen Wachstumstheorie davon aus, dass die fortschreitende Integration eher zu verstärkter regionaler Konzentration und somit zu Divergenz führt. Wenn die ohnehin stärkeren Regionen sich auf technologisch hochwertige Produkte spezialisieren, bei deren Herstellung steigende Skalenerträge sowie positive externe Effekte anfallen, können sie ihren ohnehin vorhandenen komparativen Vorteil weiter ausbauen. Zusätzlich treten dabei Lerneffekte auf, die das Humankapital stärken und weiteren technischen Fortschritt erzeugen. Nach dieser Theorie sind die schwächeren Gebiete von der Nutzung des Fortschritts ausgeschlossen. Durch die technologischen Spillover-Effekte werden die stärkeren Regionen somit ein größeres Wachstum generieren und es ist mit ansteigenden Disparitäten zu rechnen.[9] Eine weitere theoretische Erklärung für Divergenz liefert die Neue Ökonomische Geographie (NÖG). Sie bezieht nun Faktormobilität und daraus entstehende endogene Faktorausstattungen der einzelnen Regionen mit ein. Mobile Unternehmen und Arbeitnehmer werden dabei zum eigentlichen Motor von Agglomerationsprozessen, da sie ihren Standort jeweils abhängig von zentripetal oder zentrifugal wirkenden Kräften wählen. Als zentripetale Kräfte wirken Skalenerträge wie bspw. Massenproduktionsvorteile oder Lernkurveneffekte und auch Lokalisationsvorteile wie ein großer Absatzmarkt oder ein großes Repertoire an Fachkräften oder Zulieferern. Positive Heimmarkt- und Preiseffekte aufgrund der Transportkostenersparnis der Agglomeration tragen ihr Übriges dazu bei, dass technischer Fortschritt beschleunigt und höhere Faktorpreise gezahlt werden können.[10] Dies führt dazu, dass Unternehmen sich in ohnehin bestehenden Ballungsgebieten niederlassen und es folglich zu weiteren Agglomerationsprozessen und Einkommensdivergenzen kommen kann. Die dadurch ebenfalls entstehende Abwanderung von Kapital und Arbeitskräften aus der Peripherie in die Zentren kann diese Polarisierung noch verstärken.[11] Dem entgegen wirken zentrifugale Kräfte. Diese können ein Mangel an immobilen Faktoren, auftretende Ballungskosten oder Wettbewerbsdruck durch viele konkurrierende Produkte in einem Ballungsgebiet sein. Überwiegen sie die Vorteile einer Agglomeration, kann die Abwanderung der Faktoren aus der Peripherie gestoppt werden. Die Höhe der Transportkosten spielt dabei in der NÖG eine nicht unwichtige Rolle. Sind Transportkosten hoch, findet kein Handel mit anderen Regionen statt, höchstens intraregional. In diesem Fall sind die wirtschaftlichen Aktivitäten gleichmäßig über die Regionen verteilt.[12] Sinken diese Kosten dann, kann Handel aufgenommen werden und Skaleneffekte sowie Externalitäten können durch die Ansiedlung in einem Ballungsgebiet ausgenutzt werden. Ein noch stärkeres Absinken der Transportkosten führt in Kombination mit steigenden Ballungskosten dann jedoch dazu, dass die zentrifugalen Kräfte wieder die Oberhand gewinnen. Hier kann es sich für Unternehmen lohnen, in der Peripherie zu produzieren und die Erzeugnisse dann zu den Absatzmärkten der Zentren zu transportieren. So käme es wieder zu einer konvergenten regionalen Entwicklung der Einkommen. Im Endeffekt zeigt die Theorie jedoch, dass durch regionale Integration die ohnehin wirtschaftlich stärkeren Regionen oft besonders profitieren und Divergenzen immer wieder auftreten oder sich sogar noch weiter verfestigen können.[13] Die im Folgenden darzustellende europäische Regionalpolitik baut auf den Ansichten dieser Divergenzthese auf.

[...]


[1] Vgl. Ohr (2001), S. 26.

[2] Vgl. Ohr (2003), S. 12.

[3] Vgl. Brasche (2003), S. 229.

[4] Vgl. Barro, Sala-i-Martin (1998), S. 444.

[5] Vgl. Ohr (2003), S. 19 f.

[6] NUTS-I repräsentiert im Falle Deutschlands die Bundesländer, die NUTS-II-Ebene stellt Regierungs- und

Verwaltungsbezirke dar sowie NUTS-III die Landkreise.

[7] Vgl. Klemmer (1998), S. 481 ff.

[8] Vgl. Ohr (2001), S. 26 f.

[9] Vgl. Ohr (2001), S. 28.

[10] Vgl. Krieger-Boden (2002), S. 5.

[11] Vgl. Ohr (2001), S. 28.

[12] Vgl. Krieger-Boden (2002), S. 5 f.

[13] Vgl. Ohr (2001), S. 28 f.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wirkungen der europäischen Strukturfonds auf Wachstum und Konvergenz
Untertitel
Europäische Wirtschaftspolitik - Regionalpolitik
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik)
Veranstaltung
Seminar Europäische Wirtschaftspolitik
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V127505
ISBN (eBook)
9783640340033
ISBN (Buch)
9783640337316
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirkungen, Strukturfonds, Wachstum, Konvergenz, Europäische, Wirtschaftspolitik, Regionalpolitik
Arbeit zitieren
Silke Schrader (Autor), 2008, Wirkungen der europäischen Strukturfonds auf Wachstum und Konvergenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127505

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