Ländlicher Raum - Ländliche Siedlungen und Flur


Hausarbeit, 2008
28 Seiten, Note: gut

Leseprobe

A Inhaltsverzeichnis

1 Der Ländliche Raum – was kann man sich darunter vorstellen?

2 Die Siedlungsformen im Ländlichen Raum
2.1 Definition oder „Was sind eigentlich Siedlungen?“
2.2 Die verschiedenen Einteilungskriterien für Dörfer
2.3 Verschiedene Dorfformen – lockere und geschlossene Dörfer nach Born (1977)
2.3.1 Lockere Dörfer
2.3.2 Geschlossene Dörfer

3 Flur oder Flurform – das ist hier die Frage!
3.1 Die Flur – im Gefüge des Ganzen
3.2 Flurformen – die strukturgebenden Muster der Flur
3.2.1 Definition oder „Mit was genau haben wir es eigentlich zu tun?“
3.2.2 Blöcke und Streifen in Feld und Flur – Die Grundformen
3.2.2.1 Blockflur
3.2.2.2 Streifenflur
3.2.2.3 Die Lage der Parzellen in der Flur

4 Exkurs: Flurbereinigung – Gründe, Maßnahmen, Eckdaten

5 Die Erbsitten – Formen und Verbreitung
5.1 Realteilung
5.2 Anerbenrecht
5.3 Regionale Verbreitung der Erbsitten in Deutschland

6 Die Dreifelderwirtschaft – Eine Erfolgsgeschichte?
6.1 Funktion und Zielsetzung
6.2 Historische Entwicklung

7 Fazit – was sollte man sich „mitnehmen“?

B Literaturverzeichnis
B.1 Anhang – Abbildungen

C Bibliographie

D Eidesstattliche Erklärung

E Danksagung

1 Der Ländliche Raum – was kann man sich darunter vorstellen?

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Ländlicher Raum – Ländliche Siedlungen und Flur. „Ländlicher Raum“ ist ein Begriff, den man mit viel „Inhalt“ füllen kann, so umfangreich gestaltet er sich. Aus diesem Grund ist es notwendig, da man nicht alle Seiten des ganzen komplexen Gebildes „Ländlicher Raum“ in einer Hausarbeit erschöpfend erfassen kann, Prioritäten zu setzen. In der vorliegenden Hausarbeit wollen wir uns daher lediglich auf Dorfformen, Flur und Flurformen sowie Bewirtschaftungsmethoden ebendieser und der gängigen Vererbungsformen in Deutschland beschränken. Dies hat obig der Zusatz „Ländliche Siedlungen und Flur“ schon implizieren dürfen.

Vorab soll an dieser Stelle eine kurze allgemeine „Definition“ des Ländlichen Raumes erfolgen, damit ein Eindruck vermittelt werden kann, in welchem Bereich des täglichen menschlichen „Lebens und Wohnens“ wir uns befinden, bevor der Einstieg in obengenannte Themenkomplexe geschieht:

1. àIm Ländlichen Raum herrschen land- und forstwirtschaftlich genutzte Produktions-flächen vor.
2. Seine Siedlungen besitzen eine relativ geringe Größe, eine geringe Bebauungsdichte, eine geringe Einwohnerdichte und daher auch eine geringe Arbeitsplatz- sowie Industriedichte. Eine Folge davon ist auch das geringere Einkommen „auf dem Land“.
3. Seine Rechtsstellung im Vergleich zu Stadtgebieten ist unterschiedlich, vor allem im Verwaltungsrecht: dort u.a. weniger Rechteß

(zu 1.–3. vgl. Henkel 1999: 30-31; zu 2. vgl. auch Heineberg ³2000: 65).

In früheren Zeiten war es daher noch enorm von Bedeutung, ob man aus einem eher ländlich geprägtem Gebiet stammte, oder ob man in einem eher städtisch geprägtem Gebiet wohnte. Heute ist die geographische Erforschung des Ländlichen Raumes schlicht ein Teilgebiet der Stadtgeographie geworden, da der Trend der Verstädterung schon längst Einzug gehalten hat in den ländlichen Regionen und man sagen kann, daß die Unterschiede der Lebensqualität, der Flexibilität, der Versorgung usw. gegenüber einer Stadt immer kleiner werden. Dennoch bewahrt sich der Ländliche Raum „seinen Charakter, seine Identität“ und ist weiterhin wichtiger Erzeugungsraum landwirtschaftlicher Produkte (vgl. Lienau 41995: 27-37).

Das eben Gelesene im Gedächtnis behaltend, kann man nun übergehen zum eigentlichen Teil dieser Hausarbeit, zu den ausgewählten einzelnen „Teildisziplinen“ des Ländlichen Raumes. Diese sollen Ihnen im Folgenden nähergebracht und anhand àwichtiger Merkmaleß aufgezeigt werden, bevor wir zu guter letzt mit einem begründeten Fazit schließen werden.

2 Die Siedlungsformen im Ländlichen Raum

2.1 Definition oder „Was sind eigentlich Siedlungen?“

Im ersten Teil dieser Hausarbeit befassen wir uns mit der Frage: „Was sind eigentlich Siedlungen?“. Außerdem setzen wir uns mit der historischen Entwicklung und der Entstehung ebendieser Siedlungen auseinander.

Die Frage „Was sind eigentlich Siedlungen?“ lässt sich leicht beantworten: Sie sind

jegliche Form von Wohnplatz, wie auch jede isoliert gelegene Wohnstätte und jede Arbeits-

stätte. Jede Form, in der Menschen miteinander leben und wohnen, sind als solche zu bezeich-

nen. Im etwas engeren Sinne sind Siedlungen mehr oder weniger planmäßig angelegte Dörfer.

Sie können aufgrund günstiger Lage entstanden sein oder aber auch durch geplante Aussied-

lung. Des weiteren gibt es Dörfer, die durch Brandrodung oder Trockenlegung entstanden

sind, und wiederum welche, die sich schlicht der Natur angepasst haben.

Eine erste Einteilung, in welche man Siedlungen gliedern kann, ist die nach ihrer Größe:

- Einzelhöfe:

Dies sind isoliert liegende Bauernhöfe mit einem oder mehreren Gebäuden. Damit sie als

Einzelhof gelten können, müssen sie eine bestimmte Entfernung zum Nachbarhof oder Dorf

haben. Sie werden meist von Großfamilien bewohnt und deren Besitzer sind vermehrt in der

Landwirtschaft tätig.

- Weiler :

Weiler sind Siedlungen, die aus 3-20 Höfen oder Wohnhäusern bestehen. Sie haben in der

Mehrzahl der Fälle keine geschlossenen Bebauung. Oft sind sie aufgrund der Tatsache

entstanden, dass sich mehrere Einzelhöfe zusammengeschlossen haben. Es gibt hier keine

bestimmte Festlegung über die Entfernung der Bebauung. Die ersten Weiler sind im frühen

Mittelalter ab dem 9. Jahrhundert nach Chr. entstanden.

- Dorf:

Dieser Begriff für eine Siedlung wird erst dann verwendet, wenn mindestens 100 Bewohner

diese Siedlung bewohnen und mindestens 20 Wohngebäude vorhanden sind. Die ersten

Dörfer sind schon vor 15000 Jahren entstanden. In den meisten Dörfern gibt es ein „zentrales

Element“ wie eine Kirche oder eine Schule.

àDer Begriff „Ländliche Siedlungen“ bezieht sich nicht allein auf heutige Agrarsiedlungen mit einem bestimmten Anteil ländlicher Bevölkerung, sondern auch auf solche, die keine Landwirtschaft mehr vorweisen bzw. sie nur noch eine geringe Rolle spielt (n. Born 1977).ß

2.2 Die verschiedenen Einteilungskriterien für Dörfer

Es gibt natürlich verschiedene Kriterien um Dorfformen zu beurteilen, zu unterschei-den und sie miteinander zu vergleichen und schließlich in „Dorftypen“ einzuteilen.

a) Das erste Einteilungskriterium ist die Größe der Dörfer (vgl. Lienau 41995: 64):

Kleines Dorf: bis 100 Einwohner und 20 Haus- und Hofstätten

Mäßiges Dorf: bis 500 Einwohner und 100 Haus- und Hofstätten

Dorf: bis 2000 Einwohner und 400 Haus- und Hofstätten

Großes Dorf: bis 5000 Einwohner

Sehr großes Dorf: zwischen 5000-10000 Einwohnern

b) Das nächste Einteilungskriterium ist der Grundriss des jeweiligen Dorfes:

Zum Grundriss eines Dorfes zählen alle Häuser, Straßen, Plätze, Wege, Freiflächen und Gärten. Er sagt nicht nur etwas über die Form des jeweiligen Dorfes aus, sondern auch über die Anordnung der Gebäude zueinander. Der Grundriss einer ländlichen Siedlung ist etwas Dauerhaftes, d.h. er verändert sich auch durch Neubauten nur bedingt. Am Grundriss eines Dorfes lässt sich meist die Region der Siedlung und auch deren Entstehungszeit erkennen.

Es gibt 3 Formen von Grundrissarten, die man heute unterscheidet:

- Lineare Siedlungen: Hier sind die Dörfer linear angeordnet und die Gebäude reihen

sich aneinander. Man nennt dies auch „regelmäßig angeordnet“, das bedeutet: nach geometrischen Mustern.

- Platzsiedlungen: Siedlungen ordnen sich hier um einen zentralen Platz an. Die

Gebäude sind alle auf diesen Platz ausgerichtet. Es muss sich nicht zwangsläufig um einen Platz handeln, es kann auch eine Kirche oder eine Schule sein, um die sich die anderen Gebäude zentrieren.

- Siedlungen mit flächigem Grundriss: Bei dieser Siedlungsform lassen sich keine

erkennbaren Strukturen im Aufbau der Siedlung erkennen. Solche Dörfer nennt man Haufendörfer, weil sie ohne eine feste Planung entstanden sind. Man sagt auch: sie haben einen „unregelmäßigen Aufbau“.

2.3 Verschiedene Dorfformen - lockere und geschlossene Dörfer nach Born (1977)

2.3.1 Lockere Dörfer

(vgl. Abb. 1,2 – Anhang). „Locker“ bedeutet in diesem Zusammenhang: die Dörfer sind flächig bebaut. Der Abstand der Häuser zueinander ist groß bis sehr groß. Es handelt sich hier meist um kleinere Dörfer oder Weiler, die häufig in Norddeutschland zu finden sind. Anstatt „locker“ wird synonym auch „offen“ verwendet.

Ein gutes Beispiel stellen die Haufendörfer dar:

Hierbei handelt es sich um Dörfer mit unregelmäßigem Grundriss und unterschiedlicher Bebauungsdichte. Die meisten der Haufendörfer sind aus Zusammenschlüssen verschiedener Weiler und Einzelhöfe entstanden. Diese Form der Siedlungsbildung ist die früheste aller Dorfformen. Sie sind ohne jegliche Planung entstanden.

2.3.2 Geschlossene Dörfer

(vgl. Abb. 1,2 – Anhang). Hierbei handelt es sich um Dörfer, die eine klar erkennbare Grundrissform aufweisen. Diese Siedlungen sind meist aus einer Planung heraus entstanden und liegen oft an charakteristischen Orten. Die Gebäude in solchen Dörfern sind dicht anein-ander gebaut. Sie bilden die am häufigsten in Nordeuropa vorkommende Form der Bebauung.

Rundplatzdörfer: Ein Rundplatzdorf, oder auch Rundling genannt, hat seinen Namen

aufgrund seines ganz charakteristischen Grundrisses bekommen.

Die Häuser sind mehr oder weniger rund um einen Platz, der in der

Mitte liegt, angeordnet. Sie sind in der Regel planmäßig angelegt

und bestehen aus 5-15 Häusern. Solche Dörfer haben nur eine

Zufahrt. Die runde Form diente früher als Schutzfunktion.

Entstanden sind diese Dörfer im 12. Jahrhundert nach Chr.

Straßendörfer: Straßendörfer bestehen, wie der Name schon vermuten lässt, aus

nur einer Straße. Die Häuser liegen am Rande der Straße und

folgen ihr beidseitig bis ans Ende des Dorfes. Straßendörfer zählen zu den linearen Siedlungen mit der Straße als zentralem Element. Sie sind im 4. Jahrhundert planmäßig angelegt worden. Sie sind meist an Flüssen und Tälern gelegen.

Angerdörfer: Angerdörfer sind planmäßig angelegte Dörfer, die einen

Gemeinschaftsplatz umschließen. Dieser Platz war früher

Allgemeingut und wurde später als Bauplatz für Kirchen oder

Schulen verwendet. Sie haben einen Eingang und einen Ausgang.

Entstanden sind sie in etwa im 12. Jahrhundert nach Chr. und

zählen zu den platzbestimmten Siedlungen.

Reihendörfer: Reihendörfer haben, genau wie das Straßendorf, nur eine

Hauptstraße, an der die Häuser liegen. Der größte Unterschied ist

allerdings, dass die Gebäude in unregelmäßigem Abstand zu-

einander stehen. Sie sind im Gegensatz zu den Straßendörfer nach

hinten und vorne ausbaufähig. Sie sind aufgrund vorherrschender

Geländebedingungen entstanden, z.B. in engen Tälern. Es sind

lineare Siedlungen.

Zeilendörfer: Zeilendörfer sind eine historisch gewachsene Form der Besiedlung.

Die Gebäude verlaufen meist entlang einer Straße oder eines

Weges, sind jedoch nur an einer Seite angeordnet. Sie bestehen

also aus nur einer Zeile. Diese Dörfer besitzen keinen

„Dorfinnenraum“. Sie sind in Deutschland nur sehr selten

anzutreffen, am ehesten in Nordhessen und in Westschwaben.

Entstanden sind sie im 16. Jahrhundert nach Chr.

Marschhufendorf / Diese Siedlungsformen zählen zu den Reihendörfern. Ihren Namen

Waldhufendorf / haben sie aufgrund ihrer Lage und einer alten Maßeinheit

Moorhufendorf: bekommen, die bei diesen Dörfern eine entscheidende Rolle spielt.

Die alte Maßeinheit, um die es sich hier handelt, ist die Hufe. Eine

„sächsische Hufe“ war z.B. 12,0 ha und wurden jedem Bauern als

Eigentum zugeteilt, der in ein solches Dorf gezogen ist. Diese

Fläche, so hieß es, reiche jedem Bauern aus um vernünftig zu leben.

Gebiete, auf denen diese vom Staat geplanten Dörfer entstanden

sind, mussten erst nutzbar gemacht werden, durch Rodung

oder durch Trockenlegen von Mooren und Marschgebieten. Ent-

standen sind sie durch Binnenkolonialisierung im 17. Jhd. n. Chr.

3 Flur oder Flurform – das ist hier die Frage!

3.1. Die Flur – im Gefüge des Ganzen

Mit „Flur“ ist hier ausnahmsweise einmal nicht der Gang, der Ern, sprich der Hausflur, gemeint, was man als unwissender Dritter zunächst annehmen könnte, sondern vielmehr geographisch „[...] die parzellierte Nutzfläche einer Siedlung oder eines Siedlungs- und Wirtschaftsverbandes (Lienau 41995: 21)“. Mit dieser kleinen Definition beginnend, steigen wir nun voll ins Thema ein: Natürlich umschreibt der Begriff Flur nicht alle Besitzverhält-nisse des „Grund und Bodens“ einer Siedlung, er ist vielmehr einer von drei Großbegriffen dafür: Flur, Allmende Gemarkung. Sie sollen im Folgenden näher typologisiert werden:

- à„Als Flur wird die parzellierte, besitzmäßig einem oder mehreren Betrieben zugeordnete agrarische Nutzfläche einer Siedlung oder eines Siedlungs- und Wirtschaftsverbandes bezeichnet. Sie schließt die Allmende aus.
- Als Allmende gilt das Land, das den Nutzungsrechten von Gemeinden [...], lokalen Personenverbänden [...] oder Distriktverbänden unterliegt. Sie umfasst die Flächen einer Gemarkung, die nicht von Besitz- bzw. Eigentumsgrenzen gegliedert sind, vor allem Weideland, Wald, Wasser [...] aber auch Feldland [...].
- Als Gemarkung wird die Gesamtfläche einer Gemeinde oder Siedlung [...] bezeichnet. [...] Sie umfasst besitzrechtlich die Flur, Kommunalland und ggf. Staatsland ß (Lienau 41995: 75).

(siehe Abb. 3 – Anhang)

Siedlungen und Flur sind meist untrennbar miteinander verbunden und verknüpft. Daher ist es möglich bestimmte Folgerungen aus der Siedlungsgestalt bzw. -form für die Flur und umgekehrt aus der Flur für die Siedlungsgestalt zu ziehen, sie bedingen einander in der Mehrzahl der Fälle, dennoch kann man nicht unbedingt darauf schließen, welche Flurform letzten Endes in der Gemarkung dominiert, dazu ist sie schlicht zu vielfältig, auch auf engstem Raum (vgl. Lienau 41995: 38).

Die Flur unterliegt stets einer bestimmten Gestalt, einer bestimmten Form, denn sie ist von Menschen gemacht, sie hängt ab vor allem von der Flurform, von Wegenetzen, von Hecken, Hainen, Feldscheunen, Zäunen, Bachläufen und vielen anderen gesichtsgebenden Merkmalen.

Die Fluren machen schließlich das Erscheinungsbild einer Kulturlandschaft aus, sie prägen das Landschaftsbild oft auf eindrucksvolle Weise. Dies wurde auch von der Politik erkannt und in Gesetzen zur Flurbereinigung berücksichtigt, doch dazu später mehr

(vgl. Henkel 1999: 28-29).

3.2. Flurformen – die strukturgebenden Muster der Flur

3.2.1. Definition oder „Mit was genau haben wir es eigentlich zu tun?“

Unter „Flurform“ wird in der Tat das strukturgebende Muster einer Siedlung verstanden, das wiederum durch die Parzellenform und deren eigentums- bzw. besitzmäßige Lage gekennzeichnet, bestimmt ist. Dazu stellt man sich zunächst einmal die Frage: Was ist denn überhaupt eine Parzelle ? Nun, vielleicht macht man sich zuerst einmal klar, daß so eine Flur Eigentum ist, aufgestückelt in viele kleine Grundstücke, für die jeweiligen Besitzer. Die Flur ist also im Privatbesitz der verschiedenen Einwohner einer Gemeinde. Und da liegt auch schon die Antwort zu unserer Frage: à Parzellen sind Flurstücke einer Flur, ihre Form und Ausrichtung beeinflusst die Flurform. Sie sind die kleinsten „Einheiten“ in der Flurß

(vgl. Lienau 41995: 77).

Neben dieser doch eher etwas allgemein anmutenden Definition für „Flurform“ ist es außerdem auch möglich die Flurform quantitativ anhand der Bepflanzung, z.B. durch Feldfrucht, zu bestimmen, da dies Rückschlüsse auf die Besitzverhältnisse geben kann. Bei dieser Methode ist jedoch äußerste Vorsicht zu genießen, denn es kann unter Umständen der Fall sein, daß Felder durch Pacht oder allgemein gemeinsamen Anbau bzw. Bepflanzung nicht voneinander zu unterscheiden sind. So kann man schnell fehlanalysieren und eine vorherrschende Streifenflur schon einmal als Blockflur deuten, weil z.B. zufällig mehrere nicht ersichtlich trennbare Streifen-Parzellen sich durch den gemeinsamen Anbau von z.B. Zuckerrüben zu einer sichtbaren großen Blockparzelle ergeben.

à Eine Unterscheidung zwischen den sichtbaren Nutzungslinien und den oft nicht erkennbaren Eigentumslinien in der Flur ist also zwingend erforderlich um Fehldeutungen zu vermeidenß (Lienau 41995: 76).

Flurformen werden in der Siedlungsgeographie auch als Hilfsmittel angesehen, um einen Einblick in die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse einer ländlichen Siedlung (früher und heute) zu gewinnen, sie können oft entscheidende Hinweise im Zusammenhang mit der Siedlungsgenese geben, da sie eng mit den unterschiedlichen Ortsformen verbunden sind

(vgl. Lienau 41995: 75, 159).

Flurform ist nicht gleich Flurform. Auf den ersten Blick nur eine Floskel, doch steckt tatsächlich mehr dahinter. Flurformen werden ferner nach ihren Grundformen unterschieden in Blöcke und Streifen (die wiederum weiter spezifiziert werden können), was ein paar Zeilen

zuvor bereits angedeutet wurde. Außerdem spielt die Lage eine zentrale Rolle.

Das folgende Kapitel wird sich nun mit den 3 kursivgedruckten Begriffen auseinandersetzen.

3.2.2. Blöcke und Streifen in Feld und Flur – Die Grundformen

3.2.2.1 Blockflur

Blockfluren werden regional unterschiedlich auch Plantagen- oder Kolchosefluren genannt, in Anlehnung an die großen Plantagenflächen vor allem in Südamerika, welche meist in der Kolonisationszeit entstanden sind, bzw. deren russische Pendants aus Zeiten der Sowjetunion, die z.B. in der ehemaligen DDR durch die dortigen LPGs („Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften“) betrieben und bewirtschaftet wurden.

Solche Blöcke werden weiter untergliedert in: Großblöcke und Kleinblöcke von regelmäßiger oder unregelmäßiger Qualität/ Gestalt.

Hierzu sind u.a. zu zählen: (zu (a),(b),(c) siehe Abb. 4 – Anhang)

- Kampflur oder Einödflur als Beispiele für Kleinblockfluren (c)
- Gutsflur als Beispiel für eine Großblock- bzw. Großblockeinödflur (a)
- Townships, überwiegend aus dem amerikanischen Raum, als Beispiel für annähernd quadratische, also äußerst regelmäßige Landaufteilungsmuster (b)

(vgl. Lienau 41995: 82).

3.2.2.2 Streifenflur

Unter Streifenflur versteht man im Allgemeinen „streifenförmige Parzellen“, Abb. 5

stellt solche sehr gut dar. In Mittel- und Westeuropa kam es historisch gesehen zur Ausbildung äußerst tiefer (langer) Parzellen (Langparzellen oder Langstreifenflur), die später durch Durchbruchsgassen zu noch schmäleren Grundstücken zerlegt oder sogar zu (Klein-) Blöcken quer zerhackt wurden (vgl. Lichtenberger 2002: 165).

Ähnlich und fast völlig analog zu den Blockfluren werden Streifenfluren noch einmal untergliedert in: schmale und breite, kurze und lange Streifen.

Hierzu sind u.a. zu zählen: (zu (g) siehe Abb. 4 – Anhang)

- Breitstreifeneinödflur (g)
- Hufenfluren (in Anlehnung an den mit ihnen eng verknüpften Hufensiedlungsbegriff)
- norddeutsch – niederländische Eschflur, typisch für Geestgebiete

(vgl. Lienau 41995: 83-84).

Bei rechteckigen Parzellen liegt die Grenze zwischen Block und Streifen bei einem Seiten-verhältnis von 1:2,5. Die Einteilung in Block- und Streifenfluren ist für die geographische Erfassung einer Landschaft sehr wichtig, doch ist sie allein noch nicht zufriedenstellend, denn reine Vorkommen einer Form gibt es selten, meist sind Mischformen am verbreitetsten. Ein weiteres Merkmal ist die Lage. Die Lage im Verband, im Komplex, als Einöd, als Gemenge...

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Ländlicher Raum - Ländliche Siedlungen und Flur
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Siedlungsgeographie/ Sozialgeographie
Note
gut
Autor
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V127614
ISBN (eBook)
9783640340392
ISBN (Buch)
9783640338955
Dateigröße
2271 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ländlicher Raum, Ländliche Siedlung, Flur, Flurformen, Allmende, Erbsitten, Dreifelderwirtschaft, Flurzwang, Dorfformen, Dorf, Block, Streifen, Gewann, Lienau, Henkel, Flurbereinigung, Anerberecht, Realteilung, Haufendorf, Streifenflur, Blockflur, Dorferneuerung, locker, geschlossen, linear, flächig, Grundriss, Parzellen, Flurstück, Heineberg, Einwohnerdichte, Identität, Stadtgeographie, Wohnplatz, Einzelhof, Weiler, mäßig, sehr groß, Platzsiedlungen, Born, Siedlungsgenese, Rundplatzdorf, Straßendorf, Angerdorf, Reihendorf, Zeilendorf, Hufendorf, Marschhufendorf, Waldhufendorf, Moorhufendorf, sächsische Hufe, Moor, Binnenkolonialisierung, geplant, ungeplant, regelmäßig, unregelmäßig, Rodung, Gemarkung, Kulturlandschaft, Pacht, Besitzverhältnisse, Township, Arrondierung
Arbeit zitieren
Christian Benner (Autor), 2008, Ländlicher Raum - Ländliche Siedlungen und Flur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127614

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