Die „peer-group“ als Instrument der Sozialisation

-Eine Betrachtung des Sozialisationsprozesses und der Identitätsentwicklung von Adoleszenten-


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „peer groups“
2.1. Definition
2.2. Deutung

3. Charakter von Peer Groups
3.1. Grundlegende Ursache für die Entstehung
3.2. Funktion und Wirkungsweise
3.3. Schwächen von „peers“

4.0. Motivation zu Auswahl einer „peer group“

5.0. Bedeutung für die Sozialisation
5.1. Die Perspektive von Jean Piaget
5.2. Die Perspektive von Urie Bronfenbrenner
5.3. Gegenüberstellende Auswertung

6.0. Unterschiede von weiblichen und männlichen Adoleszenten

7.0. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine Gesellschaft ist ein komplexes System, dass aus vielen Millionen einzelner und handelnder Individuen besteht. Unter intensiverer Betrachtung ist es in gewisser Weise verwunderlich, dass Gesellschaften in sich Harmonieren und eine hohe Funktionalität aufweisen. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden stabile Gesamtsysteme, die doch aus „[…] einer Vielzahl von institutionalisierten Subsystemen…“(Parson; in Theorien der Sozialisation 2008; S. 88) zusammengefügt sind und darüber hinaus eine enorme Fülle an individualistischen Einstellungen und Besonderheiten zu tragen haben. Dies bedeutet natürlich nicht, dass Gesellschaften keine Probleme haben, sondern lediglich, dass eine Gesellschaft durch ihre Struktur und Form ausschlaggebend dafür ist, dass viele einzelne Menschen innerhalb eines geordneten Systems zusammen leben können. Der Grund für dieses Phänomen ist, dass jedes einzelne Individuum innerhalb einer Gesellschaft von Geburt an mit Regeln und Rollen seiner Umgebung konfrontiert wird und somit ganz selbstverständlich lernt sich Innerhalb dieses Systems zu bewegen.

Im Allgemeinen versteht man Sozialisation „[...]als einen lebenslangen individuellen Lernprozess, in welchem sich das menschliche Individuum zur Persönlichkeit entwickelt, indem es sich in seiner Lebenstätigkeit die gesellschaftlichen Verhältnisse als soziale Beziehungen sowie die gesellschaftlich geschaffenen materiellen und ideellen Werte in individueller Form als Wissen, Können und Werten nicht nur aneignen, sondern sie auch bereichert. Als gesellschaftliche Handlungsvoraussetzungen wirken zunächst konkrete sozio-kulturelle Bedingungen (z. B. Das sozialökonomische System, Sitten und Normen) die über verschiedene Entwicklungsmedien (z. B. Schule und Arbeitsplatz) unter Berücksichtigung spezifischer Entwicklungsnormen (z. B. Lehrpläne) als Entwicklungsaufgaben dem Individuum gegenüberstehen. Diese umfassen nicht nur die durch gesellschaftliche Institutionen gesetzten Bildungs-, Erziehungs- und Qualifizierungsanforderungen, sonder auch solche, die sich im Rahmen der Familie, der Partnerschaft und anderer Zusammenhänge als fremd- oder selbstgesetzte Ansprüche geltend machen.“ (Clauß, Erhardt, Kulka, Lompscher, Rösler & Timpe 1995; S. 431 ff).

Betrachtet man diese Definition etwas genauer, werden zwangsläufig die Komplexität, die Tragweite und die Vielschichtigkeit des Sozialisationsbegriffes bewusst. Die „[…]Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen, kulturellen und materiellen Umwelt…“ (vgl. Geulen 1997; S. 18), vollzieht sich nahezu in allen Bereichen des täglichen Lebens.

Aufgrund dieser enormen Tragweite, soll in der vorliegenden Arbeit schwerpunktmäßig, eine der Sozialisationsinstanzen Untersucht werden.

Im Fokus stehen vor allem die Bedeutung und die Wirkung von „peer groups“ in der Adoleszenz in Bezug auf die Sozialisation, um festzustellen und zu begründen, wann „peers“ die Sozialisation positiv bzw. negativ beeinflussen.

Hierbei ist es natürlich nicht möglich die peer group als Sozialisationsinstrument völlig isoliert zu betrachten, da sich vor allem Faktoren wie die Familie und das allgemeine soziale Umfeld, zwangsläufig auf die Wirkungsweise und Kultur von Jugendgruppen auswirken.

Zunächst soll der Begriff der „peer groups“ sorgfältig definiert werden, um auf dieser Grundlage, das Entstehen und die Funktionsweise von Jugendgruppen zu erläutern. Die Motivation zu Anschluss an „peer groups“, sowie deren Einfluss von Altersgleichen auf die individuelle Identitätsbildung sollen dabei allgemein skizziert werden.

Auf Basis dieser Erkenntnisse werden Chancen für die erfolgreiche Sozialisation, aber auch Schwächen bzw. Risiken der „peers“ aufgezeigt und diskutiert. Dabei sollen vor allem die Gründe für normkonformes Verhalten und Gründe für eine ungünstige Persönlichkeitsentwicklung gegenübergestellt werden.

Von weiterem Interesse ist, ob sich die bis zu diesem Punkt erlangten Erkenntnisse gleichermaßen sowohl auf weibliche, als auch auf männliche Mitglieder der Jugendgruppe übertragen lassen und wie es zur Bildung von Jugendgruppen mit subkulturellen Eigenschaften kommen kann. Nachdem in diesem Abschnitt auch auf die hierarchischen Verhältnisse innerhalb der „peers“ eingegangen wird, sollte durch die abschließende Auswertung der Ergebnisse skizziert werden, in welcher Weise „peer groups“ die Sozialisation beeinflussen.

2. Die „peer groups“

Bevor auf die zu Eingang gestellten Fragen eingegangen wird, ist es zwingend Notwendig den Begriff „peer group“ wissenschaftlich kenntlich und fassbar zu machen. Aus diesem Grunde soll an dieser Stelle die genaue Definition erfolgen und ebenfalls ein Überblick über die Herkunft der Begrifflichkeit gegeben werden.

Der englische Begriff „peer“ leitet sich ursprünglich aus dem Lateinischen (par = gleich) ab. Obwohl der Begriff im eigentlichen Sinne lediglich eine Gruppe gleichaltriger Individuen bezeichnet, sind in diesem Fall auch Gruppen gemeint, deren Angehörige in den meisten Fällen aus ähnlichen sozialen Schichten stammen.

Vor allem in der Soziologie wird der Begriff „peer group“, in der Regel, nicht mehr als die Gruppe der Gleichaltrigen verstanden. Das Verständnis beschränkt sich im Wesentlichen auf die Latenzperiode und Adoleszenten. Dies liegt vor allem an der Bedeutsamkeit der „peer groups“ für die Sozialisation junger Menschen und zeigt sich vor allem an einer Definition des Instituts für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser an der Universität Hamburg, das dem Fachgebärdenlexikon der Sozialarbeit/Sozialpädagogik entspringt.

2.1. Definition

„Mit dem Begriff „peer group“ bezeichnet man eine Gruppe von gleichaltrigen Jugendlichen. Der Begriff wurde in der US-amerikanischen Soziologie entwickelt. Die Forschungsarbeiten der Soziologie, Sozialpsychologie und Psychologie zur „peer groups“ basieren darauf, dass Jugendliche ein sehr starkes Interesse an Gruppen von Gleichaltrigen haben.

Einige Forscher schätzen den Einfluss der Gruppe der Gleichaltrigen für Jugendliche größer ein als die Beeinflussung durch die Eltern (Familie). Aus der Sicht der Entwicklungspsychologie leitet die Zugehörigkeit einer zu einer „peer groups“ den Ablösungsprozess vom Elternhaus ein (Sozialisation). Die Ablösung geht jedoch oftmals mit der Übernahme von gruppenspezifischen Normen und Regeln der „peer groups“ einher, die subkulturelle Eigenschaften (Subkultur) aufweisen. Die psychoanalytische Sicht ergänzt, dass die „peer groups“ für die Entwicklung der Ich-Identität bei Jugendlichen sehr wesentlich ist. Nach dem aktuellen Kenntnisstand orientieren sich die meisten Jugendlichen an ihren Eltern und an ihrer „peer groups“.

Der elterliche Einfluss dominiert zum Beispiel in den Lebensbereichen Religiosität, Zukunftsplanung, Schule und Berufsausbildung.

Die „peer group“ ist für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil, dem Umgang mit Drogen (Drogenabhängigkeit), Musikvorlieben, Mode und Freizeitgestaltung wichtig. Für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen ist die Kenntnis von der Existenz und dem Einfluss der „peer groups“ in vielen Fällen der Jugendarbeit von Bedeutung. Von dort können aktuelle Problemlagen der Klienten ausgehen, sie kann aber auch zur Lösung aktueller Schwierigkeiten einen wesentlichen Beitrag leisten (abweichendes Verhalten)“

(vgl. http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/)

2.2. Deutung

Aus dieser Definition lässt sich bei genauerer Betrachtung ableiten, dass der Begriff „peer group“ nicht für die „Clique“ bzw. die Gruppe von Freunden steht. Die „peer group“ als Gruppe der „Altersgleichen“ bzw. Gleichaltrigen im Sinne der Alterskohorte zu definieren, wäre zu weit und zu formal gefasst, während der Begriff der „Freundschaftsgruppe“ zu eng wäre - es sind nicht nur die „Freunde“, an denen man sich orientiert. (vgl. Werner Helsper und Jeanette Böhme 2008, S. 3). Es lässt sich also festhalten das die Mitglieder von „peer groups“ nicht nur in etwa das gleiche Alter aufweisen, sondern auch ähnlichen Status und gemeinsame Wertvorstellungen aufweisen.

Wie bereits zu Eingang erwähnt, beschäftigt sich die nun folgende Untersuchung im Schwerpunkt mit der Wirkung von „peer groups“ in der Adoleszenz, in Bezug auf die Sozialisation. Der Begriff „peer group“ soll im Folgenden verwendet werden […] „ um genau jenen Aspekt der Altersgleichheit zu bezeichnen, der sozial relevant wird und der die Spezifik von sozialen Beziehungen zwischen „Gleichen“ anspricht.“ (Werner Helsper und Jeanette Böhme 2008, S. 3)

Die durch diese Definition vorgenommene Eingrenzung der Begrifflichkeit, soll Ausgangspunkt und Basis der nun folgenden Überlegungen sein.

3. Charakter von Peer Groups

Im nun folgenden Abschnitt sollen die Entstehungsgründe sowie deren die Funktion und die Gründe die zur Auswahl einer „peer group“ führen erläutert werden. Der Einfluss von Jugendgruppen auf das einzelne Individuum soll dabei näher skizziert werden, um die Bedeutung dieser Prozesse für die Sozialisation hervorzuheben.

3.1. Grundlegende Ursache für die Entstehung

Für die Entstehung von Jugendruppen, wie sie heute in der westlichen Gesellschaft existent sind, gibt es mehrere elementare Gründe. Zum einen ist dies die enorme Länge der Jugendphase, bedingt durch die modernen Ausbildungssysteme innerhalb der Industriegesellschaften. Durch die fast künstlich wirkende Verlängerung der Jugend und die enorme Vielschichtigkeit der Gesellschaft, vor allem in Bezug auf Kultur und die Möglichkeiten der freien Entfaltung, kommt es nicht nur zur Trennung von Personengruppen durch soziale Merkmale, sondern auch zur Segregation durch kulturelle, ethnische und altersbedingte Indizien. Ein weiterer Grund für die Entstehung von „peer groups“ ist die gesellschaftliche Differenzierung (vgl. Schäfers 1999; S 17) in Bezug auf die Auslegung von Normen und Werten. Auch diese wird durch die Vielschichtigkeit der Gesellschaft bestimmt. Ein weiterer wesentlicher Faktor, sind die andauernden und sich immer schneller vollziehenden gesellschaftlichen Veränderungen (vgl. Schmalzhaf – Larsen 2004, S 62), auf die wegen ihrer Tragweite hier nicht weiter eingegangen werden kann. Faktisch betrachtet führt der gesellschaftliche Wandel natürlich zu Spannungen zwischen den Generationen.

Diese Spannungen sind ausschlaggebend für den Zusammenschluss von Jugendgruppen in der Adoleszenz. Den Wunsch zur Ablösung vom Elternhaus und einer eigenen Identitätsbildung bzw. dem Anliegen sich selbst, außerhalb des Elternhauses auszuprobieren, haben alle Jugendlichen gemein. Die „peer group“ bildet in dieser Phase natürlich einen wichtigen Anlaufpunkt der nicht nur für die Entwicklung des Jugendlichen selbst, sondern im optimalen Fall auch der Gesellschaft zuträglich ist. Dabei soll jedoch nicht vergessen werden, dass die individuellen Gründe bei der Auswahl der jeweiligen „peers“ relativ groß sind. Bevor jedoch darauf eingegangen wird, soll im folgenden Abschnitt deutlich gemacht werden wie Jugendgruppen Funktionieren und wie diese sich in Bezug auf die Sozialisation und die Entwicklung auswirken.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die „peer-group“ als Instrument der Sozialisation
Untertitel
-Eine Betrachtung des Sozialisationsprozesses und der Identitätsentwicklung von Adoleszenten-
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften)
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V127662
ISBN (eBook)
9783640413997
ISBN (Buch)
9783640411412
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisation, peer group, Erziehung, Adoleszenz, Jugendliche
Arbeit zitieren
Thomas Berger (Autor), 2009, Die „peer-group“ als Instrument der Sozialisation , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127662

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