Die Neue Wache Berlin ist Schinkels erster prominenter Auftrag und kann als Auftakt der Schinkelzeit betrachtet werden. Eben dieses Bauwerk soll Gegenstand der folgenden Hausarbeit sein. Dabei soll der Fokus vor allem darauf liegen, welche Bedeutung das Bauwerk für die Gestalt Berlins, aber auch für Schinkels Karriere als Architekt hat. Des Weiteren soll beleuchtet werden, wie sich das Bauwerk und seine Bedeutung im Laufe der Geschichte verändert haben.
Das Ziel der Hausarbeit ist es, einen Einblick in Schinkels planerische Tätigkeit zu erlangen und das Gebäude, sowie seinen Einfluss auf die Gestalt Berlins, zu verstehen. Hierfür ist zunächst eine Betrachtung des historischen Kontextes, sowie der Umgebung der neuen Wache unerlässlich. Zum Verständnis des Gebäudes und der Planung Schinkels erfolgt im Anschluss ein Einblick in die vier Phasen des Entwurfsprozesses, die anhand der vielen erhaltenen Zeichnungen und Skizzen Schinkels erläutert werden. Des Weiteren soll auch Schinkels Gesamtkonzept der Straße Unter den Linden als Via Triumphalis näher betrachtet werden. Danach wird die Entwicklung des Gebäudes und seiner Bedeutung im Laufe der Geschichte beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Kontext
2.1. Die Umgebung der Neuen Wache
3. Entwurfsprozess
3.1. Entwurf als Rundbogenhalle
3.2. Entwurf als Pfeilerbau
3.3. Entwurf mit Säulenhalle und
Zinnenkranz
3.4. Entwurf mit Säulenhalle und Gesims
3.5. Gesamtkonzept – Via Triumphalis
4. Entwicklung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit verfolgt das Ziel, die architektonische Bedeutung der Neuen Wache für Berlin sowie für die Karriere von Karl Friedrich Schinkel zu beleuchten und deren historischen Bedeutungswandel als Denkmal und Gedenkstätte zu analysieren.
- Die planerische Tätigkeit von Karl Friedrich Schinkel im Zeichen des Klassizismus.
- Die Analyse des mehrstufigen Entwurfsprozesses der Neuen Wache.
- Das städtebauliche Gesamtkonzept der "Via Triumphalis" in Berlin.
- Der funktionale Wandel des Gebäudes im Laufe der Geschichte (vom Wachgebäude zum zentralen Ehrenmal).
Auszug aus dem Buch
3.4. Entwurf mit Säulenhalle und Gesims
Der Weg zu dem realisierten Entwurf lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Man findet nur noch Pläne, die für die Bauausführung gedacht waren. Bei dem realisierten Entwurf handelt es sich um einen freiliegenden Baukörper, der einem römischen Castrum nachgeformt ist und von vier Ecktürmen gefasst wird. Davor tritt eine dorische Säulenhalle, die oben nun durch ein Gesims abgeschlossen wird. Der Charakter eines antiken Tempels tritt nun noch stärker hervor.
Insgesamt lässt sich der Baukörper als „Synthese aus einem römischen Castrum und einem griechischen Tempel“ beschreiben, wodurch Schinkels „intendierte Monumentalität des Gebäudes.“ gefördert wird. Vor allem der bildnerische Schmuck spielt hierbei eine wichtige Rolle, denn er unterstützt das Bauwerk in seiner Bedeutung als Militärstandort und als Gedenkstätte. Statt der Kriegerköpfe wird am Fries nun über jeder Säule eine Figur der Siegesgöttin Viktoria angeordnet (Abb.11). Auch in der Mitte des Giebelfeldes sieht Schinkel die Gestalt der Siegesgöttin vor mit gefallenen nackten Gestalten zu ihren Füßen. An jeder Seite folgen dann noch ein Zweigespann und ein Paar kämpfender Jünglinge. Das Giebelfeld erzählt gewissermaßen die siegreiche Geschichte der preußischen Armee. Auf den Ecktürmen hatte Schinkel Siegeszeichen (Abb.11) vorgesehen, welche von dem König keine Genehmigung erhielten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Neuen Wache als frühes, repräsentatives Hauptwerk Schinkels ein und definiert die zentralen Fragestellungen zur Bedeutung für Berlin sowie zum historischen Wandel.
2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftliche Ausgangslage nach den Befreiungskriegen und den Aufstieg Schinkels zum Baumeister Preußens.
2.1. Die Umgebung der Neuen Wache: Hier wird die städtebauliche Situation des Bauplatzes im Herzen Berlins und die damit verbundene Herausforderung der harmonischen Einpassung analysiert.
3. Entwurfsprozess: Es wird die komplexe, in vier Phasen gegliederte Entwurfsentwicklung unter dem Einfluss königlicher Vorgaben dargestellt.
3.1. Entwurf als Rundbogenhalle: Analyse des ersten, von italienischen Vorbildern geprägten Entwurfs, der eine Distanz zur städtischen Umgebung vorsah.
3.2. Entwurf als Pfeilerbau: Untersuchung der zweiten, architektonisch vereinfachten Stufe, die den antiken Tempelcharakter stärker betonte.
3.3. Entwurf mit Säulenhalle und Zinnenkranz: Erörterung der Anpassungen an die Vorstellungen des Kronprinzen, die zu einer kolonnadenartigen Öffnung und dekorativen Veränderungen führten.
3.4. Entwurf mit Säulenhalle und Gesims: Beschreibung des endgültigen Bauzustands als Synthese aus Castrum und Tempel, ergänzt durch spezifische bildhauerische Programme.
3.5. Gesamtkonzept – Via Triumphalis: Darstellung von Schinkels städtebaulichem Ansatz, die Neue Wache als Teil einer großen, historischen Siegesachse zu inszenieren.
4. Entwicklung: Dieses Kapitel dokumentiert den Wandel der Funktion vom militärischen Zweckbau über das NS-Ehrenmal bis hin zur heutigen Rolle als zentrale Gedenkstätte.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der dauerhaften Bedeutung der Neuen Wache als Identifikationspunkt im Berliner Stadtraum und als architektonisches Vermächtnis Schinkels.
Schlüsselwörter
Neue Wache, Karl Friedrich Schinkel, Berliner Architektur, Klassizismus, Via Triumphalis, Befreiungskriege, Gedenkstätte, Städtebau, historische Entwicklung, preußische Geschichte, Denkmal, Unter den Linden, Architekturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Neue Wache in Berlin als ein zentrales Werk von Karl Friedrich Schinkel, wobei der Fokus auf dem Entwurfsprozess und der historischen Bedeutung des Gebäudes liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die klassizistische Architektur, die Karriere Schinkels, städtebauliche Planungen in Berlin sowie die Transformation eines Denkmals über zwei Jahrhunderte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Veröffentlichung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Schinkels planerischer Tätigkeit auf das Berliner Stadtbild zu verstehen und die bauliche sowie funktionale Entwicklung der Neuen Wache nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Autorin oder der Autor nutzt eine historische Analyse von Entwurfszeichnungen und Skizzen, ergänzt durch eine bauhistorische Untersuchung der räumlichen und funktionalen Veränderungen des Gebäudes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung des historischen Kontextes, der vier Entwurfsphasen Schinkels, des städtebaulichen Gesamtkonzepts der „Via Triumphalis“ und der wechselhaften Nutzungsgeschichte des Bauwerks.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie „Schinkels Berlin“, „Klassizismus“, „Via Triumphalis“, „Gedenkstätte“ und „Strukturwandel der Denkmalnutzung“ beschreiben.
Warum war der erste Entwurf als Rundbogenhalle nicht erfolgreich?
Der Entwurf war dem Kronprinzen nicht prominent genug, da er den Bau zu sehr „entrückte“ und nicht die gewünschte repräsentative Wirkung im Straßenraum entfaltete.
Wie veränderte sich die Rolle des Innenraums nach 1930?
Unter Heinrich Tessenow wurde der Innenraum als minimalistischer Gedächtnisraum für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gestaltet, was später durch die Nationalsozialisten mit christlichen Symbolen wie einem Holzkreuz ideologisch überformt wurde.
Welchen Einfluss hatte die Wiedervereinigung auf die Neue Wache?
Nach der Wiedervereinigung wurde das Staatswappen der DDR entfernt, der ursprüngliche Fußboden freigelegt und das Gebäude als zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik mit der Pietà von Käthe Kollwitz neu kontextualisiert.
- Arbeit zitieren
- Kathleen Herb (Autor:in), 2022, Die Bedeutung der Neuen Wache in Berlin im Laufe der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1276706