Ziel dieser Arbeit ist es, die Effekte des Judos und Fußballs auf die seelische Gesundheit zu erforschen. Es sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob männliche Judokas weniger aggressiv sind als männliche Fußballer. Außerdem soll überprüft werden, ob sich Judokas im Vergleich zur Kontrollgruppe weniger häufig ärgern beziehungsweise ihren Ärger besser kontrollieren können. Daraus ergibt sich folgende Forschungsfrage, die im Rahmen dieser Magisterarbeit beantwortet werden soll:
Hat Judotraining einen Einfluss auf das Aggressionspotential von Judokas? Wenn ja, wovon hängt dieser Einfluss ab. Gibt es Unterschiede bezüglich der Selbstbeherrschung zwischen Judokas und Fußballern?
Um diese Fragen beantworten zu können, bedarf es der Klärung der folgenden Punkte:
1) An welchen Parametern lässt sich das Aggressionspotential bzw. die Selbstbeherrschung feststellen? Wie lässt sich Ärger überprüfen?
2) Wie lässt sich der Erfolg messen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund der Arbeit
1.2 Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Methodische Vorgehensweise
1.4 Forschungsstand im Überblick
2 Historie der Kampfsportarten
2.1 Judo – der sanfte Weg
2.2 Entwicklung des Judos in Deutschland
2.3 Die Grundelemente des Judo
3 Dimensionen der seelischen Gesundheit
3.1 Was versteht man unter Ärger?
3.1.1 Wie entsteht Ärger?
3.1.2 Formen des Ärgers
3.2 Was versteht man unter Aggression?
3.2.1 Wie entsteht Aggression?
3.2.2 Formen der Aggression
3.3 Gegenüberstellung von Ärger und Aggression
4 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Judos auf die seelische Gesundheit
4.1 Studie von Reynes & Lorant (2002)
4.2 Studie von Reynes & Lorant (2004)
4.3 Studie von Nosanchuk & MacNeil (1989)
4.4 Studie von Nosanchuk (1981)
4.5 Studie von Nosanchuk & Lamarre (1999)
4.6 Studie von Trulson (1986)
4.7 Studie von Skelton, Glynn & Berta (1991)
4.8 Studie von Daniels & Thornton (1990)
4.9 Studie von Robazza, Bertollo & Bortoli (2006)
4.10 Fazit
5 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Fußballs auf die seelische Gesundheit
5.1 Studie von Lemieux, P., McKelvie, S. & Stout, D. (2002)
5.2 Studie von Thomas, S., Reeves, C. & Smith, A. (2006)
5.3 Studie von Coulomb, G. & Pfister, R. (1998)
5.4 Studie von Coulomb, G. & Rascle, O. (2006)
5.5 Fazit:
6 Eigene empirische Untersuchung
6.1 Fragestellung
6.2 Aufbau des Fragebogens
6.2.1 Das State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar
6.2.2 Der „Aggression Questionnaire“
6.2.3 Selbst entwickelter Teil des Fragebogens
6.3 Vorgehensweise der Befragung
6.3.1 Befragung von Judokas (n=40)
6.3.2 Befragung von Fußballern (n=40)
6.4 Ergebnisse: Aggressions- und Ärgerpotential bei Judokas und Fußballern
6.4.1 Wie unterscheiden sich Judokas von Fußballern auf dem State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar?
6.4.2 Wie unterscheiden sich Judokas von Fußballern auf dem Aggression Questionnaire?
6.4.3 Unterschiede im Bezug auf die Körpergröße
6.4.4 Wie beeinflusst die Bildungsstufe Aggression und Ärger?
6.4.5 Aggressive Handlungen vor und seit Trainingsbeginn
6.4.6 Was sind die Trainings- und Motivationsgründe von Judokas und Fußballern?
6.5 Interpretation der Ergebnisse
7 Zusammenfassung und kritische Diskussion
7.1 Aussichten und Implikationen für die Praxis
7.2 Kritik und Würdigung der eigenen Untersuchungsmethode
7.3 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von regelmäßigem Judotraining auf das psychische Wohlbefinden, insbesondere auf Aggressionspotential und Ärgerkontrolle, im direkten Vergleich mit Fußballspielern. Ziel ist es zu ergründen, ob Judotraining Aggressionen abbaut, Selbstbeherrschung fördert und die Kompetenz im Umgang mit Ärger steigert.
- Vergleich von Judokas und Fußballern hinsichtlich ihres Aggressionspotentials.
- Analyse der Ärgerkontrolle im Alltag bei verschiedenen Sportarten.
- Bewertung des Einflusses von Körpergröße und Bildungsstand auf aggressive Verhaltensweisen.
- Untersuchung der Beweggründe und der Bedeutung von sportlichem Training für die seelische Gesundheit.
- Kritische Reflexion sportpsychologischer Ansätze und der Auswirkungen von traditionellem vs. modernem Training.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Wie entsteht Aggression?
Die Ethnologie, deren bekannteste Vertreter Lorenz (1963) und Eibl-Eibesfeldt (1970) sind, führt Aggression auf einen biologischen Trieb zurück. Lorenz (1963) ist der Meinung, dass unser Organismus habituell aggressive Impulse produziert, welche sich so lange aufstauen, bis eine gewisse Schwelle überschritten wird. Die Folge ist eine Entladung in einer aggressiven Aktion. Im Anschluss herrscht erst einmal Ruhe. Aggressive Impulse stauen sich allerdings langsam wieder an und nach einem gewissen Zeitraum kommt es wieder zu einer aggressiven Handlung. Lorenz (1963) sieht in dem Aggressionstrieb einen arterhaltenden Instinkt. Beide Forscher sind der Meinung, dass diese Energie zur Regulierung des Aggressionstriebes auf Ersatzhandlungen – beispielsweise sportliche Wettkämpfe – umgeleitet werden kann. Die Hypothese der kathartischen Wirkung ist experimentell allerdings nicht haltbar.
Neben diesen triebtheoretischen Ansätzen sind die Frustrations-Aggressions-Hypothese von Dollard et al., sowie die Theorie der aggressiven Hinweisreize von Berkowitz zu nennen (Schlicht und Strauß, 2001). Erstgenannte besagt, dass Reize wie Frustration oder Ärger zu einem aggressiven Verhalten führen. Letztgenannte beinhaltet, dass das Auftreten von Aggressionen wahrscheinlicher ist, wenn erregte Personen Hinweisreize erhalten, die sie mit Aggressionen verbinden. Berkowitz postulierte weiterhin, dass Frustration nicht unweigerlich zu dem Bedürfnis führt, einem anderen lebenden Organismus Schaden zuzufügen. Der Prozess wird vielmehr durch den emotionalen Status des Ärgers vermittelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt den Hintergrund der Untersuchung dar, definiert die Fragestellung zur Wirkung von Judo und Fußball auf die seelische Gesundheit und umreißt die methodische Vorgehensweise.
2 Historie der Kampfsportarten: Beleuchtet die Entwicklung der Kampfkünste, die Philosophie des Judos und dessen Geschichte sowie die Grundelemente dieses Sports.
3 Dimensionen der seelischen Gesundheit: Analysiert theoretische Definitionen und Entstehungsbedingungen von Ärger und Aggression sowie deren Abgrenzung.
4 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Judos auf die seelische Gesundheit: Fasst sportpsychologische Studien zu den Wirkungen von Judotraining zusammen und unterzieht diese einer kritischen Würdigung.
5 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Fußballs auf die seelische Gesundheit: Diskutiert einschlägige Studien zur Aggressionsproblematik im Fußball und reflektiert deren Ergebnisse.
6 Eigene empirische Untersuchung: Beschreibt detailliert das Studiendesign, den verwendeten Fragebogen, die Durchführung der Befragung und präsentiert die Analyseergebnisse von Judokas und Fußballern.
7 Zusammenfassung und kritische Diskussion: Synthetisiert die Ergebnisse, leitet Implikationen für die Praxis ab und bewertet kritisch die eigene Untersuchungsmethode.
Schlüsselwörter
Judo, Fußball, Aggression, Ärgerkontrolle, Psychologie, Sportpsychologie, Empirische Untersuchung, State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar, Aggressionspotential, Selbstbeherrschung, Kampfsport, Aggressionsbewältigung, Persönlichkeitsentwicklung, Wettkampfsport, Trainingswirkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob Sport, insbesondere Judo, einen positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden, die Ärgerkontrolle und das Aggressionspotential im Vergleich zu Fußballspielern ausübt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Das Werk behandelt die psychologischen Aspekte von Ärger und Aggression, die Geschichte des Judos sowie aktuelle sportpsychologische Studien zum Aggressionsverhalten in verschiedenen Sportarten.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist die empirische Klärung, ob männliche Judokas weniger aggressiv sind und ihren Ärger besser kontrollieren können als männliche Fußballspieler.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Querschnittstudie, in der Judokas und Fußballer mittels des STAXI (State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar) und des Buss-Perry Aggression Questionnaires befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine theoretische Aufarbeitung der Begriffe Ärger und Aggression, eine ausführliche Literaturanalyse zum Forschungsstand beider Sportarten sowie eine eigene empirische Datenerhebung und deren Auswertung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Untersuchung charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Judo, Fußball, Aggression, Ärgerkontrolle, Sportpsychologie und empirische Untersuchung.
Warum schneiden kleine Judokas in der Studie aggressiver ab als ihre größeren Kollegen?
Die Arbeit vermutet, dass Judokas außerhalb der Gewichtsklassen auf der Matte wenig Erfahrung damit haben, sich körperlich Unterlegene gegenüber Größeren behaupten zu müssen, oder dass dies mit einer bewussten Suche nach Kräftemessen in anderen Lebensbereichen zusammenhängt.
Welche Rolle spielt das Ausbildungsniveau für die Studienergebnisse?
Die Studie stellt fest, dass Probanden mit niedrigerem Bildungsabschluss in den meisten Aggressionsvariablen höhere Werte aufweisen, wobei Judo einen überproportionalen Anteil an Sportlern mit höherer Schulbildung aufweist.
- Quote paper
- Dominik Lorenz (Author), 2009, Judo - der Weg zu einem ausgeglichenen Leben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127705