Ausdauersport als Methode Sozialer Arbeit zur Prävention von sozialer Isolation


Bachelorarbeit, 2022

57 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Inhaltsverzeichnis

I Tabellenverzeichnis

II Abkurzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise

2 Begriffe
2.1 Gesundheit
2.2 Bewegung
2.3 Sport
2.3.1 Ausdauersport
2.3.2 Die Fahigkeit Ausdauer
2.4 Training
2.4.1 Ausdauertraining
2.4.2 Athletiktraining
2.4.3 Mentales Training
2.4.4 Trainer:innen
2.5 Methoden in der Sozialen Arbeit

3 Sport in der Sozialen Arbeit
3.1 Historie der Sportsozialarbeit
3.2 Randdisziplinen derSozialen Arbeit und Abgrenzung
3.2.1 Sportpsychologie
3.2.2 Sportpadagogik
3.2.3 Trainingswissenschaft
3.2.4 Erlebnispadagogik
3.3 Bewegung und Begegnung
3.4 Gesundheitsforderung
3.4.1 Prevention
3.4.2 Sport als Forderer von Gesundheit
3.4.3 Rehabilitation und Rehabilitationssport
3.5 Fanarbeit - ein Handlungsfeld der Sozialen Arbeit
3.6 Sozialraumorientierung und Sport
3.7 Soziale Gruppenarbeit - Sportive Gruppenangebote

4 Soziale Isolation
4.1 EinsamkeitundAlleinsein
4.2 Betroffene
4.2.1 Schuler:innen
4.2.2 Menschen in Arbeitslosigkeit
4.2.3 Altere Menschen
4.2.4 Psychiatrische Patient:innen
4.2.5 Das Phanomen Hikikomori
4.3 Folgen
4.4 Prevention

5 Uberblick und Einordnung des Ist-Zustandes
5.1 Gute Sozialarbeiter:innen, schlechteTrainer:innen?
5.2 Umdenken notwendig?
5.3 Zielgruppen fur Ausdauertraining in der Sozialen Arbeit
5.4 Lauftraining als Methode
5.5 Exkurs - Professionalisierung in der Sozialen Arbeit
5.6 Vorschlage zur Anwendung von Ausdauertraining in der Sozialen Arbeit
6 Fazit

III Literaturverzeichnis

Danksagung

Ich mochte mich an dieser Stelle bei all denen bedanken, die es mir ermoglicht haben, dieses Stu- dium der Sozialen Arbeit aufzunehmen und nicht nur das, sondern es auch zu einem guten Ende zu bringen. Danken mochte ich fur die Unterstutzung wahrend der Phasen, in denen es gut lief und alles leicht erschien. Bedanken mochte ich mich auch fur die Unterstutzung in Momenten, die Kraft gekostet haben und nichts lief. Danke.

Abstract - Ausdauersport als Methode Sozialer Arbeit

Abstract

Die Arbeit erortert anhand einer Literaturrecherche in den angrenzenden Wissens- und Forschungs- gebieten der Profession Soziale Arbeit (SA), ob der Ausdauersport als eine Methode in die Arbeit der Professionsmitglieder einflieften kann. Dem Ausdauersport, speziell Laufsport, wird in zahlrei- chen Studien eine Gesundheit fordernde Wirkung attestiert. Dieses Potential gilt es fur die SA zu erschlieften. Die Frage nach einer Methode fur die SA stellt sich, da eine zunehmende soziale Iso­lation der Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft zu verzeich- nen ist. Dieses Phanomen wird in der Psychologie als die soziale Isolierung beschrieben. SA konnte diesem Phanomen praventiv begegnen und dazu die Methode eines professionell begleiteten Aus- dauertrainings nutzen und die Fachkrafte der SA professionell darin ausbilden. Anhand der Defini­tion des Methodenbegriffs der SA ist dies moglich und entsprechend der Wirkung des Ausdauertrai- nings auf den menschlichen Organismus anzustreben. Die Sozialgesetzbucher (SGB) Deutschlands bilden eine Moglichkeit auf Grundlage aktueller Gesetze ab, urn Sport als Methode der SA zu etab- lieren. Zu erfragen bleibt, wo und wie Professionsangehorige der SA geschult werden konnten, urn Ausdauertraining gesund ausgefuhrt anbieten zu konnen. Sport wird in der SA schon lange als Me­thode genutzt, daraus ist die Sportsozialarbeit hervorgegangen. Sportsozialarbeit gilt es starker in den Fokus zu rucken.

Schlusselbegriffe: Profession Soziale Arbeit, Ausdauersport, Methode, Laufsport, Gesundheit, sozi­ale Isolation, Ausdauertraining, Sportsozialarbeit Based on a literature search in the related knowledge and research areas of the profession of social work (sw) the thesis discusses whether endurance sport can be used as a method in the work of the members of the profession. Endurance sports, especially running, have been shown to have a health-promoting effect in numerous studies. It is important to develop this potential for sw. The question of a method for the sw arises because of the increasing social isolation of people of different ages and different social origins. This phenomenon is described in psychology as the social isolation, sw could counter this phenomenon preventively and use the method of professionally accompanied endurance training and professionally train the sw experts in it. Based on the definition of the method term of sw this is possible and depending on the effect of endurance training on the human organism even to be aimed for. The german “Sozialgesetzbucher” (SGB) represent a possibility based on current laws to establish sport as a method of the sw. It remains to be asked where and how members of the sw professions could be trained to be able to offer endurance training in a healthy manner. Sport has been used as a method in the sw for a long time and sport social work has emerged from this. Sports social work needs to be brought more into focus.

keywords: profession ofsocial work, endurance sport, method, running, health, social isolation, endurance training, sports social work

I Tabellenverzeichnis

Tab. 1. Ubersicht derAusdauersportarten

Tab. 2. Unterschiedliche Zuordnung des Begriffs „Trainer“ in Stellenanzeigen

Tab.3. HandlungsfelderderSozialen Arbeit nach DBSH

Tab. 4. Folgen sozialer Isolierung nach Lauth und Viebahn

Tab. 5. UbersichtderVorschlage furAusdauertrainingsangebote in derSozialen Arbeit

II Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Vom deutschen Aphoristiker und ImmunoIogen Gerhard Uhlenbruck1 stammt das Zitat „Der Sport ist keine heile Welt, aber eine Welt, die heilen kann.“ veroffentlicht in (Brie, 1982, S. 56). Dieses Zitat dient als Grundgedanke und zu untersuchende Aussage fur die Auseinandersetzung mit dem Thema und der Fragestellung, welche nachfolgend dargestellt wird.

Ausdauertraining, Methode, Soziale Arbeit, Prevention und soziale Isolation - diese funf Begriffe bilden in Teilen den Titel und das sie umschlieftende Gerust der vorliegenden Arbeit.

Die wissenschaftlichen Gebiete, welche hier tangiert werden, sind der Sport und die Trainingslehre, die SA und die Psychologie. In der Ausarbeitung flankieren Sport und Psychologie die Betrachtung lediglich hinsichtlich der Relevanz der Themen fur die SA.

Die Arbeit beginnt im Kapitel 2 damit Begriffe zu erlautern und in einen Bezug zueinander zu bringen. Gesundheit wird mit dem graven Komplex Sport und dem Begriff Bewegung zueinander in Bezie- hung gestellt, urn die Relevanz innerhalb der SA aufzuzeigen. Im anschlieftenden Kapitel wird der historische Zusammenhang von Sport und SA aufgezeigt, der heute unter dem Begriff Sportsozial­arbeit zusammengefasst werden kann.

Ein extra Kapitel beschreibt das im Bereich der Psychiatrie und Psychologie anzusiedelnde Phano­men derselbstgewahlten sozialen Isolation, dem durch ein anhaltendes Ausdauertraining begegnet werden soil. Es wird hierbei in das Thema eingefuhrt und uber Betroffene und deren Situation dis- kutiert. Die soziale Isolation nimmt stetig zu, u.a. bedingt durch die Zunahme von Depressionen, wie nicht zuletzt und gerade aktuell dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (2021, S. 13) zu entnehmen ist. Die Ergebnisse dervorangegangenen Auseinandersetzung werden nach der Er- lauterung der sozialen Isolation im Kapitel 5 Uberblick und Einordnung des Ist-Zustandes dargestellt. Abschlieftend wird ein Fazit uber die gemachten Erkenntnisse gezogen und Anmerkungen zu einem zukunftigen Vorgehen werden dargelegt. Es bleibt bei der Betrachtung nicht aus, andere teils sehr spezielle Fachgebiete wie die Trainingslehre aus dem Bereich Ausdauersport und die Psychiatrie zu beruhren und oberflachlich in die Ausarbeitung einzubeziehen. Die Tiefe der Arbeit beschaftigt sich mit der Profession der SA und deren Handlungsrahmen. Geschichtlich hat der Sport seit Beginn der Professionalisierung der SA einen Bezug dazu, allerdings taucht er in der Lehre nur vereinzelt auf. Lowenstein, Steffens & Kunsmann (2020) sagen: „Sport zahlt seit ihren Anfangen zu den klas- sischen Zugangen der Sozialen Arbeit. Bereits im 19. Jahrhundert erfolgte eine Grundlegung im von JaneAddams gegrundeten ChicagoerSettlementhaus Hull House." (S. 13)

Die Integration von Sport als Methode in die Ausbildung der SA scheint aber schlechter zu gelingen als die Integration von Sport in die Praxis der SA. Anders formuliert, viele Fachkrafte nutzen Sport in der taglichen Arbeit, urn Gruppenangebote abzubilden, sind aber nicht sportlich ausgebildet. Hier gilt es der Aussage Michels (2007) zu folgen: „Sozialpadagogen [...] fehlt oft die sportbezogene Fachkompetenz, vielfach werden Arbeitsweisen aus der selbst erlebten Sportbiografie bezogen, da- bei so manches antiquierte Konzept wieder belebt." (S. 14) Es steht die Frage im Raum, ob ein Ausdauersport, speziell das Laufen mit seiner von Alfermann und Stoll (1997) nachgewiesenen po- sitiven Wirkung auf den menschlichen Organismus und die menschliche Psyche (S. 91-108), als Methode in die Praxis der SA Einzug finden kann, um Menschen vor sozialer Isolation zu schutzen. Ausdauertraining bedarf, um erfolgreich zu sein, einer strukturierten Vorgehensweise. Training im Zusammenhang mit den Ausdauersportarten hat einen repetitiven Charakter und erfordert personli- che Disziplin, Willen und Bestandigkeit. Diese Eigenschaften konnen helfen einen Weg durch das Leben zu finden. Ausdauertraining arbeitet auf ein Ziel hin, es erfordert Struktur und liefert Struktur. Ausdauertraining fordert die Herz-Kreislauf-Gesundheit und starkt den Bewegungsapparat.

Personlichkeit kann im Training wachsen und somit Selbstwert entwickeln - eine soziale Isolation kann potenziell verhindert werden. Training in der Gruppe fordert Kontakte, Wettkampfe bringen Menschen zueinander. Die grundlegende Feststellung Jaufen kann jede:r2 und uberall" bietet einen Einstieg in das Thema. Es ist moglich immer und uberall zu Laufen, selbst barfuft. Wie konnen Fachkrafte dieses Potenzial nutzen? Der vermeintlichen Einfachheit des Laufens oderSporttreibens steht speziell in der SA gegenuber, dass die Menschen, die sich im Hilfekontext befinden, einen Input von auften benotigen.

1.1 Fragestellung

Eine wesentliche Frage der Arbeit lautet: Konnen Fachkrafte der SA Klient:innen vor der sozialen Isolation bewahren, indem sie ihre Klient:innen an ein kontinuierliches Ausdauertraining heranfuh- ren? Weitere, resultierende Fragen lauten: Kann gemeinsames Training vor selbst gewahlter Isola­tion schutzen und wie entwickelt sich die Personlichkeit im Training? Konnen Fachkrafte und Kli- ent:innen an einem gemeinsamen Training als Personen wachsen? Speziell auf die Profession der SA zielt die Frage ab: Was macht eine Methode der SA aus? Kann Training diesen Anspruch erful- len? 1st es moglich mittels Ausdauersport die nachgewiesene, selbstwertsteigernde Wirkung sport­lichen Trainings (Ulmer, 2007, S. 177-189) in ein Leben aufterhalb des Sports zu transformieren und somit selbst gewahlter sozialer Isolation zu begegnen?

1.2 Vorgehensweise

In der Arbeit wird auf eine empirische Vorgehensweise verzichtet und die zur Disposition stehende Frage mittels eines Studiums der vorhandenen Literatur beantwortet. Dabei wird auf einschlagige aktuelle Erscheinungen zuruckgegriffen. Die zu Grunde liegende These speist sich aus dem zu Be- ginn erwahnten Zitat und lautet: Ausdauertraining kann methodisch angewandt in der SA genutzt werden, um Klient:innen davorzu bewahren in eine selbstgewahlte soziale Isolation zu gehen.

2 Begriffe

Nachfolgend wird mit einer Erklarung der fur die Arbeit relevanten Begriffe begonnen. Neben der Begriffsbestimmung werden die Begriffe thematisch eingeordnet und es wird ein sogenannter „roter Faden" durch den Verlauf der Arbeit gespannt.

2.1 Gesundheit

Die WHO definiert Gesundheit in ihrer Verfassung von 1946 wie folgt: „Die Gesundheit ist ein Zu- stand des vollstandigen korperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Feh- len von Krankheit Oder Gebrechen." (WHO, 1946) Gesundheit ist dieser Definition folgend nicht leicht zu greifen, vielschichtig und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit. Das soziale Wohlerge- hen sticht hierbei heraus. Einem sozialen Wohlergehen steht die soziale Isolation demnach diamet­ral gegenuber. In der Arbeit wird die These vertreten, dass soziale Isolation einen pathologischen Wert erreichen kann. Sie wird ausgiebig in der entsprechenden Fachliteratur diskutiert und erlautert. An dieser Stelle sei auf das Kapitel 4 Soziale Isolation verwiesen, in dem ausfuhrlich diesem Thema nachgegangen wird. Die Gesundheit eines Menschen kann durch eine geeignete Lebensweise po- sitiv beeinflusst werden. Sie kann sich auch negativ entwickeln, sollte die Lebensfuhrung bzw. soil- ten die Lebensumstande unter negativen Vorzeichen stehen. Im Kapitel 3.4 wird die Gesundheits- forderung betrachtet, die durch regelmaftiges Sporttreiben zu erreichen ist. Unumstritten zu sein scheint, dass eine regelmaftige Bewegung einen positiven Einfluss auf die ganzheitliche Gesundheit des Menschen hat. Ein Zitat von Gerd Uhlenbruck (2007) soil wahrend der fortlaufenden Betrach- tung einen Leitgedanken darstellen: „Es gibt Menschen, die arbeiten krankhaft an ihrer Gesundheit." (S.11)

2.2 Bewegung

Lutzenkirchen (2016) sagt: „Bewegung und uberhaupt korperliche Aktivitat wirken sich positiv auf den Korper aus und haben einen bedeutsamen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Menschen." (S. 137) Der Begriff Bewegung hat viele Bedeutungen. Es gibt die politische Be­wegung oder auch andere Bewegungen als Zusammenschluss mehrerer Personen und die Bewe­gung des Menschen, genauer die Fortbewegung. Innerhalb dieser Arbeit geht es, wenn von Bewe­gung gesprochen wird, urn das sich Fortbewegen von Personen. Bewegung kann differenziert un- terteilt werden in unterschiedliche Arten wie Schleichen, Gehen, Rennen, Laufen, Wandern und et- liche mehr. Diese Arten der Bewegung sind gekennzeichnet vom Verlassen eines Punktes hinzu einem anderen Punkt.

Dem gegenuber stehen Bewegungen, die ortlich gebunden sind wie etwa das Tanzen, Kampfen, sich drehen und viele weitere. In der vorliegenden Arbeit wird daruber gesprochen, einen Ort zu verlassen und mittels einer Bewegung, konkret dem Laufen, einen anderen Ort zu erreichen, wobei es sich naturlich auch urn eine Bewegung hin zum Ursprung handeln darf. Dieses Bild soil eine Brucke schlagen hin zum Kontext der SA und der Forderung einer moglichen Transferleistung vom Korperlichen hin zum Gedanklichen Oder von physischen Entwicklungen zu psychischen Fortschrit- ten. Es soil, bildlich gesprochen, ein Ort im Mentalen verlassen werden, um zu einer anderen geis- tigen gedanklichen Position bzw. Einstellung aufzubrechen. Weniger abstrakt formuliert, geht es in der Zielsetzung darum, hinderliche, isolierende Verhaltensweisen und Gedanken abzulegen und seiner/ihrer selbst forderliche Ansichten und Motive anzutrainieren. Dies soil mit Hilfe eines Ausdau- ertrainings erreicht werden. Bewegung ist anders als Sport nicht zielgerichtet- der Unterschied zum Sport wird folgend dargestellt.

2.3 Sport

Sport lasst sich als Begriff schwer definieren, weltweit scheintjedoch Einigkeit daruber zu herrschen, dass Sport mit Bewegung einhergeht. Der DOSB schreibt auf der eigenen Webseite: ,,Der Sport ist ein Kulturphanomen unserer Zeit. Er pragt unser Leben durch eine Vielfalt an Erscheinungsformen." (DOSB, n.d.) Pierre de Coubertin3 (2015), der Begrunder der modernen Olympischen Spiele, sagt zum Sport: ,,La sport va chercher la peur pour la dominer, le fatique pour en triompher difficulty pour la vaincre." (S. 122) ubersetzt ins Deutsche: „Sport sucht die Angst, um sie zu dominieren, die Mudigkeit, um zu triumphieren, die Schwierigkeit, um sie zu uberwinden.".

Es handelt sich beim Sport scheinbar um ein Konzept der Bewaltigung. Jacob (2000) erlautert zum Begriff des Sports, dass ,,Der moderne Sport, ein englisches Wort latein-romanischer Herkunft, das der weltgewandte Furst Puckler-Muskau 1828 mit der Bemerkung es sei unubersetzbar, nach Deutschland brachte, hat verschiedene Wurzeln." (S. 17)

Es fuhrt an dieser Stelle zu weit, sich mit der gesamten Historie des Sports zu befassen und die Hintergrunde des Sporttreibens auszuleuchten. Zu erwahnen ist allerdings, dass der moderne Sport mit dem Beginn der Industrialisierung Einzug in das Leben der Menschen halt. „Nurwo mit Hilfe der Industrialisierung ein Minimum an existenzieller Sicherheit erreicht ist, wachst die Zuwendung zum Sport [...]“ (Jacob, 2000, S. 179). Sport lasst sich grundsatzlich unterteilen nach der Art, wie er praktiziert wird, als Mannschaft oder individuell. Es gibt allerdings sehr viel mehr Aden, nach denen Sport differenziert werden kann. Es fuhrt fur die notwendige Betrachtung des Themas Sport zu weit, dies ausfuhren.

Fur den Sport ist charakteristisch, dass es sich um Bewegungen des menschlichen Korpers handelt (Lutzenkirchen, 2016, S. 20f), die Regeln der Ausfuhrung unterliegen. Diese sperrige Darstellung wird deutlicher, wenn davon ausgegangen wird, dass der Fuftball hauptsachlich mit dem Fuft bewegt bzw. gespielt wird und ein Handball mit der Hand. Dies fuhrt dazu, dass ein spezifisches Training fur die jeweils spezifische Bewegung unabdinglich ist. Wann Bewegung zu Sport wird, ist nicht klar zu trennen - sich zu bewegen kann immer als sinnvoll angesehen werden. Fur den im folgenden

2 Begriffe - Ausdauersport als Methode SozialerArbeit

Kapitel besprochenen Ausdauersport gilt das zum einem fur die jeweils spezifische Bewegung und zum anderen fur die spater erorterte Fahigkeit Ausdauer.

2.3.1 Ausdauersport

Aus der vorherigen Betrachtung bekannt, werden diverse Aden des Sports unterschieden. Grob konnen der Mannschaftssport und der Individualsport identifiziert werden. Feiner erfolgt die Unter- teilung in Kraftsport oder auch dem zu untersuchenden Ausdauersport. Zu den Ausdauersportarten zahlen die in der nachfolgenden Tabelle aufgefuhrten Sportarten gemaft der Techniker Kranken- kasse.

Tab. 1. UbersichtderAusdauersportarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Techniker Krankenkasse (2021b)

Der These folgend konzentriert sich die weitere Betrachtung auf die Ausdauersportart des Laufens mit seiner Konigsdisziplin, dem Marathon. Ein uber Jahre andauerndes Ausdauertraining gipfelt nicht zwangslaufig in der Absolvierung eines Marathons, allerdings ist nicht selten diese Vision von Trainierenden eine starke personliche Motivation das Training fortzusetzen. Dieser Gedanke wird in der weiteren Betrachtung als leitend angesehen. Auf ein Ziel hinzu trainieren dient per se als Moti­vation nicht zu stagnieren oder in der negativen Entwicklung schon weiter, sich selbst zu isolieren.

2.3.2 Die FahigkeitAusdauer

Eine Definition der Fahigkeit Ausdauer liefert Weineck (2010):

Unter Ausdauer wird allgemein die psychophysische Ermudungswiderstandsfahigkeit des Sportlers verstanden. Dabei beinhaltet die psychische Ausdauer die Fahigkeit des Sportlers, einem Reiz, der zum Abbruch einer Belastung auffordert, moglichst lange widerstehen zu konnen, die physische Aus­dauer die Ermudungswiderstandsfahigkeit des gesamten Organismus bzw. einzelnerTeilsysteme. (S. 229)

Diese Definition von Ausdauer hat ihren Ursprung in der Sportwissenschaft, konkreter in der Trai- ningswissenschaft. Sie besagt, dass Ausdauer die Fahigkeit ist, moglichst lange einer Belastung standhalten zu konnen - zum einen durch Willenskraft, zum anderen durch korperliche Beschaffen- heit. Erweitert, aber hier nicht erwahnt, wird von Eisenhut und Zintl (2014) hinzugefugt, dass eine moglichst kurze Phase der Regeneration die Fahigkeit Ausdauer (Eisenhut & Zintl, 2014, S. 54) abrundet. Wenn der Korper moglichst schnell regeneriert, ist die Ausdauerleistung demnach als ho- her einzuschatzen.

In derweiteren Betrachtung wird derThese nachgegangen, dass ein langerdurchgefuhrtes, erfolg- reiches Ausdauertraining dem Individuum Kompetenzen an die Hand geben kann, das eigene Leben sofuhren zu konnen, dass einer selbst gewahlten sozialen Isolation vorgebeugt wird. Der sportlichen Definition von Ausdauer nach Weineck (2010) folgend psychische Ausdauer die Fahigkeit des Sportlers, einem Reiz, der zum Abbruch einer Belastung auffordert, moglichst lange widerstehen zu konnen [...]“ (S. 229) erscheint es sinnvoll, diese Fahigkeit auf Reize zu reagieren und ihnen wider­stehen zu konnen in das tagliche Leben zu transferieren und zu integrieren. Es gilt einen Bogen zu schlagen und zu erforschen, inwieweit Ausdauertraining Kompetenzen zur Lebensbewaltigung nach Bohnisch liefern kann, die auBerhalb des Sports genutzt werden konnen. Ausfuhrlich beschreibt Bohnisch (2008):

Das Konzept Lebensbewaltigung versteht sich als Theorie-Praxis Modell. Es entwickelt und systema- tisiert Hypothesen zum Betroffensein [s/c] und zu dem entsprechenden Bewaltigungsverhalten von Menschen in kritischen Lebenskonstellationen, die ja den hauptsachlichen Adressatenkreis der Sozi­alen Arbeit bilden. Es macht des Weiteren die gewonnenen Erkenntnisse diagnostisch brauchbar und leitet daraus konkrete Handlungsaufforderungen an die Soziale Arbeit ab. Gleichzeitig ist es ein Kon­zept, das nicht beim Individuum stehen bleibt. Vielmehr ist es in der Lage, die sozialinteraktiven und gesellschaftlichen Bedingungen aufzuschlieBen, die das individuelle Bewaltigungshandeln wie den sozialpadagogischen Zugang dazu beeinflussen. In all diesen drei Dimensionen des Modells spiegelt sich die Grundkomponente gelingender Bewaltigung - die Chance der Thematisierung, des Ausspre- chen- und Mitteilenkonnens [s/c] innerer Hilflosigkeit und Ohnmacht - wider. Diese Mehrdimensiona- litat macht die reflexive Qualitat des Ansatzes aus, d.h., man ist zwangslaufig aufgefordert, immer wieder die Hintergrundbedingungen psychosozialer Arbeit zu diskutieren. Darin konnen auch die Mog- lichkeiten und Grenzen sozialpadagogischen Handelns reflektiert werden. (S. 11)

Dieser Gedanke, dass Ausdauertraining Kompetenzen aufbauen kann, fuhrt dazu, das Training im Allgemeinen und im Speziellen nachfolgend zu betrachten.

2.4 Training

Training ist aus der Umgangssprache alien Menschen als Begriff bekannt. Training ist allerdings mehr als das oft damit assoziierte Uben. Weineck (2010) stellt Training wie folgt dar:

Der Begriff „sportliches Training" umfasst im Wesentlichen die physisch-energetische, psychosoziale, technisch-koordinative und kognitiv-taktische Vorbereitung des Sportlers mit Hilfe von Korperubungen im Sinne der Leistungsoptimierung. Jedoch unterscheiden sich die Zielsetzungen des jeweiligen Trai­nings in Abhangigkeit vom angesteuerten Bereich. So zielt sportliches Training im Schul- und Ge- sundheitssport zwar auch auf eine planmaBige und gezielte Verbesserung der korperlichen Leistungs- fahigkeit hin, hat aber nicht, wie der Spitzensport, das Erreichen der individuellen Hochstleistung in einem langfristigen und nach strengen GesetzmaBigkeiten gesteuerten Trainingsprozess zum Ziel. (S.21)

Aus dieser Definition wird herausgegriffen, dass Gesundheitstraining sich von Leistungstraining un- terscheidet, aber eine gemeinsame Basis existiert. Bezugnehmend auf das Konzept der Lebensbe- waltigung bilden die psychosoziale und kognitiv-taktische Vorbereitung wichtige Grundlagen fur die Untermauerung der zu betrachtenden These, dass ein regelmaBig ausgefuhrtes Training, nament- lich ein Ausdauertraining, vor einer kritischen Lebenslage wie der sozialen Isolation zu schutzen vermag. Im Folgenden wird kurz auf einzelne Formen des Trainings eingegangen, dabei konnen die Begriffe aber inhaltlich lediglich angerissen werden. Fur die Betrachtung essenziell ist der Begriff des Ausdauertrainings, hier wird in die Tiefe geblickt. Um Zusammenhange von Sport und Psyche aufzudecken und zu beleuchten, wird die Form des Mentalen Trainings skizziert. Die Personen, welche Training anbieten sind Trainer:innen, was diese ausmacht und inwieweit es Professionsan- gehorige der SA sein konnen, wird abschlieBend in 2.4.4 erortert.

2.4.1 Ausdauertraining

Ausdauertraining findet innerhalb der aufgezeigten Ausdauersportarten statt und ist neben dem Krafttraining, dem Athletiktraining (2.4.2) und dem Mentalen Training (2.4.3) die Basis fur Erfolg in der jeweiligen Sportart. Daruber hinaus ist ein regelmaBig ausgeubtes Ausdauertraining auf mehre- ren Ebenen gesund fur den menschlichen Organismus. Dies wird durch die folgende Passage aus Muster, Zielinski & Meyer (2006) deutlich:

Training ist eine geplante, strukturierte MaBnahme, die mit regelmaBigen Wiederholungen auf die Ver- besserung korperlicher Fitness, Gesundheit oder Lebensfreude zielt. Verbesserungsfahige Bereiche der Fitness sind die kardiorespiratorische Ausdauer, also die Fahigkeit des Herz-Kreislauf- und Lun- gensystems, wahrend der korperlichen Aktivitat Sauerstoff zu liefern, ferner die skelett-muskulare Aus­dauer, die durch den Stoffwechsel und die Energiebereitstellung in der Muskulatur bestimmt wird. Au- Berdem konnen Kraft und Schnelligkeit trainiert werden sowie die Mischformen von Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit (z.B. die Kraftausdauer), die Beweglichkeit und die koordinativen Fahigkeiten (z.B. raumliche Orientierung, Gleichgewicht, Reaktion.) (S. 9)

Ausdauer wurde schon zuvor definiert und Ausdauertraining zielt grundsatzlich auf die Verbesse- rung von Ausdauer ab. Dieser simple Zusammenhang kann als leitend fur die weitere Betrachtung angesehen werden.

Da Ausdauer per Definition auch eine psychische Komponente enthalt, ist anzunehmen, dass die Chance auf Prevention vor sozialer Isolation durch Ausdauertraining steigt. Bewiesen ist, dass Aus­dauertraining die kardiorespiratorische Ausdauer, wie vorangehend beschrieben, steigern kann. Da- raus leitet sich fur die weitere Betrachtung ab, dass eine krankheitsbedingte soziale Isolation durch das Ausdauertraining gemindert werden kann. In einfachen Worten, Ausdauertraining verbessert die Fahigkeit des Herzens (Muster, Zielinski & Meyer, 2006, S. 74ff) und mildert die soziale Isolation im Alter durch die anhaltende Fahigkeit sich innerhalb der Gesellschaft zu bewegen. Ganz einfach for- muliert, wer „fit“ ist, ist korperlich in der Lage unter Menschen zu gehen. Soziale Isolation betrifft Menschen, die sich in den unterschiedlichsten Lebenslagen befinden. Als Beispiele seien hier Schuler:innen, psychisch Erkrankte Oder die Gruppen der Alten genannt. Die altersbedingte soziale Isolation und weitere gilt es spater naher zu betrachten.

2.4.2 Athletiktraining

Athletiktraining kann auch als Beweglichkeitstraining bezeichnet werden. Beweglichkeit ist nach Weineck (2010):

Die Beweglichkeit stellt ein relativ eigenstandiges Merkmal der sportlichen Leistungsfahigkeit dar und nimmt innerhalb der motorischen Hauptbeanspruchungsformen eine Mittelstellung zwischen konditio- neller koordinativer Fahigkeit ein. Als gleichsinnige Begriffe fur Beweglichkeit gelten allgemein Flexi­bility und Biegsamkeit. Gelenkigkeit (die Strukturdes Gelenks betreffend) und Dehnungsfahigkeit (die Muskeln, Sehnen und Bander und Kapselapparat betreffend) hingegen sollten als Komponenten und damit als Unterbegriffe der Beweglichkeit verstanden werden. (S. 735)

Es handelt sich hierbei um Wissen aus der Trainingslehre, das fur die eigentliche Betrachtung aus der Sicht der SA nicht zwingend notwendig ist. Um erkennen zu konnen, dass Training auf mehreren Ebenen notwendig ist, um exakt ausgefuhrt zu werden, reicht die dargestellte fachliche Tiefe aus. Unterschieden werden muss, dass Training in der Technik der Sportart notwendig ist und dass dazu exemplarisch Konditions- und Athletiktraining angestrebt werden sollten. Einen deutlichen Mehrwert liefert das zusatzliche, in Kapitel 2.4.3 besprochene, Mentale Training. An dieser Stelle der Betrach­tung ist es sinnvoll zusatzlich einen Exkurs zu machen und ein Zitat von Kadlec & Groger (2020) anzusehen:

Angesichts der Bedeutung einer klaren Rolle fur jeden Job und insbesondere fur die Arbeit mit Men- schen scheint dies hier ein guter Ausgangspunkt zu sein. Naturlich wird viel uber die vielfaltigen Rollen geschrieben, die ein Athletiktrainer (AT) und/oder Sportphysio [s/c] spielt, und folglich auch uber die ebenso groBe Bandbreite an Wissensquelle, auf die zugegriffen werden muss. Viele Trainer und Phy- siotherapeuten haben sehr unterschiedliche Hintergrunde und sind viele Ausbildungswege gegangen, und obwohl diese Vielfalt auch eine Starke sein kann, fuhrt sie in der interdisziplinaren Kommunikation oftmals zur Konfusion. Daher ist es auBerst vorteilhaft, die Kernmerkmale zu identifizieren, die Rolle klarzu beschreiben, Wissen und evidenzbasiertes Arbeiten zu etablieren. (S. 12)

Bezogen auf die anzustrebende Verknupfung von Fachwissen der SA und der Trainingswissen- schaft zum Ausdauertraining sollte dieser Gedanke leitend sein.

2.4.3 Mentales Training

Ein Experte fur Mentales Training im deutschsprachigen Raum ist Hans Eberspacher. Auf ihn wird sich die Arbeit beziehen, um einen Einblick in Mentales Training zu geben. Eberspacher (2012) beschreibt anschaulich was Mentales Training ausmacht:

Mit meinem ersten Auto, einem VW Kafer, gab es anfangs ein schwierig zu losendes Problem: das Schalten ohne Krachen, also die Synchronisation von Motor und Getriebe. Der Wagen hatte (wie fru- her viele Autos) ein unsynchronisiertes [s/c] Getriebe, bei dem das Zusammenspiel von Motor und Getriebe beim Schalten nicht automatisch erfolgte, sondern vom Fahrer zu bewaltigen war (Zwischengasl). Solche gibt es in vielen Bereichen der Technik. [...], denn auch menschliches Han- deln, ob im Privaten, im Beruf Oder im Sport, ist erst dann wirklich effizient, wenn es gelingt, es zu synchronisieren, also harmonisch abzustimmen. [...] Aber was muss man in sich selbst synchronisie- ren? Es ist das was im Kopf ablauft, und das, was man tut; also gedankliche Prozesse und ausgefuhrte Bewegungen. (S. 11)

Notwendig fur die weitere Betrachtung sind die folgenden kognitiven Fertigkeiten im Zusammenhang mit Mentalem Training: Selbstgesprachsregulation, Kompetenzerwartung, Aufmerksamkeitsregula- tion, Aktivationsregulation, Vorstellungsregulation und Zielsetzung/Analyse (Eberspacher, 2012, S. 18) Im Kapitel 5 wird auf diese Techniken eingegangen, da Sie die fundamentale Grundlage bilden, urn die im Training gemachten Erfahrungen in das tagliche Leben zu transferieren. Hier wird anzu- setzen sein, urn die Ubertragung sportlicher Entwicklung auf andere Bereiche des Lebens voranzu- treiben bzw. uberhaupt zu beginnen.

2.4.4 Trainer:innen

Der Begriff Trainer:innen wird heute unabhangig vom Sport vielseitig verwendet. Es gibt ihn nahezu in alien Bereichen der beruflichen Bildung. Das Jobportal stepstone listet weit uber 1000 Stellenaus- schreibungen fur „Trainer“, die alle nichts mit Sport zu tun haben, auf. Die nachfolgende Tabelle zeigt einige Beschreibungen exemplarisch. Dies soil verdeutlichen, dass der Begriff heute nicht al­lein in seiner Ursprungsbedeutung, existiert. Trainer:innen sind ursprunglich, Kundige der Bewe- gungsablaufe und Regeln, die ihrWissen darum an Sportlervermitteln. (Weineck, 2010, S. 22)

Tab. 2. Unterschiedliche Zuordnung des Begriffs „Trainer“ in Stellenanzeigen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: stepstone (n.d.)

Eine Definition dersportlichen Trainer:innen liefertWeineck (2010):

Bei einer Personaltrennung ist der Trainer uberwiegend fur Trainingsbelange (konditionelle Ausbil- dung, technische Schulung, Einuben von Standards, Trainingsplanung, Trainingsteuerung und Leis- tungsdiagnose etc.), der Coach fur die Beratung und psychologische Fuhrung (Coaching) des Athleten wahrend des Wettkampfes zustandig. In Personalunion werden Trainer und Coach synonym verwen­det und vereinen beide Wirkungsbereiche in sich. Im deutschsprachigen Raum wird aus ein und der- selben Person im Training derTrainer und im Wettkampfder Coach. (S. 22f)

Diese Definition dient als Grundlage, urn die Trainer:innen in den jeweiligen Sozialpadagog:innen zu identifizieren. Im weitesten Sinne konnen Fachkrafte der SA sicher als Coach:in bezeichnet werden, wenn der Bereich der Lebenswelt von Klient:innen als das Wirkungsfeld der Sozialarbei- ter:innen und Sozialpadagog:innen zu Grunde gelegt wird. Eine Gegenuberstellung und Verknup- fung der Profession SA und derTrainingswissenschaft stellt sich an dieser Stelle und in Anbetracht der Ausgangsthese als notwendig dar. In einem spateren Kapitel nimmt die Betrachtung ausfuhrlich Bezug auf diese Notwendigkeit und leitet ab, ob sich die Professionen erganzen konnten und auch sollten. Die Lebensweltorientierung stellt eine Methode der SA dar. Mit weiteren Methoden der SA setzt sich das folgende Kapitel 2.5 auseinander und stellt das sportliche Training in einen Kontext dieses Methodenbegriffs.

2.5 Methoden in der Sozialen Arbeit

Die Erlauterung von Begriffen abschlieBend wird nachfolgend der Begriff der Methode speziell im Zusammenhang mit der SA besprochen. Um prufen und einschatzen zu konnen, ob Ausdauertrai­ning den Rang einer Methode innerhalb der SA einnehmen kann, ist zuvor zu klaren, was eine Me­thode charakterisiert. Hermann (2013) sagt zur Methode in der Wissenschaft allgemein und speziell zur Methode innerhalb der Psychologie folgendes:

Die Methode einer Wissenschaft hat den spezifischen Moglichkeiten dieser Wissenschaft zu folgen und entspringt ihren spezifischen Bedurfnissen. Die Psychologie ging ihrer Eigenart zufolge von der Methode der Selbstbeobachtung aus, doch ist es groBtenteils ihrer Vergangenheitzuzuschreiben, daB [s/c] die Methode der Naturwissenschaften, das Experiment, revolutionierend gegen manche theolo- gisch-philosophische Befangenheit, in ihr erst spat zur Anwendung gelangte. (S. 8)

Ubertragen auf die SA bedeutet dies, dass es zu betrachten gilt: Was sind die spezifischen Moglich- keiten der SA und was sind ihre speziellen Bedurfnisse? Eine Grundannahme lautet nun, dass eine Moglichkeit der SA immer ist, dass ein:e Sozialarbeiter:in oder ein:e Sozialpadagog:in mit einem/ei- ner Klient:in eine professionelle Beziehung eingehen kann, innerhalb derer eine Veranderung von z.B. Verhalten angestrebt wird. Ein spezielles Bedurfnis der SA ist die Freiwilligkeit der Annahme dieses Beziehungsangebots. Diese Annahme gilt es in der Betrachtung fortgehend anzuwenden und das Ausdauertraining dahingehend als Methode zu analysieren. Staub-Bernasconi (2018) schreibt zu Methoden:

Problembezogene Arbeitsweisen konkretisieren ein Postulat, uber das in den Natur- und Human-/So- zialwissenschaften wie in professionellen Kreisen Einigkeit besteht, ohne dass es immer verwirklicht ware, namlich: dass nicht die - oft modeabhangigen - Methoden oder Verfahren die zu bearbeitenden Probleme und Fragestellungen, sondern die Probleme die Wahl der Methoden bestimmen sollten. (S. 271)

Das beleuchtete Problem ist die drohende soziale Isolation. Gegenuber einer Isolation stehen die Zweisamkeit, die Gruppe, die Gemeinschaft und abstrakt die Gesellschaft. Somit ware ein gemein- sames Training an sich eine mogliche Methode, um Isolation vorzubeugen bzw. wird Isolation bei jedem Training fur die Dauer des Trainings aufgehoben. Zu Methoden der SA ist unbedingt aus Schilling & Zeller (2007) zu erwahnen: „Methoden konnen zunachst ganz allgemein als zielgerichtete Verfahrensweisen definiert werden. Im Fachdiskurs verstand man lange Zeitdann im engeren Sinne nur die Methoden der amerikanischen Sozialarbeit (Einzelfallhilfe (EH), Gruppenarbeit (GA), Ge- meinwesenarbeit (GWA)) als sog. „klassische“ Methoden." (S. 208) Wie diese Methoden inhaltlich ausgestaltet werden, ist dabei unter Umstanden sehr unterschiedlich.

3 Sport in der Sozialen Arbeit

In der Einleitung wurde darauf hingewiesen, dass Sport und SA seit Beginn der Professionalisierung der SA Hand in Hand gehen. Nachfolgend richtet sich der Fokus auf die aktuellen Zusammenhange. Hierzu startet ein kurzer Exkurs in die Historie der Verknupfung von Sport mit der SA, der sogenann- ten Sportsozialarbeit.

Fur die Bearbeitung der zugrunde liegenden Fragestellung ist es nicht notwendig, die Entwicklung der SA darzulegen, die Betrachtung der Entwicklung der Sportsozialarbeit ist allerdings von hoher Relevanz und wird daher im sich anschlieftenden Kapitel 3.1 Historie der Sportsozialarbeit nachge- zeichnet. Daran anschlieftend werden einige Randdisziplinen der SA dargestellt, um folgend einige in diesem Zusammenhang relevante Begriffe zu skizzieren.

3.1 HistoriederSportsozialarbeit

Seit den Anfangen der Professionalisierung der SA nimmt Sport als eine Methode im Werkzeugkas- ten der Fachkrafte der Profession einen gewichtigen Platz ein. Zur Historie der Sportsozialarbeit legen Lowenstein, Steffens & Kunsmann (2020) auf vier Seiten unter der Uberschrift „Zur Entwick­lung der sportbezogenen Sozialen Arbeit" einen Abriss vor. Daraus soil an dieser Stelle Wesentli- ches zitiert werden. Zu Beginn folgt ein bereits erwahntes, aber nicht weniger wichtiges Zitat von Lowenstein, Steffens & Kunsmann (2020):

Sport zahlt seit ihren Anfangen zu den klassischen Zugangen der Sozialen Arbeit. Bereits im 19. Jahr- hundert erfolgte eine Grundlegung im von Jane Addams gegrundeten Chigagoer Settlementhaus Hull House. So wurden um 1900 mit der Erweiterung des Gebaudekomplexes Trainingsraume fur Sport- kurse eingerichtet. (S. 13)

Die ausfuhrlich dargelegte Entwicklung der Sportsozialarbeit beginnt mit einem scheinbar profanen Ereignis - es wurden Trainingsraume geschaffen. Es ist anzunehmen, dass dies aus einem Bedurf- nis heraus und nicht um seiner selbst willen geschah. Scheinbar wurde angenommen, dass Trai­ningsraume fur Sport nutzlich sein konnten. Dies soil jetzt mit dem beschriebenen Methodenbegriff der SA in Verbindung gebracht werden - die Methode der SA richtet sich nach dem vorliegenden Problem, heiftt es hierzu bei Staub-Bernasconi (2018). Das Problem gibt die Methode zur Losung vor (S. 271) - es soil hier noch einmal verdeutlicht werden, dass SA eine Hilfe zur Selbsthilfe sein soil. Auf die grundlegende Fragestallung angewandt bedeutet dies zu ergrunden, was die Menschen aus der Isolation bringt bzw. sie davor bewahrt. Dazu Lowenstein, Steffens & Kunsmann (2020):

[...]


1 Gerhard Uhlenbruck, geb. 1929, ist deutscher Immunbiologe, Marathonlaufer und Aphoristiker (German Road Races, 2019).

2 Die Arbeit ist geschlechtsneutral formuliert Oder nutzt an Stellen wo dies nicht moglich ist einen Doppelpunkt zum Gendern. Die Originalzitate sind zumeist nicht derart verfasst, was zu einem heterogenen Schriftbild fuhrt und zu entschuldigen ist.

3 Pierre de Coubertin, geb. 1863, gest. 1937, war Padagoge, Historiker, Initiator der Olympischen Spiele der Neuzeit (WAS 1ST WAS, 2004).

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Ausdauersport als Methode Sozialer Arbeit zur Prävention von sozialer Isolation
Note
1,3
Autor
Jahr
2022
Seiten
57
Katalognummer
V1277869
ISBN (Buch)
9783346731715
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausdauersport, Soziale Isolation, Laufsport, Training, Soziale Arbeit, Ausdauer, Psychologie, Einsamkeit, Alleinsein, Depression, Profession, Methode, Trainer, Profession Soziale Arbeit, Berufsfeldentwicklung
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. (FH) Roman Bungartz (Autor:in), 2022, Ausdauersport als Methode Sozialer Arbeit zur Prävention von sozialer Isolation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1277869

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