Le Prophète von Giacomo Meyerbeer - Werkgenese


Seminararbeit, 2003
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Der Komponist – Biographisches

2. Werkgenese
2.1. Planungen – Das Libretto
2.2. Die Komposition
2.3. Fruchtlose Verhandlungen
2.4. Konsensfindung

3. Literaturangaben

1. Der Komponist – Biographisches

„[…] um Ihren Namen dreht sich die ganze Geschichte der Musik seit 10 Jahren, und bey jedem Musiker, den man jetzt zu besprechen hat, wird man unwillkürlich auf die Frage gerathen in welchem Verhältniß er zu der Meyerbeerschen Musik gestellt ist oder sich gestellt hat.“[1] schrieb Heinrich Heine im Jahre 1842 an Giacomo Meyerbeer. In der Tat war Meyerbeer der wohl erfolgreichste Komponist seiner Zeit. Zusammen mit dem Librettisten Eugène Scribe schuf er spektakuläre Opernwerke mit einem bis dahin nicht gekannten Erfolg.

Am 5. September 1791 wird Jacob Liebmann Meyer Beer – erst 1810 zieht er seinen Namen zu Meyerbeer zusammen – in eine wohlhabende jüdische Familie in Vogelsdorf bei Berlin hineingeboren. Im Hause Beer verkehren die führenden Männer der jüdischen Emanzipationsbewegung, Gelehrte sowie namhafte Künstler. Frühzeitig kommt Meyerbeer so mit den Künstlergrößen seiner Zeit in Kontakt; er erhält Klavierstunden von Franz Lauska und Muzio Clementi, bereits im Alter von elf Jahren gibt er öffentliche Klavierkonzerte. Komposition erlernt er bei Carl Friedrich Zelter, später studiert er Komposition bei Abbé Georg Joseph Vogler in Darmstadt.

Nach Aufhalten in München, Wien, Paris und London reist er 1816 nach Italien. Was ursprünglich als Studienreise geplant ist, wird zu einem achtjährigen Aufenthalt. Zu dieser Zeit dominieren Rossinis Werke die italienische Opernbühne, und Meyerbeer schreibt mit zunehmendem Erfolg Opern im italienischen Stil. Im Jahre 1824 wird Il Crociato in Egitto im Teatro la Fenice in Venedig uraufgeführt. Es wird ein sensationeller Erfolg; Aufführungen in ganz Italien, London, Paris und Dresden schließen sich an. Dieser Erfolg ermöglicht es Meyerbeer, sich seinen langgehegten Traum zu erfüllen, Opern direkt für Paris zu schreiben. Seine erste Zusammenarbeit mit Eugène Scribe, Robert le Diable, ist Meyerbeers erste Arbeit im Stil der Grand Opéra. Der Erfolg ist überwältigend und macht ihn in kürzester Zeit zu einem der berühmtesten Komponisten seiner Zeit.

Nachdem er Robert le Diable zum ersten Mal gesehen hat, schreibt Jean François le Sueur an Meyerbeer: „Votre réputation colossale avait déjà fait le tour de l’europe. Désormais elle va se répondre dans tout le globe habité ; elle y sera connue comme les étoiles, […].“[2]

Auch die Premiere seiner nächsten Oper, Les Huguenots, im Jahre 1836 wird begeistert aufgenommen. Meyerbeers Beliebtheit beim Publikum auf dem Gebiet der Opernkomposition ist bis zum Auftreten Verdis und Wagners praktisch konkurrenzlos, was seine Position in Verhandlungen mit Librettisten, Impressarios und Operndirektoren stärkt.

Meyerbeer schreibt die meisten Opernrollen für einen bestimmten Sänger, so daß es oft zu Verzögerungen in der Komposition kommt, wenn ein Sänger ausfällt oder von der Operndirektion nicht gebilligt wird. So geschieht es, daß Le Prophète, obwohl bereits 1837 begonnen, erst 1849 uraufgeführt werden kann. Das gleiche Schicksal teilt L’Africaine, deren Aufführung Meyerbeer, obwohl er die Komposition bereits 1837 begonnen hatte, nicht mehr erlebt.

Meyerbeer stirbt am 2. Mai 1864 in Paris.

2. Werkgenese

2.1. Planungen – Das Libretto

Schon kurz nach der Uraufführung der Huguenots beschließt Meyerbeer, eine weitere Oper zu komponieren, um sein „dramatisches System durch ein drittes Werk, und zwar so schnell als möglich, auf unzerstörbare Pfeiler hinzupflanzen.“[3] Eugène Scribe sendet ihm sein neues Libretto mit dem Titel: Les Anabaptistes. Meyerbeers Reaktion fällt überwiegend negativ aus. Zwar sagt ihm das Sujet zu, doch er sieht viele Schwierigkeiten.[4] Es ist seine Angewohnheit, die Opernrollen direkt für bestimmte Sänger und ihre Möglichkeiten zu schreiben; für die Rolle der Fidès, die er schon gleich zu Beginn als eine der interessantesten Hauptrollen erkennt, gibt es seiner Meinung nach an der Opéra keine geeignete Sängerin, auch hegt er Zweifel, ob die schauspielerischen Fähigkeiten Gilbert Duprez’, der in Gedanken offensichtlich schon als Jean besetzt war, für eine derart gesanglich wie schauspielerisch anspruchsvolle Rolle genügten. Weiterhin wendet er ein, daß die Rolle des Jean allein durch seine fast durchgängige Anwesenheit auf der Bühne allzu gewaltig und damit praktisch unausführbar werden würde. Aber nicht nur sängerische und musikalische Fragen beschäftigen ihn, sondern auch die Gesamtwirkung. So bemängelt er das gänzliche Fehlen schöner Kostüme oder Bühnenbilder im dritten Akt, da es so keinen visuellen Reiz für das Publikum habe.

Trotz all dieser Bedenken läßt Meyerbeer sich auf das Projekt ein, im Juni 1837 vermerkt er in seinem Kalender ein Treffen mit Scribe wegen der Anabaptistes. Im folgenden findet sich lediglich ein Tagbucheintrag[5], der belegt, daß Meyerbeer sich zumindest konzeptionell mit den Anabaptistes beschäftigt. Am 2. August 1838 schließt er dann einen Vertrag mit Scribe über Le Prophète ab, wie die Oper inzwischen umbenannt wurde. Meyerbeer verpflichtet sich darin, zwei Jahre nach Erhalt des vollständigen Librettos von Scribe, Le Prophète fertigkomponiert und die Partitur bei einem Notar hinterlegt zu haben. Aufgeführt werden kann die Oper nur bei Zustimmung sowohl von Scribe als auch Meyerbeer, bei Ablehnung durch einen der beiden verbleibt die Partitur zunächst 18 weitere Monate beim Notar. Nach Ablauf dieser Frist können Partitur und Libretto zu unterschiedlichen Konditionen getrennt ausgelöst werden. Nach zwei weiteren Verträgen am 16.1.1839 und am 26.1.1839, die sich auf eine Fristverlängerung für Scribe beziehen, bestätigt ein Vertrag vom 27.3.1839, daß Meyerbeer das vollständige Libretto erhalten hat und somit verpflichtet ist, die Komposition bis zum 27. März 1841 fertigzustellen.

2.2. Die Komposition

Ab Juni 1839 belegen eine Vielzahl von Tagebuch- und Kalendereintragungen, daß Meyerbeer an der Komposition arbeitet. Aus diesen Eintragungen geht hervor, daß Meyerbeer keinen Zweifel an der Besetzung des Gilbert Duprez als Jean hegt, ansonsten aber weiterhin Unklarheiten über die Besetzung bestehen. Wen Meyerbeer als Wunschbesetzung für die Rolle der Fidès sieht, liegt weiterhin im Dunkeln, auch die Besetzung der Berthe. Ursprünglich hatte er für diese Marie Falcon vorgesehen, diese verlor jedoch im Jahre 1839 ihre Stimme und kehrte nicht wieder auf die Bühne zurück.

Im Mai 1840 übernimmt ein neuer Operndirektor, Léon Pillet, die Leitung der Pariser Oper. Am 15. Mai 1840 schreibt er Meyerbeer einen Brief, in dem er ihn bittet, möglichst schnell nach Paris zurückzukehren und dort seine neue Oper aufzuführen. „Serait-il bien vrai, mon cher maitre, que vous songeassiez à rester loin de Paris quelque mois encore, et que vous eussiez la mauvaise pensée de nous abandonner dans le danger !...si vous l’avez eu, cette pensée, chassez la bien vite, et revenez nous au galop !…venez nous rendre la vie. Je n’ai pas besoin de vous dire, ne rien ne me coutera pour obtenir une exécution digne de votre ouvrage, et que vous aurez à choisir parmi tous le talens qu’il sera possible d’attacher à l’opéra.“[6] Meyerbeer antwortet ihm schnell, jedoch ohne Versprechungen zu machen oder Hinweise zu geben, wann er gedenkt, nach Paris zurückzukehren. Ihm ist bewußt, daß Léon Pillet ihm nicht immer positiv gegenüber stand und daß nur die erwartete Publikumswirksamkeit von Meyerbeers Opern einen derartig werbenden Brief erklären.[7] Seinen Pariser Vertrauten, Louis Gouin, bittet Meyerbeer Pillet mitzuteilen, daß er aus persönlichen Gründen gezwungen sei, das ganze Jahr in Deutschland zu verbringen, daß er aber Anfang des nächsten Jahres mit seiner neuen Oper nach Paris kommen würde. Meyerbeer vertraut Gouin aber auch an, daß er es für unklug hält, schon Ende des Jahres nach Paris zu reisen, da unter diesen Umständen die Uraufführung des Prophète wahrscheinlich im Juni – einem Meyerbeer zufolge höchst unglücklichem Zeitpunkt – stattfinden würde.[8] Ob es also lediglich taktische Gründe und abwartende Vorsicht sind oder ob es wirklich derartig schwerwiegende persönliche Gründe gibt, die ihn zum Aufenthalt in Deutschland zwingen, bleibt fraglich.[9] Meyerbeer verhält sich zunächst abwartend und beobachtet die Entwicklung in Paris. Diese wirkt durchaus ungünstig. Die Huguenots werden längere Zeit nicht gegeben, danach nur gekürzt, der die Rolle des Robert wird mit einem unbekannten Sänger besetzt – Meyerbeer beginnt zu glauben, daß sein „erklärter Feind“[10] Louis Véron, ein ehemaliger Operndirektor, negativen Einfluß auf Pillet nimmt.

[...]


[1] Heine, Heinrich in: Giacomo Meyerbeer. Briefe und Tagebücher. Bd. 3. Hrsg. von Becker, Heinz und Becker, Gudrun. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin. 1975. S. 403.

[2] Le Sueur, Jean François in: Giacomo Meyerbeer. Briefe und Tagebücher. Bd. 2. Hrsg. von Becker, Heinz. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin. 1970. S. 156.

[3] Meyerbeer, Giacomo in: Giacomo Meyerbeer. Briefe und Tagebücher. Bd. 2. Hrsg. von Becker, Heinz. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin. 1970. S. 527.

[4] Vgl.: Meyerbeer, Giacomo in: Giacomo Meyerbeer. Briefe und Tagebücher. Bd. 3. Hrsg. von Becker, Heinz und Becker, Gudrun. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin. 1975. S. 19 f.

[5] Vgl.: ebd. S. 170.

[6] Pillet, Léon in: Giacomo Meyerbeer. Briefe und Tagebücher. Bd. 3. Hrsg. von Becker, Heinz und Becker, Gudrun. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin. 1975. S.710 f.

[7] Vgl.: ebd. S. 265 f.

[8] Vgl.: Giacomo Meyerbeer. Briefe und Tagebücher. Bd. 3. Hrsg. von Becker, Heinz und Becker, Gudrun. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin. 1975. S.266 f.

[9] Vgl.: Zimmermann, Reiner: Giacomo Meyerbeer. Eine Biographie nach Dokumenten. Parthas-Verlag. Berlin. 1998. S. 256.

[10] [10] Meyerbeer, Giacomo in: Giacomo Meyerbeer. Briefe und Tagebücher. Bd. 2. Hrsg. von Becker, Heinz. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin. 1970. S. 474.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Le Prophète von Giacomo Meyerbeer - Werkgenese
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Mittelseminar Grand Opéra
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V127801
ISBN (eBook)
9783640340996
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prophète, Giacomo, Meyerbeer, Werkgenese
Arbeit zitieren
M.A. Anne Oppermann (Autor), 2003, Le Prophète von Giacomo Meyerbeer - Werkgenese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127801

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