Im ersten Teil meiner Arbeit widme ich mich den Voraussetzungen systemischen Denkens. Ich werde einen Einblick in die Begrifflichkeiten des 'Beobachtens' und 'Erkennen' geben, um anschließend auf die spezielle Sicht des Gebildes 'System' einzugehen. Im Anschluss wird eine kurze Einführung in die Entwicklung der systemischen Therapie dargestellt. Mein Hauptpunkt 'Die systemische Kunsttherapie' wird dann in Punkt 4 genauer vorgestellt. Die wichtigsten Elemente werden hierbei im Einzelnen aufgelistet und beschrieben.
Das Wort 'systemisch' wird im Kontext mit der Begrifflichkeit der Kunsttherapie durchgängig sehr unpräzise verwendet. Einerseits wird es im Zusammenhang mit Elementen der Systemtheorie oder der systemischen Therapie aufgegriffen und verwendet, andererseits meint es das Verständnis von Interaktionsdynamiken von unterschiedlichen Systemen, wie Familie oder Gruppen.
Grundsätzlich fehlt es bisher an einer deutlich theoriegestützten Definition systemischer Kunsttherapie. Bis heute haben sich mehrere Autoren mit systemisch-kunsttherapeutischen Ansätzen beschäftigt; allerdings fokussieren sie sich nicht gänzlich auf den Aspekt der systemischen Sichtweise, sondern integrieren andere Sichtweisen in ihre Theorien mit ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Einführung: Systemisches Denken
2.1 Denkvoraussetzungen systemischen Denkens
2.2 Systeme
2.2.1 Autopoietische Systeme
2.2.2 Das Systemgefüge
3. Entwicklung der Systemischen Therapie
4. Systemische Kunsttherapie
4.1 Der Klient im komplexen Kontext
4.2 Zirkularität
4.3 Ressourcen erkennen, aktivieren und nutzen
4.3.1 Ressourcen bringen Veränderungen
4.3.2 Ressourcenaktivierung in der Kunsttherapie
4.4 Perspektiven entwickeln
4.4.1 Dem Veränderungsprozess eine Richtung geben
4.4.2 Perspektiventwicklung in der Kunsttherapie
4.5 Problembewältigung
4.5.1 Wie werden Probleme bewältigt?
4.5.2 Problembewältigung in der Kunsttherapie
4.6 Subjektive Bedeutung
4.7 Lob und Würdigung
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der theoretischen Fundierung und praktischen Anwendung systemischer Ansätze in der Kunsttherapie. Das primäre Ziel ist es, die unpräzise Verwendung des Begriffs 'systemisch' im kunsttherapeutischen Kontext zu klären und darzulegen, wie systemisches Denken sowie ressourcenorientierte Methoden konkret in den therapeutischen Prozess integriert werden können, um Klienten bei der Bewältigung komplexer Lebenssituationen zu unterstützen.
- Grundlagen und zentrale Konzepte des systemischen Denkens
- Genese und Entwicklung der Systemischen Therapie
- Methoden der Systemischen Kunsttherapie zur Ressourcenaktivierung
- Techniken der Perspektiventwicklung im therapeutischen Setting
- Ansätze zur konstruktiven Problembewältigung in der täglichen Praxis
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Ressourcen bringen Veränderungen
Eine der Grundannahmen der lösungsfokussierten Therapie nach Steve de Shazer und Insoon Kim Berg ist, dass Veränderung etwas Konstantes und Stabilität eine Illusion ist. In diesem Sinne können Ressourcen als Motor der Veränderung einer problembelasteten Situation fungieren. Vorhandene Potentiale müssen sichtbar gemacht werden und der Fokus der Therapie soll nicht auf der Vergangenheit sondern auf der Gegenwart liegen. Ist die Aufmerksamkeit auf diese Bereiche gerichtet, erlangt der Klient neue Antriebskräfte, seine Probleme zu bewältigen. Studien zur Produktivität bzw. Unproduktivität von Therapiesitzungen haben ergeben, dass der Erfolg maßgeblich von der Ressourcenaktivierung des Klienten abhängt und nicht davon, wie viele Probleme im Einzelnen bearbeitet werden. Die Aktivierung von Ressourcen hat zudem nicht einen Effekt auf den Erfolg der gesamten Therapie, sondern auch einen Einfluss auf die direkte therapeutische Wirkung. Indirekt verbessert eine Therapie, in der Ressourcen benannt und gefördert werden, die Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Letztlich wirkt sich diese im Umkehrschluss wieder auf den Erfolg der gesamten Therapieeinheit aus, da, wie durch Studien von Miller et al. gezeigt werden konnte, 30 % des Therapieerfolgs auf einer qualitativ guten Beziehung zwischen Therapeut und Klient baut. Zudem kann die Aktivierung der Ressourcen zu einer Förderung korrektiver Erfahrungen führen. Das Selbstbild eines Klienten kann sich verändern, wenn neue (positive) Erfahrungen, die nicht in das bisherige negative Problemschema passen, gemacht werden. Allerdings ist dieser Prozess nicht einfach, da sich das Problem oftmals sein eigenes Ordnungssystem geschaffen hat, dass sich durch verschiedenste Erklärungsmuster verfestigt hat.
Wenn ein Klient in der therapeutischen Arbeit lernt, seine Potentiale zu erkennen und dadurch zulässt, dass sich daraus Ressourcen entwickeln und aufbauen, ist es ihm möglich, neue Zuversicht zu erlangen. Die Bereitschaft, neue Schritte hin zu einer Problemlösung zu gehen, steigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Es wird die unpräzise Verwendung des Begriffs 'systemisch' in der Kunsttherapie kritisiert und die Notwendigkeit einer theoretisch fundierten Definition aufgezeigt.
2. Einführung: Systemisches Denken: Das Kapitel erläutert die biologischen und soziologischen Voraussetzungen für systemisches Denken und definiert zentrale Begriffe wie Systeme und deren Autopoiese.
3. Entwicklung der Systemischen Therapie: Dieser Abschnitt zeichnet die historische Entwicklung der Systemischen Therapie von den Anfängen in der Familientherapie bis zur wissenschaftlichen Anerkennung nach.
4. Systemische Kunsttherapie: Hier werden die theoretischen systemischen Ansätze auf die Kunsttherapie übertragen und praktische Methoden wie Ressourcenaktivierung und Perspektiventwicklung vorgestellt.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass systemische Ansätze trotz ihrer Komplexität einen wertvollen Beitrag zur therapeutischen Arbeit leisten.
Schlüsselwörter
Systemische Kunsttherapie, Systemisches Denken, Autopoietische Systeme, Ressourcenaktivierung, Familientherapie, Lösungsfokussierte Therapie, Zirkularität, Perspektiventwicklung, Problembewältigung, Konstruktivismus, Kommunikation, Subjektive Bedeutung, Therapeutische Beziehung, Identitätsfacetten, Wissenskonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie systemisches Denken und systemtherapeutische Methoden in die kunsttherapeutische Praxis integriert werden können.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Die Arbeit umfasst Themen wie systemisches Denken, die Entwicklung der Systemischen Therapie, Ressourcennutzung, Perspektiventwicklung und die subjektive Bedeutung in der Therapie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist, einen theoretischen und praktischen Rahmen für die Systemische Kunsttherapie zu schaffen und die wichtigsten Elemente dieser Arbeitsweise verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit systemtheoretischen Ansätzen und deren Übertragung auf kunsttherapeutische Settings.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden unter anderem die Grundlagen des systemischen Systems, spezifische Techniken zur Ressourcenaktivierung sowie Methoden zur Förderung neuer Perspektiven bei Klienten detailliert beschrieben.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Keywords wie Systemische Kunsttherapie, Ressourcenaktivierung, Zirkularität, Lösungsfokussierung und Perspektiventwicklung stehen im Zentrum der Arbeit.
Was bedeutet der Begriff 'zirkuläres Fragen' in der Systemischen Therapie?
Beim zirkulären Fragen werden Gefühle und Reaktionen einer Person nicht direkt abgefragt, sondern über eine dritte Person (z.B. "Was glaubst du, wie sich deine Mutter fühlt, wenn sie deinen Vater weinen sieht?"), um neue Sichtweisen zu eröffnen.
Warum ist die Ressourcenaktivierung für den Therapieerfolg so entscheidend?
Ressourcen dienen als Motor für Veränderungen und verbessern die Beziehung zwischen Therapeut und Klient, was laut Studien einen wesentlichen Teil des Therapieerfolgs ausmacht.
Wie werden Probleme in der Systemischen Kunsttherapie betrachtet?
Probleme werden systemisch betrachtet, d.h., sie haben eine Funktion innerhalb eines bestimmten Kontextes und sind nicht einfach nur isolierte Bestandteile des Menschen.
Was ist die Rolle des Therapeuten in der Systemischen Kunsttherapie?
Der Therapeut agiert nicht als Instanz, die die 'Wahrheit' vorgibt, sondern als Moderator, der den Klienten dabei unterstützt, seine eigene subjektive Bedeutung in einer bildnerischen Gestaltung zu finden und auszudrücken.
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- Lisa Merkle (Author), 2011, Systemische Kunsttherapie. Systematisches Denken, Perspektiventwicklung und Problembewältigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280195