Die Arbeit strebt eine Systematisierung der Vorgehensweise bei der Resolution von Kontiguitätsanaphern an. Dafür widmet sich der theoretische Rahmen dieser Überlegungen der Darstellung und Beschreibung von Kontiguitätsanaphern, wobei anschließend ein auf der Rhetorischen Strukturtheorie basierender Auflösungsansatz entwickelt wird. Weiterhin handelt es sich im empirischen Teil dieses Beitrags um die Erprobung dieses anaphorischen Auflösungsansatzes am Beispiel einiger Texte. Am Ende der Erprobung ergibt sich, dass der entwickelte Auflösungsansatz sich am bestens für die Auflösung von indirekten NP-Anaphern eignet als für die von indirekten pronominalen Anaphern. Darüber hinaus ist auch festzustellen, dass der entwickelte Auflösungsansatz nur um eine Uniformierung bzw. Systematisierung der Auflösungsvorgehensweisen um etwa 70% gekommen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangspunkt und Problemstellung
1.2 Kontiguitätsanapher und ihre diversen Formen
2 Theoretische Vorgehensweise
2.1 Die Rhetorische Strukturtheorie(RST)
2.2 Entwurf des Auflösungsansatzes
3 Einsatz des Auflösungsansatzes
3.1 Nominalphrasenanaphern
3.2 Pronominalanaphern
4 Schlussbemerkung und Grenzen des Auflösungsansatzes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt auf die Systematisierung der Vorgehensweise bei der Resolution von Kontiguitätsanaphern ab. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob eine auf der Rhetorischen Strukturtheorie (RST) basierende Methode genutzt werden kann, um indirekte anaphorische Konstruktionen systematisch zu identifizieren und aufzulösen.
- Theoretische Grundlagen zur Beschreibung von Kontiguitätsanaphern
- Anwendung der Rhetorischen Strukturtheorie (RST) zur Textanalyse
- Entwicklung eines methodischen Auflösungsansatzes für indirekte Anaphern
- Empirische Erprobung des Modells an ausgewählten Textbeispielen
- Vergleichende Analyse von Nominalphrasen- und Pronominalanaphern
Auszug aus dem Buch
1.2 Kontiguitätsanapher und ihre diversen Formen
Noch als assoziative Anaphern (Kleiber 2001a), Kontiguitätsanaphern oder noch inferierte Anaphern (Pause 1991) genannt, werden indirekte Anaphern von Schwarz (2000a) als definite Nominalphrasen, die, im Gegensatz zu direkten Anaphern, keinen expliziten bzw. direkten Antezedent-ausdruck im Vordertext haben. An der Stelle eines Antezedent-ausdruckes steht ein Bezugswort, das noch als Anker bezeichnet wird, mit dem der wiederaufnehmende Ausdruck (Anapher) in keiner Koreferenzbeziehung steht (vgl. Finkbeiner 2018: 194). Dieser Ankerausdruck wird noch als impliziter, indirekter, inhaltlicher Antezedent genannt, denn er pflegt mit der Anapher eine systematische (schematische, semantische oder Diskursbasierte) Beziehung. (ebd.: 194)
Ebenso wie beim Verstehen direkter Anaphorik, erfordert die völlige Interpretation einer indirekten Anapher einen Bezugsausdruck (Kenntnisse über den Textreferenten). Jedoch im Gegensatz zur Auflösung direkter Anaphorik, wobei die Identifizierung des Antezedenten insbesondere über grammatische Kongruenzen zwischen potentiellen Bezugswörtern und der direkten Anapher erfolgt, erfordert die Identifizierung des Ankerausdrucks von dem Rezipienten den Abruf, durch kognitive Operationen, von zusätzlichen Wissen. Dies geschieht durch die Etablierung von Brückenannahmen. Noch als Bridging oder Inferenz genannt, verweist der Begriff Brückenannahme auf die Bildung von Hypothesen, die die möglichen Bezüge zwischen Anaphern und ihrem jeweiligen Ankerausdruck erklären können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung benennt den Forschungsgegenstand und begründet das Ziel, eine einheitliche Theorie zur Auflösung von Kontiguitätsanaphern zu entwickeln, da bisherige Beschreibungen oft unzureichend systematisiert sind.
2 Theoretische Vorgehensweise: Das Kapitel führt in die Rhetorische Strukturtheorie (RST) als Analysewerkzeug ein und entwirft auf dieser Basis einen methodischen Ansatz zur Auflösung indirekter Anaphern.
3 Einsatz des Auflösungsansatzes: Die praktische Anwendung des entwickelten Modells wird anhand von Beispielanalysen für Nominalphrasenanaphern und Pronominalanaphern demonstriert.
4 Schlussbemerkung und Grenzen des Auflösungsansatzes: Das Fazit reflektiert die Leistungsfähigkeit des Modells und räumt ein, dass der Entwurf eines systematischen Beschreibungsmodells trotz der Nutzung etablierter Theorien noch Optimierungspotenzial aufweist.
Schlüsselwörter
Kontiguitätsanapher, Anker, indirekte Anaphorik, Rhetorische Strukturtheorie, RST, Resolution, Textkohärenz, Brückenannahmen, Bridging, Inferenz, Nominalphrasenanaphern, Pronominalanaphern, Gattungsanaphern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Systematisierung der Vorgehensweise zur Auflösung von sogenannten Kontiguitätsanaphern, also indirekten, nicht-koreferenten anaphorischen Bezügen in Texten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft die linguistische Anapherntheorie mit der Rhetorischen Strukturtheorie (RST), um kohärente Textstrukturen für die Analyse dieser speziellen Sprachphänomene nutzbar zu machen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der Entwurf eines systematischen Modells, das eine einheitliche und nachvollziehbare Auflösung indirekter Anapher-Anker-Beziehungen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Rhetorische Strukturtheorie (RST), um inhaltliche Zusammenhänge zwischen Textblöcken zu identifizieren, die als Basis für die Auflösung der indirekten Anaphern dienen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Vorüberlegungen zur RST sowie empirische Analysen verschiedener Textarten, an denen der Auflösungsansatz für Nominalphrasen und Pronomina erprobt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Kontiguitätsanapher, Anker, indirekte Anaphorik sowie die Rhetorische Strukturtheorie (RST).
Warum wird die Rhetorische Strukturtheorie für die Analyse gewählt?
Der Autor wählt die RST, weil sie die Analyse inhaltlicher Strukturen von Texten ermöglicht, was für die Auflösung indirekter Anaphern, die oft auf semantischen Inferenzen beruhen, essenziell ist.
Wie schränkt der Autor die Anwendbarkeit seines Modells ein?
Der Autor stellt fest, dass sein Modell die Auflösungsvorgänge zwar zu etwa 70 % uniformieren kann, aber in einigen Fällen weiterhin auf individuelle Teilerklärungsansätze des Analysierenden angewiesen bleibt.
- Arbeit zitieren
- Nelson Leroi Sofac Fogo (Autor:in), 2022, Zur Systematisierung der Vorgehensweise bei der Resolution von Kontiguitätsanaphern. Entwurf eines Auflösungsansatzes auf Basis der Rhetorischen Strukturtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281106