Ab wann beginnt menschliches Leben?
Eine Frage, die nicht nur in Bezug zu der immer wieder diskutierten Abtreibungsproblematik steht, sondern die auch Kernpunkt der Diskussion um die Forschung an und mit Stammzellen ist.
Vor dem Hintergrund, ob menschliches Leben bereits außerhalb des Mutterleibes beginnen kann, brach Ende des letzten Jahrtausends die erste große Auseinandersetzung über die Stammzellendebatte in der Öffentlichkeit aus.
„Hoffnung für die einen – Töten für die anderen“ schrieb die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am 12.07.2001 kurz vor der Novellierung des Embryonenschutzgesetzes und trifft damit die Hauptschlagader der von der Bundesministerin für Bildung und Forschung Dr. Annette Schavan 2008 als „ethisches Dilemma“ bezeichneten Problematik.
Während für die Befürworter der Stammzellenforschung medizinische Fortschritte und die Heilung chronischer Krankheiten das schlagkräftigste Argument darstellt, bezeichnen ihre Gegner sie als „Eingriff in die Schöpfung“, was gleichzeitig eine Beteiligung der Kirche an dieser Diskussion impliziert.
Nach einer Aufzeichnung der juristischen und medizinischen Seite der Stammzellenforschung soll in dieser Arbeit daher die kirchliche Position zu diesem Thema erläutert werden.
In einer abschließenden Diskussion werden die verschiedenen Positionen reflektiert und gegeneinander abgewogen und beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stammzellen – Differenzierung und Forschungsstand
3. Die juristische Seite - das Stammzellgesetz
4. Die kirchliche Seite
4.1 Das christliche Menschenbild
4.2 Kirchliche Haltung zur Stammzellenforschung
5. Pro und Contra der Stammzellenforschung
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische und juristische Debatte rund um die Stammzellenforschung in Deutschland, wobei der Fokus insbesondere auf der kirchlichen Position und deren Auseinandersetzung mit dem medizinischen Fortschritt liegt.
- Grundlagen der Stammzellbiologie und Definitionen
- Juristische Rahmenbedingungen durch das Stammzellgesetz
- Das christliche Menschenbild und die daraus resultierende Bioethik
- Argumentationsmuster in der Pro- und Contra-Debatte
- Suche nach ethisch unbedenklichen Alternativen
Auszug aus dem Buch
4.2 Kirchliche Haltung zur Stammzellenforschung
Als erstes kann festgehalten werden, dass bei der Stammzellenforschung humane Macht die Ohnmacht des Embryos dominiert. Es herrscht die Machtperspektive eines Wissens um den Menschen, in dem die Ohnmacht des menschlichen Lebens im Anfangsstadium übergangen wird. Dabei gibt es für den Embryo keine Möglichkeit sich aus freiem Willen heraus „aufzuopfern“, sondern kann er dem Leben schwerkranker Menschen nur durch das „Geopfert werden“ zu menschlichem Leben verhelfen.
Der Opfergedanke ist aber in diesem Fall ungeeignet, da sich ein Mensch, um das Gut eines anderen Willen, lediglich sich selbst und das allein aus eigenem freien Willen opfern kann. Das so genannte „Eigenpotenzial“ des Embryos darf dabei nicht verschwiegen werden. In der Stellungnahme des Sekretärs der Deutschen Bischofskonferenz zur öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikabschätzung des Deutschen Bundestages zum Thema Stammzellenforschung am 09.Mai 2007 in Berlin heißt es unter anderem, dass dem Embryo Lebensrecht und uneingeschränkter Lebensschutz ab dem Zeitpunkt der Befruchtung geschuldet wird.
Die Würde des menschlichen Lebens verbietet es also, dass der Embryo bloß als Material und Mittel zu anderen Zwecken genutzt oder nur erzeugt wird. Im Hinblick darauf, kann die Forschung am angeborenen Leben nur soweit gebilligt werden, wie sie der Erhaltung und Förderung dieses bestimmten individuellen Lebens dient. Da die Heilung für bisher noch unheilbare Krankheiten nicht losgelöst ist von den Methoden, mit denen dies erreicht werden kann und diese Methoden zwangsläufig auf die Tötung von Embryonen hinauslaufen, erweisen diese sich als inakzeptabel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die ethische Problematik der Stammzellenforschung ein und stellt die Frage nach dem Beginn menschlichen Lebens in den Kontext der kirchlichen und wissenschaftlichen Debatte.
2. Stammzellen – Differenzierung und Forschungsstand: Das Kapitel erläutert die biologischen Unterschiede zwischen embryonalen, adulten und tierischen Stammzellen und deren jeweiliges Differenzierungspotenzial.
3. Die juristische Seite - das Stammzellgesetz: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen in Deutschland, insbesondere das Embryonenschutzgesetz und die Stichtagsregelung für den Import embryonaler Stammzellen, detailliert dargelegt.
4. Die kirchliche Seite: Dieses Kapitel analysiert das christliche Menschenbild und die daraus abgeleitete ablehnende Haltung der Kirche gegenüber der Forschung, die den Verbrauch von Embryonen erfordert.
5. Pro und Contra der Stammzellenforschung: Eine Gegenüberstellung der Argumente für medizinisches Heilungspotenzial und der ethisch-moralischen Bedenken hinsichtlich des Schutzes des menschlichen Lebens.
6. Ausblick: Der Ausblick resümiert die Unvereinbarkeit der verschiedenen Positionen und beleuchtet neue wissenschaftliche Ansätze wie die Reprogrammierung als mögliche ethische Alternativen.
Schlüsselwörter
Stammzellen, Embryonenschutzgesetz, Stammzellgesetz, christliches Menschenbild, Bioethik, Lebensschutz, Medizinethik, Embryo, Forschung, Stammzellenforschung, Adulte Stammzellen, Personenwürde, therapeutische Verfahren, ethisches Dilemma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem ethischen und rechtlichen Konflikt zwischen dem medizinischen Potenzial der Stammzellenforschung und dem Schutz menschlicher Embryonen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Biologie von Stammzellen, das deutsche Stammzellgesetz sowie die christliche Ethik im Kontext des Schutzes menschlichen Lebens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die kirchliche Position in der Stammzellendebatte zu erläutern und diese in den Kontext der gesellschaftlichen und gesetzlichen Diskussion zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine wertorientierte Analyse theologischer und juristischer Texte, um die Argumente der verschiedenen Akteure gegenüberzustellen und kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die biologischen Grundlagen, die Rechtslage in Deutschland, das christliche Verständnis vom Menschsein und die konträren Argumente der Befürworter und Gegner der Stammzellenforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Stammzellen, Lebensschutz, Embryonenschutzgesetz, christliches Menschenbild und medizinische Forschung charakterisiert.
Warum spielt die Stichtagsregelung eine so große Rolle?
Die Stichtagsregelung dient dazu, den Import von embryonalen Stammzellen zeitlich zu begrenzen, um zu verhindern, dass die Forschung Anreize für die gezielte Erzeugung und Zerstörung neuer menschlicher Embryonen schafft.
Wie begründet die Kirche ihre Ablehnung?
Die Kirche begründet ihre Ablehnung damit, dass dem Embryo ab der Kernverschmelzung ein uneingeschränkter Lebensschutz und Personenwürde zukomme, weshalb er nicht als bloßes Mittel für Forschungszwecke dienen darf.
- Arbeit zitieren
- Claudia Waindok (Autor:in), 2008, „Hoffnung für die einen – Töten für die anderen“: Pro und Contra der Stammzellproblematik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128245