Die Bedeutung von Geschlecht und Alter bei der Entstehung von Freundschaften. Welche Relevanz hat das Thema für die Soziale Arbeit?


Ausarbeitung, 2020

14 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Freundschaft
2.1. Freundschaften im Kindergartenalter
2.1.1. Freundschaft und Geschlecht im Kindergartenalter
2.2. Freundschaft im fortgeschrittenen Alter
2.2.1. Freundschaft und Geschlecht im Alter

3. Vergleich

4. Kritik

5. Relevanz des Themas für die soziale Arbeit

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Freundschaften sind in jedem Alter ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Umfelds eines Menschen und beeinflussen die Persönlichkeitsentwicklung eines Individuums (Hahmann 2013, S. 77). In dieser Ausarbeitung wird der Blick nicht nur auf Freundschaft und ihr Einfluss im Allgemeinen gerichtet, sondern auf die geschlechtsspezifische Abhängigkeit von Freundschaften im Kindergarten im Gegensatz zum Alter. Spielt das Geschlecht schon im Kindergarten eine Rolle bei der Entstehung von Freundschaft? Und wenn ja, welche und wie lässt sich diese vergleichen zu der Rolle des Geschlechts in Freundschaften in höherem Alter? Dazu wird im ersten Schritt erläutert, was im Allgemeinen unter Freundschaft verstanden wird. Darauffolgend wird beschrieben, was Freundschaft speziell im Kindergartenalter bedeutet und wodurch sie gekennzeichnet ist und schließlich wird die Bedeutung des Geschlechts in diesen Freundschaften untersucht. Außerdem wird ein Überblick über Freundschaften im Alter gegeben und wie diese vom Geschlecht abhängig sind. Abschließend soll versucht werden, einen Vergleich zu ziehen zwischen der geschlechtsabhängigen Freundschaft im Kindergartenalter zu derselben im Alter und die Relevanz des Themas für die Arbeit der Sozialpädagogik soll dargestellt werden.

2. Freundschaft

Freundschaft kann definiert werden als eine „besonders enge, auf Gegenseitigkeit angelegte positive Beziehung“ (Lohaus/Vierhaus 2015, S. 222) zueinander. Sie ist gekennzeichnet durch ihre Freiwilligkeit, die bedingt ist durch Sympathie, Attraktivität, ähnlichen Lebenswelten und gemeinsame Interessen (Neuß/ Schäfer 2017, S. 27, zitiert nach Wehner 2009, S. 403). Damit eine Freundschaft entsteht und andauert müssen beide Parteien dazu ein Beitrag leisten (Neuß/ Schäfer 2017, S. 27, zitiert nach Wehner 2009, S. 404). Die Anforderungen, die ein Aufbauen und Erhaltung an Freundschaft stellt, sind vielfältig. Unter anderem müssen Kompromisse eingegangen werden, Konflikte müssen gelöst werden und es muss miteinander kommuniziert werden. Diese Anforderungen und ein respektvoller Umgang miteinander müssen gewährleistet sein als Basis einer wechselseitigen Freundschaft (Neuß/ Schäfer 2017, S. 27). Außerdem sind Freundschaften geprägt von einer Ausgeglichenheit von Geben und Nehmen und sind unabhängig von Raum und Zeit, anders als in Arbeitsbeziehungen, so Tesch-Römer und Römer 2010 (Tesch-Römer/Römer/Tesch-Römer 2010, S. 191). Stiehler formulierte zudem, dass in Freundschaften eigene Regeln und Rituale festgelegt werden (Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 191; zitiert nach Stiehler 2009). Desweiteren haben Freundschaften häufig Ähnlichkeiten hinsichtlich des Bildungshintergrundes, der Interessen und dem Alter (Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 191).

2.1. Freundschaften im Kindergartenalter

Freundschaft im Kindergartenalter lassen sich durch einige Merkmale kennzeichnen. Zum einen ist da die tiefe Verbundenheit zwischen zwei Kindern, und zum anderen das Vertrauen und starke Verlässlichkeit aufeinander. Gemeinsames Spielen, individuelle Gemeinsamkeiten und räumliche Nähe sind ebenfalls Faktoren, die in Freundschaften im Kindergartenalter eine Rolle spielen. Die innigen Freundschaften, die entstehen, sind von Faktoren geprägt wie Verständnis, Vertrauen, Empathie und Selbstoffenbarung. Diese Aspekte wurden von Bigelow (1977) und Selman (1984) definiert als höchste Stufe des Freundschaftskonzeptes (Neuß/Schäfer 2017, S. 24; zitiert nach Bigelow (1977) und Selman (1984)).

Andresen und Hurrelmann (2010) bezeichnen Freundschaften aus Sicht der Kindheitsforschung zu bedeutenden Voraussetzungen, um erfolgreich aufzuwachsen und sich entwickeln zu können (Neuß/ Schäfer 2017, S. 26; zitiert nach Andresen/ Hurrelmann 2010, S. 125). Sie fördern die Entwicklung der Persönlichkeit, das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit, hier können sich Kinder ausleben und wohl fühlen (ebd.).

Durch verschiedene Herausforderungen, die der Erhaltung von Freundschaft dienen, liegen jedoch auch Entwicklungschancen sowohl für das prosoziale Verhalten als auch die Autonomie des Kindes. Außerdem wird die Kommunikationskompetenz gefördert (Neuß/ Schäfer 2017, S. 27). Weitere positive Aspekte von Freundschaften im Kindesalter sind unter anderem, dass sich Kinder weniger alleine fühlen, sie lernen Rücksicht aufeinander zu nehmen und werden durchsetzungsfähiger, so Jänsch und Pupeter 2013 (Neuß/Schäfer 2017, S. 28; zitiert nach Jänsch/Pupeter 2013, S. 168). Forschungen ergaben, dass die Sozialerfahrungen mit gleichaltrigen sozialen Beziehungen außerhalb des familiären Systems wesentlich über den Lernprozess innerhalb dieses hinausgehen. Dabei ist ein wesentlicher Faktor die Gleichberechtigung unter gleichaltrigen Freunden und das gegenseitig ebenbürtige Geben und Nehmen. Gleichzeitig bedarf einer Aufrechterhaltung einer Freundschaft mehr Einsatz als bei einem Familiengefüge (Lohaus/Vierhaus 2015, S. 222). Das kognitive Verständnis für Freundschaft entwickelt sich jedoch erst im Grundschulalter. Das Verständnis von Kleinkindern für Freundschaft ist noch in der Entwicklung, unter Freundschaft verstehen sie hauptsächlich das gemeinsame Spielen, räumliche Nähe und der eigene Nutzen. Im Verlauf der ersten Schuljahre kommt es dann zu einer differenzierteren Betrachtung von Freundschaft und Faktoren wie Vertrautheit und emotionale Unterstützung werden wichtig (Lohaus/ Vierhaus 2015, S. 224).

2.1.1. Freundschaft und Geschlecht im Kindergartenalter

Neuß und Schäfer führten eine Studie durch, an der 457 Personen Fragebögen zu „Sandkastenliebe“ beantworteten, die statistisch ausgewertet wurden. Vierzig Interviews wurden teilstandardisiert durchgeführt und qualitativ ausgewertet und einzelne Eltern wurden befragt zu ihrer Sicht auf die Sandkastenliebe ihrer Kinder. Daraus wurden dann verschiedene Arten von Sandkastenliebe identifiziert. Die vier Typen waren die innige Freundschaft, die geprägt war durch eine tiefe Verbundenheit, die Geschwisterbeziehung, bei der Kinder in geschwisterähnlichen Verhältnissen aufwuchsen durch Verwobenheit von familiären Alltag, die kindliche Liebelei und die erste Liebe (Neuß/Schäfer 2017, S. 38). Auf die ersten beiden Beziehungsarten wird vermehrt eingegangen, da hier der Bezug zum Geschlecht in Freundschaften im Verlauf dieser Ausarbeitung hergestellt werden soll. Zwischen einer Sandkastenliebe und einer innigen Freundschaft im Kindergarten sind die Übergänge teilweise fließend, weil bei einer Liebe die körperliche Ebene noch keine oder nur geringe Rolle spielt und romantische Gefühle nicht immer als solche schon bezeichnet wurden in den geführten Interviews. Die Abgrenzung der innigen Freundschaft zu einer Sandkastenliebe schließt jedoch nicht aus, dass körperliche Nähe und spielerische Intimitäten untereinander stattfinden (ebd., S. 24).

Die erste Sandkastenliebe findet dieser Studie zufolge in 95,4 Prozent zwischen gegengeschlechtlichen Kindern statt. Der Rest der Befragten gab eine gleichgeschlechtliche Beziehung an, diese kann jedoch mehr als Form einer innigen Sandkastenfreundschaft eingestuft werden (ebd., S. 38). Die Art der innigen Freundschaft wird in dieser Studie nur zwischen zwei Mädchen herausgestellt. Daraus lässt sich nach Neuß und Schäfer jedoch nicht automatisch schließen, dass es keine derartige Freundschaft zwischen Jungen gäbe. Die Autoren vermuten eher, dass solche eher seltener vorkommen oder weniger wahrgenommen werden unter dem Aspekt der „Sandkastenliebe“ (ebd., S. 25). Die Befragten, die die beste Freundin als „Sandkastenliebe“ im Fragebogen der Studie interpretierten, berichteten davon, dass diese zwar keine romantischen Gefühle im herkömmlichen zum Gegenüber hegten, die Verbindung jedoch sehr innig war und sie daher den Fragebogen zur „Sandkastenliebe“ auf ihre damalige beste Freundin auslegten (ebd., S. 38).

Aus den Studien ging zudem hervor, dass gleichgeschlechtliche innige Freundschaften im Kindergartenalter in zwei Drittel der Fälle auch noch bis in die Gegenwart anhielten. Bei gegengeschlechtlichen Freundschaften oder Beziehungen hielt die Verbindung nur in circa einem Drittel an. Die Gründe hierfür lassen sich nur mutmaßen, zum Beispiel dass die Verankerung bei gleichem Geschlecht fester ist oder eine stärkere Verbindung zwischen beiden herrschte. Eine andere Überlegung ist, dass im Laufe der Entwicklung zwischengeschlechtliche Konflikte entstehen oder eine Phase kommt, in der das andere Geschlecht als „uncool“ gilt und sich so mehr mit dem gleichen Geschlecht verbunden wird (ebd.). Es gab unter den Befragten jedoch auch Angaben dazu, dass eine gegengeschlechtliche Freundschaft im Fragebogen zu Sandkastenliebe zwar angegeben wurde, mehr jedoch verstanden wurde als eine geschwisterähnliche Beziehung zueinander, die auch längerfristig anhielt, jedoch nie romantische Gefühle gehegt wurden. Diese beruht zwar anders als eine Geschwisterbeziehung ebenfalls auf Freiwilligkeit, jedoch ist in diesen geschwisterähnlichen Beziehungen oftmals eine enge Verwobenheit des Alltags der Familien vorhanden oder viele Meilensteine wurden miteinander geteilt. Diese Art der Freundschaft entwickelt sich weniger in Institutionen, mehr innerhalb zweier Familiensysteme (Neuß/ Schäfer 2017, S. 30ff.).

2.2. Freundschaft im fortgeschrittenen Alter

Im fortgeschrittenen Alter ist der Freundeskreis häufig weitaus kleiner im Vergleich zu jüngeren Generationen. Dies kommt vor allem daher, dass vermehrt Menschen sterben und somit das Umfeld an gleichaltrigen Personen kleiner wird (Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 191). Freundschaften im hohen Alter können sowohl noch gekündigt werden, als auch neu entstehen, so Wenger & Jerrome 1999 (Wenger/ Jerrome 1999; zitiert nach Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 191). Die Ansprüche an soziale Unterstützungen liegen im Alter in drei wesentlichen Schwerpunkten: informelle Unterstützung in Form von Rat, emotionale Unterstützung und praktische Hilfen (Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 194). Von Freunden wird Unterstützung im Alter hauptsächlich in der emotionalen Form erwartet, weniger in der praktischen. Fehlen familiäre Kontakte, so erhöht sich die Bedeutung von Freundschaften im Alter (ebd.).

2.2.1. Freundschaft und Geschlecht im Alter

Die Erwartungshaltung von Frauen gegenüber Freundschaft ist eine andere als die von Männern. Während Frauen die Kommunikation wichtig ist, steht für Männer die gemeinsame Aktivität im Vordergrund (Wenger/ Jerrome 1999; zitiert nach Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 196). Diese Annahme belegte auch Wright (Wright 1989, S. 200). Außerdem sind Frauen sensibler, wenn es darum geht, dass Freundschaftspflichten verletzt werden (Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 196; zitiert nach Wenger/ Jerrome 1999). Insgesamt ähneln sich die Erwartungshaltungen an Freundschaften jedoch mehr, als dass es Unterschiede gibt. Für beide Geschlechter ist es zum Beispiel relevant, wie groß der Freundeskreis ist (Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 199). Frauen geben auch an, weniger depressive Symptome zu haben, wenn sie außer dem Partner noch eine weitere Freundin haben, für Männer reicht eine innige Partnerschaft (Antonucci/ Lansford/ Akiyama 2001; zitiert nach Tesch-Römer/ Römer/ Tesch-Römer 2010, S. 199).

Im Alter sind gemischtgeschlechtliche Freundschaften noch relativ ungewöhnlich, da sie häufig noch mit der Tendenz zu einer romantischen Verbindung in Bezug gesehen werden. Das Gegenteilige könnte jedoch auch begünstigt werden: vermutet man ein Nachlassen der sexuellen Interessen, so kann dies eine gemischtgeschlechtliche Freundschaft auch erleichtern (Hahmann 2013, S. 120; zitiert nach Wright 1989, S. 203; Felmlee/ Muraco 2009, S. 325; West et al. 1996, S. 120f.). In der Wissenschaft besteht immer wieder die Frage, ob gemischtgeschlechtliche Freundschaften überhaupt bestehen können oder ob immer eine sexuelle Ausrichtung vorliegt (ebd.). Bei gemischtgeschlechtlichen Freundschaften gaben in einer Studie mehr als ein Viertel der männlichen Personen an, unter den sexuellen Spannung in einer platonischen Freundschaft zu leiden. Circa ein Fünftel gaben an, keine Problematiken innerhalb ihrer gemischtgeschlechtlichen Freundschaft nennen zu können (Hahnmann 2013, S. 128; zitiert nach Sapadin 1988, S. 399). Die Ergebnisse dieser Studien können jedoch nicht ohne weiteres auf Freundschaften im fortgeschrittenen Alter übertragen werden, da sie in verschiedenen Altersgruppen durchgeführt wurden.

Studien zeigten jedoch auch, dass nicht nur das biologische Geschlecht Einfluss auf die Geschlechter innerhalb eines Freundeskreises haben, sondern auch das soziale Geschlecht. Menschen, die sich im sozialen Geschlecht eher dem femininen Typ zuordnen ließen, wiesen wesentlich mehr weibliche Freundinnen im sozialen Umfeld auf. Andersrum gilt dies auch für eher männliche Typen, diese hatten mehr männliche Freunde (Hahmann 2013, S. 121; zitiert nach Reeder 2003, S. 146ff.). Damit lässt sich belegen, dass sich das „Bestreben nach Gleichartigkeit in sozialen Beziehungen“ (Hahmann 2013, S. 121) nicht nur auf das biologische Geschlecht bezieht, sondern auch das soziale (ebd.).

Als Schwierigkeiten, die auftreten können innerhalb von Freundschaften, wurde sowohl von Männern als auch Frauen „Konkurrenz“ als häufigstes genannt in gleichgeschlechtlichen Freundschaften. Diese Studie wurde allerdings mit einer Gruppe unterschiedlichen Alters durchgeführt (Hahnmann 2013, S. 127; zitiert nach Sapadin 1988, S. 391f.). Weitere Konflikte können durch Unverständnis und Zeitmangel entstehen (Hahnmann 2013, S. 128; zitiert nach Sapadin 1988, S. 399).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Geschlecht und Alter bei der Entstehung von Freundschaften. Welche Relevanz hat das Thema für die Soziale Arbeit?
Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V1282626
ISBN (Buch)
9783346741264
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, geschlecht, alter, entstehung, freundschaften, welche, relevanz, thema, soziale, arbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Die Bedeutung von Geschlecht und Alter bei der Entstehung von Freundschaften. Welche Relevanz hat das Thema für die Soziale Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1282626

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