Einleitung
Die Erzählung "Die schwarze Spinne" von Jeremias Gotthelf wird als Novelle bezeichnet. Diese Arbeit soll anhand verschiedener Novellenkennzeichen zeigen, inwieweit "Die schwarze Spinne" eine Novelle ist. Dazu wird der Umfang und damit die Konzentration des Geschehens auf das Wesentliche detaillierter beobachtet. Die unerhörte Begebenheit und der Wendepunkt sollen auch untersucht werden. Weiter müssen das Dingsymbol der Novelle, die Verwandtschaft zum Drama, die Abstraktion einer Novelle und die Rahmen- und Binnenhandlung näher betrachtet werden. Diese Charakteristika sollen zeigen, ob die hier behandelte Erzählung von Jeremias Gotthelf wirklich eine Novelle ist und welche Kennzeichen hauptsächlich zutreffen. Was ist typisch für eine Novelle und inwieweit stimmen diese Eigenschaften mit der "Schwarzen Spinne" überein?
Außerdem soll der Einfluss von Märchen und Sagen besonders behandelt werden, da dies hier eine wichtige Rolle spielt. Die Erzählung scheint sehr realistisch und man glaubt als Leser selbst Teil der Geschichte zu sein. Es kommt einem vor, als ob die ganze Novelle eine Überlieferung aus der Vergangenheit sei, was die Novelle aktueller macht.
Zuerst soll aber untersucht werden, welchen Platz Gotthelf dem Dichtersein einräumt und wie er seine Existenz als Dichter gestaltet. Was hatte er für eine Einstellung zu seinem Beruf als Dichter? Mit welchen Themen beschäftigte sich Jeremias Gotthelf hauptsächlich und welche Rolle spielt dabei die Novelle "Die schwarze Spinne"?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gotthelf als Novelle
2.1 Der Dichter Jeremias Gotthelf
2.2 Novellenkennzeichen
2.2.1 Der begrenzte Umfang einer Novelle
2.2.2 Die unerhörte Begebenheit als Kennzeichen einer Novelle
2.2.3 Wendepunkt und Höhepunkte der Novelle
2.2.4 Das Dingsymbol in der Novelle
2.2.5 Die Novelle als Schwester des Dramas
2.2.6 Die abstrahierende und konzentrierende Kunstform der Novelle
2.2.7 Rahmenhandlung und Binnengeschichten
2.3 Das märchen- und sagenhafte in der Novelle
3 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählung „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gotthelf auf ihre novellistischen Qualitäten. Das primäre Ziel ist es, anhand definierter Gattungskriterien wie dem begrenzten Umfang, der unerhörten Begebenheit, dem Dingsymbol und der strukturellen Gestaltung zu verifizieren, inwieweit Gotthelfs Werk als idealtypische Novelle klassifiziert werden kann.
- Analyse der novellistischen Strukturmerkmale (Rahmen- und Binnenhandlung).
- Untersuchung des Konzepts der „unerhörten Begebenheit“ im Kontext des mythischen Geschehens.
- Deutung der Rolle des Dingsymbols (der Fensterpfosten) als Dreh- und Angelpunkt der Erzählung.
- Vergleich der Novellenform mit dramaturgischen Elementen.
- Betrachtung des Einflusses von Sagen, Mythen und christlicher Überlieferung auf die Gestaltung des Werkes.
Auszug aus dem Buch
Die unerhörte Begebenheit als Kennzeichen in einer Novelle
Auch in „Die schwarze Spinne“ wird eine unerhörte Begebenheit geschildert. Der Mensch ist Kräften ausgesetzt, die er nicht unter Kontrolle halten kann. Es werden Ereignisse erzählt, deren Antriebsgründe nicht erkannt und verstanden werden können. Der Mensch und die Welt werden dem Leser unerklärlich und fremd.
In einem idyllisch gelegenen, schweizerischen Dorf wird bei einer Taufe eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählt, in der eine schwarze Spinne eine Plage über das Land brachte, weil die Menschen einen Pakt mit dem Teufel abschlossen und ihn nicht einhielten. Diese schwarze Spinne wurde in einen Holzbalken mit einem Pfropfen gesteckt, unter dem die Taufgesellschaft sich gerade befindet. Jeder der Leser könnte bei dieser Taufe eingeladen sein und auch an diesem Tisch sitzen. Da die Handlung der Novelle auch heute noch möglich sein könnte, kann sich der Leser als Mitglied in der Dorfgemeinschaft identifizieren. Es wird eine außergewöhnliche Begebenheit erzählt, die für die Hauptpersonen von schicksalsentscheidender Bedeutung ist. Die Spinnenplage verändert das Leben des ganzen Dorfes. Ständige Angst beherrscht das Leben der Dorfbewohner. Selbst nachdem die Spinne im Balken gefangen genommen wurde, ist das Unheil nicht überwunden. Die Spinne kommt erneut aus dem Balken und die alte Gefahr ist wieder aktuell.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, die Erzählung „Die schwarze Spinne“ auf ihre novellistischen Charakteristika hin zu untersuchen.
2 „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gotthelf als Novelle: Dieses Kapitel analysiert detailliert die verschiedenen Merkmale, wie das Dingsymbol, die Rahmenhandlung und den Wendepunkt, um die Gattungszugehörigkeit zu bestimmen.
2.1 Der Dichter Jeremias Gotthelf: Es wird die Rolle Gotthelfs als Dichter, Priester und Heimatfreund beleuchtet, sowie seine Einstellung zum Handwerk des Schreibens.
2.2 Novellenkennzeichen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Gattung Novelle dargelegt und auf das Werk angewendet.
2.2.1 Der begrenzte Umfang einer Novelle: Untersuchung der Konzentration auf das Wesentliche in Gotthelfs Erzählung.
2.2.2 Die unerhörte Begebenheit als Kennzeichen einer Novelle: Analyse des phantastischen Ereignisses und dessen Einbruch in die Alltagswelt.
2.2.3 Wendepunkt und Höhepunkte der Novelle: Herausarbeitung der zentralen Spannungs- und Wendepunkte der Erzählung.
2.2.4 Das Dingsymbol in der Novelle: Untersuchung der Funktion des schwarzen Fensterpfostens als Symbol für die präsente Bedrohung.
2.2.5 Die Novelle als Schwester des Dramas: Vergleich der Erzählstruktur mit dramatischen Gattungen hinsichtlich Aufbau und Zeitablauf.
2.2.6 Die abstrahierende und konzentrierende Kunstform der Novelle: Betrachtung der Abstraktion und Typisierung in der Erzählweise.
2.2.7 Rahmenhandlung und Binnengeschichten: Analyse des Kontrasts zwischen der idyllischen Rahmensituation und dem bedrohlichen Geschehen in den Binnengeschichten.
2.3 Das märchen- und sagenhafte in der Novelle: Erörterung der Einbindung von Sagen, Mythos und christlicher Tradition als Fundament des Werkes.
3 Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse, in dem die Einordnung der „Schwarzen Spinne“ als idealtypische Novelle bestätigt wird.
Schlüsselwörter
Die schwarze Spinne, Jeremias Gotthelf, Novelle, Literaturwissenschaft, unerhörte Begebenheit, Dingsymbol, Rahmenhandlung, Binnenerzählung, christliche Tradition, Bauernwelt, Schicksal, Symbolik, Gattungsanalyse, deutsche Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Erzählung „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gotthelf auf ihre Gattungszugehörigkeit zur Novelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der novellistischen Strukturmerkmale, dem Einsatz von Symbolik, der Rahmenhandlung und der Einbettung in Sagen- und Mythenkontexte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch Anwendung klassischer Novellen-Kennzeichen nachzuweisen, dass es sich bei dem Werk um eine idealtypische Novelle handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der theoretische Definitionsmerkmale der Novellengattung (z.B. nach Tieck oder Goethe) kritisch auf Gotthelfs Erzählung angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Dichters sowie eine detaillierte Prüfung einzelner Gattungsmerkmale wie Wendepunkte, Dingsymbole und die spezifische Rahmen-Binnen-Struktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Novellenkennzeichen wie unerhörte Begebenheit, Dingsymbolik, Rahmenhandlung und die spezifische Verbindung von bäuerlicher Realität mit phantastischen Elementen.
Welche besondere Bedeutung hat das Dingsymbol in der Erzählung?
Der Fensterpfosten dient als konkreter Gegenstand, der die Gefahr der „Schwarzen Spinne“ zeitlos im Werk verankert und die Leser stets an die präsente Bedrohung erinnert.
Wie unterscheidet sich die Rahmenerzählung vom eigentlichen Geschehen?
Die Rahmenerzählung schildert eine idyllische Taufgesellschaft, die einen starken Kontrast zum bedrohlich-zerstörerischen Binnengeschehen bildet, wodurch letzteres eine noch höhere Wirkung erzielt.
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- Michaela Putz (Author), 2001, Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf als Novelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12832