Die Kunst, sich etwas sagen zu lassen - Momente des Verstehens bei Gadamer und Wittgenstein


Magisterarbeit, 2007

104 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wittgensteins Konzeption des Bedeutungsverstehens
1.1 Wittgensteins Anliegen und Vorgehen in den Philosophischen Untersuchungen
1.2 Bedeutung und Verstehen in den Philosophischen Untersuchungen
1.2.1 Die Kritik der ‚Gegenstandstheorie der Bedeutung’ und der Rekurs auf den Gebrauch
1.2.2 Wittgensteins Konzeption sozialer Sprachspiele in Lebensformen.
1.2.3 Das Auffinden von ‚Familienähnlichkeiten’ statt der Suche nach dem ‚Wesen’ des Verstehens
1.2.4 Die Regelhaftigkeit des Verstehens
1.2.5 Private Sprache – ein Widerspruch in sich
1.2.6 Der konkrete Verstehensvollzug
1.3 Bedingungen des Verstehens in Über Gewißheit
1.4 Zusammenfassung und Ausblick auf Gadamer

2. Gadamers Konzeption des Äußerungsverstehens
2.1 Grundzüge der Texthermeneutik Gadamers
2.1.1 Der Zirkel des Verstehens
2.1.2 Vorurteile als Bedingungen des Verstehens
2.1.3 Die Situiertheit des Verstehens und das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein
2.1.4 Tradition und Autorität
2.1.5 Der Anwendungs- und Fragecharakter des Verstehens
2.2 „Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache.“
2.2.1 Sprache als Medium des Verstehens
2.2.2 Sprache im Gespräch
2.2.3 Hermeneutik: die Kunst, sich etwas sagen zu lassen

3. Charakterisierung des Sprachverstehens
3.1 Die Bedingtheit des Sprachverstehens
3.1.1 Die ‚Übereinstimmung in den Urteilen’
3.1.2 Wittgenstein: ein ungeschichtlicher Denker?
3.2 Das praktische Moment des Sprachverstehens
3.2.1 Das ‚Beherrschen einer Technik’
3.2.2 Die ‚Kunst des Zuhörens’
3.2.3 Der Bezug auf das Innere
3.3 Verhältnisbestimmung von Bedeutungsverstehen und ‚hermeneutischem’ Verstehen

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Magisterarbeit beschäftigt sich dem Begriff des Sprachverstehens. Es geht um die Frage, wie das Sprachverstehen, die Fähigkeit zur sprachlichen Verständigung, zu charakterisieren ist. Mit der Bezugnahme auf Ludwig Wittgenstein und Hans-Georg Gadamer wird gleichzeitig der Versuch unternommen, eine Beziehung zwischen der für die sprachanalytische Philosophie zentralen Problematik des Verstehens sprachlicher Bedeutung und der Problematik des ‚hermeneutischen’ Verstehens herzustellen. Es werden also zwei Aspekte des Sprachverstehens thematisiert, die in der Philosophie des 20. Jahrhunderts eine deutlich hervorgehobene Rolle spielen.

Oft fällt angesichts von Selbstverständlichkeiten und Eingespieltheiten gar nicht auf, dass es etwas zu verstehen gibt. Erst, wenn eine Störung auftritt, wenn man etwas nicht versteht, ergibt sich ein Problem des Verstehens. Das Nichtverstehen ist der Grund für das Verstehenwollen, das in der Hermeneutik thematisch wird. Gadamer entwickelt eine philosophische Hermeneutik, die beschreiben will, wie das Verstehen von Äußerungen sich vollzieht, wobei die Interpretation überlieferter Texte im Mittelpunkt steht. Verstehen ist dabei für Gadamer die Verständigung mit dem Text über die Sache, um die es im Text geht. Doch die Hermeneutik hat für Gadamer eine viel weitere Bedeutung. Sie betrifft die gesamte verstehende Welterfahrung der Menschen. Die Verbindung mit Wittgenstein ergibt sich daraus, dass Gadamer die Sprache als das Medium des Verstehens begreift: Die zu verstehende Sache kommt immer sprachlich zu Wort.

Wittgenstein thematisiert auch das Verstehen von Sprachlichem, aber auf gänzlich andere Art und Weise. Ihm geht es um das pragmatische Verstehen der sprachlichen Ausdrücke in ihrer Bedeutung, also um das Wissen darum, wie sie in unterschiedlichen Situationen sinnvoll gebraucht werden können. Sprachliche Bedeutung ist das, was wir verstehen, wenn wir sprechen. Im von der Hermeneutik thematisierten Äußerungsverstehen ist diese elementare Sprachbeherrschung vorausgesetzt. Die Verständigung über eine Sache vollzieht sich auf der Grundlage einer gemeinsamen Sprache.

Wittgenstein wurde schon mehrfach mit der Hermeneutik in Verbindung gebracht. Dieser Versuch wird zunächst dadurch nahe gelegt, dass ‚Verstehen’ sowohl in der Hermeneutik als auch für Wittgenstein ein zentraler Begriff ist. Er wird nicht zuletzt von Gadamer selbst angeregt, der sich in seinen Gesammelten Werken verschiedentlich auf Wittgenstein bezieht, am ausführlichsten in dem Aufsatz Die phänomenologische Bewegung[1]. Ingesamt bemerkt Gadamer ‚eine gewisse Konvergenz’[2] seines eigenen Ansatzes mit Wittgenstein.

In den bisherigen Arbeiten, die Wittgenstein mit der Hermeneutik in Verbindung bringen, zeigen sich zwei gegenläufige Tendenzen. Auf der einen Seite wird von einem hermeneutischen Verstehensbegriff ausgegangen und Wittgenstein im Vergleich dazu als defizitär beurteilt. Der Mangel wird grundsätzlich darin gesehen, dass Wittgenstein die Geschichtlichkeit des Verstehens nicht genug berücksichtigen würde. Beispiele für diese Vorgehensweise sind Arbeiten Karl-Otto Apels[3] und Chris Lawns[4]. Auf der anderen Seite wird der Versuch unternommen, Wittgenstein selbst als Hermeneutiker darzustellen. So schreibt Jörg Zimmermann, dass Wittgensteins späte Philosophie „aufgrund ihres Gegenstands, ihrer Methode bzw. methodischen Voraussetzungen und ihres praktisches Zieles“[5] „in ihren wesentlichen Voraussetzungen Hermeneutik ist.“[6]

In dieser Arbeit wird im Unterschied zu diesen beiden Strategien die Auffassung vertreten, dass Gadamer und Wittgenstein zwei Denker sind, die sich zwar beide mit dem Sprachverstehen befassen, jedoch mit unterschiedlichen Aspekten desselben – wodurch sich der Versuch eines direkten Vergleichs der Verstehenskonzepte erübrigt. Es ergibt sich jedoch die Möglichkeit der Differenzierung des Verstehensbegriffs und der Vermittlung der unterschiedlichen Ansätze in Form einer gegenseitigen Ergänzung. Diese Herangehensweise hat den Vorzug, dass Missverständnisse, die sich aus einer vorschnellen Parallelisierung ergeben, vermieden werden können.

Die Unterscheidung im Begriff des Sprachverstehens lässt sich treffen zwischen einem performativen Sprachverstehen eines Sprechers – der Beherrschung einer Sprache – und dem interpretativen Sprachverstehen eines Hörers.[7] Es ließe sich auch sprechen von einem Vollzugswissen einerseits und der Fähigkeit zum Nachvollzug andererseits.[8] Das Vollzugswissen, das pragmatische Bedeutungsverstehen im Sinne Wittgensteins, wird in der Hermeneutik Gadamers nicht eigens thematisiert, sondern vielmehr vorausgesetzt. Gadamer konzentriert sich ganz auf die Interpretation, in der jedoch die sprachlichen Ausdrücke – Wörter und Sätze – in der Bedeutung verstanden werden müssen, die sie in der Sprache haben. Es ist also gefordert, die Hermeneutik Gadamers durch Ausführungen zum Bedeutungsverstehen zu ergänzen. Dazu sind die Arbeiten Wittgenstein bestens geeignet, da hier die elementare Sprachbeherrschung thematisch wird.

Die Darstellung beginnt im ersten Kapitel mit Wittgensteins Konzeption des Bedeutungsverstehens. Dazu wird vor allem sein spätes Hauptwerk Philosophische Untersuchungen herangezogen. Auf die Bedingungen des Verstehens geht Wittgenstein außerdem in seiner Spätschrift Über Gewißheit ein.

Das zweite Kapitel ist der Hermeneutik Gadamers gewidmet. Dabei steht sein Hauptwerk Wahrheit und Methode im Mittelpunkt, jedoch werden zusätzlich auch spätere Arbeiten herangezogen, die zum Teil eine andere Akzentuierung seiner Hermeneutik erkennen lassen. So geht es dem Gadamer nach Wahrheit und Methode nicht mehr in erster Linie um das Verstehen überlieferter Texte der abendländischen Tradition, sondern mehr – wie Wittgenstein – um das Gespräch zwischen Menschen, die wirklich miteinander reden. Jedoch entwickelt Gadamer in Wahrheit und Methode seine philosophische Systematik, die er in seinen späteren Arbeiten zum Teil auf neue Fragen ausdehnt, doch – trotz einiger Modifikationen – im Großen und Ganzen beibehält.

Es geht in der vorliegenden Arbeit nicht darum, die philosophischen Gesamtkonzepte Gadamers und Wittgensteins in ihrer gesamten Tragweite darzustellen und auf Konsistenz respektive Widersprüchlichkeit zu prüfen, sie zu kritisieren oder zu verteidigen. Vielmehr geht es um diejenigen Einsichten, welche die beiden Denker zum Begriff des Sprachverstehens beitragen. So könnte man zum Beispiel eine ausführliche Thematisierung des Wahrheitsbegriffs vermissen. Doch aufgrund der Eingrenzung der Fragestellung müssen viele interessante Themen unberücksichtigt bleiben – auch wenn sie aufgrund ihrer Nähe zum Verstehensbegriff nicht ganz unberührt bleiben können. Es verbietet sich aufgrund der Abgrenzung der Fragestellung auch, einen Vergleich zwischen den philosophischen Gesamtkonzepten Wittgensteins und Gadamers anzustellen.

Im dritten Kapitel werden die zunächst einzeln dargestellten Konzeptionen Wittgensteins und Gadamers zusammengeführt. Zur Charakterisierung des Sprachverstehens werden zwei Bestimmungen hervorgehoben, die sich sowohl bei Wittgenstein als auch bei Gadamer finden lassen: die Bedingtheit des Verstehens und sein Praxischarakter. Dabei zeigt sich in der Thematisierung der Bedingungen des Verstehens eine deutliche Nähe zwischen beiden Denkern, in der Charakterisierung des Verstehens als praktische Fähigkeit hingegen ihre unterschiedliche Fragestellung. Am Ende des Kapitels wird eine Verhältnisbestimmung des Bedeutungsverstehens und des ‚hermeneutischen’ Äußerungsverstehens vorgenommen.

Es folgt ein kurzes Schlusskapitel.

Die Werke Wittgensteins werden durchgängig nach der Werkausgabe zitiert, indem eine eindeutige Abkürzung des entsprechenden Werkes[9] und eine Paragraphennummer oder die Seitenzahl angeführt werden. Die Werke Gadamers werden, wenn möglich, mit der Abkürzung GW für Gesammelte Werke, der Bandnummer und der Seitenzahl zitiert. Die Sekundärliteratur wird vollständig angegeben.

Zitate sind entweder durch eine kleinere Schriftart und Absetzung vom übrigen Text, oder, in diesen eingearbeitet, mit doppelten Anführungszeichen gekennzeichnet. Kursivschrift kennzeichnet sowohl Werktitel als auch Hervorhebungen im Text. Hervorhebungen in Zitaten werden stets beibehalten, ebenso wie die Schreibweise in der jeweiligen Quelle. Auslassungen und Hinzufügungen in Zitaten sind durch eckige Klammern gekennzeichnet.

1. Wittgensteins Konzeption des Bedeutungsverstehens

In seinem späten Hauptwerk Philosophische Untersuchungen wendet sich Wittgenstein gegen diejenige Sprachauffassung, die eine eindeutige Zuordnung von Wort und Gegenstand in einem Abbildungsverhältnis der Welt durch die Sprache annimmt. Für Wittgenstein stellt die Reduktion der Sprache auf die Benennungs- und Abbildfunktion eine allzu starke Verkürzung des alltäglichen, in sich differenzierten Sprechens dar. Gegen diese Verengung führt Wittgenstein eine Vielzahl von eigenständigen Weisen der Sprache an. Es gibt für Wittgenstein eine Vielzahl von ‚Sprachspielen’, die jeweils für sich ein autonomes Gefüge mit eigenen Regeln bilden und an den Kontext einer konkreten ‚Lebensform’, einer Form der gemeinschaftlichen Praxis gebunden sind, ohne dass sie in eine allgemeine Einheit der Sprache überführt werden können.

Vom Verstehen spricht Wittgenstein vor allem aus der Perspektive des Sprechers, vom performativen Bedeutungsverstehen im Unterschied zum interpretativen Äußerungsverstehen. Es geht Wittgenstein also vor allem um die Frage, was es heißt, etwas unter einem sprachlichen Ausdruck zu verstehen, wenn man ihn in einer bestimmten Weise und im Kontext einer bestimmten Situation verwendet. Dabei steht für Wittgenstein die gemeinsame Praxis einer Sprechergemeinschaft im Vordergrund, die durch eine gewisse Regelhaftigkeit charakterisiert ist. Die Teilnahme an dieser gemeinsamen Praxis und damit das Verstehen im Sinne des richtigen Gebrauchs der Sprache, stellt eine praktische Fähigkeit dar, ein Können. Man muss bestimmte Gebrauchsregeln implizit beherrschen, um sprachliche Ausdrücke richtig zu verstehen.

1.1 Wittgensteins Anliegen und Vorgehen in den Philosophischen Untersuchungen

Die Philosophischen Untersuchungen sind nach dem Tractatus logico-philosophicus Wittgensteins zweites Hauptwerk.[10] Das Werk besteht aus meist kurzen, fortlaufend durchnummerierten Bemerkungen ohne eine formale Gliederung. Wittgenstein selbst schreibt im Vorwort zu seiner Vorgehensweise:

Nach manchen mißglückten Versuchen, meine Ergebnisse zu einem [...] Ganzen zusammenzuschweißen, sah ich ein, daß mir dies nie gelingen würde. Daß das beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden; daß meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Neigung, in einer Richtung weiterzuzwingen. – Und dies hing freilich mit der Natur der Untersuchung selbst zusammen. Sie nämlich zwingt uns, ein weites Gedankengebiet, kreuz und quer, nach allen Richtungen hin zu durchreisen. – Die philosophischen Bemerkungen dieses Buches sind gleichsam eine Menge von Landschaftsskizzen, die auf diesen langen und verwickelten Fahrten entstanden sind.[11]

Doch diese ‚Landschaftsskizzen’ der Philosophischen Untersuchungen bilden einen argumentativ aufgebauten Text, in dem die Grundgedanken immer wieder neu beleuchtet werden. Wittgenstein formuliert zwar nicht ausdrücklich Thesen, doch kann man seine Untersuchungen als Begründung einiger weniger Thesen ansehen. Nach Eike von Savigny lassen sich sogar alle Argumentationen in den Philosophischen Untersuchungen auf zwei zentrale Thesen beziehen, die sie direkt oder indirekt begründen sollen:

These über das Meinen: Daß jemand mit einer Äußerung, mit einer Handlung, mit einem Bild usw. etwas meint (etwas darunter versteht), betrifft ihn nicht isoliert. Vielmehr besteht diese Tatsache darin, daß die Muster seines individuellen Verhaltens in bestimmter Weise in Muster des sozialen Verhaltens in der Gemeinschaft, zu der er gerechnet wird, eingebettet sind.

These über seelische Sachverhalte: Die Tatsache, daß jemand sich etwas vorstellt, etwas erwartet, etwas wünscht, etwas fühlt, an etwas denkt oder etwas beabsichtigt usw., betrifft ihn nicht isoliert. Diese Tatsache besteht vielmehr darin, daß die Muster seines individuellen Verhaltens in bestimmter Weise in Muster des sozialen Verhaltens in der Gemeinschaft, zu der er gerechnet wird, eingebettet sind.[12]

Die erste These über das Meinen ist ein Spezialfall der zweiten These über die seelischen Sachverhalte. V. Savigny führt sie deshalb gesondert an, weil sie in den Philosophischen Untersuchungen, besonders in den Abschnitten 1-315, eine deutlich hervorgehobene Rolle spielt[13] und gewissermaßen das Paradigma für die spätere Argumentation bezüglich der seelischen Sachverhalte darstellt.

Dieser Bestimmung der Stoßrichtung Wittgensteins in den Philosophischen Untersuchungen ist im Wesentlichen zuzustimmen. Wittgenstein betont die soziale, öffentliche und die praktische Dimension sprachlicher Bedeutung und sprachlichen Verstehens. Danach ist es nicht möglich, dass ein einzelner Mensch unabhängig von der sozialen Praxis einer Gemeinschaft etwas meinen oder verstehen kann. Bedeutung sprachlicher Ausdrücke ist immer geteilte Bedeutung aufgrund einer gemeinsamen Verwendung und rührt nicht daher, dass sich ein einzelner Sprecher individuell der Bedeutung eines Ausdrucks zuwendet.

Seine gesamte Untersuchung nennt Wittgenstein eine ‚grammatische’[14], was bedeutet, dass er „nicht ein Phänomen (z.B. das Denken), sondern einen Begriff (z.B. den des Denkens), und also die Anwendung eines Worts“[15] analysiert. Philosophische Probleme gehen für Wittgenstein oft aus einem Missbrauch der Sprache hervor. Gebrauch und Missbrauch von Sprache beschreibt er als das ‚Arbeiten’ und das ‚Feiern’ der Sprache.[16] Es geht ihm in seinem Philosophieren nun darum, das ‚Arbeiten’ der Sprache in ihrem lebenspraktischen Kontext zu erhellen.

Dabei ist der unhintergehbare Horizont des Philosophierens die Sprache des Alltags, aus der auch mögliche Idealsprachen abgeleitet werden müssen.[17] Wittgenstein vergleicht die zu erhellende Umgangssprache mit einer alten Stadt, mit ihrem „Gewinkel von Gäßchen und Plätzen, alten und neuen Häusern, und Häusern mit neuen Zubauten aus verschiedenen Zeiten“[18]. Hier ist es schwer, sich auszukennen und Wittgensteins Aufgabe gleicht der eines Fremdenführers, der Besuchern einer ihnen unbekannten Stadt einen Überblick über diese zu geben verhilft.[19] Wittgenstein begreift seine Philosophie nicht als die Lehre eines philosophischen Systems, sondern als eine Tätigkeit[20] – er betreibt ein Philosophieren im Sinne eines Handelns, das zur Klärung der Gedanken beiträgt. „Ein philosophisches Problem“, schreibt Wittgenstein, „hat die Form: ‚Ich kenne mich nicht aus.’”[21]

Philosophische Probleme entstehen nach Wittgenstein häufig durch irreführende Vorstellungen von der Sprache, zum Beispiel, wenn man denkt, dass sie immer in der gleichen Weise funktionieren müsse: ‚Substantive so, Verben so.’[22] Vorurteile dieser Art lassen sich für Wittgenstein dadurch bewältigen, dass man darauf achtet, wie die Sprache in ihrem alltäglichen faktischen Gebrauch arbeitet – nämlich nicht immer gleichförmig. Es geht Wittgenstein nicht darum, etwas hinter der Sprache Verborgenes aufzuspüren, sondern die offen daliegende Verwendung zu beschreiben, „nur Äußerliches über die Sprache vor[zu]bringen“[23] und in einer ‚übersichtlichen Darstellung’[24] das Verständnis für die Zusammenhänge der Einzelheiten zu vermitteln, Orientierung und Überblick herzustellen. Es geht nicht um die natürliche Ordnung, sondern um ‚eine Ordnung zu einem bestimmten Zweck’[25] – nämlich dazu, die philosophischen Probleme aufzulösen, die von einem Trieb herrühren, das Arbeiten unserer Sprache zu missverstehen.

Dieser Beschreibung des Sprachgebrauchs, in der es vermieden werden soll, Sachverhalte zu postulieren, etwa ein Vorbild aufzustellen, dem die Wirklichkeit dann zu entsprechen habe[26], stellt Wittgenstein das theoriegeleitete Erklären gegenüber:

Und wir dürfen keinerlei Theorie aufstellen. Es darf nichts Hypothetisches in unsern Betrachtungen sein. Alle Erklärung muß fort, und nur Beschreibung an ihre Stelle treten.[27]

Mit ‚Erklärung’ meint Wittgenstein nicht allgemein eine Sinn erhellende Darstellung, sondern spezieller eine Darstellung, die an den exakten Wissenschaften orientiert ist[28] und bei der Betrachtung der Sprache stark vereinheitlichende Vorannahmen macht. Dann entstehen nämlich die philosophischen Probleme: wenn die Sprache ‚feiert’, das heißt, nicht in ihrem gewöhnlichen Gebrauch ‚arbeitet’.[29] Durch voreingenommenes reduktionistisch erklärendes Theoretisieren erliegt man leicht einer verzerrten Betrachtungsweise, man „glaubt, wieder und wieder der Natur nachzufahren, und fährt nur der Form entlang, durch die wir sie betrachten“[30]. Dieser Eindruck wird dadurch gestützt, dass man sich ausschließlich an diejenigen Sachverhalte hält, welche die jeweilige Erklärung besonders plausibel erscheinen lassen, sein Denken also in einer ‚einseitigen Diät’ mit nur einer Art von Beispielen nährt.[31]

Durch die Zurückführung auf den alltäglichen Sprachgebrauch verschwindet der falsche Schein der Erklärungsbedürftigkeit.[32] Wittgenstein sieht es als seine Aufgabe an, die Wörter von ihrer metaphysischen, wieder auf ihre alltägliche Verwendung zurück[zuführen]“[33], wobei ‚metaphysische Verwendung’ so zu verstehen ist, dass hier Philosophen sprachliche Ausdrücke wie ‚Ding’, ‚Bedeutung’, ‚Denken’, ‚Vernunft’, ‚Wahrheit’ usw. in einer Weise gebrauchen, die mit der alltäglichen Verwendung nichts zu tun hat und daher nicht im geringsten abgesichert ist.[34] Viele der Bemerkungen in den Philosophischen Untersuchungen sind in Dialogform geschrieben. Die Rollenverteilung ist hier nicht immer klar, doch häufig redet Wittgenstein mit einem imaginären Gegner, dessen falsche Vorstellungen er argumentativ angeht. Wittgenstein stellt dem unausgewiesenen Gebrauch des ‚Metaphysikers’ die Beschreibung des Alltagsgebrauchs gegenüber und erweist den ‚metaphysischen’ Gebrauch dadurch als gegenstandslos.[35] Sein Philosophieren erfüllt somit einen ‚therapeutischen’ Zweck. ‚Metaphysische’ Probleme, die häufig durch falsche Analogiebildungen entstehen, werden als Scheinprobleme entlarvt. Hierfür gibt es „nicht eine Methode der Philosophie, aber Methoden, gleichsam verschiedene Therapien“[36][37].

1.2 Bedeutung und Verstehen in den Philosophischen Untersuchungen

1.2.1 Die Kritik der ‚Gegenstandstheorie der Bedeutung’ und der Rekurs auf den Gebrauch

Es geht Wittgenstein am Anfang der Philosophischen Untersuchungen vor allem um zwei Dinge: zum einen um die Kritik der Vorstellung, dass die Wörter der Sprache Gegenstände benennen und diese Benennung als Zuordnung eines Wortes zu einem Gegenstand die Bedeutung des Wortes ausmacht. Zum anderen richtet er sich gegen den Gedanken, der einzelne hätte von sich aus die Fähigkeit dazu, etwas unter den Wörtern zu verstehen, also Denken oder individuelles Meinen sei die Grundlage für das Sprechen.[38] Das Bild für die Verbindung beider Vorstellungen findet Wittgenstein bei Augustinus, den er in PU 1 zitiert:

Nannten die Erwachsenen irgend einen Gegenstand und wandten sie sich dabei ihm zu, so nahm ich das wahr und ich begriff, daß der Gegenstand durch die Laute, die sie aussprachen, bezeichnet wurde, da sie auf ihn hinweisen wollten. Dies aber entnahm ich aus ihren Gebärden, der natürlichen Sprache aller Völker, der Sprache, die durch Mienen- und Augenspiel, durch die Bewegungen der Glieder und den Klang der Stimme die Empfindungen der Seele anzeigt, wenn diese irgend etwas begehrt, oder festhält, oder zurückweist, oder flieht. So lernte ich nach und nach verstehen, welche Dinge die Wörter bezeichneten, die ich wieder und wieder, an ihren bestimmten Stellen in verschiedenen Sätzen, aussprechen hörte. Und ich brachte, als nun mein Mund sich an diese Zeichen gewöhnt hatte, durch sie meine Wünsche zum Ausdruck.[39]

Es geht Wittgenstein nicht darum, Augustinus zu widerlegen, sondern er nimmt das Augustinus-Zitat paradigmatisch für eine bestimmte, in der abendländischen Denktradition tief verwurzelte Sichtweise der Sprache, die nicht zuletzt für Wittgensteins eigene Namenstheorie der Bedeutung in seiner Frühschrift Tractatus logico-philosophicus bestimmend ist .[40] Wörter werden hier grundsätzlich als Namen angesehen, die etwas bezeichnen. Wort und Gegenstand werden einander durch Zuwendung zugeordnet und der Gegenstand macht die Bedeutung des Wortes aus. Es geht Wittgenstein darum, die Begrenztheit dieses Bildes der Sprache, dieses allgemeinen Begriffs der Bedeutung, der „das Funktionieren der Sprache mit einem Dunst umgibt, der das klare Sehen unmöglich macht“[41], zu erweisen.

In PU 2 führt Wittgenstein das Beispiel einer ‚primitiven Sprache’ an, die für Augustins Beschreibung zutreffend sein soll: Die Wörter ‚Würfel’, ‚Säule’, ‚Platte’ und ‚Balken’ bezeichnen Gegenstände, die ein Gehilfe einem Bauenden auf dessen Zuruf hin zureicht. Diese ‚vollständige primitive Sprache’[42] hat wenig Ähnlichkeit mit einer Sprache im üblichen Sinne; die beiden Akteure verhalten sich wie Automaten, die in völlig determinierter Weise kommunizieren. Allerdings betont Wittgenstein die Umstände des Gebrauchs der sprachlichen Äußerungen. Die Ausrufe des Bauenden sind in einen Zusammenhang des gemeinsamen Handelns eingebettet, weshalb der Gehilfe auf den Zuruf nur in erlernter Weise reagieren muss.

Eine ‚primitive Sprache’ wie in PU 2 beschreibt ein ‚System der Verständigung’[43], welches allerdings nicht unser gesamtes Sprechen charakterisiert, sondern nur eine von vielen Funktionen sprachlicher Äußerungen.[44] Der ‚allgemeine Begriff der Bedeutung der Worte’, ein Begriff, der die Bedeutung und damit das Verstehen einheitlich beschreibt, weil er eine Funktion der Sprache verallgemeinert, verstellt den Blick auf das tatsächliche, kontextgebundene Funktionieren der Sprache. Die Verwendungen der Wörter in ihrem tatsächlichen Gebrauch sind sehr unterschiedlich und erfüllen unterschiedliche Funktionen, nicht nur die der Benennung. Wittgenstein verdeutlicht die Vielfalt der Funktionsweisen sprachlicher Ausdrücke anhand der Analogie mit verschiedenen Werkzeugen:

Denk an die Werkzeuge in einem Werkzeugkasten: es ist da ein Hammer, eine Zange, eine Säge, ein Schraubenzieher, ein Maßstab, ein Leimtopf, Leim, Nägel und Schrauben. – So verschieden die Funktionen dieser Gegenstände, so verschieden sind die Funktionen der Wörter. (Und es gibt Ähnlichkeiten hier und dort.)

Freilich, was uns verwirrt ist die Gleichförmigkeit ihrer Erscheinung, wenn die Wörter uns gesprochen, oder in der Schrift und im Druck entgegentreten. Denn ihre Verwendung steht nicht so deutlich vor uns. Besonders nicht, wenn wir philosophieren![45]

Es macht nicht das Wesen der Sprache aus, dass Wörter für Gegenstände als ihre Bedeutung stehen. Diese in der philosophischen Tradition äußerst beliebte Auffassung lässt sich schon dadurch als irreführend kennzeichnen, dass die Bedeutung eines Namens auch dann noch weiterlebt, wenn der Träger schon nicht mehr existiert.[46] Die Wörter einer Sprache werden unterschiedlich gebraucht und lassen sich nicht alle auf eine Formel nach dem Muster ‚Das Wort ... bezeichnet ...’[47] bringen. Denn „dadurch, daß man [...] die Beschreibungen des Gebrauchs der Wörter anähnelt, kann doch dieser Gebrauch nicht ähnlicher werden!”[48] Die philosophische Suche nach dem einen gemeinsamen Merkmal, das die Einheitlichkeit der Sprache ausmacht, verstellt den Blick auf die wahren Unterschiede:

Denke dir, jemand sagte: „Alle Werkzeuge dienen dazu, etwas zu modifizieren. So, der Hammer die Lage des Nagels, die Säge die Form des Brettes, etc.“ – Und was modifiziert der Maßstab, der Leimtopf, die Nägel? – „Unser Wissen um die Länge eines Dings, die Temperatur des Leims, und die Festigkeit der Kiste.“ – Wäre mit dieser Assimilation des Ausdrucks etwas gewonnen?[49]

Die Werkzeugmetapher ist nicht in der Weise zu verstehen, dass Wittgenstein die ganze Sprache als Werkzeug zu einem bestimmten Zweck ansieht. Die Analogie gilt nur für Wörter als Bestandteile einer Sprache, insofern sie bedeutungsvoll gebraucht und somit verstanden werden. Diese ‚Werkzeuge’ erfüllen unterschiedliche Zwecke und es lässt sich nicht in Rückführung auf eine Funktionsweise das Wesen der Sprache als ganze angeben. Fragen nach dem Wesen sind durch die übersichtliche Darstellung der Regeln zu beantworten, nach denen die Wörter verwendet werden:

Das Wesen ist in der Grammatik ausgesprochen.[50]

Eine Funktionsweise kann schon deshalb nicht konstitutiv für die Sprache als ganze sein, weil sie von der übrigen Sprache getragen wird. Semantische Kategorien wie Namen können sich erst in Differenz zueinander im Zusammenhang einer Syntax entwickeln, um zu wissen, an welchen ‚ Platz der Sprache, der Grammatik’[51] das Wort gehört.[52] Gewiss werden Wörter zum Teil durch hinweisende Definitionen erklärt, also durch Hinwendung zu einem Gegenstand, aber ohne den Kontext, in den diese Erklärungen eingebettet sind, könnten sie nicht in eindeutiger Weise verstanden werden.[53] Man muss die Sprache schon beherrschen, um nach einer Benennung fragen zu können oder eine hinweisende Definition verstehen zu können – man muss ‚etwas mit ihr anzufangen’[54] wissen.

In PU 1 beschreibt Wittgenstein eine andere ‚Verwendung der Sprache’[55] als die von Augustinus geschilderte:

Ich schicke jemand einkaufen. Ich gebe ihm einen Zettel, auf diesem stehen die Zeichen: „fünf rote Äpfel“. Er trägt den Zettel zum Kaufmann; der öffnet eine Lade, auf welcher das Zeichen „Äpfel“ steht; dann sucht er in einer Tabelle das Wort „rot“ auf und findet ihm gegenüber ein Farbmuster; nun sagt er die Reihe der Grundzahlwörter – ich nehme an, er weiß sie auswendig – bis zum Worte „fünf“ und bei jedem Zahlwort nimmt er einen Apfel aus der Lade, der die Farbe des Musters hat. – So, und ähnlich, operiert man mit Worten. – „Wie weiß er aber, wo und wie er das Wort ‚rot’ nachschlagen soll und was er mit dem Wort ‚fünf’ anzufangen hat?“ – Nun, ich nehme an, er handelt, wie ich es beschrieben habe. Die Erklärungen haben irgendwo ein Ende. – Was ist aber die Bedeutung des Wortes „fünf“? – Von einer solchen war hier garnicht die Rede; nur davon, wie das Wort „fünf“ gebraucht wird.[56]

Wittgenstein nennt eine ‚vollständige primitive Sprache’ wie diese ein ‚Sprachspiel’[57], hier das Sprachspiel des Verkaufens. Er zielt mit diesem Begriff darauf ab, den Praxischarakter und die Kontextgebundenheit des Verstehens der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke hervorzuheben – eine Charakterisierung, die im Augustinus-Zitat nicht zur Geltung kommt.[58] Die Verwendung der Sprache ist für Wittgenstein selbst eine Praxis, ein Operieren mit Worten, das in einen bestimmten Handlungskontext eingebettet ist. Der Begriff des Sprachspiels wird von Wittgenstein nirgends exakt definiert oder allgemein analysiert. Eine Erläuterung findet sich in PU 7, wo Wittgenstein den Begriff recht weit fasst: ‚Sprachähnliche Vorgänge’[59] des Vorsagens und Nachsprechens, mit denen Kinder ihre Muttersprache lernen, überhaupt primitive Sprachen und „das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie verwoben ist“[60] nennt Wittgenstein ‚Sprachspiel’. Kurz gesagt, sind Sprachspiele in den Philosophischen Untersuchungen Verhaltensabläufe, in denen Sprechen und nichtsprachliche Tätigkeiten in regelmäßiger Weise miteinander verwoben sind.[61]

Die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke, und damit die Möglichkeit, etwas unter ihnen zu verstehen, rührt für Wittgenstein von ihrer Verwendung in Sprachspielen her, durch die gemeinsame soziale Praxis, den Kontext, in dem sie geäußert werden. Es spielt dabei für das Gelingen der Handlung, des Operierens mit Worten, keine Rolle, welche Gegenstände die Zeichen bedeuten, also die Bedeutung im Sinne Augustins. Diese Art zu handeln stellt ein als gegeben vorauszusetzendes Können dar, das sich nicht weiter theoretisch begründen lässt.[62]

Der Sinn des Satzes liegt in seiner Verwendung, in seinem Gebrauch. „[B]esteht der gleiche Sinn der Sätze nicht in ihrer gleichen Verwendung ?“[63] lautet Wittgensteins rhetorische Frage. Verwendungsgleiche Äußerungen sind sinngleich, auch wenn ihre ‚Oberflächengrammatik’[64] unterschiedlich aussieht. Die Bedeutung der Wörter liegt im Gebrauch, das heißt zum Beispiel: Ob das Wort ‚Platte’ eine Platte bezeichnet und das Wort ‚dorthin’ den Ort, auf den jemand zeigt[65], entscheidet sich nicht nach der Zuwendung zum jeweiligen Gegenstand, sondern danach, ob nach erfolgtem Zuruf die Platten an den angezeigten Ort gebracht werden.[66] In vielen Fällen, in denen man von der Bedeutung eines Wortes redet, könnte man stattdessen auch von seinem Gebrauch in der Sprache reden:

Man kann für eine große Klasse von Fällen der Benützung des Wortes „Bedeutung“ – wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung – dieses Wort so erklären: Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.[67]

Wittgenstein hält sich an den normalen Gebrauch der Umgangssprache, in dem die Sprache ‚arbeitet’. Die Frage ‚Was ist sprachliche Bedeutung?’ hat für ihn gar keinen Sinn; die Bedeutung ist kein Etwas neben oder hinter dem Gebrauch:

„Die Bedeutung des Wortes ist das, was die Erklärung der Bedeutung erklärt.“ D.h.: willst du den Gebrauch des Worts „Bedeutung“ verstehen, so sieh nach, was man „Erklärung der Bedeutung“ nennt.[68]

Wittgenstein ersetzt die Frage nach der Definition der Bedeutung eines Wortes durch die Frage, wie sich die Bedeutung eines Wortes erklären lässt, was als Erklärung dafür akzeptiert wird. Die Bedeutung eines Wortes kann also erklärt werden durch die Beschreibung einer typischen Situation, in der wir dieses Wort verwenden, eben durch den Verweis auf unseren Sprachgebrauch. Die Bedeutung z.B. des Wortes ‚Bedeutung’, sein Gebrauch in der Sprache, ist das, was die Erklärung des Gebrauchs von ‚Bedeutung’ in der Sprache erklärt.[69] Im normalen sprachlichen Umgang allerdings spielt die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks überhaupt keine Rolle, wir verstehen ihn auf selbstverständliche Weise. Es muss Missverständnis oder Unverständnis geben, damit Erklärungen erforderlich sind. Sybille Krämer beschreibt Wittgensteins Position folgendermaßen:

Wittgensteins Beitrag zur Frage nach der Bedeutung besteht weniger darin, einer ‚Pragmatisierung der Semantik’ zuzuarbeiten, sondern läuft radikaler darauf hinaus, die Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik selbst für bedeutungslos zu erklären. Und das aus dem einfachen Grund, weil das Semantische – und zwar auch als pragmatisierte Semantik – für das, was Sprache ist, gar nicht von Belang ist. Was das Wort zum Wort, den Satz zum Satz, die Äußerung zur Äußerung macht, wurzelt für Wittgenstein nicht in dem Umstand, daß diese eine Bedeutung haben, Bedeutungen sind gar keine Merkmale der Sprache. [...] Bedeutung kommt nicht in der Sprache vor, sondern ‚nur’ in der Erklärung der Sprache. Das ist die Pointe seiner sprachkritisch inspirierten Bedeutungsreflexionen, die nicht mehr nach der Bedeutung als einer sprachlichen Entität, sondern nach der Verwendung des Wortes ‚Bedeutung’ fragen.[70]

Wittgenstein vertritt also keine ‚Gebrauchstheorie der Bedeutung’ in dem Sinne, dass er die Bedeutung mit dem Gebrauch identifizieren würde, aber man muss den Gebrauch eines Ausdrucks in Sprachspielen studieren, um sich über seine Bedeutung klar zu werden.

1.2.2 Wittgensteins Konzeption sozialer Sprachspiele in Lebensformen

Der Gebrauch sprachlicher Ausdrücke ist für Wittgenstein immer ein gemeinsamer Gebrauch, eine gemeinsame Praxis. Nach der Kritik an der ‚Gegenstandstheorie der Bedeutung’ richtet sich Wittgenstein gegen die Idee eines für die Bedeutung konstitutiven individuellen Meinens. Die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks rührt nach Wittgenstein von seiner jeweiligen Rolle im Sprachspiel. Sie ist kein innerer Zustand einzelner Sprecher. Das Verständnis, das Meinen der Bedeutung, ist kein mentaler Vorgang, der gewissermaßen das Sprechen begleitet und für die Bedeutung konstitutiv ist.[71] Die Möglichkeit, einen Ausspruch z.B. als Befehl zu meinen, und damit ihn als solchen zu verstehen, ergibt sich aus der gesellschaftlichen Praxis. Wir leben in einer Sprechergemeinschaft, in der es die Institution des Befehlens gibt und ein solcher Ausspruch somit in Differenz zu anderen als Befehl verstanden werden kann.[72] Die Bedeutung der sprachlichen Ausdrücke ist von ihrer Rolle im Sprachspiel abhängig, davon, ob eine Konvention, eine ‚Gepflogenheit’[73] besteht und nicht von der Tätigkeit eines einzelnen, sich selbst genügenden Sprechers.[74] Die Bedeutung leitet sich für Wittgenstein nicht vom Meinen der Sprecher her, sondern Sprecher können für ihn nur deshalb etwas meinen, etwas unter den Ausdrücken verstehen, weil Ausdrücke kraft einer bestehenden gesellschaftlichen Praxis schon etwas bedeuten.[75] Sprache ist also nicht möglich ohne eine gemeinsame Praxis, sie ist ein gesellschaftliches Phänomen.

Die Praxiszusammenhänge, in die jeweilige Ausdrucksverwendungen eingebettet sind, die gemeinsamen Handlungsweisen von Sprechergemeinschaften, nennt Wittgenstein ‚Lebensformen’:

Das Wort „Sprach spiel “ soll hier hervorheben, daß das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform.[76]

Lebensformen sind Systeme oder Muster von Tätigkeiten, die den Rahmen für sprachliche Aktivitäten bereitstellen, kulturelle oder soziale Gestalten, in denen verschiedene Sprachspiele möglich sind. Die Übereinstimmung in alltäglichen Sprachspielen charakterisiert, was es heißt, eine Lebensform zu teilen. Es kommt Wittgenstein besonders auf den Zusammenhang der Verwendung sprachlicher Ausdrücke mit selbstverständlich gewordenen Handlungsweisen an.[77] Nicht durch individuelle Meinungen, sondern durch eben dieses Selbstverständliche, das wir normalerweise nicht hinterfragen, ist unsere Lebensform in erster Linie geprägt:

[...] in der Sprache stimmen die Menschen überein. Dies ist keine Übereinstimmung der Meinungen, sondern der Lebensform.[78]

Der Sprachspielbegriff soll betonen, dass Sprache sich nicht unabhängig von den Handlungskontexten, in die sie eingebettet ist, betrachten lässt. Die Einbettung der sprachlichen Äußerungen in komplexe soziale Handlungszusammenhänge, sprich: dass man eine entsprechende Lebensform lebt, macht die menschliche Verwendung der Sprache erst aus. Das – und nicht etwa die Fähigkeit zum inneren Denken – unterscheidet die Menschen von den Tieren. Bei Tieren gibt es keine Lebensformen im Sinne eines hoch differenzierten Sozialverhaltens, in die in gleicher Weise wie bei den Menschen Lautäußerungen eingebettet sind.[79] Wittgenstein setzt gegen das Bild von der inneren Denkarbeit, die dem Sprechen zugrunde liegt, das Bild von der Einbettung in soziale Lebensformen. Demnach ist es nicht so, dass das Denken der Sprache zugrunde liegt, so dass wenn jemand nicht denken, er dann auch nicht sprechen könnte. Die Sprachverwendung ist für Wittgenstein eine Verhaltensweise wie „gehen, essen, trinken, spielen“[80], und wie diese besteht sie nicht in der Übersetzung eines im Inneren unabhängig Vorhandenen nach außen.[81] Zum Verstehen einer Sprache müssen die nichtverbalen Äußerungsumstände, die Tätigkeiten, mit denen die Sprache verwoben ist, berücksichtigt werden, so dass „eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen“[82].

Eine Lebensform begrenzt die Möglichkeiten der Sprachverwendung. Diese bleiben zwar unübersehbar viele, doch es werden dem individuellen Gebrauch Grenzen der Akzeptabilität gesetzt. Doch auch wenn es Unterschiede zwischen Lebensformen gibt, können wir uns das Fremde, z.B. eine fremde Sprache, verständlich machen, indem wir uns – oft von banalen Gemeinsamkeiten ausgehend – die Zusammenhänge erschließen[83]:

Die gemeinsame menschliche Handlungsweise ist das Bezugssystem, mittels dessen wir uns eine fremde Sprache deuten.[84]

In diesem Zusammenhang spielt das Lernen der Sprache eine wichtige Rolle.[85] Augustinus beschreibt das Lernen der Sprache so, dass das Kind Tätigkeiten beherrscht, die schon ein erhebliches Maß an Sprachbeherrschung voraussetzen: wahrnehmen, dass die Erwachsenen einen Gegenstand nennen und sich ihm zuwenden, begreifen, dass sie den Gegenstand durch Laute bezeichnen und auf ihn hinweisen wollen.[86] Das Sprachlernen wird hier so vorgestellt, als wäre dem Kind die Welt vorsprachlich schon gegeben und als könnte es sich nun fragen, welchen Gegenstand die Erwachsenen mit einem bestimmten Sprachzeichen bezeichnen, wie das Fremdsprachenlernen eines Erwachsenen in einem fremden Land, der eine Sprache schon spricht und nun durch Beobachtung und durch hinweisende Erklärungen die fremde Sprache zu lernen versucht.[87] Da man aber, wie oben bereits gesehen, „schon etwas wissen (oder können) [muss], um nach der Benennung fragen zu können“[88] und um eine hinweisende Definition verstehen zu können, kann diese nicht konstitutiv für den Spracherwerb sein. Wittgenstein nennt das Beibringen der Sprache ‚Abrichtung’[89]. Man kann Kindern, solange sie die Sprache lernen und sie noch nicht verstehen, nicht sagen, was sie wann tun oder sagen sollen. Deshalb heißt der Vorgang bei Wittgenstein ‚Abrichtung’ und nicht ‚Erklärung’. Die Abrichtung, die am Anfang steht, muss man sich im Sinne eines Vorzeigens, eines Vor- und Nachmachens und eines Vor- und Nachsprechens vorstellen.[90] Abrichtung ist das Einüben in eine Praxis, wobei nicht explizite Regeln gegeben werden. Um diese zu verstehen, muss man die Sprache schon beherrschen.

Jede Erklärung spielt sich schon innerhalb einer entwickelten Sprache ab, und so stellt die Abrichtungssituation den ‚harten Fels’ dar, an dem sich der ‚Spaten zurückbiegt’[91]. Hier sind die Erklärungen am Ende. Der eingeübte Gebrauch lässt sich für gewöhnlich nicht sinnvoll hinterfragen. Eine befriedigende Antwort z.B. auf die Frage, warum eine bestimmte Farbe ‚gelb’ heißt, wird es wohl nicht geben. Hier zeigt sich das Problem der ‚grammatischen Sätze’[92]. Sie lassen sich weder sinnvoll begründen noch bestreiten, es kommen in ihnen vielmehr semantische Regeln zum Ausdruck. In ihnen wird der Wortgebrauch erläutert, z.B. der des Wortes ‚gelb’. So haben grammatische Sätze in den meisten Sprachspielen keine Funktion, weil sie normalerweise vorausgesetzt und nicht thematisiert werden. Nur in speziellen Fällen, z.B. beim Lehren der Sprache, können sie sinnvoll gebraucht werden.[93] Der richtige Gebrauch ist das, was gelehrt wird, wenn die Bedeutung eines Wortes gelehrt wird und der Begriff der Bedeutung, und damit des richtigen Verständnisses, deckt sich somit mit dem Begriff des richtigen Gebrauchs.

Wittgenstein rekurriert, bezogen auf die Frage nach dem Sprachverstehen, auf den Gebrauch der sprachlichen Ausdrücke. Die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks zu verstehen heißt, gelernt zu haben, wie der Ausdruck richtig verwendet wird. Der Gebrauch der sprachlichen Ausdrücke ist für Wittgenstein vor allem durch die Verbindung von sprachlichen und nichtsprachlichen Handlungen gekennzeichnet – Sprechen ist in einen Kontext sozialer Handlungen eingebettet. Die Bedeutung eines Ausdrucks wird festgelegt von der Funktion oder Rolle, die dieser Ausdruck in einer etablierten Praxis spielt. Eine Sprache lässt sich nur verstehen, soweit an der Lebensform partizipiert wird, in die sie eingebettet ist. Den Lernprozess der Sprache und die Sprache selbst als ganze können wir letztlich nicht erklären oder begründen, sondern nur Äußerliches über sie vorbringen.[94]

Für die Frage nach dem Verstehen im Kontext der vorliegenden Untersuchung ist die Einbettung der Sprachspiele in eine Lebensform von zentraler Bedeutung, da es von der jeweiligen Lebensform abhängt, was uns fremd und was uns vertraut vorkommt. Diese Differenz zwischen Fremdheit und Vertrautheit ist ein Grundproblem der reflektierten Interpretation, wie sie in der im nächsten Kapitel zu betrachtenden Hermeneutik thematisch wird. Hier muss das zu Verstehende in einem Deutungsakt angeeignet, verständlich gemacht werden. In der eingelebten Alltagskommunikation innerhalb einer Lebensform, wie sie Wittgenstein in den Philosophischen Untersuchungen vor allem betrachtet, spielt die Differenz nur im Falle einer Störung des Verstehens eine Rolle. Im Normalfall verstehen wir hier ‚blind’[95], d.h. unreflektiert und ohne die sprachlichen Ausdrücke zu deuten.

1.2.3 Das Auffinden von ‚Familienähnlichkeiten’ statt der Suche nach dem ‚Wesen’ des Verstehens

Der Sprachspielbegriff hat nicht nur den inhaltlichen Aspekt, dass er ein Verständnis sprachlicher Bedeutung transportiert, das auf den Gebrauch weist. Er hat in seiner Funktion als Mittel der Darstellung auch einen methodischen Aspekt. Sprachspiele sind „ Vergleichsobjekte, die durch Ähnlichkeit und Unähnlichkeit ein Licht in die Verhältnisse unserer Sprache werfen sollen“[96]. Dazu ist es nicht erforderlich, auf den natürlichen Sprachgebrauch Bezug zu nehmen, sondern es können auch erfundene sprachliche Umstände wie das Kaufmanns-Beispiel in PU 1 beschrieben werden.[97]

Durch diesen Vergleich der Sprache mit einfachen Sprachspielen soll nicht die Sprache geordnet werden, sondern unser Wissen von der Sprache.[98] So zeigt Wittgenstein, dass es weder die einzige noch die grundlegende Funktion der Sprache ist, Gegenstände zu benennen. Das Verständnis der Wörter ergibt sich nicht daraus, dass sich ein Sprecher den Bedeutungsträgern zuwendet. Auch ergibt sich das Verständnis der sprachlichen Ausdrücke nicht aus dem individuellen Meinen einzelner Sprecher, sondern aufgrund ihrer Einbettung in soziale Sprachspiele. Im Sprachspiel sind verbale und mehr oder weniger konventionalisierte nichtverbale Tätigkeiten miteinander verwoben. Arten der Verwendung sprachlicher Ausdrücke gibt es ‚unzählige’[99], das heißt ‚unabgeschlossen viele’[100].

In den Philosophischen Untersuchungen geht es Wittgenstein deshalb nicht darum, das allgemeine Wesen der Sprache herauszufinden, das, was allen Erscheinungen der Sprache gemeinsam ist. Er behauptet, dass sich auch gar nichts Gemeinsames finden lässt, sondern dass die Erscheinungen „in vielen verschiedenen Weisen verwandt“[101] sind, einander ähneln. Diese Ähnlichkeiten und Verwandtschaften, durch welche die unterschiedlichen Sprachspiele und Sprachen miteinander verbunden sind, nennt Wittgenstein ‚Familienähnlichkeiten’[102]. Das Fehlen eines einheitlichen Wesens der Sprache ist im alltäglichen Sprachgebrauch keineswegs ein Mangel, da wir dennoch in der Lage sind, durch das Finden von Ähnlichkeiten sinnvolle Zusammenhänge aufzuzeigen. Wittgenstein verdeutlicht seine Idee der Familienähnlichkeiten in Analogie zu verschiedenartigen Spielen:

Betrachte z.B. einmal die Vorgänge, die wir „Spiele“ nennen. Ich meine Brettspiele, Kartenspiele, Ballspiel, Kampfspiele, usw. Was ist allen diesen gemeinsam? – Sag nicht: „Es muß ihnen etwas gemeinsam sein, sonst hießen sie nicht ‚Spiele’“ – sondern schau, ob ihnen allen etwas gemeinsam ist. – Denn wenn du sie anschaust, wirst du zwar nicht etwas sehen, was allen gemeinsam wäre, aber Du wirst Ähnlichkeiten, Verwandtschaften, sehen, und zwar eine ganze Reihe. Wie gesagt: denk nicht, sondern schau![103]

Es ist nicht möglich, ein allen Spielen gemeinsames Merkmal zu benennen. Betrachtet man die verschiedenen Ausprägungen und die Frage, was noch ein Spiel und was keines mehr ist[104], so lässt sich lediglich als Antwort geben, dass sie sich alle ähnlich sind. Sie bilden eine ‚Familie’ mit ‚Familienähnlichkeiten’, ihre Teile sind miteinander in vielen verschiedenen Weisen verwandt.

[...]


[1] GW 3, S. 105-146

[2] Vgl. GW 2, S. 507

[3] Apel, K.-O.: Wittgenstein und das Problem des hermeneutischen Verstehens, in: Apel, K.-O.: Transformation der Philosophie, Bd. I: Sprachanalytik, Semiotik, Hermeneutik, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1973, S. 335-377

[4] Lawn, C.: Wittgenstein and Gadamer. Towards a post-analytic philosophy of language, London; New York: Continuum 2004

[5] Zimmermann, J.: Wittgensteins sprachphilosophische Hermeneutik, Frankfurt a. M.: Klostermann 1975, S. 99

[6] Ebd.

[7] Vgl. Wellmer, A.: Verstehen und Interpretieren, in: Schneider, H. J./Kroß, M. (Hgg.), Mit Sprache spielen. Die Ordnungen und das Offene nach Wittgenstein, Berlin: Akademie 1999, S. 51-76

[8] Vgl. Figal, G.: Gegenständlichkeit. Das Hermeneutische und die Philosophie, Tübingen: Mohr Siebeck 2006, S. 105

[9] Siehe Literaturverzeichnis

[10] Wittgenstein hat die Arbeit an diesem Typoskript nicht zu einem für ihn befriedigenden Abschluss bringen können, und so erschien das Buch erst 1953, zwei Jahre nach seinem Tod.

[11] PU, S. 231

[12] Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“. Ein Kommentar für Leser, Bd. I: Abschnitte 1 bis 315, Frankfurt a. M.: Klostermann 21994, S. 9 f

[13] Vgl. Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, Bd. I, a. a. O., S. 10

[14] Vgl. PU 90

[15] PU 383

[16] Vgl. PU 38; PU 109; PU 132

[17] Vgl. PU 120

[18] PU 18

[19] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein. Eine Einführung, Stuttgart: Reclam 22001, S. 136

[20] Wie schon in seiner Frühschrift Tractatus logico-philosophicus, vgl. TLP 4.112

[21] PU 123

[22] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 134

[23] PU 120; vgl. auch PU 126: „Denn, was etwa verborgen ist, interessiert uns nicht.“

[24] Vgl. PU 122

[25] Vgl. PU 132

[26] Vgl. PU 131

[27] PU 109; vgl. auch PU 124

[28] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 108

[29] Vgl. PU 38

[30] PU 114

[31] Vgl. PU 593

[32] Vgl. Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, Bd. I, a. a. O., S. 165

[33] PU 116

[34] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 134 f

[35] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 135

[36] PU 133

[37] Wittgenstein spricht fast durchgehend von der ‚Bedeutung’ von Wörtern und vom ‚Sinn’ von Sätzen. Ich werde diese Unterscheidung beibehalten, aber im Allgemeinen von ‚sprachlichen Ausdrücken’ und ihrer ‚Bedeutung’ sprechen. Dazu gehören sowohl Wörter als auch Sätze.

[38] Vgl. insbesondere PU 32

[39] Augustinus, Confessiones I/8, zitiert in PU 1

[40] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 171

[41] PU 5

[42] Vgl. PU 2

[43] Vgl. PU 3

[44] Vgl. PU 3; PU 4

[45] PU 11

[46] Vgl. PU 39; PU 44; vgl. auch Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 171 f

[47] Vgl. PU 10

[48] PU 10

[49] PU 14

[50] PU 371

[51] Vgl. PU 29

[52] Vgl. Stetter, C.: Schrift und Sprache, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997, S. 563

[53] Vgl. PU 28

[54] Vgl. PU 31

[55] Vgl. PU 1

[56] PU 1

[57] Vgl. PU 7

[58] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 138. Das Kontextprinzip gilt auch für Nichtsprachliches, vgl. PU 583

[59] Vgl. PU 7

[60] PU 7

[61] Vgl. Savigny, E. v.: Sprachspiele und Lebensformen: Woher kommt die Bedeutung?, in: Savigny, E. v. (Hg.): Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Berlin: Akademie 1998, S. 7-39; S. 9. In PU 23 gibt Wittgenstein Beispiele für eine Reihe von unterschiedlichen Sprachspielen.

[62] Vgl. PU 217

[63] PU 20

[64] Vgl. PU 664: ‚Oberflächengrammatik’ meint die Syntax eines Satzes, die man ‚mit dem Ohr erfassen kann’, im Gegensatz zur ‚Tiefengrammatik’, den Regeln für den Gebrauch in Sprachspielen.

[65] Vgl. das Sprachspiel in PU 8

[66] Vgl. Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, Bd. I, a. a. O., S. 45

[67] PU 43

[68] PU 560

[69] Vgl. Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“. Ein Kommentar für Leser, Bd. II: Abschnitte 316 bis 693, Frankfurt a. M.: Klostermann 21996, S. 245

[70] Krämer, S.: Sprache, Sprechakt, Kommunikation. Sprachtheoretische Positionen des 20. Jahrhunderts, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2001, S. 122 f

[71] PU 19 f

[72] Vgl. PU 20; PU 199

[73] Vgl. PU 198; PU 199

[74] PU 21

[75] Vgl. Savigny, E. v.: Wie Sprecher Ausdrücke meinen, in: Savigny, E. v. (Hg.): Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, a. a. O., S. 97-118, S. 98

[76] PU 23. Der Begriff der ‚Lebensform’ taucht nur fünfmal in den PU auf: PU 19; PU 23; PU 241; PU, S. 489; PU, S. 572.

[77] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 146

[78] PU 241

[79] Vgl. PU, S. 489; vgl. auch Savigny, E. v.: Sprachspiele und Lebensformen, a. a. O., S. 30 f

[80] PU 25

[81] Vgl. PU 25; vgl. auch Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, Bd. I, a. a. O., S. 62 und Savigny, E. v.: Sprachspiele und Lebensformen, a. a. O., S. 31

[82] PU 19

[83] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 146 f

[84] PU 206

[85] Vgl. Z 412: „Ich bringe den Begriff des Lehrens mit dem Begriff der Bedeutung in Verbindung.“

[86] Vgl. PU 32; vgl. auch Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, Bd. I, a. a. O., S. 34

[87] Vgl. PU 32

[88] PU 30

[89] Vgl. PU 5; PU 6

[90] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 134

[91] Vgl. PU 217

[92] Vgl. PU 248; PU 252; PU 251. Wittgenstein nennt hier Beispiele für ‚grammatische Sätze’.

[93] Vgl. Schulte, J.: Wittgenstein, a. a. O., S. 117 f

[94] Vgl. PU 120

[95] Vgl. PU 219

[96] PU 130

[97] Vgl. Schulte, J.: Beschreibung, in: Schulte, J.: Chor und Gesetz. Wittgenstein im Kontext, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1990, S. 129-145; S. 144

[98] Vgl. Krämer, S.: Sprache, Sprechakt, Kommunikation, a. a. O., S. 117

[99] Vgl. PU 23

[100] Vgl. Savigny, E. v.: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“, Bd. I, a. a. O., S. 60

[101] PU 65

[102] Vgl. PU 67

[103] PU 66

[104] Vgl. PU 68

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Die Kunst, sich etwas sagen zu lassen - Momente des Verstehens bei Gadamer und Wittgenstein
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2007
Seiten
104
Katalognummer
V128507
ISBN (eBook)
9783640341337
ISBN (Buch)
9783640337170
Dateigröße
1714 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, Momente, Verstehens, Gadamer, Wittgenstein
Arbeit zitieren
Felix Denschlag (Autor), 2007, Die Kunst, sich etwas sagen zu lassen - Momente des Verstehens bei Gadamer und Wittgenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128507

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