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Wenn sich die Eingeweide rühren . Überlegungen zu Richard Sennetts - Fleisch und Stein -

Titel: Wenn sich die Eingeweide rühren . Überlegungen zu Richard Sennetts - Fleisch und Stein -

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 30 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Marcus Reiß (Autor:in)

Soziologie - Wohnen und Stadtsoziologie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit langer Zeit und in immer größerem Umfang leben Menschen in urbanen Räumen. Dort wohnen sie, verrichten alltägliche Arbeiten und sehen ihre Kinder in gewohnter Umgebung aufwachsen. Die Stadt ist aber zudem der Schauplatz, an dem das Fremde und Andersartige in seinen vielen Gestalten begegnet.

Zentrales Thema in Richard Sennetts Buch „Fleisch und Stein“ ist eben dieses Fremde. Es geht um Konflikte im Rahmen von Widersprüchlichkeiten, denen Personen ausgesetzt sind, wenn sie Menschen aus anderen kulturellen Kreisen sehen, riechen, mit einem Wort: erleben. Eingebettet sind diese Problemstellungen, die zumal in der Neuzeit ihre Aktualität stets neu beweisen, in eine Stadtgeschichte, die ihr Gewicht durch Rekurs auf herrschende Körperbilder zu verschiedenen Zeiten gewinnt: Das Verhältnis des Menschen zur städtischen Architektur war und ist ein zutiefst gespaltenes und einen Überblick über Versuche, dieses zu bestimmen bzw. zu definieren, hat sich der amerikanische Soziologe zum Ziel gesetzt.

Deutlich schimmern in Sennetts Buch Vorschläge durch, Sozialität in städtischen Räumen, die sich scheinbar im Banne des modernen Individualverkehrs in ihrer Vielfältigkeit eingeschränkt zeigt, wiederzubeleben, um jene Spannung im zwischenmenschlichen Geschehen, die sich auf eine konfliktbehaftete Fremderfahrung gründet, nicht als zu umgehendes, gefahrvolles „Gebilde“ zu markieren. Diese Arbeit versucht zunächst, sich in kritischer Auseinandersetzung um eine gebündelte Darstellung der „wichtigsten“ zeitlichen Geschehnisse im Ausgang sennettscher Gedanken zu bemühen, um im Anschluss den „Zustand“ beschreiben zu können, der sich zur Kennzeichnung heutiger Problemfelder im Rahmen innerstädtischer Sozialität heranziehen lässt.

Danach wird der Frage nachzugehen sein, inwieweit die Merkmale des modernen Menschen im Zwischenspiel mit der Architektur von Sennett treffend und detailliert geschildert worden sind um in einem weiteren Schritt mögliche Widersprüche im Argumentationsgang aufzudecken bzw. dort zu vertiefen, wo genauere Analysen nicht angeboten werden...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. „Corrosion of Character“.

2.1 Der neue Kapitalismus

2.2 Flexibilität im Zwielicht

2.3 Der Körper und die Stadt: Fleisch und Stein

3. Die Geburtshelfer des Individualismus.

3.1 Im Banne des Kreislaufs: Blut zirkuliert.

3.2 Hygienik und städtische Architektur.

3.3 Kreisläufe „moderner“ Ökonomie.

4 Stationen auf dem Weg zur „taktilen Krise“ der Gegenwart.

4.1 Das Trauma des „neutralen Raumes“.

4.2 Technologien der Bewegung.

4.3 Der passive Körper der Neuzeit

5 Die Wiedergeburt der Stadt aus dem Schmerz.

5.1 Der Schmerz.

5.2 Mitleid und Widerstand.

6 „Wenn sich die Eingeweide rühren.“ Bedenken gegenüber einer Mitleidsethik.

7 Inkongruenzen: Ort und Raum.

8 Be-rührende Blicke.

9 Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Richard Sennetts Werk „Fleisch und Stein“ auseinander, um die Möglichkeiten und Grenzen städtischer Sozialität sowie die Rolle menschlicher Körperlichkeit in der Architektur zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie soziale Identität und zwischenmenschliches Miteinander unter dem Einfluss moderner ökonomischer und technologischer Bedingungen in urbanen Räumen noch möglich sind.

  • Die Auswirkungen des modernen Kapitalismus auf den menschlichen Charakter und die soziale Bindungsfähigkeit.
  • Die historische Entwicklung des Körperbildes im Kontext städtischer Architektur und Medizintechnik.
  • Die kritische Analyse der „taktilen Krise“ und der Rolle des Mitleids als Grundlage zwischenmenschlicher Ethik.
  • Das Verhältnis von Ort und Raum in der modernen Stadtentwicklung.
  • Die phänomenologische Bedeutung des Blicks in intersubjektiven Kommunikationsprozessen.

Auszug aus dem Buch

4.1. Das Trauma des „neutralen Raumes“

Das Problem der urbanen Menge spitzte sich, so Sennett, erstmals zu, als im Oktober 1789 in Paris der Brotaufstand für Aufruhr sorgte. Eine vorhergegangene Erhöhung des Brotpreises stellte viele, vor allem mittellose Bürger, vor ein Problem, dass ihre Existenz und die der Familie bedrohte: Hunger. Er war ihr ärgster Feind und die Angst davor sorgte in der Zeit vom 5. - 7. Oktober für ein beständiges anwachsen der Menschenmassen vor dem Versailler Palast, die den König um Hilfe bitten wollte, was letztlich auch gelang. (Vgl. FS,347-49) Die Teilnehmer dieser „politischen“ Bewegung protestierten dort nicht als Individuen, sondern agierten als Kollektiv. Eine ähnliche Rolle wurde dem „neuen“, freien Bürger auf dem Höhepunkt der Revolution zugedacht. Doch die „Masse ... als Ursache bösartiger Spontaneität“ (Sennett,1995:387) verstummte plötzlich.

„Moderne Formen von individueller Passivität und Unempfindlichkeit im städtischen Raum tauchten zuerst ... in den Straßen des revolutionären Paris auf.“ (FS,354) Diese Behauptung filtert Sennett aus Quellen heraus, die um eine Darstellung des Problems bemüht sind, dass sich in der zerbrochenen französischen Gesellschaft die Menschen Formen suchten, die neugewonnene Freiheit auszudrücken, dieses Unterfangen aber an der Vorstellung innerstädtischen Raums scheiterte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das zentrale Thema der Auseinandersetzung mit Sennetts „Fleisch und Stein“ und skizziert die methodische Absicht, Widersprüche in dessen Argumentation aufzudecken.

2. „Corrosion of Character“: Dieses Kapitel verknüpft Sennetts soziologische Analysen zum modernen Kapitalismus mit den stadtgeschichtlichen Fragestellungen der Arbeit.

3. Die Geburtshelfer des Individualismus: Untersuchung der historischen Wandlung des Körperbildes ab dem 17. Jahrhundert und dessen Einfluss auf städtische Planungsmodelle.

4. Stationen auf dem Weg zur „taktilen Krise“ der Gegenwart: Analyse der Entstehung von Passivität im städtischen Raum durch neue Technologien und architektonische Umgestaltungen.

5. Die Wiedergeburt der Stadt aus dem Schmerz: Diskussion über die christlich begründete Mitleidsethik als Antwort auf die menschliche Verletzlichkeit.

6. „Wenn sich die Eingeweide rühren.“ Bedenken gegenüber einer Mitleidsethik: Kritische Reflexion der theoretischen Stabilität einer Mitleidsethik in Bezug auf ihre praktische Anwendbarkeit.

7. Inkongruenzen: Ort und Raum: Philosophische Betrachtung der Unterscheidung zwischen funktionalem Raum und sinnstiftendem Ort.

8. Be-rührende Blicke: Auseinandersetzung mit der phänomenologischen Bedeutung des Blicks als intersubjektivem Medium.

9. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Stärken und Schwächen von Sennetts Ansatz und Ausblick auf die Relevanz des Themas.

Schlüsselwörter

Fleisch und Stein, Richard Sennett, Stadtsoziologie, Urbanität, Sozialität, Individualismus, Körperbild, Architektur, Mitleidsethik, Ort und Raum, Phänomenologie, Moderne, Kapitalismus, Fremdwahrnehmung, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Körperlichkeit, städtischer Architektur und menschlichem Zusammenleben basierend auf Richard Sennetts Werk „Fleisch und Stein“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Auswirkungen des modernen Kapitalismus auf den Charakter, die historische Entwicklung der Stadtplanung, die Ethik des Mitleids und die Bedeutung phänomenologischer Konzepte wie Ort, Raum und Blick.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit Sennetts Thesen, um Widersprüche in seiner Argumentation aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit sein Ansatz zur Identität in einer globalisierten Welt heute noch tragfähig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine kritische, intertextuelle und phänomenologisch orientierte Textanalyse verwendet, die Sennetts Argumente anhand philosophischer und soziologischer Bezugsgrößen hinterfragt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der historischen Entstehung des modernen Individuums, die Architektur als Spiegel gesellschaftlicher Zustände und eine detaillierte Diskussion ethischer Konzepte wie das Mitleid.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Urbanität, Mitleidsethik, Körperlichkeit, intersubjektive Fremdwahrnehmung und die Differenz zwischen Ort und Raum definiert.

Warum hinterfragt die Arbeit den Begriff der „taktilen Krise“ bei Sennett?

Die Arbeit argumentiert, dass Sennetts Fokus auf die „taktile Krise“ zu einseitig ist und die komplexen, bereits in der Antike existierenden und auch heute noch wirksamen Seh- und Wahrnehmungstechniken vernachlässigt.

Inwiefern ist Sennetts Mitleidsethik laut der Autorin problematisch?

Sie wird als aporetisch und zu stark in einer spezifisch christlichen Ausprägung verhaftet kritisiert, was ihre allgemeine ethische Gültigkeit einschränkt und die Eigenverantwortung des Subjekts untergräbt.

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Details

Titel
Wenn sich die Eingeweide rühren . Überlegungen zu Richard Sennetts - Fleisch und Stein -
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (FB Soziologie)
Veranstaltung
Globalisierung und Identität
Note
1,0
Autor
Marcus Reiß (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
30
Katalognummer
V12853
ISBN (eBook)
9783638186469
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wenn Eingeweide Richard Sennetts Fleisch Stein Globalisierung Identität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marcus Reiß (Autor:in), 2002, Wenn sich die Eingeweide rühren . Überlegungen zu Richard Sennetts - Fleisch und Stein -, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12853
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  30  Seiten
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