Adornos Analyse der Kulturindustrie am Beispiel der Rolle des Fernsehens


Hausarbeit, 2006

23 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

1. Inhaltsangabe

2. Einleitung

3. Das Schema der Kulturindustrie

4. Kunstauffassung als Einspruch gegen die Gesellschaft

5. Exkurs zum Phänomen der Halbbildung

6. Die Rolle des Fernsehens im Schema der Kulturindustrie
6.1. Fernsehen als Massenmedium
6.2. Anknüpfung an Bewusstes/Unbewusstes
6.3. Die Form und Wirkung des Fernsehens
6.4. Beispiele der Bewusstseinsmanipulation
6.5. Fernsehen als Aufklärungsmedium

7. Zusammenfassung und Kritik

8. Literaturliste

2. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Theodor W. Adornos Analyse der „Kulturindustrie“, welche vor allem in seiner mit Max Horkheimer zusammen verfassten Schrift „Dialektik der Aufklärung“ und der Essaysammlung „Kulturkritik und Gesellschaft“ im Mittelpunk der Untersuchungen steht.

Adornos Theorie der Kulturindustrie kann als Mittelpunkt seiner Analyse der Gegenwartsgesellschaft verstanden werden, da die Vergesellschaftungsmechanismen über soziale Institutionen erfolgen, die in der beschriebenen spätkapitalistischen Gesellschaft der 50er und 60er Jahre vor allem durch die Kulturindustrie bestimmt sind (Müller-Doohm 1996: 200).

Nach einer knappen Zusammenfassung der von Adorno aufgezeigten Mechanismen und Auswirkungen der Kulturindustrie im Allgemeinen, soll diese Arbeit vor allem die Rolle des Fernsehens, welches sich als zentrales Massenmedium in den 50er Jahren verbreitet hatte, im Schema der Kulturindustrie untersuchen.

Adorno wird als einer der ersten Soziologen verstanden, der sich mit der Rolle und Wirkung des neu aufgekommenen Mediums des Fernsehens auseinandergesetzt hat (Müller-Doohm 2003:529). Obwohl das Medium erst am Anfang seiner Ausbreitung stand, hat Adorno vor allem prophetisch wirkende Aussagen, bezüglich der Entwicklung der Rolle des Fernsehens in der spätkapitalistischen westlichen Gesellschaft, treffen können.

Die Hausarbeit stützt sich hierbei vor allem auf die zwei von Adorno in den 50er Jahren veröffentlichten Essays „Prolog zum Fernsehen“ und „Fernsehen als Ideologie“ (Adorno 2003b:841), sowie zentrale Thesen der „Dialektik der Aufklärung“ aus den 40ern.

3. Das Schema der Kulturindustrie

Adornos dialektischem Denkmuster nach, bestimme die Kultur die Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft, wobei vor allem die Bewusstseinsbildung der Subjekte von ihr beeinflusst oder sogar gesteuert werde (Adorno 1997b:163).

Das Charakteristikum des sich ausbildenden Spätkapitalismus der 40er Jahre sei es, alle Bereiche der Gesellschaft der Totalität des kapitalistischen Marktes zu unterwerfen (Adorno 1997b:157).

Zielte nach der ersten industriellen Revolution im 19.Jh. die Massenfertigung durch Maschinen noch auf Güter wie Eisenbahnen, Maschinen und Textilien ab (Fülberth 2005:149), war das spezifisch Neue, nach der im Zuge der Fließbandproduktion des Fordismus durchgesetzten zweiten industriellen Revolution, die maschinell erstellte Produktion von immateriellen Gütern der Kultur-, Nahrungsmittel- und Autoindustrie (Fülberth 2005:207f.). Die Einbeziehung immer neuer Bereiche der Produktion und Reproduktion in die kapitalistische Warenwirtschaft dient somit als Basis Adornos Analyse.

Hierbei ist allerdings zu bemerken, dass, aufgrund Adornos Exilantensituation in den 40er Jahren, zunächst die nordamerikanische Gesellschaft im Mittelpunkt der Beobachtung stand (Müller-Doohm 2003:371f.).

Adornos zentraler Begriff für die Analyse der Phänomene der Massenkultur, wie es anfangs noch hieß (Adorno 2003b:337), ist der der „Standardisierung“ (Adorno 2003a:142). Er bezeichnet die industrielle Massenproduktion von Kulturgütern, die, Adorno zufolge, nur noch als Tauschwert für den Markt existieren (Adorno 2003a:142).

Unter Kulturgütern sind hier nicht nur „die Medien der Massenkommunikation, Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk, Schallplatte, Film und Fernsehen [zu verstehen, sondern] auch solche Institutionen der Kulturverbreitung wie das Theater, die Museen, Festivals, der Buchmarkt, aber auch die diversen Sparten des Sports und andere Einrichtungen des Hobby- und Unterhaltungswesen.“ (Müller-Doohm 1996: 200)

„Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit. Film, Radio, Magazine machen ein System aus.“ (Adorno 2003a:141) So ist „alle Massenkultur unterm Monopol […] identisch.“ (Adorno 2003a:141f.) Adorno versteht die bürgerliche Gesellschaft als von der „totalen Kapitalmacht“ (Adorno 2003a:141) gesteuert, die zum Monopol wird.

Die auf den ersten Blick als verschiedenartig wirkenden Produkte, wie nach Genres differenzierte Filme oder Magazingeschichten, dienten nur der totalen Erfassung aller Konsumentenschichten, die nach Preisklassen und verschiedenen Konsumententypen eingeteilt seien (Adorno 2003a:144).

„Die Konsumenten werden als statistisches Material (…) aufgeteilt [denn] jeder soll sich gleichsam spontan seinem vorweg durch Indizien bestimmten >level< gemäß verhalten und nach der Kategorie des Massenprodukts greifen, die für seinen Typ fabriziert ist“ (ebd.). Die Kulturindustrie erfasse demnach alle Schichten und Milieus.

Adornos Auffassung zufolge, richte sich die Kulturwarenproduktion allerdings nicht nach Marktbedingungen, also etwa der Produktion der Waren nach der Konsumentennachfrage. Im Gegenteil, „Kulturindustrie ist willentliche Integration ihrer Abnehmer von oben.“ (Adorno 2003b:337) Das heißt, dass erst die Kulturindustrie die Bedürfnisse der Konsumenten forme. Es ist „der Zirkel von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis, in dem die Einheit des Systems immer dichter zusammenschießt“ (Adorno 2003a: 142), denn „die ganze Welt wird durch das Filter der Kulturindustrie geleitet“ (Adorno 2003a:147).

Wichtig ist hier allerdings zu erwähnen, dass Adorno in seiner Analyse nicht von einigen wenigen Machthabern ausgeht, die gezielt die Manipulation der Bedürfnisse beabsichtigten, sondern, dass diese Manipulation durch die gesellschaftliche Produktionsweise selbst laufend stattfände, also Resultat des allumfassenden kapitalistischen Systems, mit der Tendenz alles in Ware zu verwandeln, sei. Auch bezieht sich die Wahl des Begriffes Kulturindustrie nicht in etwa nur auf den fordistisch geprägten Produktionsgang der Kulturwaren, sondern auf das Systemhafte der Kultur. Dies verdeutlicht Adorno an wenigen Stellen (Adorno 2003a:141).

Heinz Steinerts Interpretation zufolge stehe bei Adornos Analyse das Prinzip der fordistisch geprägten Kulturwarenproduktion im Vordergrund, zum Vorschein kommend etwa in der Massenfertigung und dem Massenvertrieb durch die Zerlegung der einzelnen Arbeitsschritte am Fließband (Steinert 1998:85). Erst so seien den Gesellschaftsmitgliedern Kulturwaren als standardisierte Massengüter über den Markt zugänglich (Steinert 1998:86).

Durch die Allgegenwärtigkeit der Kulturindustrieprodukte sei es nun nicht mehr möglich, dass man „kaum mehr einen Schritt tun könne, ohne über eine Kundgebung der Kulturindustrie zu stolpern“ (Adorno 2003b:507).

Aber nicht nur die Warenförmigkeit der kulturellen Produkte wird von Adorno einer Analyse unterzogen. Auch der Begriff der „Freizeit“ wird kritisch hinterfragt, denn „in dieser setzen sich die Formen des nach dem Profitsystem eingerichteten gesellschaftlichen Lebens fort (…), [denn] spezifische Freizeitphänomene wie der Tourismus und das Camping [werden] um des Profits willen angedreht und organisiert.“ (Adorno 2003b:647) Durch die von der Kulturindustrie total erfassten Gesellschaft sei die „Verfügung über die Konsumenten (…) durchs Amusement vermittelt; nicht durchs blanke Diktat“ (Adorno 2003a: 158).

4. Kunstauffassung als Einspruch gegen die Gesellschaft

Adornos sieht in der Kunst die Möglichkeit verwirklicht, Einspruch gegen die Gesellschaft zu erheben und das Falsche an ihr darzustellen (Müller-Doohm 1996:204). Kunst sei hier als die eigentliche Einspruchsinstanz gegen das Falsche, also das auf dem Prinzip der Profitmaximierung beruhende Gesellschaftssystem zu verstehen, welche die Möglichkeit des richtigen Lebens in sich trage (ebd.). „Die ästhetische Wahrheit war gebunden an den Ausdruck der Unwahrheit der bürgerlichen Gesellschaft.“ (Adorno 2003a:316) Er verweist auch auf die „ästhetische Vielschichtigkeit“, die besagt, „dass kein Kunstwerk seinen eigentlichen Gehalt von sich aus eindeutig kommuniziert, (…) [sondern] sich erst in einem geschichtlichen Prozeß [entfalte].“ (Adorno 2003b:520)

[...]

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Details

Titel
Adornos Analyse der Kulturindustrie am Beispiel der Rolle des Fernsehens
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V128550
ISBN (eBook)
9783640335695
ISBN (Buch)
9783640335909
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adornos, Analyse, Kulturindustrie, Beispiel, Rolle, Fernsehens
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Adornos Analyse der Kulturindustrie am Beispiel der Rolle des Fernsehens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128550

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