Im Rahmen des Seminars mit dem Thema "Formenkunde Völkerwanderungszeit" will die vorliegende Arbeit versuchen, die drei wichtigsten Gruppen von Helmen vorzustellen. Besonders relevant ist hierbei, dass diese Fundgattung ab dieser Epoche zum ersten Mal in der Frühgeschichte auch eine nennenswerte Verbreitung im Barbaricum fanden. Das weitestgehende Fehlen von Helmbewaffnung der vorausgehenden Römischen Kaiserzeit deckt sich mit den schriftlichen Überlieferungen aus dem Römischen Reich vom Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus: Bei den Germanen wurden hiernach nur äußerst selten Helme getragen. So verwundert es auch nicht, dass die ersten Helme der nicht römisch okkupierten Gebiete aus auch keine autochthone Entwicklung waren, sondern sich aus römischen oder weiter östlich gelegenen Vorbildern entstanden, beziehungsweise von dort importiert wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Helmgruppen
2.1 Spangenhelme
2.2 Nordische Kammhelme
2.3 Lamellenhelme
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Formenkunde von Helmen zur Zeit der Völkerwanderung mit dem Ziel, die drei wichtigsten Helmtypen dieser Epoche vorzustellen und ihre Verbreitung sowie Herkunft im Kontext des Barbaricum zu analysieren.
- Charakterisierung und Typologie der Helmgruppen: Spangenhelme, nordische Kammhelme und Lamellenhelme.
- Analyse der Verbreitungsgebiete und Herstellungsorte (byzantinische fabricae vs. dezentrale Produktion).
- Einfluss mediterraner, spätantiker sowie östlicher Vorbilder auf die germanische Helmentwicklung.
- Untersuchung der sozialen und militärischen Funktion der Helme als Statussymbole oder Ausrüstungsteile.
- Vergleich der Materialität und Konstruktionsmerkmale der verschiedenen Helmtypen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Spangenhelme
Im kontinentalen Europa wurden ca. 40 Exemplare der Spangenhelme oder Fragmente vom Typ Baldenheim gefunden. Spangenhelme zeichnen sich durch vier oder sechs Spangen aus, die unten breit und oben spitz zulaufend sind. Die Spangen waren dekorativ graviert, aus Kupfer, Eisen oder Bronze und konnten auch mit Gold belegt werden. Gehalten wurden die Spangen durch einen Stirnreif und zwischen die Spangen genietete Füllplatten. Der Stirnreif war zudem mit ornamentalen Pressblechen belegt. Motive waren vor allem christlicher Natur, wie zum Beispiel David in der Löwengrube. Die Ursprünge des Spangenhelme vom Baldenheimer Typus liegen im 5./6. Jahrhundert im Sassanidenreich wurde aber mit römischen Elementen wie Wangenklappen, Nackenschutz aus einem Kettengeflecht, Nasenschutz und den Zierelementen verbunden. Der älteste Spangenhelm datiert in die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts und stammt aus Gültlingen. Bis zum das Ende des 6. Jahrhunderts waren sie im Umlauf. Die fehlende Tierstilornamentik ist ein deutliches Indiz für eine Herstellung südlich der Alpen. Die Verzierungen deuten auf den östlichen Mittelmeerraum hin. Durch das staatliche Monopol der Waffenherstellung im byzantinischen Reich zu dieser Zeit lag der Herstellungsort dieser Helme sicher in sogenannten fabricae und diese werden wohl auch später unter den Ostgoten weitergeführt worden sein. Die Spangenhelme waren also Staatseigentum und nicht freiverkäuflich. In den Besitz der germanischen Eliten kamen diese Helme, die in der Forschung mittlerweile sicher als byzantinische Offiziershelme angesehen werden, vermutlich zusammen mit anderen Gegenständen als Ausrüstung für den Dienst im byzantinischen Heer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Verbreitung von Helmen im Barbaricum während der Völkerwanderungszeit und ihre Abhängigkeit von römischen sowie östlichen Vorbildern.
2. Helmgruppen: Dieses Kapitel klassifiziert und beschreibt die drei Hauptgruppen der Helme, namentlich Spangenhelme, nordische Kammhelme und Lamellenhelme, hinsichtlich ihrer Konstruktion und Herkunft.
2.1 Spangenhelme: Hier wird der Typus Baldenheim im Detail erläutert, wobei insbesondere die byzantinische Herstellung und Verbreitung als Offiziersausrüstung beleuchtet werden.
2.2 Nordische Kammhelme: Dieser Abschnitt behandelt nordische Kammhelme als Stücke mit mediterranen Vorbildern sowie eigener kultureller Prägung, oft in der Tradition von Prunkhelmen.
2.3 Lamellenhelme: Der Text beschreibt die leichte Bauweise dieser Helme, die auf Einflüsse der östlichen Reitervölker zurückzuführen ist und meist einen hohen sozialen Status der Träger widerspiegelt.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie der Handel und militärische Dienste zur Etablierung des Helms als Schutzbewaffnung in Europa beitrugen.
Schlüsselwörter
Völkerwanderungszeit, Helme, Spangenhelme, Baldenheim, Nordische Kammhelme, Lamellenhelme, Byzanz, Barbaricum, Waffenkunde, Archäologie, Prunkhelme, Militärgeschichte, Frühmittelalter, Materialkunde, Reichsideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der typologischen Klassifizierung und historischen Einordnung der drei wichtigsten Helmformen der Völkerwanderungszeit im europäischen Raum.
Welche drei Helmtypen werden zentral behandelt?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spangenhelme, die nordischen Kammhelme und die Lamellenhelme.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Helmformen bei den Germanen aufzuzeigen, da diese im Vergleich zur römischen Kaiserzeit erst in dieser Epoche eine nennenswerte Verbreitung fanden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer archäologischen Typisierungs- und Fundanalyse unter Einbeziehung zeitgenössischer schriftlicher Überlieferungen und materialwissenschaftlicher Vergleiche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die baulichen Merkmale, die geografische Verteilung, mögliche Produktionsorte sowie der historische Kontext der Helmtypen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Völkerwanderungszeit, Spangenhelme, Byzantinische Offiziershelme, Reitervölker und Materialität des frühmittelalterlichen Kopfschutzes.
Warum gelten Spangenhelme vom Typ Baldenheim als byzantinische Offiziersausrüstung?
Aufgrund der einheitlichen hohen Fertigungsqualität und fehlender regionaler Tierstilornamentik deutet vieles darauf hin, dass sie in staatlichen byzantinischen Werkstätten (fabricae) hergestellt und als Ausrüstung oder Geschenke ins Barbaricum gelangten.
Wie unterscheidet sich die Entstehung der nordischen Kammhelme von den Spangenhelmen?
Während die Spangenhelme stark durch zentralisierte mediterrane Produktionsvorgaben geprägt sind, zeigen die nordischen Kammhelme eine dezentrale Herstellung vor Ort, bei der das Idealbild variiert wurde.
Welche Bedeutung haben Lamellenhelme im archäologischen Befund?
Sie sind aufgrund ihrer Konstruktion aus organischem Material oder filigranen Metallplättchen seltener erhalten, zeugen jedoch durch Stücke wie den Helm von Val di Nievole von einer engen Verbindung zum hohen sozialen Status ihrer Träger.
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- Dominik Faber (Autor), 2019, Helme der Völkerwanderungszeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289973