Soziolinguistische Rahmenbedingungen zum Zweitspracherwerb bei Migranten in Deutschland


Referat (Ausarbeitung), 2007
9 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Soziolinguistische Rahmenbedingungen zum Zweitspracherwerb bei Migranten in Deutschland

Das Einwanderungsland Deutschland sieht sich mit einer Vielzahl von Migranten konfrontiert, die teilweise nur wenig oder keine Deutschkenntnisse aufweisen. Dabei erfolgt eine erfolgreiche strukturelle Integration nicht ohne Kenntnisse der Mehrheitssprache der Aufnahmegesellschaft, wenn diese, wie in Deutschland als Schriftkultur in allen Bereichen Anwendung findet1. Wovon hängt nun aber ein erfolgreicher Zweitspracherwerb bei Migranten in Deutschland ab? Welche äußeren Bedingungen oder sozialen Zusammenhänge wirken sich auf die Motivation zum Erlernen einer zweiten Sprache, der Sprache der Aufnahmegesellschaft aus? Im Folgenden werden zuerst die soziolinguistischen Rahmenbedingungen beschrieben, die die Motivation zum Zweitspracherwerb bei Migranten erheblich beeinflussen können. Verschiedene sozialpsychologische Modelle geben einen Überblick über die möglichen sozialen Faktoren und unterschiedliche Schlüsseldeterminanten, die beim Erwerb der Mehrheitssprache eine Rolle spielen können. Da das erfolgreiche Erlernen einer zweiten Sprache neben einer entsprechenden Motivation auch entscheidend von der Lernsituation, sprich den Bildungsmodellen abhängt, werden anschließend differierende Modelle vorgestellt.

Beim Erwerb einer Zweitsprache spielt der soziolinguistische Rahmen eine wichtige Rolle. Migranten gehören im Aufnahmeland einer Minderheit an. Die dominierende Mehrheitssprache wird in diesen Fällen zur unerlässlichen Zweitsprache. Denn die Muttersprache der Aufnahmegesellschaft wird in allen Bereichen des täglichen Lebens angewandt. Ein solcher Rahmen wird auch als majority language context beschrieben2 (Siegel 2003: 179). Verschiedene Modelle der Sozialpsychologie verdeutlichen die Bedeutung des sozialen Kontexts für die Erlernung einer zweiten Sprache. Gerade bei Migranten scheint dieser Aspekt von Wichtigkeit: Leben sie in einer ethnischen Gemeinschaft, in der der Gebrauch der Mehrheitssprache nicht zwingend erforderlich ist, oder gelingt ihnen eine strukturelle und soziale Integration, bei der Kenntnisse der dominierenden Sprache unabdingbar sind?

Sozialpsychologische Modelle

Gardner (1983, 1985, 1988) versucht mit Hilfe des socioeducational Modells zu erklären, wie unterschiedliche soziale Zusammenhänge mit Zweitsprachkenntnissen und Einfluss nehmenden Variablen (Motivation, Angstgefühl etc.) zusammenwirken. Berücksichtigung in diesem Schema findet das soziokulturelle Umfeld oder Milieu des/der Lernenden. Dies beinhaltet die herrschende (positiv oder negativ bewertete) Einstellung der eigenen Gemeinschaft gegenüber Bilingualismus (Siegel 2003: 187). Werden Einwanderergruppen, die hier im Mittelpunkt stehen, betrachtet, so scheint eine positive Einstellung zum Erwerb der Mehrheitssprache und evtl. angestrebter Assimilation unentbehrlich. Stigmatisierungen bilingualer Sprecher innerhalb der ethnischen Gemeinschaft könnten sich negativ auf weitere Bemühungen eines Zweitspracherwerbs auswirken.

Verschiedene individuelle Faktoren, die letztendlich den Motivationsgrad zum Spracherwerb bestimmen, können unter Einfluss des soziokulturellen Milieus stehen. Die Motivation stellt die wichtigste Determinante dieses Modells dar und wirkt sich entsprechend auf die Lernsituationen aus.

Sozialstrukturelle Faktoren wie Größe und Status der jeweiligen Sprachgruppen (L1 und L2) werden hier nicht besonders hervorgehoben. Dabei sollte wahrscheinlich die Bedeutung einer ausgebauten ethnischen Gemeinde für eine strukturelle Integration bzw. Assimilation der Migranten nicht vernachlässigt werden. Esser (2001) weist daraufhin, dass sich durch eine gegenseitige Verstärkung räumlicher Segregation und kultureller Segmentation oft funktionale Bereiche und ein eigenes Schichtungssystem ausbilden. Dem Migranten bietet sich die Möglichkeit, den größten Teil seines Lebens in seiner ethnischen Sphäre zu verbringen (Esser 2001: S. 41ff). Im Falle einer solch institutionalisierten ethnischen Gemeinde (Ebd.) werden Integration bzw. Assimilation und auch der Erwerb der Sprache der Aufnahmegesellschaft als Zweitsprache erschwert oder gar verhindert.

Steht in Garnder’s Modell die Motivation als bestimmender Faktor im Vordergrund, so setzen andere sozialpsychologische Modelle den Schwerpunkt auf objektive Charakteristika der sozialen Gruppen beider Sprachen (L1 und L2). Kontakte und Interaktionen werden in den folgenden Modellen als die Determinanten betrachtet.

[...]


1 Siehe dazu: Schroeder, C. (2007): Integration und Sprache. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 22-23/2007, S. 6-12. Maas, U. (2005): Sprache und Sprachen in der Migration im Einwanderungsland Deutschland. In: IMIS-Beiträge Sprache und Migration, 26/2005.

2 Aber auch Ureinwohner, die ebenfalls einer Minderheit angehören, sahen sich mit einer dominierenden Zweitsprache (oder L2) auseinandergesetzt. Sie wurden von Eindringlingen und dessen Mehrheitssprache überhäuft. Diese Konstellation ist hier allerdings nicht interessant (siehe Siegel 2003: 179).

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Soziolinguistische Rahmenbedingungen zum Zweitspracherwerb bei Migranten in Deutschland
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Codeswitsching; Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen
Note
bestanden
Autor
Jahr
2007
Seiten
9
Katalognummer
V129240
ISBN (eBook)
9783640379224
ISBN (Buch)
9783656415565
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziolinguistische, Rahmenbedingungen, Zweitspracherwerb, Migranten, Deutschland
Arbeit zitieren
Sabine Roeber (Autor), 2007, Soziolinguistische Rahmenbedingungen zum Zweitspracherwerb bei Migranten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129240

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