Mittelalterliche Jenseitsvorstellungen im Hinblick auf Abrahams Schoß


Hausarbeit, 2006
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Frühe Jenseitsvorstellungen
1. Jenseitsvorstellungen nach Matthäus
2. Jenseitsvorstellungen nach Johannes

III. Mittelalterliche Jenseitsvorstellungen bzw. Vorstellungen des Zwischenzustandes

IV. Orte des Jenseits
1. Das Paradies
2. Die Unterwelt bzw. die Hölle
3. Das Fegefeuer

V. Abrahams Schoss

VI. Schluss / Fazit

VII. Literaturverzeichnis
Primarliteratur
Sekundärliteratur
Lexikonartikel
Wörterbücher
Zeitschriften
Abbildungen

I. Einleitung

Die Frage nach dem Verbleib des Menschen nach dem irdischen Tod ist nicht ausschließlich in unserer Kultur, Religion oder in unserem Jahrhundert allgegenwärtig. Die Beschäftigung mit dieser immer wiederkehrenden Frage ist bis weit in die Vergangenheit hinein zu verfolgen.

Im folgendem ist es mein Ziel die ungeklärten Vorgänge nach dem leiblichen Tod aus christlicher und mittelalterlicher Sicht zu erläutern.

Ein weiterer zu behandelnder Aspekt ist die bekannte Vorstellung von `Abrahams Schoss´.

Um sich auf diese mittelalterliche Auffassung einlassen zu können ist es einerseits unumgänglich sich von den heutigen Annahmen zu distanzieren. Redewendungen, wie zum Beispiel `sicher wie in Abrahams Schoss´, sind allerdings bis in unseren Sprachgebrauch übernommen und in unserer Gesellschaft alltäglich geworden. Andererseits ist es sinnvoll und hilfreich alte historische Gemälde als Vorstellungsstütze hinzuzuziehen. So wird es erst möglich sich in das Vorstellungsvermögen der Menschen der damaligen Zeit hinein zu versetzen.

Es handelt sich bei der Bearbeitung der Aufgabe nicht um eine Abwägung von dem richtigen oder dem falschen Ansatz, sondern einfach und allein um den Verbleib der Seelen und die Erläuterung der Orte des Verbleibs. Zusätzlich soll mit dieser Ausführung das damalige Verständnis des Jenseits veranschaulicht und nachvollziehbar dargestellt werden.

II. Frühe Jenseitsvorstellungen

Zu Beginn der Ausführung sollte zunächst der Begriff des Jenseits und das dazu gehörige Verständnis geklärt werden. Mit dem Wort Jenseits bezeichnet man in unserem Sprachgebrauch einen anderen Bereich, oft spricht man von dem Bereich des Überirdischen. Dieser Ort begleitet seit Jahrhunderten die Geschichte der menschlichen Kultur und ist in gewisser Weise ein Geheimnis der Menschheit.

Die Jenseitsvorstellung knüpft an die Frühgeschichte Israels an. Durch die Eroberung Judäa und das daraus folgende babylonische Exil hoffte die Bevölkerung auf Befreiung. Diese ersehnte Befreiung aus dem Exil wurde durch das persische Volk unter der Führung von Kyros-Edikt verwirklicht. Nun war der Glaube an die Heilswende eingetreten. Darunter ist zu verstehen, dass die Bevölkerung in Israel glaubte, dass sie in einer Heilsgegenwart lebten – das Heil war ihrem Volk zugekommen. Sie sahen sich als das Volk Gottes, welches in Lebzeiten die Heilszeit erleben durfte, sie waren das auserwählte Volk Gottes. Doch dieser Glaube wurde nicht gestützt, da die Bevölkerung trotz der Breifeiung aus dem Exil verspüren mussten, dass es ihnen verwehrt war in Freiheit zu leben, denn die Realität war ein Leben unter Herrschaften. Die Herrschaft waren beispielsweise die Hellenisten, wie aber auch die Römer. So ist festzuhalten, dass die eschatologische Hoffnung aus der geschichtlichen Situation entsprungen ist. Denn erst durch die geschichtliche Enttäuschung entwickelte sich der Glauben an eine Erlösung nach dem irdischen Tod. So setzte der Glaube den Einschnitt beim weltlichen Tod und verschob die Erlösung auf das Leben nach dem Tod, die Eschatologie war geboren.[1]

Dieser Aspekt wird in den ersten schriftlich fixierten Belegen in der Heiligen Schrift zum Ausdruck gebracht. Denn auch die Evangelisten Matthäus und Johannes beschrieben die Erlösung und das vollkommene Glück im Reich Gottes in überirdischen Geschehnissen, sie stützen den Glauben an die Eschatologie.

Der Grundgedanke der Jenseitsvorstellungen baut auf dem Gedanken auf, dass die guten Menschen von Christus belohnt und die Schlechten bestraft werden. Nun stellt sich die Frage wo dies geschieht. Aus dieser Fragestellung heraus wird deutlich, dass der damalige Jenseitsglaube ein Gericht mit einbezog. Bereits in der Bibel sind unterschiedliche Sichtweisen vertreten. Die Heilige Schrift weist erste Jenseitsvorstellungen von den Evangelisten Matthäus und Johannes vor, die sich im Detail jedoch unterscheiden lassen.[2]

1. Jenseitsvorstellungen nach Matthäus

Der ältere Evangelist Matthäus beschrieb, dass jeder Mensch, ob gut oder böse, am Ende der Welt gerichtet wird. Dieser Vorgang findet am Jüngsten Tag statt. „Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.“ (Mt 25,34) „Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ (Mt 25,41) Diese Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium macht deutlich, dass am Jüngsten Tag alle Menschen gerichtet werden, das Urteil stützt sich auf das irdische Handeln zu Lebzeiten der zu Richtenden. Letztlich trennt der Richter Christus die Guten von den Bösen und gewährt somit den guten Menschen den sofortigen Eintritt in den Himmel und verbannt die schlechten Menschen in die Hölle. Diese Entscheidung geschieht vor dem so genannten Weltgericht.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus Jetzler, Himmel Hölle Fegefeuer, S. 14

2. Jenseitsvorstellungen nach Johannes

Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.“ (Joh 5,24) „Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht.“ (Joh 5,28–30)

Hier wird ersichtlich, dass sich nicht jeder Mensch vor dem Welt- bzw. Endgericht verantworten muss. In der Johannesüberlieferung sind die gerechten Menschen von dem Gericht ausgeschlossen, sie erhalten sofort ewiges und seliges Glück im Himmel. Doch nicht nur die bösen Menschen sind laut johannitischer Überlieferung die zu Richtenden. Das Weltgericht nach Johannes berücksichtigt zusätzlich noch die Halbguten, sprich die non valde boni. Die halbguten Seelen sind im Gegensatz zu den Bösen nicht hoffnungslos. Die Entscheidung des Weltgerichts, ob die Seele noch den Zugang zum Himmelreich gestattet bekommt, findet jedoch auf der linken Seite der Verdammten statt.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus Jetzler, Himmel Hölle Fegefeuer, S. 14

Der entscheidende Unterschied der zwei Ansätze lässt sich hier in der Hinzufügung der halbguten Menschen festmachen. Denn diese werden im Matthäusevangelium in keinem Wort erwähnt. Doch hingegen dazu ist dieser Aspekt ein ausschlaggebender Punkt bei dem Evangelisten Johannes.

Weiterhin beschreibt die Überlieferung des Johannes, dass es den Gerechten, sprich seligen Menschen, gewährt wird ohne ein Gerichtsurteil direkt in den Himmel empor zu steigen.

III. Mittelalterliche Jenseitsvorstellungen bzw. Vorstellungen des Zwischenzustandes

In den Vorstellungen, die das Alte Testament repräsentiert, verweilt der verdammte Mensch bis in die Ewigkeit in der Unterwelt, sprich Schoel, „(…) die alle Abgeschiedenen auf ewig zu einem schattenhaften Dasein verschließt.“[5] Der Unterschied zwischen den guten und schlechten Menschen ist gering, da die Auffassung vorherrscht, dass die Vergeltung bereits zu Lebzeiten vollzogen wird. Nach dieser Vorstellung ist der später einsetzende Gedanke eines Zwischenzustandes nutzlos. Doch wie bereits angedeutet ist dieser Glaube lediglich gültig solange der Gläubige davon ausging, dass die Vergeltung im irdischen Leben stattfindet. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild und die Erfahrung erwies unzureichende irdische Vergeltung. Auf Grund dieser Sachlage und dem Streben nach der unantastbaren Gerechtigkeit Gottes musste nun der als wahrgenommener Grundsatz verworfen und vorherrschenden Vorstellungen auf das überirdische Leben übertragen werden.[6] „In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist. Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.“ (Dan 12,1-3) Diese ausschlaggebende Veränderung zeigt sich auch, wie hier angedeutet, im Buch Daniel.[7] Doch trotz dem entwickelten Auferstehungsgedanken ist dieser noch nicht in vollen Zügen ausgeprägt, er beschränkt sich auf eine unbestimmte Zahl von Guten und Bösen. |

[...]


[1] Vgl. Falaturi, Zukunftshoffnung, S. 42 – 46

[2] Vgl. Jetzler, Himmel Hölle Fegefeuer, S. 13 - 15

[3] Vgl. Jetzler, Himmel Hölle Fegefeuer, S. 14 - 15

[4] Vgl. Jetzler, Himmel Hölle Fegefeuer, S. 14 -16

[5] Stuiber, Refrigerium Interim, S. 17

[6] Stuiber, Refrigerium Interim, S. 18

[7] Stuiber, Refrigerium Interim, S. 18

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Mittelalterliche Jenseitsvorstellungen im Hinblick auf Abrahams Schoß
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fachbereich Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Die Taufe – Zur kulturgeschichtlichen Prägkraft eines christlichen Superzeichens
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V129300
ISBN (eBook)
9783640356478
ISBN (Buch)
9783640356836
Dateigröße
1130 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalterliche, Jenseitsvorstellungen, Hinblick, Abrahams, Schoß
Arbeit zitieren
Vanessa Kleppel (Autor), 2006, Mittelalterliche Jenseitsvorstellungen im Hinblick auf Abrahams Schoß, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129300

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