In dieser Bachelorarbeit geht um praktische Methoden der Antidiskriminierung in der Sozialen Arbeit, Intersektionalität und Diversity als Begriffe sowie die verschiedenen Formen der Diskriminierung.
Der Kern des Ziels der Sozialen Arbeit besteht in der gesellschaftlichen Teilhabe der Adressat:innen. Wir alle unterliegen Privileg und Benachteiligung - bewusst oder unbewusst. Manchmal unterliegen wir aufgrund unserer Identitätsmerkmale auch beiden gleichzeitig. Meine eigene Identität steckt schon immer in der Balance zwischen Privileg und Diskriminierung.
Ich habe mich immer gegen Diskriminierung engagiert. Ich traf jedoch auf sexistische Antirassist:innen, klassistische und ableistische Menschen in der Bildung, Homophobie im Kontext der religiösen Flüchtigenhilfe / Queerfeindlichkeit in der religiösen Sozialen Arbeit selbst oder rassistische Feminist:innen - Diskriminierung selbst in der Antidiskriminierung.
Sowohl meine eigenen Diskriminierungserfahrungen an meiner Identität, die ich lang als Zufall abtat, als auch meine Erfahrung mit Diskriminierung bei den verschiedenen Antidiskriminierungsbewegung motivierten mich für das Thema der Diversity-orientierten Sozialen Arbeit.
Diversity und Intersektionalität waren die beiden theoretische Konzepte, die mir endlich ein Modell und Zusammenhänge für alltäglich erlebte Diskriminierungsmuster gaben. Diese Konzepte wissenschaftlich aufzuarbeiten und für die Teilhabe von Menschen in der Sozialen Arbeit zu nutzen, soll darum die Essenz dieser Bachelor Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Fallbeispiel Schule „Kunterbunt“ – Diskriminierung hat viele Gesichter:
2.Theorethisches Wissen und Begriffe
2.1 Diversity, Begriff, Forschungsstand, Zugang
2.2 Schulsozialarbeit im Kontext von Diversity
2.3 „Social Justice“ und „Radical Diversity“ (Czollek/Perko et. al.)
2.4 Das Konzept der Intersektionalität, systemische Intersektionalität, Diskriminierungsmatrix - und Trias
2.4.1 Systemische Intersektionalität (Czollek/Perko et al.)
2.4.2 Diskriminierungsmatrix (Czollek/Perko et. al.)
2.5 Dimensionen von Diversity und Formen der Diskriminierung
2.5.1 Strukturelle Diskriminierung (Czollek/Perko et. al.)
2.5.2 Diskriminierungs-Trias (Viehmann)
3. Möglichkeiten zur Analyse von Diskriminierung –
3.1 Mehrebenenmodell (Winker/Degele)
3.2 Mehrperspektivenmodell (Czollek/Perko et. al.)
3.3 Abgrenzungen der Modelle
4. Antidiskriminierende Methoden und Strategien für die diversityorientierte Soziale Arbeit
4.1 Sichtbarmachung von Diskriminierung nach einer Kampagne des LADS
4.2 „Black is beautiful“ affirmativ rechtlicher Ansatz gegen Diskriminierung nach der US-amerikanischen Bürgerbewegung
4.3 Lesben und Schwule für Bergarbeiter – das Konzept des Verbündet seins.
4.4 Mit Kommunikation gegen Diskriminierung – Mahloquet (Czollek/Perko et. al.)
4.5 Diskriminierungsspezifische Module und Trainings im Rahmen von „Diversity“ und „Social Justice“ (Czollek/ Perko et. al.)
4.5.1 Strategien gegen Rassismus
4.5.2 Strategien gegen Lookismus
4.5.3 Strategien gegen Altersdiskriminierung
4.5.4 Strategien gegen Klassismus
4.5.5 Strategien gegen Ablesim/Behindertenfeindichkeit
4.5.6 Strategien gegen Sexismus/Heterosexismus
4.6 Gender Swap (Mahn-Gauseweg)
5. Exkurs: Macht, Herrschaft und die Bildung von Kategorien
5.1 Macht durch Diskurse (Butler)
5.2 Macht durch Sprache, Normierung und Naturalisierung (Butler)
5.3 Macht durch Kategorisierung – Genderparadoxie (Lorber)
6. Fazit für die Soziale Arbeit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, wie SozialarbeiterInnen im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe wirksam gegen Diskriminierung vorgehen können, ohne dabei selbst neue Diskriminierungsmechanismen zu reproduzieren. Das Kernziel ist die Anwendung des Konzeptes „Social Justice“ und diverser Analysemodelle auf die Schulpraxis, um durch Empowerment und intersektionale Allianzen eine diskriminierungsfreie Teilhabe zu ermöglichen.
- Grundlagen des diversityorientierten Ansatzes und Bedeutung von Social Justice
- Analysemodelle zur Identifizierung struktureller Diskriminierung
- Praktische Methoden und Trainings für die diversityorientierte Soziale Arbeit
- Die Rolle von Machttheorien und Diskursen bei der Bildung von Identitätskategorien
- Bedeutung intersektionaler Allianzen ("Verbündet sein") in der Praxis
Auszug aus dem Buch
1. Fallbeispiel Schule „Kunterbunt“ – Diskriminierung hat viele Gesichter:
Die Schulsozialarbeiterin der Förderschule für Lernbehinderung „Kunterbunt“ machte die letzten Wochen einige Feldbeobachtungen während ihres Arbeitsalltages.
Nicht nur, dass es die SchülerInnen der Förderschule sowieso schon schwer hätten, weil sie eben FörderschülerInnen sind. SchülerInnen der anderen Schulformen nennen sie auch oftmals „die von der „Kloppi-Schule“.
Immer wieder fällt ihr auf, dass Kinder aufgrund unterschiedlicher Merkmale gemobbt und von ihrer Klasse ausgeschlossen werden. Da ist zum Beispiel Tom aus der 6 b. Ein eloquenter höflicher junger Mann der es allein aufgrund seiner „nicht weißen Hautfarbe“ nicht schafft, in den Klassenverband aufgenommen zu werden. Oder Vivien: Seitdem ihre MitschülerInnen wissen, dass die 7. Klässlerin eine LGBT Identität besitzt, finden sie alle komisch. Dann ist da auch noch Susi. Susi trifft es besonders hart, denn sie ist nicht nur in der Förderschule für Lernbehinderung in einem Rollstuhl unterwegs, sie trägt auch noch ein Kopftuch und ihre Familie hat wenig Geld.
Als die Sozialarbeiterin diese und weitere „Fälle“ im LehrerInnenkollegium ansprechen möchte, beobachtet sie weitere Aussagen gegen Vielfalt aller Art.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fallbeispiel Schule „Kunterbunt“ – Diskriminierung hat viele Gesichter:: Beschreibt alltägliche Diskriminierungssituationen an einer Förderschule als konkrete Grundlage für die weiteren theoretischen Ausführungen.
2.Theorethisches Wissen und Begriffe: Führt in das Konzept von Diversity ein und grenzt "Social Justice" sowie "Radical Diversity" von rein ökonomischen Diversity-Ansätzen ab.
3. Möglichkeiten zur Analyse von Diskriminierung –: Stellt verschiedene Modelle wie das Mehrebenen- und das Mehrperspektivenmodell vor, um soziale Ungleichheit methodisch greifbar zu machen.
4. Antidiskriminierende Methoden und Strategien für die diversityorientierte Soziale Arbeit: Präsentiert praxisorientierte Handlungsoptionen und Trainingsmodule für verschiedene Diskriminierungsformen.
5. Exkurs: Macht, Herrschaft und die Bildung von Kategorien: Reflektiert mithilfe von Judith Butler und anderen Theoretikern die Rolle von Macht in Diskursen und das Paradoxon der Kategoriebildung.
6. Fazit für die Soziale Arbeit: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit stetiger Selbstreflexion in der sozialen Arbeit zur Vermeidung neuer Ausgrenzungsprozesse.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Diversity, Intersektionalität, Social Justice, Diskriminierung, Schulsozialarbeit, Empowerment, Machtverhältnisse, Kategorienbildung, Anti-Diskriminierung, Radical Diversity, Identität, Inklusion, Differenzlinien, Strukturmodell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Relevanz von Diversity und Intersektionalität in der Sozialen Arbeit, insbesondere im Kontext von Schule und Jugendarbeit, um Diskriminierung wirksam und nachhaltig zu begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Diversity, die Analyse von struktureller Diskriminierung, Methoden der antidiskriminierenden Arbeit sowie die kritische Auseinandersetzung mit Machttheorien und Kategorienbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Handlungsmöglichkeiten für SozialarbeiterInnen zu entwickeln, die intersektionale Perspektiven berücksichtigen, um eine diskriminierungsfreie Teilhabe für alle AdressatInnen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse basierend auf dem "Praxishandbuch Social Justice und Diversity" sowie machttheoretische Ansätze, um Diskriminierungsphänomene theoriegeleitet zu dekonstruieren und in das Handlungsfeld der Schulsozialarbeit zu übertragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Analysemodelle für Diskriminierung vorgestellt, Strategien wie das "Verbündet sein" erläutert und konkrete Trainingsmodule zu Themen wie Rassismus, Lookismus, Klassismus, Altersdiskriminierung und Sexismus detailliert ausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Intersektionalität, Social Justice, strukturelle Diskriminierung, Empowerment, Machtverhältnisse und das Konzept der Mahloquet als dialogische Methode.
Warum ist das Fallbeispiel der "Schule Kunterbunt" für die Analyse wichtig?
Es dient als praxisnaher Einstieg, der die Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen (Intersektionalität) im Alltag verdeutlicht und so das Bedürfnis nach einem theoriegeleiteten, professionellen Handeln in der Schulsozialarbeit motiviert.
Wie geht die Autorin mit dem Paradoxon der Kategoriebildung um?
Die Arbeit reflektiert kritisch, dass Kategorien einerseits notwendig sind, um Diskriminierung überhaupt sichtbar zu machen (z.B. nach Judith Butler), andererseits aber auch neue Machtstrukturen und Stigmatisierungen erzeugen können, weshalb ein steter Reflexionsprozess erforderlich bleibt.
- Arbeit zitieren
- Cindy Rosenthal (Autor:in), 2020, Diversity in der Sozialen Arbeit mit Blick auf intersektionale Perspektiven. Praktische Methoden der Antidiskriminierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1297731