Onlineberatung in der Sozialen Arbeit. Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung


Bachelorarbeit, 2018

70 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

2. Beratung in der Sozialen Arbeit
2.1 Definition Beratung
2.1.1 Psychosoziale Beratung
2.2 Beratung als Bestandteil der Sozialen Arbeit
2.3 Beratung und die Abgrenzung zur Psychotherapie
2.4 Formalisierte Beratung

3. Onlineberatung in der Sozialen Arbeit
3.1 Das Medium Internet (Geschichtlich)
3.2 Neue Medien in der Beratung und Sozialen Arbeit
3.3 Die Entwicklung der Onlineberatung
3.4 Das Vier-Folien-Konzept
3.5 Formen der Onlineberatung
3.5.1 Chat
3.5.2 E-Mail
3.5.3 Foren
3.6 Die Nutzer der Online-Beratung
3.7 Niedrigschwelligkeit des Angebotes

4. Herausforderung und Chancen der Onlineberatung
4.1 Vertrauen & Empathie zum Klienten durch die „virtuelle“ Umgebung schaffen
4.2 Datenschutz
4.3 Schnellere Beratung durch Digitalisierung?
4.4 Qualität der Beratung im Vergleich zu einem echten Beratungsgespräch
4.5 Anforderungen an den Berater
4.6 Nähe durch Distanz

5. Befragung von Fachkräften im Feld der Online-Beratung
5.1 Ziel der Befragung
5.2 Rahmenbedingungen
5.3 Methodik und Fragen
5.4 Ergebnisse
5.5 Diskussion

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Einleitung

„Mithilfe digitaler Technologien entstehen neuen Möglichkeiten der Informations­übertragung und damit in Folge auch neue Kommunikationsformen. Die Bera­tungslandschaft sieht sich dadurch mit ganz neuen Herausforderungen konfron­tiert. Klienten und Klientinnen, denen der Umgang mit digitaler Kommunikation all­tagsvertraut ist, erwarten bei eigenem Beratungsbedarf auch eine Ausweitung der Beratungszone in den virtuellen Raum.“ (Hintenberger, Kühne, 2009, S. 13)

Der technologische Fortschritt und die damit einhergehende Digitalisierung ist seit einigen Jahren ein wichtiges Thema und ist mittlerweile auch in der Sozialen Arbeit angekommen. Doch welche Möglichkeiten bietet uns das Medium Internet und welche Auswirkungen hat dies in Bezug auf unsere Arbeit mit den Klienten?

Die Beratung bzw. Beratungsmethoden ist eines der wichtigsten Handwerkszeuge in der Sozialen Arbeit. So haben sich in der Geschichte der Sozialen Arbeit viele Ansätze entwickelt, aber nur wenige sind zum festen Bestandteil der Methodik ge­worden. Ohne die Beratung wäre keine erfolgreiche Arbeit im Sinne des Klienten möglich. Sie stellt einen wichtigen Faktor dar und unterliegt selten Veränderungen. Daher ist die Relevanz dieses Themas wichtig, indem auch Alternativen durch technische Mittel als eine Chance zur Verbesserung der Qualität und Erfolg der Arbeit angesehen werden. Unter stetigen Veränderungen muss sich die Soziale Arbeit auch diesen Herausforderungen stellen. Die Online-Beratung ist das Pro­dukt aus Internet und Beratung. Demnach kann es von den Fachkräften angenom­men und fest in ihrer Tätigkeit integriert werden oder nicht. Die Klienten haben die Online-Beratung schon als festen Teil der Sozialen Arbeit angenommen, da die Nachfrage und der Bedarf hoch ist.

Die Soziale Arbeit tut sich bisher etwas schwer mit der Digitalisierung, da man vorhandene Strukturen nicht einfach ins digitale übertragen kann. Wenn man die Online-Beratung betrachtet, ist dies in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts dennoch passiert. Bisher ist die Online-Beratung ein eigenständiges und kleines Feld, welches noch einige Ansätze benötigt. Dies stellt auch ein Problem in der Praxis dar. Denn immer, wenn ein neuer Beratungsansatz entwickelt wird, was nicht sehr häufig geschieht, sind die Gegenstimmen lauter. Einige fürchten sich vor Veränderungen in den Strukturen und in den Methoden der Sozialen Arbeit.

Es soll eher mit den Mitteln und Methoden gearbeitet werden, die sich in den letz­ten Jahrzehnten bewährt haben und von den Klienten angenommen wurden. Bei der Größe des Internets war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Online-Bera­tung in den ersten Ansätzen gebildet hat. Die Veränderungen, dass neue Metho­den entwickelt werden und eventuell alte abgelöst werden, sind in der gesellschaft­lichen Welt im privaten sowohl im beruflichen Kontext normal. Trotzdem klingt es kurios, wenn die Methode der virtuellen Beratung sich erst in den letzten zehn Jah­ren zu einer Größe entwickelt hat. Historisch gesehen hatte die Online-Beratung ihre ersten Anfänge bereits Mitte der 90er Jahre, zu einem Zeitpunkt, als das In­ternet gerade für die zivile Gesellschaft zur Verfügung stand.

In der Wissenschaft ist die Online-Beratung noch wenig erforscht und an den Hochschulen und Universitäten gibt es bisher nur relativ selten Seminare oder gar Vorlesungen zu diesem Thema. Im Vergleich werden im Studium nahezu alle klas­sischen Beratungsansätze in Seminaren angeboten. Da stellt sich die Frage, wa­rum nicht auch die Online-Beratung? Es mag vielleicht an der neuen Form liegen, die sich auch noch nicht richtig etabliert hat oder auch an der Tatsache, dass der Klient und der Berater nicht physisch anwesend sind.

Die Online-Beratung wird als eigenständiger Bereich der Beratung in dieser Ba­chelor Thesis betrachtet. Sie bedient sich jedoch auch an Elemente aus der klas­sischen Face-to-Face-Beratung. Der Einstieg wird daher mit der allgemeinen Be­ratung in der Sozialen Arbeit beginnen und den Begriff der Beratung und der psy­chosozialen Beratung definieren. In Anbetracht der Wichtigkeit der Beratung wird die Beratung als Bestandteil der Sozialen Arbeit beschrieben und betrachtet. Da die Grenzen der Beratung und der Psychotherapie nicht ganz geklärt sind, wird ein Abgrenzungsversuch unternommen. Anschließend wird die formalisierte Beratung mit ihren Aspekten und Merkmalen beschrieben.

Das dritte Kapitel widmet sich der Online-Beratung. Um genauer auf die Online­Beratung eingehen zu können, muss eine Definition und die Geschichte des Inter­nets beleuchtet werden, da dies das Medium ist, auf welches die Online-Beratung aufbaut. Das Internet gehört zu den Neuen Medien, welches ebenfalls im dritten Kapitel behandelt wird. Danach wird die Entwicklung und Geschichte der Online­Beratung vorgestellt, folgend von dem Vier-Folien-Konzept, welches bis heute ein bewährter Ansatz in der täglichen Arbeit ist.

Im weiteren Kapitel werden die drei wichtigsten Formen der Online-Beratung vor­gestellt und definiert. Diese Bachelorarbeit soll nicht nur aus der Sicht der Online­Berater geschrieben werden, sondern auch aus der Sicht der Klienten. Daher ist der nächste Punkt die Nutzer der Online-Beratung. Zuletzt wird das Thema der Niedrigschwelligkeit im Vergleich zur Face-To-Face-Beratung behandelt.

Das vierte Kapitel befasst sich mit den Herausforderungen und Chancen der On­line-Beratung. Zu Anfang wird betrachtet, wie Vertrauen aufgebaut werden kann und der Datenschutz erwähnt. Durch die zunehmende Digitalisierung wird die Be­ratung und die Qualität in diesem Kontext untersucht. Folgen werden die Anforde­rungen an den Online-Berater, die nicht gleich mit der Face-to-Face-Beratung sind. Das letzte Thema befasst sich mit der Nähe durch Distanz.

Im fünften Kapitel wird es um die durchgeführte Befragung von Fachkräften aus der Online-Beratung gehen. Dort werden als erstes das Ziel der Befragung erläu­tert sowie die Rahmenbedingungen geklärt. Dem folgend wird die Methodik vorge­stellt und die Fragen benannt. Der vierte Unterteil wird die Ergebnisse vorstellen und anschließend werden diese Ergebnisse diskutiert und Argumentationen auf­gestellt.

2. Beratung in der Sozialen Arbeit

Zur Einführung werden in diesem Kapitel die Aspekte der Beratung in der Sozialen Arbeit erwähnt. Allerdings handelt es sich um die psychosoziale Beratung und noch nicht die Online-Beratung, da sie sich noch nicht fest implementiert hat und eine große Anzahl an Beratungsgesprächen Face-To-Face durchgeführt werden.

2.1 Definition Beratung

Die Beratung ist ein Geschehen, welches auf kommunikativer Basis Fragen und Probleme einer Partei klärt und dabei eine Lösung gesucht wird, ohne die Ent­scheidungsautonomie des Klienten zu verletzen. Eine Definition von Beratung lässt sich auf alle Formen der Ausübung beziehen (vgl. Großmaß, 2017, S. 93).

Daher hat sich die berufliche Beratung und die Beratungswissenschaft den Begriff der Alltagssprache entlehnt und die Beratung wird als professionelle Intervention mit unterschiedlichen theoretischen Bezügen und methodischen Konzepten ange­sehen. In der Zeit der Entwicklung wurde die Beratung als fester Bestandteil und zur zentralen Unterstützungs- und Hilfeform in psychosozialen, psychologischen und pädagogischen Arbeitsfeldern. Durch diese Entwicklung hat sich Beratung als ein expandierender Arbeitsbereich für pädagogische, psychologischer und medi­zinischer Fachkräfte entwickelt. Viele unterschiedliche Aufgaben, Ziele und An­lässe von Beratung sorgen dafür, dass die Beratung sich in jede Lebenssphäre und in unseren Alltag integriert (vgl. Engel, et. al., 2007, S. 34 f.).

2.1.1 Psychosoziale Beratung

Die psychosoziale Beratung stellt eine professionelle Beratungsform dar, mit dem Ziel Klienten in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebensbereiche zu unter­stützen. Es soll ein Veränderungsprozess angeregt werden. Sowohl Einzelperso­nen als auch Gruppen können beraten werden. In der Regel ist der Ansatz der psychosozialen Beratung ganzheitlicher und die Interventionen wirken sich mehr ins Innere des Klienten aus. Durch diese Methode wird das gesamte soziale Um­feld des Klienten miteinbezogen. Gerade in Lebensphasen des Klienten, die her­ausfordernd und bedeutsame Entwicklungen hervorbringen, kann sich diese Be­ratung als hilfreich erweisen. In den Beratungssitzungen werden die Eigenverant­wortung und die Eigenbemühungen gefördert. Der Klient erfährt eine Weiterent­wicklung seiner eigenen Verhaltensmuster, die er mit Veränderungen im eigenen Erleben für eine Verbesserung seines persönlichen Befindens erreichen kann (vgl. Prävention, 2016, online).

Psychosoziale Beratung ist meistens für den Klienten kostenlos, da sich die Bera­tungsstellen entweder in kirchlicher oder öffentlicher Trägerschaft befinden. Die Beratung dient als Überwindung von persönlichen und sozialer Probleme oder Schwierigkeiten außerhalb von Heilkunde. Für den Klienten ist sie eine Kompe­tenzerweiterung und Entscheidungshilfe bei Orientierungsbedarf in der Lebensfüh­rung, jedoch ohne, dass eine Störung des Systems oder der Person angenommen wird (Nußbeck, 2006, S. 22).

2.2 Beratung als Bestandteil der Sozialen Arbeit

In allen sozialen Arbeitsfeldern ist die Beratung fester Bestandteil und ist eine Art der Lebensbewältigungshilfe. Die Alltagsbewältigung und die Lebensbewältigung sind dabei eng verknüpft. In den Lebensläufen der Menschen finden bedeutsame Wandlungen und Krisen statt. Sie verdichten sich im Erleben der Krisen, in der eingeschränkten Lebensqualität und in den Einschränkungen, auf die sie im Alltag treffen. Der Lebensalltag sowie eine gute und qualitative Lebensbewältigung findet in sozialen Korridoren des Lebens statt. Dadurch lässt sich die psychosoziale Be­ratung in stärkerer lebensweltlich und stärkerer arbeitsweltlich-orientierter Bera­tung unterscheiden. Zu der arbeitsweltlichen Beratung gehört die Bildungs- und Berufsberatung, die Supervision sowie die Mediation und das Coaching. Lebens­weltlich orientierte Beratung findet in Beratungsstellen wie Ehe-Lebens-Familien­beratung, Kliniken, Zentren der sozialen Hilfe statt. Die Anliegen der Alltagsbewäl­tigung sind relevant, in derer Nähe auch die Erziehungsberatung, Familienbera­tung und die Gesundheitsberatung steht. Eine große Bedeutsamkeit hat die Schul­beratung bzw. die Beratung von Klienten in Ausbildungskontexten. Diese versteht sich als Lernentwicklungsberatung, sowie auch als Leistungsförderungsberatung. Die Grenze der Alltagsbewältigung ist in speziellen Angeboten wie zum Beispiel der psychosozialen Ortszuschreibung auszumachen. Dies bezüglich ist eine strenge Grenze zwischen lebensweltlicher und arbeitsweltlicher Beratung nicht dauerhaft und grundlegend zu halten. Lebensweltorientierte Beratung beschäftigt sich mehr mit der Nichtarbeit, der Frühberentung sowie mit den Dynamiken des schnellen Wechselns. Beratung ist eine fallverstehende Begegnung und erfordert das Sich -Einlassen auf die jeweiligen arbeits- und lebensweltlichen Kontexte (vgl. Zwicker-Pelzer, 2010, S. 77).

Die Soziale Arbeit nutzt als Basis die Kommunikation, deren Prozesse von ent­scheidender Bedeutung sind. Kommunikation kann innerhalb einer Person statt­finden oder zwischen zwei Personen. Jedoch ist sie immer an eine Person gebun­den, da die selben Worte bei zwei Menschen eine ganz unterschiedliche Wirkung zeigen. Daher brauchen die Fachkräfte der Sozialen Arbeit Kernkompetenzen in der Gesprächsführung, die sozialen und personenbezogenen Kompetenzen mit­einschließt. Außerdem sind Kenntnisse in den Bereichen der Moderation, der Gruppenleitung, des Konfliktmanagements sowie Mediation notwendig. In den un­terschiedlichen Handlungsfeldern kommen spezifische Beratungskompetenzen, wie z.B. in der lösungsorientierten oder in der systemischen Beratung hinzu. (vgl. Mennemann, et. al., 2018, S. 190 f.).

2.3 Beratung und die Abgrenzung zur Psychotherapie

Seit den 1970er Jahren gingen mehrere psychotherapeutische Konzepte in die Beratungspraxis mit ein, daher ist eine Abgrenzung zur Psychotherapie nicht ein­fach. Es setzte sich die Auffassung durch, dass die psychologische Beratung nicht aus dem Geben von Ratschlägen besteht und auch keine Weitergabe von Infor­mationen sei. Beratung ist auch gegen andere Interventionsformen abzugrenzen, wie die Krisenintervention, Betreuung oder Mediation. Sonderformen der Beratung stellen Supervision, Interversion, sowie Coaching dar (vgl. Hinz, 2008, S. 87).

Durch die Perspektive der Doppelverortung von Beratung lassen sich die Fragen zum Verhältnis der Beratung und Psychotherapie auf einen etwas anderen und neueren Blick werfen, denn die Psychotherapie und die Beratung haben eine große Nähe zueinander. Auf der Handlungsebene verfügen sie über Gemeinsam­keiten, da sie in der konkreten Erscheinungsform phasenweise deckungsgleich sind. In einer Beobachtungssituation wird für einen Außenstehenden der Unter­schied zwischen einer psychosozialen Beratung und einer großen Psychoanalyse oder einer Kurzzeittherapie und lösungsorientierten Beratung nicht identifizierbar. Jedoch sind die Psychotherapie und die Beratung in unterschiedliche Logiken und Denkmodelle eingebunden. Die Psychotherapie wird durch das Psychotherapeu­tengesetz reguliert, welches einen Handlungsrahmen aus Diagnostik, Indikations­stellung und Heilkunde zusammenstellt. Dadurch legitimiert sich die Psychothera­pie primär über den Heilungsdiskurs. Hinzu kommen Abrechnungsverfahren mit festgelegten Indikationen, Approbationsverfahren und ein am medizinischen Mo­dell orientiertes Arzt-Patient-Verhältnis bilden einen Rahmen, in der die Psycho­therapie eng eingebunden und abgegrenzt wurde. Der Begriff der Psychotherapie ist eine Heilbehandlung, die sich auf Störungen mit Krankheitswert orientiert. Für die Beratung lässt sich eher ein offener integrativer Hilfediskurs formulieren, indem Beratung als Inklusion verschiedenster Felder und Klientele orientiertes Unterstüt­zungsangebot gilt. Helfen und Heilen können in bestimmten Konstellationen und Situationen kongruent zueinander sein. Sie sind aber nicht identisch, jedoch kön­nen Interaktionen im Verlauf einer Beratung oder einer Therapie miteinander über­einstimmen. Beratung kann ein identifizierbarer Teil von Psychotherapie sein und die Psychotherapie kann ein Teil von einem Beratungsprozess sein. Die Stärken und Potenziale liegen in unterschiedlichen Funktionen und Schwerpunkten. In ge­sellschaftlichen Sektoren können sie unabhängig voneinander ihre Funktion ent­falten und dort ihre spezifischen Aufgaben getrennt, parallel oder vernetzt und ko­operativ erfüllen (vgl. Engel,et. al., 2007, S. 36 f).

Eine andere Sicht liefert die Abbildung unter dem Text von der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie e.V., kurz GwG. Der Verein ist der Fachverband für Psychotherapie und Beratung.

Vereinfachende schematische Darstellung zur Abgrenzung von Psychotherapie und Beratung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Abgrenzung von Psychotherapie und Beratung, Darstellung der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG), Fachverband für Psychotherapie und Beratung

Ein Problem das durch die Abbildung ersichtlich wird ist die Zielsetzung der Psy­chotherapie und der Beratung. Die Psychotherapie setzt sich als erstes Ziel die Heilung und die Verbesserung bzw. Linderung der Störung. Sie knüpft an die Re­organisation des Selbstkonzeptes an, welches bei der Beratung nicht angespro­chen wird. Die Beratung hat das Ziel die konkrete Lebenssituation zu verändern. Zudem soll auch die Grundeinstellung und die Problembewältigung verändert wer­den, damit der Klient sich selbst helfen kann und muss in einigen Fällen ohne hinreichende Motivation auskommen. In der Psychotherapie wird an den Klienten eine hohe Motivation als Voraussetzung angeknüpft, so dass die Sitzungen regel­mäßig stattfinden können. Hingegen bei der Beratung finden Termine bzw. Sitzun­gen nur sporadisch und nach Bedarf statt. Den Unterschied zwischen der Psycho­therapie und der Beratung ist auch an dem Merkmal erkennbar, dass in der Psy­chotherapie der Fokus auf die Gestaltung der Beziehung liegt. Der Fokus in der Beratung liegt jedoch auf die Problemlösung. Auch wird in der Beratung die Vor­gehensweise meistens durch den Berater gelenkt, was in der Psychotherapie nicht vorkommt. Dort werden die Sitzungen auch in freier Übereinkunft vollzogen, die in der Beratung meistens in einem institutionellen Auftrag durchgeführt wird. Ein wei­teres Problem für den Klienten ist, dass in der Beratung die Intensität der Bezie­hung eher von geringer Bedeutung im Beratungsprozess ist. Dies sorgt auch für ein geringes Maß für den Klienten sich selbst zu erforschen. Bei der Psychothera­pie ist die Ausprägung eines spezifischen Beziehungsangebot gewollt, durch das der Klient seine Fähigkeiten sich zu erforschen und weiterzuentwickeln ausbauen kann. (vgl. GwG, o. J., Online).

Zwei psychische Nöte gehen aus unserer Gesellschaft hervor. Das psychosoziale Leid ist weitaus häufiger verbreitet, als man es sich vorstellt. Dies ist der Grund woraus aus unverbindlichen Gesprächen sehr schnell Situationen in Beratungen umkippen, die den Charakter einer therapeutischen Sitzung gleichen (vgl. Belardi, 2007, S. 43).

In seinem Buch schreibt Herr Belardi (2007, S. 43), dass es seit einiger Zeit die Therapeutisierung der Gesellschaft gibt. Dabei werden psychotherapeutische Be­griffe in den Medien, in zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen und im All­tag benutzt, die durch die Suche nach Sinnhaftigkeit und neuen Lösungen diese Verhaltensweisen begünstigt. Seit den 1970er Jahren kam es zu einer Verbreitung von psychotherapeutischen und psychologischen Wissens in Deutschland. Durch diesen „Psychoboom“ wurde auch die sozialpädagogische Beratung beeinflusst, die neue Erkenntnisse der anderen Felder berücksichtigen musste und darf nicht die breiter angelegten Beratungsaufgaben der Sozialpädagogik nicht mit der Psy­chotherapie verwechseln, die tiefer in die Lebensgeschichte eingeht.

Ganz anders ist die Ansicht von Hinz (2008, S. 87), für ihn nach Carl Rogers die Begriffe Beratung und Psychotherapie eine gleiche Bedeutung zukommen würde. Beratung würde eher im pädagogischen Sinn genutzt und die Psychotherapie von Psychologen und Psychiatern. Daher ist der Begriff der Beratung für gelegentliche und oberflächliche Gespräche benutzt, während der Begriff der Psychotherapie für intensivere und längere Kontakte genutzt wird, mit dem Ziel der Reorganisation der Persönlichkeit. Es könne nach Rogers nicht zwischen eine intensive und er­folgreiche Beratung und einer intensiven und erfolgreichen Psychotherapie unter­schieden werden. Rogers hat die Bezeichnungen Beratung und Psychotherapie als austauschbar bezeichnet und verwendet (vgl. Hinz, 2008, S. 87 f., zit. N. Ro­gers, 1942/197, S. 17).

Für diese Argumentation unterscheidet Rogers zwischen schlechter Beratung und Psychotherapie sowie guter Beratung und Psychotherapie. Eine gute Beratung und Psychotherapie ist intensiv und erfolgreich. Schlecht definiert er als direktives Vorgehen wie Ermahnen, Befehlen, Belehren oder auch Verbieten (vgl. Hinz, 2008, S. 88).

Hieran merkt man, dass es schon früh zu Abgrenzungsfragen in der Sozialen Ar­beit und Psychologie kam. Da zu dieser Zeit Carl Rogers erst den Ansatz der kli­entenzentrierten Gesprächsführung prägte, machte er sich zu gleich auch Gedan­ken zu Abgrenzungsfragen.

Seine Gleichsetzung von Therapie und Beratung wird heute noch in vielen Fach­texten erörtert, allerdings hat sich dies nicht in der Praxis durchgesetzt, selbst nicht in der Gesprächstherapie (vgl. Hinz, 2008, S. 89).

Allerdings gilt es auch Gemeinsamkeiten zwischen Therapie und Beratung zu be­achten und ihre Zusammenhänge wahr zu nehmen. In der Therapie und in der Beratung handelt es sich um eine Beziehungsgestaltung offener Art, welches auf ein verständigungsorientiertes Handeln basiert. Ziel von dem Handeln ist es, den Menschen anzuregen oder zu befähigen, ihr Leben nach ihrem Sinne zu gestalten. Die Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen Psychotherapie und Bera­tung hängt von der jeweiligen Form ab, die zu einem Vergleich herangezogen wer­den. Die klassische Variante der Psychoanalyse unterscheidet sich von der sozia­len Beratung, Elemente sind jeweils von beiden Formen wechselseitig bedeutsam. Die Verbindungen sind einfacher herzustellen, wenn die Klientenzentrierte Bera­tung mit der Gesprächspsychotherapie verglichen wird. Die angewandte Technik und die professionelle Haltung des Beraters sind gleich, jedoch gibt es Unter­schiede in der Richtung des inhaltlichen Vorgehens. (vgl. Stimmer, et. al., 2016, S. 42 f).

Daher bleibt der Versuch einer eindeutigen Abgrenzung zwischen der Psychothe­rapie und der Beratung unbefriedigt. Es gibt keine klaren Unterscheidungskriterien, noch sind beide gleichzusetzen wie es zum Beispiel in der systemischen Famili­entherapie oder in der Gesprächspsychotherapie geschieht (vgl. Peters, 2006, S. 47).

Frau Nußbeck (2006, S. 22) sieht die angenommene selbstständige Verände­rungsfähigkeit des Klienten als wesentlichen Unterschied zur Therapie, da der Ver­änderungsprozess selbst bei der Therapie im Mittelpunkt steht.

Nach Peters (2006, S. 47) wird die Beratung und Psychotherapie keine eindeutige Abgrenzung haben, sondern er geht von einem Überschneidungsmodell aus bei­den Varianten aus, die unterschiedliche Akzentsetzungen haben werden. Die moderne Psychotherapie wird vorhandene Unterschiede einebnen und sich mehr auf bestimmte Patientengruppen und Störungsbilder ausrichten und spezialisie­ren.

Eine endgültige Abgrenzung zwischen der Therapie und der Beratung wird daher nicht möglich sein. Da die Psychotherapie viele Elemente der Beratung beinhaltet, wird man in der Praxis häufiger das Modell der Mischform begegnen.

2.4 Formalisierte Beratung

Frau Zwicker-Pelzer (2010, S. 46) erwähnt in ihrem Buch sechs Merkmale der for­malisierten Beratung, die professionelle Fachkräfte, deren Handwerkszeug die Be­ratung ist, die die Experten von Laien unterscheiden sollen. Sie stellen auch eine Abgrenzung zur informellen Beratung dar.

1. Der strukturierte Prozess

Die Beratung baut in der Theorie auf Struktur und Ordnung. Es ist das Ziel, einen geschützten Rahmen zu erschaffen und somit viel Entwicklung in kurzer Zeit pro­fessionell zu ermöglichen. Der strukturierte Prozess unterteilt sich noch einmal in die äußere Ordnung und die innere Ordnung.

Bei der äußeren Ordnung handelt es sich um den Rahmen der Beratung. Hiermit wird im systemisch-therapeutischen Zusammenhang das Setting gemeint, wel­ches für die Beratung auszustatten gilt. Dies umfasst den Ort, der Raum, die Sitz­ordnung etc. Eine Intervention ist schon gegeben, wenn der Berater das Setting bewusst gestaltet. Das Setting hat zwei zentrale Kernaussagen. Die erste Kern­aussage ist ein Regelwerk, welches den Rahmen der Zusammenarbeit im Handeln des Beraters regelt. Die zweite Kernaussage ist die Bedingungen in der Zeit und des Raumes. Dazu zählen die Zeitangabe, ein störungsfreier Ort, Einzel- oder Gruppenberatung und vieles mehr. Die innere Ordnung beschreibt eine Logik des Beratungsprozesses, welche in jedem Beratungsgespräch vorhanden ist. Jede Be­ratung enthält gleichbleibende Teile, die als innere Ordnung benannt werden (vgl. Zwicker-Pelzer, 2010, S. 46 f.).

2. Ziel- und Auftragsklärung

Die Beratung basiert auf Zielen und den Aufträgen des Klienten. Daher ist die Auf­tragsklärung ein markanter Punkt in der Beratung im direkten Unterschied zur Pä­dagogik, zur Anleitung, zur Schulung und zur Information. Im ersten Gespräch soll­ten die Aufträge herausgearbeitet werden. Diese können offen oder verdeckt sein. In der Startphase des beraterischen Prozesses gehört die Klärung, da sie eine systemische Intervention darstellt. Ohne einen Auftrag wäre die Beratung wir­kungslos und entmündigt den Klienten. (vgl. Zwicker-Pelzer, 2010, S. 48).

3. Tempo des Klienten als Maßeinheit

Mit dem Tempo in der Beratung ist der Umgang mit der Zeit und den Vorgängen von Veränderungen gemeint. Das Tempo ist ein sensibler Aspekt. Auch das Reden selbst gehört dazu und, ob der Berater und der Klient Pausen zulassen und aus­halten können ist sehr bedeutsam. Schnellreden kann unterschiedliche Bedeutun­gen haben, indem es hilft, die Bedeutsamkeit und Wichtigkeit herunterzuspielen oder es kann auch ein Ausdruck von geringer Selbstachtung sein. Dies suggeriert evtl. den Berater sein Tempo zu erhöhen und schnell Lösungen für die Anliegen des Klienten zu finden. Es ist daher eher ratsam einen intuitiven Mittelweg zwi­schen den gedachten Zielen und Aufträgen und dem sprachlichen Ausdruck des Klienten zu finden. So ist der sprachliche Ausdruck kein Garant und identisch mit dem Tempo für die Veränderungen, die notwendig sind. Die Interdependenz des Beobachteten stellt für die Beratung eine große Kompetenz dar, da sie mit abge­klärten Zielen und Aufträgen das Gedeutete des Klienten gut begleiten kann. Dies erfordert allerdings präzise Beobachtung, genaues Hinhören des sprachlichen Ausdrucks und geschicktes Nachfragen. Ebenso kann das Spiegeln der Differen­zen in der Beobachtung im beraterischen Prozess förderlich sein. (vgl. Zwicker­Pelzer, 2010, S. 50).

4. Ethische Prinzipien in der Beratung

Leitprinzipien der ethischen Natur sind Respekt, Wertschätzung und Autonomie des Klienten. Besonders sensibel für nicht genügende Wertschätzung sind Men­schen in Notlagen. Ein Kernstück dieser Prinzipien sind aber auch alle anderen entwicklungsfördernden Aktivitäten. Bei vielen Pädagogen wurde das Recht auf Achtung für den Menschen zu einem Leitthema. Die Beratung braucht daher als komplett verdichtetes Konstrukt der zwischenmenschlichen Begegnungen ethi­sche Haltungen, die sich in den Interaktionen und im Verhalten aller Beteiligten spiegelt. Diese Kompetenz gilt es als human zu sehen, sie anzuwenden und in der Person des Beraters sich selbst als Modell den anderen Menschen zur Verfügung zu stellen (vgl. Zwicker-Pelzer, 2010, S. 50 f.).

5. Grenzen erkennen

Hinsichtlich der Wirksamkeit von Beratung geht es auch um den Respekt vor Gren­zen, die Begrenztheiten der Menschen, sowie dessen Umfeld und den strukturel­len Gegebenheiten. Gegenüber dem Klienten gilt es außerdem seinen Anliegen und Zielen Grenzen empfinden zu können, da nicht jedes Anliegen beim Berater seinen richtigen Platz findet. Daher ist es wichtig, als Berater diese Grenzen zu erkennen und seine Fähigkeit auszubauen, sie neu zu identifizieren. Dies ermög­licht eigene Grenzen zu setzen und ggfs. den Klienten weiter zu verweisen. Im Beratungsprozess ermöglichen die involvierten Menschen die Grenzen zum Anlie­gen, zur Person und all ihrer Lebensumstände, zum Denken und Handeln durch das konkrete Erfahren und Gewahrsein der Würde des Menschen (vgl. Zwicker­Pelzer, 2010, S. 51).

6. Vertrauensschutz

In ihrem Psychosozialen Beratungsverständnis vom 19.06.2003 hat die Arbeitsge­meinschaft Beratungswesen folgendes zum Thema Vertrauensschutz der Bezie­hung zwischen Berater und Klient festgehalten: Die Beratung ist auf Grundlage des Vertrauensverhältnisses rechtlich geschützt (Schutz des Privatgeheimnisses und Datenschutz). Daher sollte die Vertrauensbeziehung zwischen Berater und Klient durch gesellschaftliche Regelungen besser geschützt werden als bisher. Zur Sicherung des Vertrauensverhältnisses gehört für alle Berater und Beraterin­nen das Zeugnisverweigerungsrecht, welches ein unerlässlicher Bestandteil für ihre Arbeit ist. Außerdem sind die berufs- und beratungsrechtlichen Kenntnisse integrale Bestandteile des fachlichen Handelns, wodurch die Fachkräfte verpflich­tet sind, mit den Abhängigkeiten, die in den Beratungsbeziehungen entstehen sorgsam umzugehen. Wesentliche Bestandteile im Beratungsprozess ist die fort­laufende Analyse der Beziehung, Verhaltensweisen und Interaktionen während der Gespräche (vgl. Zwicker-Pelzer, 2010, 52 zit. N. Sickendiek, et. al., 2007, S. 313).

Damit ist mehr als nur eine vertrauliche Interaktion und ein Verhältnis von Berater und Klient gemeint, welches durch Empathie geleitet wird. Es geht hinsichtlich der Beraterkompetenz um einen präzisen Umgang mit Informations- und Wissenskon­texten, die Unverwechselbarkeit und um die Fähigkeit, Wissen über andere Per­sonen in keinen anderen Kontext zu bringen und zu transportieren. Mit dieser Fä­higkeit kann die Würde des Klienten wirklich geschützt werden. In Institutionen mit Beratungskontexten ist dieser Schutz als Gütekriterium leichter zu gewährleisten, als in beruflichen Kontexten mit Beratungsanteilen (vgl. Zwicker-Pelzer, 2010, S. 53).

3. Onlineberatung in der Sozialen Arbeit

Der Lebensalltag vieler Menschen wird mittlerweile im beruflichen wie auch im pri­vaten Kontext von Verfügbarkeit und Nutzbarkeit durch das Internet beeinflusst. Dienste, Services und eine unüberschaubare Menge an Informationen bieten eine unbegrenzte Möglichkeit, die das Internet bietet. Auch der Umgang mit den inter­netbasierten Kommunikationsmedien ist inzwischen zum Selbstverständnis ge­worden und die jungen Generationen werden als „digital natives“ bezeichnet. Sie kennen ein Leben ohne Internet und Web 2.0 gar nicht. Für die Beratungsland­schaft bleiben diese Entwicklungen nicht ohne Folgen. Klienten sind es gewohnt neben der Face-to-Face-Beratung und der telefonischen Beratung, sich per Mail, Chat oder in Foren an die Beratungsstelle zu wenden. Dabei nutzen sie die Mög­lichkeit der weitgehenden Anonymität des Internets und emanzipieren sich von den Rahmenbedingungen z.B. der zeitlichen Erreichbarkeit der Beratungsstellen (vgl. Kühne, et. al., 2013, S. 1571).

In den Beratungsstellen sind Wartezeiten von mehreren Wochen auf einen Termin zur Face-to-Face-Beratung keine unübliche Sache. Die Online-Beratung bietet sich daher zur Überbrückung dieser Zeit an. Ein Zusammenschluss mehrerer Ein­richtungen, die gemeinsam einen Gruppen-Chat moderieren, gibt die Möglichkeit die gesamte Woche über ein Chat-Angebot zu installieren. Der Zeitumfang mit 10­15 Stunden Öffnungszeit könnte sich als Aufwand für die Einrichtungen pro Woche mit nur 2-3 Stunden deklarieren (vgl. Ruf, 2015, S. 7).

Onlineberatung ist im einfachen Sinne Beratung, die das Internet für ihre Aufgabe als Medium nutzt. Das Internet ist zugleich Ort der Beratung als auch die Basis für die Instrumente, mit denen beraten wird (vgl. Blesch, et. al., 2004, S. 188 f).

Das Internet ist als Medium zu einer Hauptfrequenz geworden, ob es nun um Nachrichten zu einem Thema geht oder um die Verfügbarkeit von Informationen, Daten oder das Wissen. Es gibt in der heutigen Zeit fast keine Firma ohne Inter­netseite, keine Partei und Verein ohne eigene Homepage und keine Zeitung ohne Online-Präsenz. Wir mailen, posten, downloaden, googlen, bloggen, chatten, net­worken etc. Das sind nur einige Beispiele, die wir im Internet machen. Dafür ver­wenden wir Programme, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab und es evtl. in den nächsten Jahren nicht mehr geben wird. Was es in der realen Welt gibt, neh­men wir zur Kenntnis und versehen wir mit einem „E-„. Dazu zählen E-Govern­ment, E-Health, E-Learning, E-Therapy oder E-Banking. Diese Entwicklungen wer­den in einen größeren Kontext eingebunden, obwohl wir in einer Wissensgesell­schaft leben, leiden wir am Google-Copy-Paste-Syndrom. Wir sehen uns mit digi­talen Herausforderungen konfrontiert und haben die Furcht, dass die nächste Ge­neration eine „Net-Generation“ ist (vgl. Hintenberger, Kühne, 2009, S. 15 f).

Eine Net Generation sind die Nachfahren, die ein Leben ohne Internet nicht mehr kennen werden. Deshalb ist es jetzt schon durchaus denkbar das Internet zu Teilen in die Beratungslandschaft der Sozialen Arbeit oder auch in die Psychologie zu integrieren. Da dieser Prozess jedoch noch am Anfang steht wird er sich nur mit drei Typen der Online-Beratung beschäftigen.

Wenn das Internet eine Hauptfrequenz für uns Menschen ist, dann bildet es eine gute Basis als Sozialarbeiter und anderen Berufsgruppen mit unseren Klienten über das Netz zu kommunizieren. Es bietet uns eine Flexibilität, die wir bis dato nicht unseren Klienten anbieten konnten. Das Angebot der Online-Beratung kann man zwar aus einigen Aspekten kritisch sehen, jedoch verfügt es über ein großes Potenzial und wird in Zukunft wohlmöglich fester Bestandteil unserer Arbeit sein.

Die Fragen, die sich bei der Thematik in der Online-Beratung für die Soziale Arbeit stellen haben Frau Justen-Horsten und Herr Paschen (2016, S. 13 f) formuliert. „In welcher Situation bietet sich nun eine Online-Beratung am ehesten an: bei hoch­belasteten Menschen in Krisen? Oder in der Lebensberatung für Menschen ohne eine psychischen Störung mit Krankheitswert?“ Es ist auch klar, dass ein Online­Berater oder Online-Therapeut in einer Krise nicht neben seinem Klienten stehen kann, richten sich Online-Angebote an Menschen in Notsituationen. Das Internet ist der nächstgelegene Weg zur professionellen Hilfe. Für die Menschen in hoch­belasteten Situationen ist der Kontakt über Online-Angebote meistens der Anfang der Unterstützung. Aber nicht nur für Menschen in Krisensituationen bietet die On­line-Beratung eine Form der Hilfe dar, sondern auch für Menschen, die Hilfestel­lungen und Rat bei allgemeinen Lebensproblemen suchen. Ebenso können sie dadurch abklären, ob ihre Befindlichkeit schon eine Art Störung ist. Für die beiden Interventionsbereiche - Krisenintervention und Prävention - ist die digitale Kom­munikation und Vermittlung von professioneller Hilfe eine Bereicherung. Den Grad der Intensität des Kontaktes zu den Beratungs- und Hilfsangeboten im Internet kann der Klient selbst wählen: von der Selbsthilfe bis zur Online-Therapie ist alles möglich.

In der Forschung und in der Entwicklung von internetbasierten Interventionsmög­lichkeiten gibt es bisher nur wenige Theorien, die auch nicht zur Entwicklung in­haltlich neuer Ansätze geführt hat. Das Internet wurde vielmehr als nützliches Me­dien aufgefasst, über das bereits bestehende Ansätze vermittelt werden könne. Es wird davon ausgegangen, dass die Forschung zu internetbasierten Interventions­möglichkeiten in der Zukunft einen Teil zur Theoriebildung leisten kann. Ein Grund hierfür sind Studien, die zu internetbasierten Interventionsmöglichkeiten schneller durchgeführt werden könne, als zu Face-to-Face-Beratungen und Therapien (vgl. Berger, 2015, S. 20).

Die Besonderheit am Medium Internet liegt darin, dass es eine Renaissance des Schreibens erlebt. Persönliches, privates Brief-Schreiben wird auf ein digitales Format übertragen, welches sich E-Mail nennt. Die E-Mail ersetzt teilweise das Brief-Schreiben, wird aber nicht ganz abgeschafft. Es wird je nach Nutzung an­lassspezifisch differenziert. Die Kommunikationsgewohnheiten und -frequenzen werden wieder einmal, und nicht zum letzten Mal verändert (vgl. Justen-Horsten, 2016, S. 11).

In der psychosozialen Online-Beratung wird der systemische Ansatz sehr häufig verwendet. Besonders für die schriftbasierte Kommunikation hat sich dieser An­satz als bewährt gezeigt. Es gibt ein verhaltenstherapeutisches Übergewicht, al­lerdings gibt es viele Anhaltspunkte für eine Methodenintegration. Durch die feh­lende physische Präsenz sind Projektionen, Übertragungs- und Gegenübertra­gungsphänomene sowie die Beziehungsgestaltung sehr wichtige Themen in der Online-Beratung. Psychodynamische Verfahren können dazu mehr Antworten lie­fern als die Verhaltenstherapie. Die systemischen Verfahren sowie die Gesprächs­psychotherapie liefern nur Hilfestellungen wie z.B. bei der Auftragsklärung, bei der Formulierung von Interventionen und therapeutischen Haltungen. Mit ihrem Me­thodenrepertoire bieten die Supervision und Coaching auch online Beratungsleis­tungen an. Die Online-Beratung wird in Zukunft einen wichtigen Teil zur Methoden­integration liefern. Neben dem Aspekt der Informationsverbreitung kann es auch in der Schriftlichkeit liegen. Online-Berater und -Therapeuten vergegenwärtigen sich selbst mit ihren schriftlichen Interventionen. Eine Diskussion über Ähnlichkei­ten und Unterschiede entstehen, die wohl mehr praktische Ähnlichkeiten aufzeigen würde, als es die Theorie vermuten würde.(vgl. Justen-Horsten, 2016, S. 13).

Deutlich wird auch, dass Kenntnisse über die ethnografische Kultur der Onlineko­mmunikation und dessen Teilnehmer für den Erfolg der Beratungsarbeit immens wichtig ist. Grundlegend für diese Kultur und somit auch für die Online-Beratung ist die Abhängigkeit von der Schrift- und tastaturabhängigen Zeichenkommunika­tion. Diese Eigenheiten müssen erlernt werden, besonders in der professionellen Beratung zu psychosozialen und gesundheitlichen Fragen und Problemlagen im Chat zu beantworten. Ebenfalls sind spezielle Interfaces und Chatsysteme unab­dingbar, da in der Vergangenheit das Fehlen dieser Instrumente zu einigen Rück­schlagen in der Entwicklung geführt hat (vgl. Van Eckert, 2005, S. 352).

Die Zeichenkommunikation kann somit im Vergleich mit der Sprache angesehen werden, nur dass die Sprache im virtuellen Raum sich an Hilfsmitteln wie einer Tastatur bedient.

Die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in Beratung und Therapie ist in Deutschland noch nicht sehr weit entwickelt. Sie beschränken sich in den meisten Fällen auf die Nutzung von traditionellen Mitteln wie der E-Mail oder Internet-Recherchen. Ein Großteil der Berater und Therapeuten verlässt sich ausschließlich auf traditionelle Kommunikationsformen. (vgl. Drda-Kühn, et. al., 2018, S. 28).

Für die Beratungslandschaft ist dies ein Kriterium, welches sich in Zukunft negativ auswirken kann, da die Digitalisierung sich in allen anderen Bereichen ausbreitet und fast jeder Mensch sich an dieser Technologie bedient. Wenn sich die Berater und Therapeuten nicht durchringen, mehr in Richtung der Digitalisierung zu gehen werden einige Zielgruppen nicht geholfen werden können.

3.1 Das Medium Internet (Geschichtlich)

Das Internet ist aus technischer Sicht ein Weitverkehrsnetz unter dem TCP/IP Pro­tokoll. Der Name „Inter-Net“ hat seinen Ursprung in seiner Aufgabe, lokale Netze miteinander zu verbinden. „Inter-Net“ bedeutet daher das Netz zwischen den Net­zen. Eine Besonderheit des Internets ist es, dass es keine einzelnen Eigentümer gibt. In diesem Sinne ist das Internet die gemeinsame technische Grundlage zum Austausch von Daten zwischen den Rechnersystemen und alle anderen techni­schen Übertragungssysteme. Das Internet hat seinen Ursprung im militärischen Bereich aus den 60er Jahren. In den 80er Jahren wurde das Internet hauptsächlich in der naturwissenschaftlichen und technischen Forschung eingesetzt. Mit der Ent­wicklung einer grafischen Oberfläche im Jahr 1993 begann die rasante Verbrei­tung. Es bietet verschiedene Dienste an, die auf den TCP und IP Protokollen auf­bauen. Wichtig sind HTTP (Hyper Text Transfer Protokoll) zur Übertragung und Aufbau von Webseiten im WWW. Das HTTPS (S für Secure) verschlüsselt Daten auf dem Übertragungsweg, ohne das Dritte sie einsehen können. POP (Post Office Protocol) und SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) dienen zum Empfangen und Versenden von Mails. Das FTP (File Transfer Protocol) übertragt Dateien zwischen Servern und Clients. Das Internet hat sich zu einem integrierten Übertragungska­nal für alle multimedialen Daten entwickelt. Damit ist es ein Universalnetz, das an­dere Netze wie das Telefonnetz integriert oder sogar ablöst. (vgl. Kreidenweis, 2012, S. 56).

Ein Meilenstein in der Richtung des öffentlichen Netzes wurde im Jahre 1979 durch das USENET als freie Alternative zum ARPNET geschaffen. Das USENET funkti­onierte als internetweites schwarzes Brett und die Kommunikation ist mit den Fo­ren aus der heutigen Zeit zu vergleichen. Jeder Nutzer konnte sich mit Postings an Diskussionen beteiligen und eigene Themen eröffnen. Sozial betrachtet war das USENET ein öffentlicher Raum, in dem jeder Nutzer zu jedem Thema lesen und schreiben durfte. Auf der technischen Ebene gab es Anfang der 1980er Jahre zwei relevante Durchbrüche. Im Jahre 1981 stellte IBM seinen ersten Personal Computer, besser bekannt als PC. Durch diese Vorstellung wurde der Zugang zum Netz räumlich unabhängig von den großen Rechenzentren. Ein Jahr später wurde das TCP/IP, ein Internetprotokoll zum Standard, als die ARPA und die Defence Communications Agency sie implementierten. Durch diese Implementierung wurde auch zum ersten Mal der Begriff Internet definiert. Ab dieser Begriffsbestim­mung wurden damit eine Menge der verbundenen Netzwerke benannt, die auf dem TCP/IP Protokoll basieren (vgl. Ebersbach, et. al., 2011, S. 21 f).

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Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Onlineberatung in der Sozialen Arbeit. Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
70
Katalognummer
V1298490
ISBN (Buch)
9783346762719
Sprache
Deutsch
Schlagworte
onlineberatung, sozialen, arbeit, chancen, digitalisierung, Beratung Soziale Arbeit Sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Marvin Mellenthin (Autor:in), 2018, Onlineberatung in der Sozialen Arbeit. Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298490

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