In dieser Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle die Sprache in der kognitiven Entwicklung hörbeeinträchtigter Kinder innehat. Da die kognitive Entwicklung viele Teilfunktionen umfasst, wird sich im Rahmen dieser Arbeit auf die sogenannten exekutiven Funktionen – welche als bedeutsame kognitive Fähigkeiten angesehen werden – beschränkt. Es soll geprüft werden, welche exekutiven Funktionsleistungen hörbeeinträchtigte Kinder vorweisen und ob diese im Zusammenhang zur Sprachkompetenz stehen. Zu diesem Zweck werden eingangs zentrale Begriffe geklärt, bevor auf relevante (Unterscheidungs-)Merkmale von Menschen mit Hörschädigung, u.a. hinsichtlich der Sprache, eingegangen wird. Anschließend folgt im Hauptteil dieser Arbeit die Betrachtung mehrerer Studien, welche den Zusammenhang zwischen Hörschädigung, Sprache und kognitiver Entwicklung beleuchten. Nach einem Zwischenfazit zu den zentralen Studienerkenntnissen, folgen im letzten Teil der Arbeit praktische Handlungsvorschläge, die an Betreuende von hörbeeinträchtigten Kindern gerichtet sind und eine angemessene Förderung der kognitiven Entwicklung bzw. exekutiven Funktionen ermöglichen sollen. Zum Schluss wird dann ein abschließendes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführende Worte
2 Begriffsklärungen
2.1 Die Begriffe ,kognitive Entwicklung‘ und ,kognitive Fähigkeiten‘
2.2 Die Begriffe ,exekutive Funktionen‘, ,Arbeitsgedächtnis‘, ,Inhibition‘ und ,kognitive Flexibilität‘
3 Allgemeines zu Menschen mit Hörschädigung
3.1 Es gibt nicht den typischen Hörgeschädigten
3.2 Mit einer Hörschädigung gehen oft besondere Lebensumstände einher
4 Der Einfluss der Sprache auf die kognitiven Fähigkeiten hörbeeinträchtigter Kinder
4.1 Expressive Vocabulary predicts Nonverbal Executive Function
4.1.1 Studienaufbau
4.1.2 Studienergebnisse
4.1.3 Erklärungsansätze und Folgerungen
4.2 Executive Functioning Skills in Long-Term Users of Cochlear Implants
4.2.1 Studienaufbau
4.2.2 Studienergebnisse
4.2.3 Erklärungsansätze und Folgerungen
4.3 Auditory Deprivation does not impair executive function, but language deprivation might
4.3.1 Studienaufbau
4.3.2 Studienergebnisse
4.3.3 Erklärungsansätze und Folgerungen
5 Zwischenfazit
6 Handlungsvorschläge zur Förderung der Sprache von hörbeeinträchtigten Kindern
7 abschließendes Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Sprachentwicklung und der Ausbildung exekutiver Funktionen bei hörbeeinträchtigten Kindern. Ziel ist es, zu klären, inwiefern eine Hörschädigung die kognitive Entwicklung beeinflusst und welche Bedeutung eine frühzeitige, adäquate Sprachförderung für diese Entwicklungsprozesse besitzt.
- Grundlagen zur kognitiven Entwicklung und exekutiven Funktionen
- Die heterogene Lebenssituation von Menschen mit Hörschädigung
- Analyse wissenschaftlicher Studien zum Zusammenhang von Sprache und exekutiver Leistung
- Handlungsempfehlungen für Bezugspersonen zur gezielten Sprachförderung
Auszug aus dem Buch
Die Begriffe ,exekutive Funktionen‘, ,Arbeitsgedächtnis‘, ,Inhibition‘ und ,kognitive Flexibilität‘
In der Fachliteratur findet man statt dem Begriff der exekutive Funktionen gelegentlich die synonyme Bezeichnung kognitive Kontrolle (Schneider, 2018). Beide Begriffe bezeichnen nach Schneider (2018) „kognitive Prozesse, die untergeordnete sensorische, kognitive, emotionale und motorische Prozesse im Sinne eines internen oder externen Ziels koordinieren und dessen Umsetzung überwachen“. Folglich handelt es sich hierbei um „Regulations- und Kontrollmechanismen, die wichtig sind, damit Menschen ziel- und situationsorientiert handeln können“ (Drechsler 2007 zit. n. Dietzel, Gutjahr & Hintermair 2010).
Es scheint keine klare Festlegung darüber zu geben, was alles zu den exekutiven Funktionen (Abkürzung: eF) zählt (Jones et al., 2020), da verschiedene wissenschaftliche Werke auch unterschiedliche exekutive Funktionen auflisten. So zählen Dietzel et al. (2010) folgende Fähigkeiten dazu: Initiieren von Problemlöseprozessen, Hemmen von ablenkenden Reizen und Handlungen, Auswählen relevanter Handlungsziele, Organisieren komplexer Problemlöseprozesse, flexibles Anpassen von Lösungsstrategien, Beobachten des eigenen Vorgehens, Bewerten des eigenen Erfolgs.
Im Gegensatz dazu geht Schneider (2018) - wie viele andere auch - davon aus, dass sich die exekutiven Funktionen in drei Kernfähigkeiten (auch: Kernkomponenten) aufteilen lassen: Die erste Kernkomponente ist das Arbeitsgedächtnis. Es dient dem Aufrechterhalten relevanter Informationen und hat die Aufgabe, Informationen, die für das Ausführen einer Handlung bzw. Aufgabe, irrelevant sind, auszublenden (Schneider, 2018). Die Inhibition zählt als zweite Kernkomponente. Sie dient der Hemmung automatisierter Handlungstendenzen und impulsiver Reaktionen. (Schneider, 2018). Die kognitive Flexibilität ist die dritte und letzte Kernkomponente der exekutiven Funktionen. Sie ermöglicht ein effizientes Anpassen an wechselnde Aufgabenanforderungen und dient der Vorbeugung des „Verharrens“ in einer Aufgabe. (Schneider, 2018).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführende Worte: Ein historischer Abriss verdeutlicht den Wandel im Verständnis von Taubheit und führt in die Fragestellung zur Relevanz von Sprache für die kognitive Entwicklung ein.
2 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen psychologischen Konzepte der kognitiven Entwicklung sowie die Komponenten exekutiver Funktionen wie Inhibition und Arbeitsgedächtnis.
3 Allgemeines zu Menschen mit Hörschädigung: Es wird die Heterogenität verschiedener Hörschädigungsformen beschrieben und auf die daraus resultierenden, teils schwierigen Lebensumstände für betroffene Kinder eingegangen.
4 Der Einfluss der Sprache auf die kognitiven Fähigkeiten hörbeeinträchtigter Kinder: Anhand dreier aktueller Studien wird untersucht, wie sich Sprachkompetenz, auditiver Input und verschiedene Sprachmodalitäten auf die Entwicklung exekutiver Funktionen auswirken.
5 Zwischenfazit: Die Erkenntnisse aus den Studien werden gebündelt, wobei die Sprachkompetenz als unidirektionaler Förderfaktor für die kognitiven Fähigkeiten identifiziert wird.
6 Handlungsvorschläge zur Förderung der Sprache von hörbeeinträchtigten Kindern: Es werden konkrete pädagogische Ansätze, wie die Bedeutung elterlicher Sprachlehrstrategien und frühzeitiger Interventionen, vorgestellt.
7 abschließendes Fazit: Die Arbeit resümiert die Notwendigkeit eines frühen, vollwertigen Sprachangebots, um eine normale exekutive Entwicklung bei hörbeeinträchtigten Kindern zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Gehörlosigkeit, Hörbeeinträchtigung, Exekutive Funktionen, Sprachentwicklung, Kognition, Arbeitsgedächtnis, Inhibition, Kognitive Flexibilität, Sprache, Gebärdensprache, Cochlea-Implantat, frühkindliche Förderung, Metakognition, Sprachdeprivation, Selbstregulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die Sprachentwicklung auf die kognitiven Fähigkeiten, speziell auf die exekutiven Funktionen, bei Kindern mit einer Hörschädigung hat.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Text ab?
Die Themenfelder umfassen die Definition kognitiver Prozesse, Einblicke in die verschiedene Ausprägungen von Hörschädigungen sowie eine kritische Analyse aktueller Studien zur exekutiven Leistungsfähigkeit hörender versus hörbeeinträchtigter Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hypothese zu prüfen, ob ein frühzeitiger, vollwertiger Spracherwerb essenziell für die Entwicklung exekutiver Funktionen ist und ob Schwierigkeiten bei hörbeeinträchtigten Kindern eher durch fehlende Sprachförderung als durch die Hörproblematik selbst bedingt sind.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der aktuelle Studien und Fachliteratur aus den Bereichen der Gehörlosenpädagogik und Entwicklungspsychologie synthetisiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden drei spezifische Studien detailliert analysiert, die den Zusammenhang zwischen expressiven Wortschatz, CI-Versorgung, Sprachdeprivation und exekutiven Funktionen bei Kindern und Jugendlichen untersuchen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind exekutive Funktionen, Sprachkompetenz, kognitive Entwicklung, Gebärdensprache, CI-Versorgung und frühkindliche Sprachförderung.
Warum schneiden einige CI-Träger schlechter bei Tests ab als Normalhörige?
Die Studien deuten darauf hin, dass die Variabilität der Ergebnisse häufig mit dem Implantationsalter zusammenhängt; ein später Zugang zu auditivem Input kann zu einer schlechteren Basis für exekutive Prozesse führen.
Welche Bedeutung haben "native signers" für die Forschung?
Gehörlose Kinder, die mit Gebärdensprache als Muttersprache aufwachsen, zeigen, dass eine voll entwickelte Sprachkompetenz, unabhängig von der auditiven Modalität, eine normale Entwicklung exekutiver Funktionen ermöglichen kann.
- Quote paper
- Clara Schoch (Author), 2021, Die Rolle der Sprache in der kognitiven Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298496