Die Arbeit diskutiert die Thematik um Sterben, Tod und Trauer im Religionsunterricht und zeigt kurz und knapp die Methodenvielfalt zur Behandlung der Thematik auf. Die Thematik des Sterbens gilt es nicht nur als Teilthema von Tod und Jenseitsvorstellungen sondern auch als eigenständiges Thema zu behandeln. Das Sterben an sich, ist für Kinder und Jugendliche nicht erst dann präsent, wenn es in ihrem eigenen Umfeld geschieht. In verschiedenen Filmen, Serien, Hörspielen und Büchern wird das Sterben immer häufiger zum Thema. Die Problematik jedoch ist, dass mit den Kindern und Jugendlichen nur selten über das gesehene, gehörte oder gelesene gesprochen wird und sie ganz allein mit dem sensiblen Thema des Sterbens zurechtkommen müssen.
Innerhalb des Religionsunterrichts bietet es sich also an, auf die fiktionalen Sterbeerzählungen einzugehen, auf welche die Schüler:innen in ihrem Alltag treffen. Sie ermöglichen eine imaginative Annäherung an die vielen Facetten des Sterbeprozesses. Beispielhaft zu nennen sind Filme, wie "Oskar und die Dame in Rosa", "Wie man unsterblich wird" oder "Das Schicksal ist ein mieser Verräter".
Hinzu kommen Berichte realer Personen, die in den verschiedensten Sozialen Netzwerken von ihrem Prozess des Sterbens berichten. An erster Stelle steht jedoch die Berücksichtigung des jeweiligen Todesverständnis der Kinder und Jugendlichen. Mit dem Grundschulalter kommt erstmalig die Angst gegenüber dem Tod auf. Die Kinder verstehen erstmalig die Endgültigkeit des Todes. Sie trauern wie die Erwachsenen auch, nur wesentlich kürzer. Grund dafür, ist die Tatsache, dass Kinder in dem Alter sich eher auf das Leben im Augenblick fokussieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Gesamtreflexion der Lehrinhalte der Veranstaltungen
1.1. Welche Lerninhalte haben meine fachlichen und didaktischen Kompetenzen erweitert?
1.2. Welche Impulse für mein persönliches Studium wurden mir durch die Lehrveranstaltungen geliefert?
1.3. An welchen Punkten sind Fragen offengeblieben?
2. Vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik „Tod und Trauer im Religionsunterricht“
2.1. Fachwissenschaftliche Grundlagen
2.1.1. Sterben
2.1.2. Suizid
2.1.3. Trauer
2.2. Fachdidaktik
2.2.1. Sterben & Trauern
2.2.2. Tod-Interreligiös
2.3. Konkrete Umsetzungsansätze
2.3.1. Fallbeispiel „Lisa ist gestorben“
2.3.2. Unterrichtsanstätze zum Themenschwerpunkt für einen lang vorbereiteten Unterricht
3. Dokumentation: Meine Umsetzung eines Scrapbooks für den Religionsunterricht
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Portfolios ist die methodische und inhaltliche Reflexion der Lehrveranstaltungen „Subjekte in religiösen Lernprozessen“ und „Lernprozesse im RU planen, gestalten, bewerten“ unter besonderer Berücksichtigung der didaktischen Aufarbeitung des Themas Tod und Sterben im Religionsunterricht.
- Reflexion des eigenen Kompetenzzuwachses und der fachlichen Schwerpunkte
- Theologisierungsprozesse mit Kindern und Jugendlichen
- Didaktische Vermittlung sensibler Themen wie Sterben und Trauer
- Interreligiöse Perspektiven auf das Lebensende
- Praktische Dokumentation durch interaktive Unterrichtsmaterialien (Scrapbook)
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Sterben
Die Sterblichkeit der Menschen ist eine Konstante in jedem Leben. Jede:r wird früher oder später sterben. Wie ein Mensch stirbt, ist jedoch nie gleich und von Kultur zu Kultur unterschiedlich. In der westlichen Gesellschaft, zu der auch Deutschland gehört, ist der Prozess des Sterbens im Allgemeinen länger und geprägt von verschiedenen Handlungsmöglichkeiten. Der Hauptgrund dafür, ist das hochentwickelte Gesundheitssystem. Es befinden sich immer mehr Menschen in einem langen Sterbeprozess, was vor allem an der Entstehung spezieller Einrichtungen, wie beispielsweise Hospize oder Palliativstationen, erkennbar ist.
Schäfer, Frewer und Müller-Busch fassen es abschließend treffend zusammen: „Schätzungsweise drei Viertel […] bis 48 Stunden vor ihrem Tod bewusst einen Sterbeprozess und können eventuell Einfluss auf Ort und Umstände des Sterbens nehmen.“
Nicht nur der Verlauf des Sterbens ändert sich, auch die Wahrnehmung des Sterbens befindet sich derzeit im Wandel. Das Sterben an sich hat eine neue Öffentlichkeit erlangt, nicht zuletzt deshalb, weil sich Betroffene selbst zu Wort melden. Beispielhaft dafür ist unteranderem Harald Mayer, ein ehemaliger Feuerwehrmann, der 1997 die Diagnose Multiple Sklerose erhält. Heute ist er bis zum Kopf gelähmt und kämpft für ein selbstbestimmtes Sterben. Gemeinsam mit seiner Freizeitbegleiterin Vanessa, nimmt er unzählige Menschen auf der Medienplattform TikTok dabei mit.
Das Sterben jedoch wird nicht nur als der Prozess des Sterbens angesehen, sondern auch als Teil des Lebensprozess. Die Sterbeerzählungen bilden den Mittelpunkt der christlichen Glaubensbekennungen. Dennoch beschäftigt sich die christliche Theologie bedeutend intensiver mit dem Tod als mit dem vorangehendem Sterbeprozess.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gesamtreflexion der Lehrinhalte der Veranstaltungen: Die Autorin reflektiert ihren fachlichen und persönlichen Lernfortschritt aus den besuchten Lehrveranstaltungen und identifiziert offene Fragen für ihre zukünftige Rolle als Religionslehrerin.
2. Vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik „Tod und Trauer im Religionsunterricht“: Dieses Kapitel verknüpft fachwissenschaftliche Grundlagen des Sterbens, Suizids und der Trauer mit fachdidaktischen Konzepten für den Unterricht.
3. Dokumentation: Meine Umsetzung eines Scrapbooks für den Religionsunterricht: Die Arbeit schließt mit einer praktischen Dokumentation ab, in der Unterrichtsmaterialien wie Motivationskarten und interaktive Vorlagen für den Religionsunterricht in Form eines Scrapbooks präsentiert werden.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Sterben, Tod, Trauer, Theologisieren, Fachdidaktik, Interreligiösität, Schulseelsorge, Lebensende, Unterrichtsplanung, Glaubensreflexion, Schöpfung, Schuldgefühle, Inklusion, Gottesbilder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit umfasst eine Reflexion der persönlichen fachlichen und didaktischen Entwicklung der Autorin im Kontext zweier Lehrveranstaltungen zum Religionsunterricht, kombiniert mit einer vertiefenden inhaltlichen Ausarbeitung zum Thema Tod und Trauer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit beleuchtet die fachwissenschaftlichen Aspekte von Sterben, Suizid und Trauer, didaktische Ansätze zur Vermittlung dieser sensiblen Themen sowie die Bedeutung der interreligiösen Perspektive.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, für die zukünftige Unterrichtspraxis als Religionslehrerin eine solide didaktische Basis zu schaffen, um schwierige Themen wie Sterben angemessen und sensibel zu behandeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Selbstreflexion zur eigenen Professionalisierung sowie eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung der fachwissenschaftlichen und didaktischen Themen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Einordnung (Sterben, Suizid, Trauer), eine fachdidaktische Reflexion und konkrete, praxisnahe Unterrichtsmodelle für verschiedene Altersstufen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Religionsunterricht, Theologisieren mit Kindern/Jugendlichen, Umgang mit Trauer, Interreligiösität und die professionelle Identität als Lehrkraft.
Wie unterscheidet sich die Behandlung des Themas in der Grundschule und in weiterführenden Schulen?
In der Grundschule liegt der Fokus auf der ersten Auseinandersetzung mit der Angst vor dem Tod und der Endgültigkeit, während in den höheren Klassen komplexe emotionale Ebenen und Krisen wie Depression oder Suizidgedanken thematisiert werden müssen.
Welche Rolle spielt die Interreligiösität bei der Thematisierung von Tod und Sterben?
Die Auseinandersetzung mit verschiedenen religiösen Vorstellungen ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, Abstand zu gewinnen, neue Perspektiven einzunehmen und respektvolle Kommunikationsformen zu entwickeln.
Warum ist das „Scrapbook“ als Dokumentation gewählt worden?
Das Scrapbook dient als haptische und visuelle Zusammenstellung von Unterrichtsmaterialien und Impulsen, die der Autorin als Orientierungshilfe für ihren späteren Berufsalltag dienen sollen.
- Arbeit zitieren
- Lina Lentge (Autor:in), 2022, Trauern, Tod und Sterben im evangelischen Religionsunterricht. Fachwissenschaftliche Grundlagen und Umsetzung im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298948