„Nähe des Geliebten“ ist ein von Johann Wolfgang von Goethe 1795 verfasstes Kurzgedicht. Es beschreibt die Liebe und die Sehnsucht zu einer entfernten Person. Das Gedicht ist an das Gedicht „Ich denke dein“ angelehnt, welches von der zu damaliger Zeit bekannten Dichterin Friederike Brun verfasst wurde. Ein Freund Goethes, der Komponist Carl-Friedrich Zelter (1758-1832), schrieb dazu eine Melodie. Im Jahr 1799 wurde „Nähe des Geliebten“ von Ludwig van Beethoven vertont, 1834 auch von Josephine Lang (Opus 5). Es zählt zu den bekanntesten musikalisch aufbereiteten Gedichten Goethes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Epocheneinordnung
3. Inhaltlicher Aufbau und Formanalyse
4. Sprachliche Mittel
5. Biographische Bezüge
6. Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Nähe des Geliebten“ einer strukturierten Analyse zu unterziehen, um die zentralen Motive von Sehnsucht, räumlicher Distanz und emotionaler Verbundenheit sowie deren literarische Umsetzung zu beleuchten.
- Epocheneinordnung des Gedichts im Spannungsfeld zwischen Klassik und Romantik
- Formanalyse der jambischen Struktur und des Kreuzreim-Schemas
- Untersuchung sprachlicher Stilmittel wie Alliteration, Anapher und Metaphorik
- Analyse biographischer Hintergründe und Einflüsse auf den Text
- Bewertung der Darstellung von Sehnsucht und phantasievoller Weltgestaltung
Auszug aus dem Buch
3. Inhaltlicher Aufbau und Formanalyse
Das Gedicht ist vierstrophig jambisch aufgebaut und erhält durch die in allen vier Strophen in durchgehend reinen Kreuzreimen angeordneten Verse eine melodische und dem Lesefluss zuträgliche Struktur. Männliche und weibliche Kadenzen wechseln sich ab, zu Beginn steht eine weibliche. Es handelt sich, obwohl nicht volkstümlich, um ein Liebesgedicht mit liedhaftem Charakter. Diese Einordnung der Gedichtsform wird auch durch die spätere musikalische Bearbeitung unterstützt. Zeitform des Gedichts ist das Präsens, der Sprachstil ist, der Zeit und der Gedichtsform angemessen, altmodisch und emotional. Auffällig sind der durchgehende Gebrauch von Nebensatzkonstruktionen (Zeile 5; „ich sehe dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen die Welle steigt.“) sowie zahlreiche –regelmäßig angeordnete– Enjambements (Zeilen 1 - 2 / 3 - 4 / 5 - 6 / 7 – 8 / 9 - 10).
In den vier Strophen mit je 4 Versen wechseln sich jeweils lange mit kurzen Zeilen ab, jeder zweite Vers beginnt mit „Ich denke dein / ich sehe dich“. Dieses Schema wurde von Friederike Bruns „Ich denke Dein“ übernommen. Der Titel „Nähe des Geliebten“ lässt vermuten, dass es sich beim lyrischen Ich um eine weibliche Person handelt.
Das lyrische Ich beschreibt durch alle Strophen hindurch die Sehnsucht und gefühlte Nähe zum Geliebten, die trotz offensichtlicher räumlicher Distanz sehr groß ist. Im Detail werden verschiedene Situationen genannt, in denen an den Geliebten gedacht wird und sich das lyrische Ich diesem trotz dessen Abwesenheit besonders verbunden fühlt. Bereits die erste Strophe beschreibt die gefühlte Sehnsucht und betont diese Nähe, die den ganzen Tag über anhält („…wenn mir der Sonne Schimmer… „/ „…wenn sich des Mondes Flimmer…“).
In den Strophen zwei und drei steigern sich die Gefühle in phantasievolle Empfindungen, die in Sinneswahrnehmungen zum Ausdruck gebracht werden.
Das lyrische Ich wähnt den Geliebten zu sehen und zu hören („…sehe dich, wenn auf dem fernen Wege…“ / „…höre dich, wenn dort im dumpfen Rauschen…“). Die innigen Gefühle scheinen die Sinneswahrnehmungen zu beeinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Gedicht „Nähe des Geliebten“ von Goethe ein, erwähnt dessen Entstehungsgeschichte und die Bedeutung durch musikalische Vertonungen.
2. Epocheneinordnung: Hier wird das Gedicht als Bindeglied zwischen Klassik und Romantik verortet, wobei die Naturverbundenheit als zentrales Element herausgestellt wird.
3. Inhaltlicher Aufbau und Formanalyse: Dieses Kapitel analysiert die metrische Struktur, das Reimschema und die inhaltliche Progression der vier Strophen des Gedichts.
4. Sprachliche Mittel: Der Fokus liegt auf der Analyse von Alliterationen, Anaphern und Personifikationen, die die liedhafte und gefühlsbetonte Wirkung des Werks verstärken.
5. Biographische Bezüge: Hier werden die literarischen Einflüsse durch Friederike Brun sowie das freundschaftliche Verhältnis zu Schiller hinsichtlich möglicher Adressaten des Gedichts diskutiert.
6. Bewertung: Das abschließende Kapitel reflektiert die Wirkung des Gedichts auf den Leser und dessen Fähigkeit, das menschliche Bedürfnis nach Nähe trotz physischer Distanz darzustellen.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Nähe des Geliebten, Gedichtsanalyse, Romantik, Klassik, Sehnsucht, Liebesgedicht, Naturmetaphorik, Friederike Brun, Versmaß, Jambus, Kreuzreim, Anapher, Sinneswahrnehmung, Epocheneinordnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer detaillierten Analyse von Goethes Gedicht „Nähe des Geliebten“ und untersucht dessen formale, sprachliche und inhaltliche Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die literarische Darstellung von Sehnsucht, der Umgang mit räumlicher Distanz und die Verknüpfung von Naturerleben mit emotionalen Zuständen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Aufbau des Gedichts zu verstehen und zu ergründen, wie Goethe die gefühlte Nähe zu einem fernen Menschen durch sprachliche Mittel und Phantasie greifbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die klassische textanalytische Methode, ergänzt durch literaturhistorische Einordnung und biografische Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine epochengeschichtliche Einordnung, eine formale Analyse des Textes, eine Untersuchung der sprachlichen Stilistik sowie die Betrachtung biografischer Bezüge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Epocheneinordnung, Romantik, Klassik, Sehnsucht, Anapher, Jambus und Naturmetaphorik.
Wie beeinflusste Friederike Brun das Werk von Goethe?
Goethe lehnte sein Gedicht „Nähe des Geliebten“ an Bruns Werk „Ich denke dein“ an und übernahm dessen Struktur und Form, da er das Original als Grundlage für seine eigene Bearbeitung nutzte.
Inwiefern spielt das Thema „Distanz“ eine Rolle in der Arbeit?
Das Thema Distanz wird sowohl als physische Trennung im Gedicht analysiert als auch biografisch als Spiegelbild der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller gedeutet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2009, Analyse des Gedichts "Nähe des Geliebten" von Johann Wolfgang von Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129897