Das getrennte Kind - Empfindungen der Kinder und was Schule leisten sollte


Hausarbeit, 2007

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Scheidung bedeutet Veränderung
2.1 Familiäre Veränderungen

3. Die Reaktionen und Auswirkungen bei den Kindern
3.1 Neugeborene
3.2 Die Kleinkinder bis 6 Jahre
3.3 Schulkinder im Alter von 6-9
3.4 Vorpubertät – Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren
3.5 Pubertät – Die Jugendlichen ab 12 Jahren

4. Hilfestellungen durch die Schule
4.1 Das „getrennte Kind“ in der Schule
4.2 Was können Lehrer bzw. Schule leisten
4.3 Was kann Religionsunterricht leisten?

5. Schlussworte

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Durch das Seminar Entwicklungspsychologie wurden die Stufen der Entwicklung vom Embryo bis hin zum Erwachsenen erklärt und besprochen. Dabei wurde auf die Religiosität Bezug genommen, aber auch allgemein über Schule gesprochen. In der heutigen Zeit ist es wichtig, dass die Schule mit den ständig veränderten Anforderungen an sie neben der Wissensvermittlung auch den emotionalen Bereich in ihr pädagogisches Tun einbezieht

Wenn ich im Folgenden von Schule spreche, gehe ich natürlich auch vom Religionsunterricht aus, weil man durch den Lehrplan in den Hauptfächern meistens sehr strickt danach gehen muss, was einem der Lehrplan vorschreibt. In den Nebenfächern, gerade in Religion, finde ich es entscheidend dann auch auf außerschulische Themen Bezug zu nehmen, vor allem wenn man als Lehrer bemerkt, dass es einem Schützling an etwas mangelt. Das hat mich dazu bewogen über ein aktuelles Thema wie die Scheidung zu schreiben. Mit Scheidung verbinden wir für gewöhnlich die Trennung zweier Menschen, die sich einmal das Jawort der Liebe gegeben haben. Für Paare stellt die Trennung oft die Lösung ihrer Partnerprobleme da und eine Eröffnung neuer Perspektiven für die zukünftige Lebensgestaltung. Doch bei den jährlichen Scheidungen sind nicht nur diese zwei Menschen von der Scheidung betroffen, sondern auch ihre Kinder. Für die Kinder ist die elterliche Trennung meist nicht die angemessenste Lösung für die familiären Probleme. Die Scheidung der Eltern verletzt die kindliche Seele und lässt sie oftmals in ihrer belastenden Situation allein, weil die Eltern sich um sich selbst kümmern müssen. Da ich selbst ein Scheidungskind bin und ich noch oft darüber nachdenke, was wäre oder wie wäre es gekommen, wenn sich meine Eltern nicht getrennt hätten.

Der Erziehungsstil der Eltern und Pädagogen und ihre Einstellung zum Kind sind ausschlaggebend für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Es sind aber auch die Erfahrungen, die das Kind mit seiner Umwelt macht, die es prägen. Das Kind muss sich nicht nur damit auseinandersetzen, welche Ansichten und Meinungen in der Familie, sondern auch im weiteren sozialen Umfeld herrschen, zum Beispiel in der Schule und in Freundschaften. Die daraus resultierende Meinungsbildung ist ein Bestandteil der moralischen Entwicklung des Kindes, welche wieder ein wichtiger Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung darstellt.

Ich möchte im ersten Teil dieser Ausarbeitung darauf eingehen, wie Kinder in verschiedenen Altersphasen auf die Scheidung reagieren und aufzeigen, welche Veränderungen die Kinder hinnehmen müssen. Im Folgenden Teil wird erörtert, was Schule evtl. leisten kann und sollte, um Kindern in dieser schwierigen Situation zu helfen.

2. Scheidung bedeutet Veränderung

Scheidung bedeutet für die Kinder, dass sie nun nicht mehr beide Elternteile zur Verfügung haben. Die Kinder müssen den Übergang von einer Familienform zur Nächsten bewältigen und akzeptieren. Da Scheidungen nicht den Bedürfnissen von Kindern entsprechen, klaffen die Veränderungen und Erwartungen der Eltern und der Kinder auseinander. Für Kinder ist die elterliche Trennung eine Belastung, da sie keinen Einfluss auf die kommenden Veränderungen haben. Sie „verändert die Persönlichkeit, das Vertrauen in andere Menschen und hat Einfluss auf zukünftige Beziehungen“[1].

2.1 Familiäre Veränderungen

Den meisten Kindern unerheblich welchen Alters wird die Trennung der Eltern erst so richtig bewusst, wenn ein Elternteil auszieht oder ein Elternteil mit dem Kind in ein neues Umfeld zieht, was existenzielle Erwartungsängste bei den Kindern hervorrufen kann. Auch wenn Kinder den Streit der Eltern realisieren, haben sie dennoch eine Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben, doch mit dem Auszug wird den Kindern die Hoffnung endgültig genommen.[2]

Kinder haben entwicklungsbedingt andere Fähigkeiten als Erwachsende mit diesen Situationen umzugehen und das Vergangene angemessen zu betrachten.

Im Zusammenleben mit dem noch bleibenden Elternteil ergeben sich Veränderungen, was von den Kindern eine „vielfältige Anpassungs- und Bewältigungsleistung“[3] erwartet. Zum einen kommt es nach einer Trennung oft zu einer Verschlechterung der finanziellen Lage auf Grund des Wohnungswechsels des einen Elternteil und der Neuanschaffung einer Wohnung etc. Und zum anderen kommt es oft dazu, das ein oder sogar beide Elternteile mehr arbeiten müssen um den Lebensstandart konstant zu halten. Das wiederum bedeutet für das Kind, dass es nur noch ein Elternteil zur täglichen Verfügung hat und dass das Elternteil unter Umständen noch weniger Zeit für das Kind aufbringen kann. Das Kind ist somit also öfter allein und kann sich daher im Stich gelassen fühlen. Deshalb ist es wichtig, dass beide Elternteile zusammenarbeiten und das Kind unterstützen mit der neuen Situation ebenfalls umzugehen. Trotz möglicher Konflikte der Elternteile untereinander sollte der Kontakt zum Kind unterstützt werden, damit es nicht zur Ausgrenzung des einen Elternteils kommt.[4]

Die neue Position des Kindes in der ergibt sich ebenfalls aus der Beziehung vor der Scheidung. Die neue Eltern – Kind – Beziehung kann nun dadurch bestimmt sein, dass das Kind vernachlässigt wird, wenn ein Elternteil über die Trennung nicht hinweg kommt. Allerdings kann das Kind auch als Tröster fungieren, weil das Elternteil seine verletzte Seite offenbart. Somit kann es entweder zu einer intensiveren Bindung zwischen Elternteil und Kind kommen, oder zu einer Beziehung, in der das Kind als zusätzliche Last empfunden wird.[5]

In bestimmten Entwicklungsstadien des Kindes können dann Ereignisse wie die Geburt eines weiteren Kindes, oder das Hinzutreten eines neuen Partners zu zusätzlichen Spannungen und Schwierigkeiten zwischen Eltern und Kindern führen.[6]

3. Die Reaktionen und Auswirkungen bei den Kindern

Die Reaktionen und Empfindungen der Kinder sind ganz unterschiedlicher Natur. Kinder haben ja nach Alter, Entwicklung und Bindung an die Elternteile unterschiedliche Fähigkeiten mit der Trennung und der neuen Situation umzugehen. Höchstwahrscheinlich möchte kein Kind, dass sich seine Eltern trennen. Passiert dies dann doch, so kann es zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. Während das eine Kind wütend ist, trauert das andere um die Trennung der Eltern. Wie individuell verschieden die Reaktionen des Kindes auch ausgeprägt seien, fest steht, dass Trauer, Gefühle der Kränkung, Wut, Schuldgefühle und Angst typische Reaktionen des Kindes auf die Scheidung der Eltern sind.[7]

[...]


[1] Wallerstein, Judith; Lewis, Julia M.; Blakeslee, Sandra: Scheidungsfolgen - Die Kinder tragen die Last. Eine Langzeitstudie über 25 Jahre. Votum Verlag GmbH, Münster 2002, S. 303

[2] Vgl. Griebel, Wilfried: Soziokognitive Entwicklungsstufen und Anpassung des Kindes an die Stieffamilie. In: Landschaftsverband Westfalen – Lippe – Landesjugendamt: Stiefadoptionen. Das Kind und seine Familien. Die Stief- und Adoptivfamilie. Tagungsdokumentation der Fachtagung vom 29. und 30.06.1996 in der katholischen Akademie Schwerte, S. 43f.

[3] Fthenakis, Wassilios Emmanuel: Ehescheidung als Übergangsphase im Familienentwicklungsprozeß. In: Perrez, M.; Lambert, J.L.; Ermert, C. & Plancherel, B. (Hrsg.): Familie im Wandel. Universitätsverlag, Freiburg 1995, S. 76

[4] Vgl. Schwarz, Beate: Die Entwicklung Jugendlicher in Scheidungsfamilien. Beltz Psychologie Verlag, Weinheim 1999, S. 10

[5] Vgl. Wallerstein, Judith; Lewis, Julia M.; Blakeslee, Sandra: Scheidungsfolgen - Die Kinder tragen die Last. Eine Langzeitstudie über 25 Jahre. Votum Verlag GmbH, Münster 2002, S.46

[6] Vgl. Zartler, Ulrike; Wilk, Liselotte: Wenn Eltern sich trennen: Wie Kinder, Frauen und Männer Scheidung erleben. Campus Verlag 2004, S.139f.

[7] Vgl. Figdor, Helmuth: Kinder aus geschiedenen Ehen. Zwischen Trauma und Hoffnung. Eine psychoanalytische Studie. 3. Auflage. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1992, S. 34f.

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Details

Titel
Das getrennte Kind - Empfindungen der Kinder und was Schule leisten sollte
Hochschule
Universität Kassel  (Institut für Theologie)
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V129911
ISBN (eBook)
9783640368303
ISBN (Buch)
9783640368563
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kind, Empfindungen, Kinder, Schule
Arbeit zitieren
Nina Heun (Autor), 2007, Das getrennte Kind - Empfindungen der Kinder und was Schule leisten sollte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129911

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