Wie wirken sich Emotionsregulationsstrategien insgesamt auf die Zufriedenheit in der Partnerschaft aus? Dieser Frage wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen, indem die Wirkungsweise der Emotionsregulation veranschaulicht und zwei Erhebungen zu deren Auswirkungen auf die Beziehungszufriedenheit von Paaren betrachtet und einander gegenübergestellt werden.
In Kapitel 2 werden zunächst die Emotion und deren Regulation erläutert sowie der Emotionsregulationsprozess verdeutlicht. Kapitel 3 beleuchtet die Bedeutung der Emotionsregulationsfähigkeit in der Paarbeziehung und fokussiert auf den aktuellen Stand der Forschung, indem dazu beispielhaft zwei verschiedene Untersuchungen betrachtet werden. Abschließend werden die Ergebnisse in Kapitel 4 erörtert.
Positive Beziehungen erhöhen das psychische und physische Wohlergehen und bilden die Basis dafür, dem Leben und seinem Alltag belastbar zu begegnen sowie auftretende Schwierigkeiten bewältigen zu können. Umgekehrt können negative, konfliktreiche Beziehungen eine Quelle für Angst- und Stresserleben sein und sich nachteilig auf das Wohlbefinden und damit auf die Gesundheit auswirken.
Laut einer Studie von Lund et al. aus dem Jahr 2014 weisen Männer und Frauen mittleren Alters ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko durch stressende und konfliktreiche soziale Beziehungen auf.
Nach Werth et al. (2020) führen neben offensichtlichen Krisen und schweren Herausforderungen oft Kleinigkeiten des gemeinsamen Paar-Alltags, sogenannte „Daily Hassles“, wie zum Beispiel eine offene Zahnpastatube oder die Unordnung im täglichen Zusammenleben, zu Stress und Auseinandersetzungen in der Beziehung. Als Möglichkeit der konstruktiven Bewältigung dieser Konflikte und Streitigkeiten beschreiben die Autorinnen die Emotionsregulation in diesem Zusammenhang als eine wirkungsvolle Strategie, um die eigenen auftretenden negativen Emotionen zu modulieren, da diese sich oft konfliktsteigernd und damit destruktiv auf die Beziehung auswirken können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Emotion
2.2 Emotionsregulation
2.3 Prozessmodell der Emotionsregulation nach Gross und Thompson (2007)
3 Aktueller Forschungsstand
3.1 Studie „Escalation and Regulation of Emotional Arousal in Couples Predicts Relationship Satisfaction/ Concurrently and 25 Years Later“ (2020)
3.2 Studie „Emotion Regulation and Romantic Partners’ Relationship Satisfaction: Self-Reports and Partner Reports“ (2021)
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Auswirkungen verschiedener Emotionsregulationsstrategien auf die Beziehungszufriedenheit von Paaren. Ziel ist es, durch die Gegenüberstellung zweier spezifischer wissenschaftlicher Erhebungen zu verstehen, wie die Kontrolle oder der Ausdruck von Emotionen in Partnerschaften langfristig mit der Beziehungsqualität korrelieren.
- Grundlagen der Emotionsdefinition und -regulation
- Prozessmodell der Emotionsregulation nach Gross und Thompson
- Analyse der Studie von Weber et al. (2020) zur emotionalen Erregung
- Analyse der Studie von Kardum et al. (2021) zum Einfluss von Reappraisal und Suppression
- Diskussion über pädagogische und therapeutische Ansätze zur Beziehungsförderung
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Emotionsregulationsfähigkeit in der Paarbeziehung
Scheidung, Trennung und Beziehungskonflikte gelten als bedeutende Risikofaktoren für die psychische und physische Gesundheit, entsprechend lassen sich für die betroffenen Personen Korrelationen mit einer Vielzahl an psychischen und physischen Störungen belegen (Schindler et al., 2019, S. 6; Weber et al., 2021, S. 1). Da heftige negative Emotionen in den Interaktionen der Paare zu negativen Beziehungsfolgen führen können, scheint die Notwendigkeit für ein vertiefendes Verständnis der Emotionsentfaltung und entsprechender Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Emotionen der Interaktionspartner*innen in (Konflikt-)Gesprächen gegeben.
Nachfolgend veranschaulichen zwei Erhebungen aus den Jahren 2020 und 2021 verschiedene Auswirkungen von ER auf die Zufriedenheit der Teilnehmenden (18-56 Jahre) in ihrer Partnerschaft. Im Jahr 2020 schlossen Weber et al. eine im Jahr 1988 begonnene Längsschnittstudie in Deutschland mit 25 verschiedengeschlechtlichen Paaren ab, die 25 Jahre nach Studienbeginn noch zusammen waren. Ziel dieser Vergleichsstudie war es, die Wirksamkeit von EPL („Ein partnerschaftliches Lernprogramm“) - einem Präventionstraining zur Verhinderung des Rückgangs der Beziehungszufriedenheit bei Paaren - auf die aktuelle Beziehungszufriedenheit der Teilnehmenden zu untersuchen und diese anhand der Emotionsdynamik in den Paarinteraktionen damals zu prognostizieren und die Vorhersage 25 Jahre später abzugleichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die gesundheitliche Relevanz gelungener Partnerschaften dar und führt in das Problemfeld der „Daily Hassles“ ein, welche die Emotionsregulation als wichtige Bewältigungsstrategie erforderlich machen.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Emotion und Emotionsregulation definiert sowie das theoretische Fünf-Stufen-Prozessmodell nach Gross und Thompson erläutert.
3 Aktueller Forschungsstand: In diesem Kapitel werden zwei Studien analysiert, welche die Korrelation zwischen emotionaler Erregung, Regulationsstrategien und der Zufriedenheit in Partnerschaften empirisch beleuchten.
4. Diskussion: Dieser Abschnitt vergleicht die Ergebnisse der beiden herangezogenen Untersuchungen, reflektiert deren methodische Stärken sowie Schwächen und leitet daraus Ansätze für die praktische Paarberatung ab.
Schlüsselwörter
Emotionsregulation, Beziehungszufriedenheit, Partnerschaft, Gross und Thompson, kognitive Neubewertung, Reappraisal, Suppression, emotionale Erregung, Paarinteraktion, Forschungsstand, psychische Gesundheit, Stressbewältigung, dyadische Interaktion, Konfliktlösung, Sozialpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss von Emotionsregulation auf die Qualität und Zufriedenheit innerhalb von Paarbeziehungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Emotionen, verschiedene Regulationsstrategien nach dem Modell von Gross und Thompson sowie deren Auswirkungen auf die langfristige Beziehungsstabilität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie sich unterschiedliche Strategien der Emotionsregulation auf die Zufriedenheit in einer Partnerschaft auswirken, basierend auf aktuellem wissenschaftlichem Forschungsstand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Literaturanalyse und den systematischen Vergleich/Gegenüberstellung zweier ausgewählter empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Erläuterung des Prozessmodells der Emotionsregulation und die detaillierte Präsentation sowie kritische Betrachtung zweier spezifischer Studien aus den Jahren 2020 und 2021.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Emotionsregulation, Beziehungszufriedenheit, Reappraisal, Suppression und dyadische Kommunikation.
Wie unterscheidet sich die Wirkung der "kognitiven Neubewertung" von der "Unterdrückung"?
Während sich die kognitive Neubewertung (Reappraisal) durchweg positiv auf die Beziehungszufriedenheit auswirkt, korreliert die expressive Unterdrückung (Suppression) insbesondere bei Frauen mit einer höheren Unzufriedenheit.
Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden studierten Erhebungen?
Studie 1 ist eine Langzeitstudie mit Fokus auf emotionaler Erregung in Paarinteraktionen, während Studie 2 eine Querschnittstudie ist, die spezifisch die Effekte von Reappraisal und Suppression mittels Fragebögen untersucht.
Welchen Rat gibt die Arbeit für die praktische Paartherapie?
Die Autorin schlägt vor, Klienten gezielt in konstruktiven Emotionsregulationsstrategien zu schulen, um Eskalationen vorzubeugen und die Beziehungszufriedenheit nachhaltig zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Auswirkung der Emotionsregulation auf die Beziehungszufriedenheit bei Paaren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1299265