Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, welche Auswirkungen die Gattungszuordnung (besonders in Bezug auf den Schauerroman und die Detektivgeschichte) auf die Darstellung der Verschwörungstheorien hat. Zunächst werden daher, noch unter den Punkt der Einleitung gefasst, die Charakteristika des Schauerromans und der Detektivgeschichte herausgearbeitet, die für den Verlauf der weiteren Arbeit von zentraler Bedeutung sind. Zudem wird in gebotener Kürze auf die Zuverlässigkeit der Erzählinstanz eingegangen, die vor allem in Schillers Geisterseher eine tragende Rolle spielt. Im Hauptteil sollen dann die verschiedenen Verschwörungstheorien ausgearbeitet werden. Bei Schillers "Geisterseher" in besonderem Hinblick auf die Entwicklung des Prinzen und die Geheimgesellschaft "Bucentauro" (unter Berücksichtigung der zentralen Rolle des Armeniers). Bei Hoffmanns "Fräulein von Scuderi" anhand der Figuren des Goldschmieds Cardillac, seines Gehilfen Olivier Brusson und Magdaleine von Scuderi. Angrenzend wird jeweils ein kurzes Fazit gezogen, ehe der abschließende Vergleich folgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Schauerroman
1.2 Detektivgeschichte
1.3 Zuverlässigkeit der Erzählinstanz
2. Verschwörungskonstellationen
2.1 Schillers Geisterseher
2.1.1 Entwicklung des Prinzen
2.1.2 Die Geheimgesellschaft „Bucentauro“
2.1.3 Fazit
2.2 Hoffmanns Fräulein von Scuderi
2.2.1 Cardillac und sein Gehilfe Brusson
2.2.2 Das Fräulein von Scuderi und la Regnie
2.2.3 Fazit
2.3 Abschließender Vergleich
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie sich die Gattungszuordnung von Schauerroman und Detektivgeschichte auf die literarische Darstellung von Verschwörungstheorien auswirkt. Anhand von Schillers "Geisterseher" und Hoffmanns "Fräulein von Scuderi" wird analysiert, wie diese Genre-Vorgaben die Konstruktion von Intrigen und die Rolle der Erzählinstanz in den jeweiligen Werken beeinflussen.
- Literarische Analyse der Gattungsmerkmale von Schauerroman und Detektivgeschichte.
- Untersuchung der psychologischen Dimensionen von Verschwörung und Verwirrung.
- Vergleich der Erzählstrukturen und der Zuverlässigkeit der Erzählinstanz.
- Bewertung der Rolle des "bösen Sterns" und der Fremdbestimmung in den untersuchten Figurenkonstellationen.
Auszug aus dem Buch
Die Geheimgesellschaft „Bucentauro“
Der Sizilianer gesteht zwar seinen eigenen Taschenspielertrick ein, besteht aber auf die übernatürlichen Fähigkeiten des Armeniers und erwirkt dadurch eine gewisse Glaubwürdigkeit. Sein Bericht dient nicht etwa der Aufklärung des Prinzen, sondern dessen zusätzlicher Verwirrung und schlussendlich Verstrickung in eine geschickt angelegte Intrige. Ziel der Verschwörung ist es, „den Prinzen, der inzwischen erbrechtlich in die Nähe der Thronfolge gerückt ist, dazu zu bringen, zum Katholizismus zu konvertieren“, sodass die Nachtseite der Aufklärung am Ende über die Rationalität, die Vernunft triumphiert.
Der Prinz fällt der Geheimgesellschaft in die Arme, gefolgt von einer physischen und psychischen Entfremdung von der Erzählinstanz (dem Grafen). Sein Stand ermöglichte ihm den Zutritt zu diesem geheimnisvollen Zirkel, der Geheimgesellschaft „Bucentauro“, die ihrerseits Allwissenheit repräsentiert, nach der der Prinz zu streben beginnt, als er anfängt die eigene Beschränktheit zu begreifen und wahrzunehmen. Besagte Geheimgesellschaft wird vom Grafen allerdings als bösartig dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und Definition der zentralen Gattungen sowie der methodischen Herangehensweise.
2. Verschwörungskonstellationen: Detaillierte Analyse der Verschwörungsstrukturen in den beiden Primärtexten unter Berücksichtigung von Figurenkonstellationen und Erzählperspektiven.
3. Schluss: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Schauerroman und Detektivgeschichte sowie Reflexion über die unterschiedlichen Verschwörungsmodelle.
Schlüsselwörter
Schauerroman, Detektivgeschichte, Verschwörungstheorie, Friedrich Schiller, E.T.A. Hoffmann, Geisterseher, Fräulein von Scuderi, Aufklärung, Erzählinstanz, Intrigenspiel, psychologische Entwicklung, Literaturwissenschaft, Rationalität, Paranoia, Gattungszuordnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen, die die Einordnung zweier Werke in die Gattungen des Schauerromans und der Detektivgeschichte auf die Darstellung von Verschwörungstheorien hat.
Welche Romane stehen im Zentrum der Untersuchung?
Untersucht werden Friedrich Schillers Fragment "Der Geisterseher" und E.T.A. Hoffmanns Kriminalerzählung "Das Fräulein von Scuderi".
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Gattungstraditionen und Erzählweisen die Komplexität und Funktion von Verschwörungen innerhalb literarischer Texte steuern.
Welche methodischen Schwerpunkte setzt die Autorin/der Autor?
Neben der literaturwissenschaftlichen Analyse der Gattungsmerkmale liegt ein starker Fokus auf der Untersuchung der Erzählinstanz und der psychologischen Verfassung der Protagonisten.
Wie definiert die Arbeit den Übergang vom Schauerroman zur Detektivgeschichte?
Die Arbeit beschreibt den Schauerroman oft als rationalisiertes Vorläufergenre, in dem das Unheimliche durch analytische Logik entmystifiziert wird, was den Weg für die Kriminalliteratur ebnet.
Welche Rolle spielt die Geheimgesellschaft "Bucentauro"?
Sie fungiert im "Geisterseher" als zentrales Instrument der Manipulation, das den Prinzen von einer rationalen Weltanschauung in eine Phase radikaler Skepsis und schließlich in die Konversion führt.
Warum wird Cardillac im "Fräulein von Scuderi" als tragische Figur analysiert?
Cardillac wird als Künstler betrachtet, der aufgrund seiner pathologischen Besessenheit und der Entfremdung seiner Arbeit zur kriminellen Handlung getrieben wird, was eine Gesellschaftskritik an der Warenlogik impliziert.
Welche Bedeutung kommt der Figur des Fräuleins von Scuderi bei der Aufklärung zu?
Sie tritt als eine Art "Antidetektiv" auf, die sich nicht auf bloße Fakten stützt, sondern durch psychologische Feinfühligkeit und menschliches Verständnis zur Wahrheit gelangt.
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- Anonym (Author), 2018, Verschwörungstheorien vor dem Hintergrund der Gattungszuordnung. Ein Vergleich von Friedrich Schillers "Geisterseher" und E.T.A. Hoffmanns "Fräulein von Scuderi", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1300807