Sterben und Tod als Thema im Unterricht der Grundschule anhand zweier Kinderbücher


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung des Todeskonzeptes bei Kindern

3. Theologische Sichtweise von Tod

4. Kinderbücher über den Tod
4.1 „Julia bei den Lebenslichtern“
4.1.1 Bewertung für den Unterricht
4.2 „Abschied von Rune“
4.2.1 Bewertung für den Unterricht

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Muss ich das Thema „Sterben und Tod“ im Unterricht der Grundschule ansprechen und thematisieren? Ist es nicht vielleicht besser, meinen Schülern dieses Thema zu ersparen?

Solche oder ähnliche Fragen stelle ich mir als zukünftige Grundschullehrerin immer wieder und bemerke dabei, dass es mir oft selbst schwer fällt offen damit umzugehen. Man ist sich selbst viel zu unsicher und die Frage, ob einem der Tod Angst macht und was einen nach dem Tod erwartet, kann nicht eindeutig beantwortet werden.

Ich denke, dass es wichtig ist mit Grundschulkindern über dieses Thema zu sprechen. Denn der Tod ist etwas, was auch schon den Kindern sehr früh begegnen kann. Sei es, dass die Großeltern sterben, ein Geschwisterchen oder das Haustier. Ebenso werden Kinder in den Medien mit Tod konfrontiert. Man kann nicht einfach so tun, als ob das Thema im Leben der Kinder keine Rolle spielt und man kann den Kindern Erfahrungen mit dem Tod auch nicht ersparen. Kinder haben viele Fragen zum Tod, weil sie wissen wollen, was Sterben für sie bedeutet und was nach dem Tod passiert. Um mit Kindern über solche Grenzfragen der menschlichen Existenz sprechen zu können, muss man sich über seine eigene Einstellung zu Sterben und Tod klar werden. Nur wenn man selbst den Tod nicht aus seinem Bewusstsein verdrängt, kann man auch offen mit den Kindern darüber sprechen. Im Gegensatz zu früheren Gesellschaften ist es in unserer Gesellschaft jedoch leider eher der Fall, dass der Tod und die Trauer aus der Öffentlichkeit verdrängt wird und oft schöngeredet und verharmlost wird.

Ich möchte in der vorliegenden Arbeit zwei Kinderbücher („Abschied von Rune“ und „Julia bei den Lebenslichtern“) vorstellen, die mir beide sehr geeignet scheinen, um in das Thema Sterben und Tod mit Grundschülern einzusteigen. Bilderbücher erscheinen mir dafür sehr sinnvoll und helfen einem selbst vielleicht auch die Hemmschwelle, die beim Sprechen mit Kindern über Sterben und Tod existiert, zu überwinden.

Bevor ich damit beginne, möchte ich auf die Entwicklung des Todeskonzeptes bei Kindern eingehen, da man als Lehrerin darüber Bescheid wissen sollte, wo die Kinder je nach Altersstufe in ihrer Entwicklung stehen, um mit ihnen altersgerecht über Tod und Sterben sprechen zu können. Auch die theologische Sichtweise von Tod wird kurz angesprochen.

2. Entwicklung des Todeskonzeptes bei Kindern

Entwicklungspsychologen gehen dabei davon aus, dass die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten und die Entstehung des Todesverständnisses parallel verlaufen. Dabei hängt die Entwicklung des Todesverständnisses vor allem auch davon ab, wie in der Familie mit dem Thema umgegangen wird, wie die erste Begegnung mit dem Tod verläuft und wie die kulturellen Einflüsse einer Gesellschaft diesbezüglich ablaufen. Also eine ganz Menge von Sozialisationsfaktoren, die ein Kind neben den entwicklungsbedingten Voraussetzungen, in ihrem Todesverständnis beeinflussen können.[1]

Kleinkinder bis drei Jahre

Bis zum dritten Lebensjahr haben Kinder noch keine Todesvorstellung und können nur wenig oder gar nichts mit dem Begriff Tod anfangen. Für das Kind sind alle Gegenstände irgendwie lebendig.[2]

3 bis 6 Jahre

Der Tod ist ein vorübergehender Zustand und gilt noch als vermeidlich. Der Tod ist nur eine befristete Trennung und kann rückgängig gemacht werden. Die Kinder glauben in diesem Alter, dass tot sein ein Schlafzustand ist und nicht alle Menschen betrifft. In diesem Alter befinden sich die Kinder in der Zeit der magischen Vorstellungen und meinen, dass der Tod durch bestimmte Verhaltensweisen umgangen werden könnte (z.B. Tod als Bestrafung für böse Taten).[3]

6 bis 8 Jahre

Die Allgemeinheit und Endgültigkeit des Todes wird langsam verstanden. Den Kindern wird mit etwa 8 Jahren bewusst, dass alle Menschen sterben müssen. Bis dahin wird das eigene Sterben und das Sterben von Bezugspersonen teils noch ausgeklammert. Auch die Begriffe „Tod“ und „Leben“ werden allmählich begriffen.[4] Grundschulkinder neigen dazu sich den Tod als Gestalt vorzustellen, was oft Ängste der Kinder widerspiegelt. Sie glauben dass der Tod immer von außen kommt, durch Unfälle oder Gewalteinwirkung.[5]

Ab 9 Jahre

Etwa ab diesem Alter sehen die meisten Kinder den Tod so ähnlich wie die Erwachsenen. Sie wissen von seiner Unvermeidlichkeit und Unwiderruflichkeit und beschäftigen sich mit sachlichen Fragen zu biologischen Aspekten, wie zum Beispiel der körperlichen Auflösung. Trotzdem ist der Gedanke daran nicht gut erträglich und so kann ab diesem Alter z.B. der Glaube an Wandlung (christlich: Auferstehung) beginnen.[6]

3. Theologische Sichtweise von Tod

Der Tod gilt im Christentum als Übergang von dieser in die kommende Welt, was verbunden ist mit der Hoffnung der Auferstehung. Während im Alten Testament zu Beginn die Ansicht vorherrscht, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist, das befristet ist und einem durch den Tod wieder genommen wird (Psalm 88, 6), kommt in späteren Teilen die Hoffnung auf, dass „die Gemeinschaft mit Gott auch über den Tod hinausgeht. So bekennt zum Beispiel Hiob (19, 25): „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben.“ “[7] Die Hoffnung auf Überwindung des Todes und die Auferstehung jedes Einzelnen ist der Anknüpfungspunkt an das Neue Testament. Die Menschen zur Zeit des Neuen Testaments glauben an die Auferstehung Jesu Christi. Der Tod ist nur noch das Ende des irdischen Lebens und nicht das Ende des Menschen als Gottes Geschöpf. Mit dem Tod und der Auferstehung Jesu hat für die Christen die endzeitliche Wende eingesetzt. In Jesus hat Gott dem Tod die Macht genommen und den Menschen die Zuversicht gegeben, dass Gott die Toten auferwecken wird, weil er in Liebe an ihnen festhält.[8] Die Auferstehung entzieht sich, ebenso wie Gott, unserem Vorstellungsvermögen, aber die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott nimmt dem Tod seine Grausamkeit.[9] Wie das ewige Leben aussieht weiß niemand, aber die Hoffnung dass Gott im Leben und im Tod bei uns ist, trägt den Glauben daran.

Wenn wir als Erwachsene eine Haltung finden, die sich nicht resignativ mit dem Tod abfindet, sondern die ein Weiterleben zulässt, dann können wir auf Kinder und ihre Fragen zu Sterben und Tod angemessen und einfühlsam eingehen.[10]

Viele Erwachsene haben Scheu die Auferstehungsgeschichte Kindern zu erzählen, da sie nicht wissen, wie die Kinder darauf reagieren, dass Jesus ins Leben zurückkommt und dann Fragen stellen könnten, die sie nicht beantworten können. Wenn man sich aber die Entwicklungsstufen des Todeskonzepts bei Kindern anschaut, so kann man darauf schließen, dass die Auferstehung Jesu für Kinder gar nichts so ungewöhnliches ist, da sie den Tod ja als noch nichts Endgültiges ansehen. So ergibt sich daraus, dass die Scheu unbegründet ist und Kindern weniger Probleme bereitet als Erwachsenen. Dies kann ich nur bestätigen, da ich bei meinem letzten Blockpraktikum eine erste Klasse in Religion unterrichtet habe, wo es um die Auferstehungsgeschichte Jesu ging. Für die Kinder war es in der Tat nicht ungewöhnlich und es kamen auch keine unangenehmen Fragen, vor denen ich mich im Vorfeld des Unterrichts ein wenig gefürchtet hatte.

4. Kinderbücher über den Tod

Kinderbücher über den Tod sind meiner Meinung nach ein sehr geeignetes Medium, um im Unterricht einen Einstieg in das Thema Tod und Sterben mit Kindern zu finden. Die Bücher geben den Kindern einen Anlass bzw. Anreiz die eigenen Hoffnungen und Ängste im Umgang mit Tod und Sterben anderen mitzuteilen und Todeserfahrungen und Todesvorstellungen in Worte zu fassen. Da das Thema Tod in unserer Gesellschaft und somit auch in vielen Familien ein Tabu-Thema ist, ermöglicht ein solches Kinderbuch eine Art Probehandeln im Umgang mit dem Tod. Die Kinder können üben mit Trauer und Tod umzugehen, so dass sie auf das reale Erleben vielleicht besser vorbereitet sind. Kinderbücher können Kindern helfen ihre Trauer zuzulassen und nicht zu verdrängen, wenn es Erfahrungen mit dem Tod in der Familie macht. Wichtig ist auch, dass das Buch den eigenen Vorstellungen von Sterben und Tod nicht widerspricht, ansonsten wird es schwierig ein authentisches Gespräch mit den Schülern darüber zu führen. Auch beim Vorlesen kommt die Stimmung eines Buches so nicht unbedingt bei den Kindern an.[11]

[...]


[1] Vgl. ARENS (1994) 59.

[2] Vgl. ebd. 59 f.

[3] Vgl. SCHLENKER (2000) 12.

[4] Vgl. ZINGROSCH (2000) 87.

[5] Vgl. SOMMER - HIMMEL/ MAKSIM (2008) 25.

[6] Vgl. ebd. 26.

[7] SCHLENKER (2000) 61.

[8] Vgl. ARENS (1994) 39 f.

[9] Vgl. ebd. 40.

[10] Vgl. SCHLENKER (2000) 63.

[11] Vgl. SCHLENKER (2000) 74.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Sterben und Tod als Thema im Unterricht der Grundschule anhand zweier Kinderbücher
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V130195
ISBN (eBook)
9783640385447
ISBN (Buch)
9783640385409
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sterben, Thema, Unterricht, Grundschule, Kinderbücher
Arbeit zitieren
Dipl. Soz.Päd. Carmen Bernhart (Autor), 2008, Sterben und Tod als Thema im Unterricht der Grundschule anhand zweier Kinderbücher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130195

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