Die Dramenästhetik Valle-Inclans unter dem Aspekt: Farcenkomische Elemente in Divinas Palabras


Seminararbeit, 2002
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Divinas Palabras – Inhaltsangabe

3. Das Drama Valle –Incláns
3.1. Die Farce
3.2. Dramenästhetik Valle-Incláns
3.3. Farcenkomische Elemente und ihre Funktion in Divinas Palabras

4. Abschließende Überlegungen

5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Als ein Vertreter der „98er Generation“ trug Ramón María del Valle- Inclán entscheidend zur Entwicklung des Modernismo, der sogenannten spanischen Variante des Symbolismus in der Lyrik bei[1] und gehört zu den wichtigsten spanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Sein literarisches Werk, das vor allem durch eine zutiefst antibürgerliche Haltung und Opposition gegen jede realistische Kunst gekennzeichnet ist[2], umfasst poetische Schriften, einen Roman und mehrere Dramen. In den zwanziger Jahren schrieb Valle–Inclán vorwiegend Theaterstücke, die meist zeitgenössische Probleme Spaniens thematisieren.

Das Drama Divinas Palabras, das erstmals 1920 erschien, ist von besonderer Bedeutung, da Valle–Inclán bereits hier eine betont ästhetisch fundierte Gestaltungstechnik entwirft[3] die sich, wie Wittschier ausführt, als plastisches Medium zur kritischen Darstellung der Wirklichkeit erweist.[4]

Für seine Dramenästhetik sind vor allem farcenkomische und groteske Elemente kennzeichnend. In der vorliegenden Arbeit möchte ich kurz generell auf die Dramenästhetik des Schriftstellers eingehen und diese dann im einzelnen am Stück Divinas Palabras untersuchen. Ziel ist es, die farcenkomischen Elemente, ihre Funktion und Wirkungsweise im Stück herauszuarbeiten und in Bezug zur Dramenästhetik Valle–Incláns näher zu untersuchen.

2. Divinas Palabras – Inhaltsangabe

Der Schauplatz des Theaterstückes Divinas Palabras befindet sich im ländlichen Galizien, wo durch den Tod Juana la Reinas, der Mutter eines geistig Behinderten (el „idiota“), der Streit um den „Besitz“ (eigene Anmerkung, da von Verantwortung hier nicht gesprochen werden kann) desselben beginnt.

Der Behinderte war von seiner Mutter auf einem Wagen durch das Land gefahren und auf Jahrmärkten zur Schau gestellt worden, wodurch sie sich ein höheres Einkommen sichern und sich Geld für Alkohol erbettelte konnte. Durch ihren Tod ergibt sich sowohl für ihre Schwester Marica del Reino, als auch für die Schwägerin Mari-Gaila die Möglichkeit, mit „el idiota“ Geld zu machen, wodurch sich ein heftiger Streit zwischen den beiden entwickelt. Schließlich wird der geistig Behinderte drei Tage in der Woche Mari-Gaila zugewiesen und weitere drei Tage ihrer Schwägerin, sonntags hat er frei. Mari–Gaila, die in dem behinderten und debilen Kind eine Chance sieht, der ärmlich-ländlichen Enge zu entfliehen, hält sich jedoch kaum an die Vereinbarung.

Im zweiten Akt ist sie mit dem „Karren“ fast ohne Unterbrechung unterwegs um ihn vorzuführen und Geld zu verdienen und schließt sich einer Gruppe Herumziehender an. Bald darauf begeht sie Ehebruch, indem sie sich von Séptimo Miau verführen lässt. Währenddessen flößen Schaulustige dem Behinderten Schnaps ein und quälen ihn so zu Tode. Mari-Gaila kehrt schließlich mit dem Karren nach Hause zurück. Sie lässt ihn, um ihn loszuwerden, von ihrer Tochter heimlich bei ihrer Schwägerin Marica del Reino abstellen. Doch bereits am nächsten Morgen steht der Karren, mir der von Schweinen angefressenen Leiche wieder vor Mari-Gailas Tür.

Es kommt im folgenden dritten Akt zu heftigen Auseinandersetzungen. Da sich die Dorfbewohner schnell wieder beruhigen, trifft Mari-Gaila noch einmal Séptimo Miau. Die beiden werden erwischt und die Frau des Sakristan als Ehebrecherin von den Bauern durch das Dorf gejagt. Als sie, nackt auf einen Heuwagen gebunden, vor der Kirche ankommt, stürzt sich Pedro-Gailo vom Turm, bleibt laut Regieanweisung zunächst wie tot liegen, steht jedoch kurz darauf wieder auf. „¡Quién sea libre de culpa, tire la primera piedra!“[5] mit diesem unerwarteten Schluss des Stückes in der fünften Szene, geschieht das „Wunder des Lateins“[6]. Die Dorfbewohner lassen, allerdings erst als sie die lateinischen Worte „Qui sine peccato est vestrum, primus in illam lapidem mittat.“ (Divinas Palabras: 135) hören, von Mari-Gaila ab und diese geht am Arm ihres Mannes in die Kirche.

[...]


[1] vgl.: Spanische Literatur – das 20. Jahrhundert, in: Der Brockhaus in fünfzehn Bänden, Band 13, Leipzig-Mannheim, 1999, S.185

[2] a.a.O. Band 14, S. 353

[3] vgl. Wittschier, Heinz Willi: 20. Jahrhundert, in: Die spanische Literatur: Einführung und Studienführer; von den Anfängen bis zur Gegenwart, Tübingen, 1993, S. 298

[4] a.a.O., S. 298

[5] Valle-Inclán, Ramón del: Divinas Palabras. Tragicommedia de Aldea, Madrid 1979, S. 135

[6] Valle-Inclán, Ramón del: a.a.O., als deutsche Übersetzung: ders. Worte Gottes. Tragikomödie auf dem Dorf, Deutsch von Hildegard Baumgart, o.O. 1971, in folgenden Zitaten werde ich mich auf die spanische Ausgabe beziehen

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Dramenästhetik Valle-Inclans unter dem Aspekt: Farcenkomische Elemente in Divinas Palabras
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Proseminar: Das Theater Ramón María del Valle – Inclán
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
12
Katalognummer
V13029
ISBN (eBook)
9783638187848
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dramenästhetik, Valle-Inclans, Aspekt, Farcenkomische, Elemente, Divinas, Palabras, Proseminar, Theater, Ramón, María, Valle, Inclán
Arbeit zitieren
Carolin Kollwitz (Autor), 2002, Die Dramenästhetik Valle-Inclans unter dem Aspekt: Farcenkomische Elemente in Divinas Palabras, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13029

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