Aufstieg der DM Mark- Preisniveaustabilität und Exportüberschüsse


Hausarbeit, 2001

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Der Anfang des Wirtschaftswunders
1.1. Währungsreform in den Westzonen von 1948
1.2. Folgen der Währungsreform

2. Vom extremen Defizitland zum permanenten Überschussland (1950-1957)
2.1. Die deutsche Zahlungsbilanzkrise vom Herbst 1950
2.2. Sanierungspolitik 1950/51
2.3. Folgen der Stabilisierungspolitik - Scharfe Kreditrestriktionen
2.4. Vorübergehende Aufhebung der Einfuhrliberalisierung im Jahre 1951
2.5. Das DM-Dilemma der fünfziger Jahre
2.6. Im Vorfeld der DM-Aufwertung
2.7. Geldpolitik von 1961-1967 - Die Folgen der Aufwertung der D-Mark
2.8. Die D-Mark in der Zwickmühle

3. Deutsche Geldpolitik zu Beginn der 70er Jahre
3.1. Währungskrise 1971
3.2. Situation in den Vereinigten Staaten
3.3. Die Wechselkurs-Neuordnung im Dezember 1971
3.4. Freigabe des Wechselkurses DM – US-Dollar

Nachwort

Quellenverzeichnis

Vorwort

In den letzten fünfzig Jahren erfolgten auf dem Gebiet des Geld- und Währungswesens Wandlungen und Umwälzungen wie nie zuvor in einer so kurzen Geschichtsperiode. Unser zentrales Anliegen ist es, ein Vierteljahrhundert bundesdeutscher Geld- und Währungspolitik von 1948 bis 1973 mit seinen verschiedenen Phasen des Neuanfangs, der Kontinuität, des Umbruchs und der Neuorientierung darzustellen.

Besonders hervorzuheben ist in dieser Zeit die Entwicklung der D-Mark von der schwächsten europäischen Währung, die sie allerdings nur vorübergehend während der Korea-Krise von 1950/51 war, zur stärksten europäischen Währung und zu einer der stärksten internationalen Währungen überhaupt. Zur Stabilität der D-Mark hat die Geldpolitik der Bundesbank maßgeblich beigetragen, die sich auf einen klaren gesetzlichen Auftrag, eine unabhängige Stellung und ein überzeugendes geldpolitisches Konzept stützen konnte. Inzwischen ist der Name Deutsche Mark ebenso untrennbar mit Wiederaufbau und Wohlstand wie mit dem hohen Grad gesellschaftlicher Stabilität Deutschlands verbunden.

Im Hinblick auf den Abschied der D-Mark am 1. Januar 2002 möchten wir nachfolgend die Beweggründe der Geld- und Währungspolitik ab der Geburtsstunde der D-Mark bis zur Freigabe des Wechselkurses aufzeigen. Hier gehen wir insbesondere auf jene Erfolgsbedingungen ein, die die vergleichsweise hohe Wertbeständigkeit der D-Mark im Inland begründet und sie im Ausland zu einer harten und international begehrten Währung gemacht haben.

1. Der Anfang des Wirtschaftswunders

1.1. Währungsreform in den Westzonen von 1948

Angesichts der völligen Zerrüttung der deutschen Währung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Währungsreform erforderlich.[1] Dabei trat in den westlichen Besatzungszonen einschließlich West-Berlins am 20. Juni 1948 die Deutsche Mark an die Stelle der nahezu wertlosen Reichsmark. Es erfolgte eine Abwertung der Reichsmark im Verhältnis 1:10.

Die Währungsreform war eine alliierte Maßnahme, da es keine verantwortliche deutsche Instanz gegeben hat, die eine solche Reform für ganz Deutschland hätte verabschieden können. Die Besatzungsmächte hatten in einer Erklärung vom 5. Juni 1945 ausdrücklich selber die oberste Regierungsgewalt in Deutschland übernommen.[2] Das galt auch für die letztlich auf die drei Westzonen beschränkte Geldreform. Dem gemäß wurde die Währungsreform in Westdeutschland durch gleichlautende Militärregierungsgesetze eingeführt. Deutsche Stellen lehnten von sich aus jegliche Mitverantwortung für die Reform ab. Damit war der Weg zu einer auf Westdeutschland beschränkten Reform frei, über die die Amerikaner mit den Briten schon des längeren verhandelt hatten. Ende März 1948 hatte man bereits eine ganze Reihe von Voraussetzungen dafür verwirklicht. Die Alliierten errichteten in Westdeutschland ein neues, zweistufiges Zentralbanksystem, das in seinem streng föderativen Aufbau das Federal Reserve System der Vereinigten Staaten zum Vorbild hatte. Es bestand aus den rechtlich selbständigen Landeszentralbanken in den einzelnen Ländern der westlichen Besatzungszonen und der am 1. März 1948 gegründeten Bank deutscher Länder in Frankfurt am Main. Sie war bereit, die Emission der neuen Währung zu übernehmen. Ein einheitlicher Wechselkurs von 30 Dollarcents für die D-Mark war festgesetzt worden. Die Ausgabe von Noten und Münzen war anfangs an eine Grenze von 10 Mrd. DM gebunden. Eine Notendeckung und eine Einlösungspflicht waren nicht mehr vorgesehen. Die Deutsche Mark war somit von Anfang an eine reine Papierwährung. Hinter dieser Regelung stand die inzwischen allgemein akzeptierte Erkenntnis, dass es für die Werterhaltung des Geldes weder erforderlich ist, noch genügt, die ausgegebenen Noten durch Gold oder Devisen zu decken, sondern dass es letztlich auf eine knappe, am Wachstum der Produktionsmöglichkeiten orientierte Geldversorgung ankommt.

1.2. Folgen der Währungsreform

Die Währungsreform führte von einem Tag zum anderen zur Wiedererrichtung preis- gesteuerter Märkte und zum Verschwinden des Kompensationshandels. Geld war erneut begehrt, und dementsprechend stieg das Angebot von Waren und Leistungen, zumal die Unternehmen nur mit recht geringer Anfangsliquidität ausgestattet worden waren. Sowohl die Nachfrage, als auch der Nachholbedarf bei den Verbrauchern waren sehr hoch. Eine Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit[3] führte zu massiven Preissteigerungen, obwohl die Geldmenge an sich, gemessen am Sozialprodukt, eher niedrig war.

Diese realen Ereignisse wurden schon durch Irving Fisher (1867-1947) in seinem Buch “Die Kaufkraft des Geldes” erklärt, indem er die Quantitätstheorie in ihrer alten Form klar formuliert hatte. Er begann seine Analyse mit der sogenannten Verkehrsgleichung:

M x v = P x NIPr

mit M als nominaler Geldmenge, v als Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, P als Preisniveau und NIPr als realem Nettoinlandsprodukt. Auf der rechten Seite der Gleichung steht das volkswirtschaftliche nominale Nettoinlandsprodukt. Die entsprechenden Markttransaktionen werden mit Hilfe von Geld durchgeführt. Das nominale Nettoinlandsprodukt ergibt sich aus dem preisniveaubereinigten Nettoinlandsprodukt multipliziert mit dem Preisindex, der Veränderungen des Preisniveaus wiedergibt. Auf der linken Seite der Gleichung steht die nominale Geldmenge, die zur Durchführung der Transaktionen in der betrachteten Periode vorhanden ist, multipliziert mit der durchschnittlichen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Die nominale Geldmenge entspricht dem aggregierten (aufgedruckten) Wert aller Geldzeichen, die sich in der Ökonomie befinden.[4] Anhand der oben genannten Formel lässt sich erkennen das die Geldumlaufgeschwindigkeit direkt proportional den Veränderungen des Preisniveaus ist. Dieser theoretische Sachverhalt war, wie bereits erwähnt, in dieser Zeit für Deutschland maßgeblich.

Da die Geldmenge nicht beeinflussbar war, hatte die BdL keine Möglichkeit die anfängliche inflationäre Entwicklung zu verhindern. Zu dieser Zeit wurden die Preise gewerblicher Produkte auf ein Niveau erhöht, das die Kosten deckte. Darüber hinaus stiegen die Löhne um 15 %. Die Preissteigerungen lösten beträchtliche Unruhe in der Bevölkerung aus und drohten zeitweise den Erfolg der Währungsreform in Frage zu stellen. Erst gegen Ende des Jahres fand infolge des Zusammenwirkens verschiedener Faktoren ein Umschwung des Preistrends statt. Durch die Währungsreform in Verbindung mit der Festsetzung eines einheitlichen Wechselkurses wurden die Haupthemmnisse, die einem durchgreifenden Produktionsaufschwung entgegenstanden, beseitigt.

Der nominale Wechselkurs e bildet sich auf dem Devisenmarkt durch Angebot und Nachfrage. Er ist der Preis einer festgelegten Anzahl ausländischer Währungseinheiten – in der Regel einer Währungseinheit – in inländischen Währungseinheiten.[5] Der reale Wechselkurs P ist das Verhältnis der Auslandspreise zu den Inlandspreisen. Um ihn zu ermitteln wird der nominale Wechselkurs e mit dem Verhältnis der Auslandspreise P* zu den Inlandspreisen P multipliziert:

e x P*

P = P

Wenn der reale Wechselkurs steigt, sind ausländische Güter im Vergleich zu inländischen Gütern teurer geworden.

Die Preisstruktur in Deutschland konnte sich 1948 anpassen, das Gewinnmotiv wurde für unternehmerisches Handeln wieder maßgebend. Entgegen zahlreichen Erwartungen löste die Währungsreform keine Rezession aus. Zwar nahm die offiziell gemeldete Arbeitslosigkeit zu, gleichzeitig stieg jedoch auch die Beschäftigung leicht an. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit erhöhte sich um 10% und mehr. Die Investitionen stiegen ebenfalls stark. Sie beliefen sich im zweiten Halbjahr 1948 im Vergleich zum ersten auf mehr als das Doppelte. Jedoch steigerten sich nicht nur die Mengen des Faktoreinsatzes, sondern es kam auch zu einem beträchtlichen, langanhaltenden Produktivitätswachstum. Dennoch kam es trotz guter Rekonstruktionsbedingungen in den ersten Jahren nach Kriegsende in Westdeutschland nur zu einem relativ geringen Wachstum der Industrieproduktion, da die herrschende Wirtschaftsordnung in Verbindung mit dem Geldüberhang eine effektive Produktionsblockade darstellte.[6] Als die Währungsreform zur Aufhebung dieser Blockade durchgeführt wurde, geschah dies unter nahezu optimalen Rahmenbedingungen, insbesondere was das existierende Zentralbanksystem und die Vorbereitungen der Unternehmen auf die Zeit danach betraf. So aktivierte die Währungsreform das Wachstumspotential und löste das eigentliche “Wirtschaftswunder” aus.

2. Vom extremen Defizitland zum permanenten Überschussland (1950-1957)

2.1. Die deutsche Zahlungsbilanzkrise vom Herbst 1950

Anfang 1950 war die D-Mark, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum, die schwächste unter allen Mitgliedswährungen. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland wurde als überaus ernst eingeschätzt. Die deutschen Währungsreserven und Kreditmöglichkeiten waren nahezu ausgeschöpft. Außerdem war die Inanspruchnahme eines Sonderkredites, vergeben durch die Europäische Zahlungsunion (EZU), zur Abwendung der deutschen Zahlungsunfähigkeit unumgänglich.

Die Weltwirtschaft stand zum damaligen Zeitpunkt unter dem Einfluss des im Juni 1950 ausgebrochenen Korea-Krieges[7]. Dieser löste eine weltweite Preisinflation[8] und Warenverknappung aus. Von diesen Problemen war besonders die Bundesrepublik Deutschland betroffen, da sie sich im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern am wenigsten von den Kriegsschäden erholt hatte. Darüber hinaus herrschten überall Knappheiten, vor allem bei Roh- und Grundstoffen. Hinzu kamen die stark rückläufigen Dollar-Hilfen, die im Marshallplan festgelegt wurden. Diese trugen anfänglich noch erheblich zur Finanzierung der Gesamteinfuhr bei, sollten aber 1952 auslaufen. Somit kam es zu einer Verlagerung der Einfuhr auf den Nichtdollarraum und folglich zu hohen und gefährlich wachsenden Außenhandelsdefiziten.

Im Herbst 1950 spitzte sich die außenwirtschaftliche Lage im Zusammenhang mit der offiziellen Gründung der Europäischen Zahlungsunion (EZU) am 19. September 1950 zu. Die EZU war von der Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) errichtet worden, um den Handels- und Zahlungsverkehr wenigstens innerhalb Europas von bilateralen Schranken zu befreien und den Abbau der Einfuhrkontingentierungen voranzutreiben.[9] Die Bundesrepublik liberalisierte vereinbarungsgemäß ihre EZU-Importe sofort auf offiziell 60 %, faktisch auf 77 % im letzten Quartal 1950.[10] So steuerte sie als Vorreiter der Handelsliberalisierung auf immer größer wachsende Handelsbilanzdefizite und damit bei knappen Währungsreserven auf eine gewaltige Devisenkrise zu.

Allgemein ist ein Handelsbilanzdefizit durch folgende Merkmale charakterisiert:

- Steigende Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland
- Nettoschuldnerposition in Fremdwährung
- Nettokapitalimport
- Abbau der Währungsreserven
- Inländische Produktion ist < inländische Absorption

In den ersten Monaten seit Gründung der EZU hatte die Bundesrepublik durch ihre enormen Devisendefizite in den monatlichen EZU-Abrechnungen bereits ¾ des ihr mit der EZU-Quote zugewiesenen Kreditspielraums ausgenutzt.[11] Durch die Erschöpfung der EZU-Kreditlinie drohte eine Zahlungsunfähigkeit gegenüber dem Ausland, denn für die volle Abdeckung der EZU-Defizite in Dollar reichten die Dollar-Reserven der BdL nicht aus. So stand man vor der Frage: Sonderkredit der EZU oder Suspendierung der soeben eingeführten teilweisen Liberalisierung und Ersetzung durch bilaterale Einfuhrkontingente. Die Einfuhr aus dem Dollar-Raum war bereits durch Einfuhrkontingente reduziert, da sie überwiegend nur mit Hilfe der

Dollar-Zuweisungen finanziert werden konnte. Die deutsche Zahlungskrise schien nicht nur die Bundesrepublik sondern auch die EZU in eine schwere Krise zu stürzen oder zumindest vor eine ernste Bewährungsprobe zu stellen. Sie bedrohte ebenso den Fortbestand der Marktwirtschaft sowie die politische Stellung des damaligen Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard.

[...]


[1] Deutsche Bundesbank, Die Geldpolitik der Bundesbank (1995), S. 1

[2] Deutsche Bundesbank, 50 Jahre Deutsche Mark (1998), S. 117

[3] Definition: Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gibt an, wie oft ein Geldstück im Durchschnitt während einer Periode die Hände wechselt und wird nach der Argumentation der alten Quantitätstheorie durch Zahlungssitten und -gewohnheiten determiniert (Zitat Heine / Herr, VWL, S.255).

[4] Heine / Herr, Volkswirtschaftslehre (2000), S. 254

[5] Heine / Herr, Volkswirtschaftslehre (2000), S. 565

[6] Deutsche Bundesbank, Fünfzig Jahre Deutsche Mark (1998), S. 135

[7] Korea-Krieg 1950-1953

[8] Die Inflation ist ein Prozess, bei dem bei gegebenem Preisniveau die Nachfrage größer ist als das Angebot an Gütern. Dies hat eine Steigerung des Preisniveaus und eine Senkung der Kaufkraft des Geldes zur Folge.

[9] Emminger, D-Mark, Dollar, Währungskrisen (1986), S. 47

[10] Deutsche Bundesbank, Fünfzig Jahre Deutsche Mark (1998), S. 374

[11] Emminger, D-Mark, Dollar, Währungskrisen (1986), S. 48/49

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Aufstieg der DM Mark- Preisniveaustabilität und Exportüberschüsse
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
34
Katalognummer
V13034
ISBN (eBook)
9783638187886
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Preisniveaustabilität und Exportüberschüsse
Arbeit zitieren
Anne-Kathrin Hauck (Autor), 2001, Aufstieg der DM Mark- Preisniveaustabilität und Exportüberschüsse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13034

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