In der Heilpädagogik ist in den letzten Jahren ein Ansatz sehr aktuell geworden, der Menschen mit geistigen Behinderungen Möglichkeiten bieten will, künstlerisch und kreativ tätig zu sein und sich in ihren Fähigkeiten auszuprobieren, ohne auf bestimmte Förderziele hinzuarbeiten.
Pädagogen wollen mithilfe ästhetischer Erziehung mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, ohne den primären Anspruch zu therapieren oder Defizite zu heilen. Hier steht der Mensch mit seiner gesamten Persönlichkeit, mit seinen Stärken, aber auch mit seinen Schwächen im Mittelpunkt der Arbeit. Nicht das Erreichen von pädagogischen Zielen ist die Hauptaufgabe von ästhetischer Erziehung, sondern die Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Menschen mit geistiger Behinderung sind hier vorrangig. Der Gebrauch von ästhetischen Mitteln soll den Menschen helfen, sich und ihre Welt zu erfahren und zu erkennen, um so zu möglichst viel Autonomie und Selbstbestimmung zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ästhetische Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung
2.1 Basale Pädagogik
2.2 Ästhetische Aktivitäten
2.2.1 Prozessorientierte Aktivitäten
2.2.2 Produktorientierte Aktivitäten
3. Theaterpädagogik mit Menschen mit geistiger Behinderung
3.1 Allgemeine Theaterpädagogik
3.1.1 Ziele von Theaterpädagogik
3.1.2 Methoden und Techniken in der Theaterpädagogik
3.1.3 Äußere und innere Rahmenbedingungen der Theaterpädagogik
3.2 Praxisbeispiel: „Opa Flodders wird entführt“
3.2.1 Zielstellung / Vorüberlegung
3.2.2 Die Spieler der Theatergruppe
3.2.3 Entstehung der Thematik
3.2.4 Ablauf der Proben
3.2.5 Die Aufführung
3.2.6 Resümee: Erfolge und Probleme
4. Abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Theaterpädagogik als Teilbereich der ästhetischen Erziehung für Menschen mit geistiger Behinderung, wobei der Fokus auf der Förderung von Selbstbestimmung, Autonomie und persönlichem Ausdruck liegt.
- Grundlagen der ästhetischen Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung
- Unterscheidung zwischen prozessorientierten und produktorientierten Ansätzen
- Ziele, Methoden und Rahmenbedingungen der theaterpädagogischen Arbeit
- Analyse eines konkreten Praxisbeispiels aus einer Wohn- und Förderstätte
- Kritische Reflexion über die Herausforderungen bei der Umsetzung inklusiver Theaterprojekte
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Ziele von Theaterpädagogik
Ein allgemeines und wichtiges Ziel der Theaterpädagogik ist es, in den Menschen ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln. Dies gilt sowohl für Spieler, als auch für die Zuschauer. Missstände, Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen aufzuzeigen sind von jeher Anliegen und Aufgabe von Theater (vlg. EHLERT 1986, S. 54).
Nun kann ist es sicher einsichtig, dass die Themen beim Theater von Menschen mit geistiger Behinderung andere sind, als die von nichtbehinderten Menschen. Es ist nachvollziehbar, dass bei Theaterspielern, die als geistig behindert gelten und besonders bei solchen, die in einem Heim wohnen, eher konkrete Fragen des Alltags (Probleme mit Mitbewohnern, Personal, Nachbarn, Dorf- oder Stadtbewohnern, aber auch Wohnsituationen) im Mittelpunkt des Interesses stehen und dass diese Probleme eher als Missstände erkannt werden, als gesellschaftliche oder globale Probleme. Denn wenn man mit der eigenen Lebenssituation nicht zufrieden ist, sind allgemeine gesellschaftliche Probleme nachrangig.
Weiterhin sind sich jedoch viele auch der alltäglichen Missstände durch jahrelange Unterdrückung nicht bewusst. Beim Prozess des Erkennens und Begreifens dieser Missstände ist eine professionelle Begleitung notwendig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der ästhetischen Erziehung in der Heilpädagogik als Weg zur ganzheitlichen Persönlichkeitsentfaltung.
2. Ästhetische Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung: Definition und systemökologische Orientierung ästhetischer Praxis jenseits von Defizitorientierung und therapeutischem Leistungsdruck.
3. Theaterpädagogik mit Menschen mit geistiger Behinderung: Theoretische Grundlegung und detaillierte Darstellung der theaterpädagogischen Praxis inklusive einer Fallstudie eines Theaterprojekts.
4. Abschließende Gedanken: Resümee über die Notwendigkeit, in der heutigen pädagogischen Praxis verstärkt auf Qualität und Rückzugsmöglichkeiten für Betroffene zu setzen.
Schlüsselwörter
Theaterpädagogik, Ästhetische Erziehung, Geistige Behinderung, Basale Pädagogik, Prozessorientierung, Produktorientierung, Normalisierungsprinzip, Teilhabe, Selbstbestimmung, Inklusion, Persönlichkeitsentwicklung, Heilpädagogik, Wahrnehmung, Kreativität, Praxisreflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung theaterpädagogischer Methoden in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung als Mittel zur persönlichen Entfaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der ästhetischen Erziehung, die Unterscheidung von Prozess- und Produktorientierung sowie die praktische Umsetzung eines Theaterstücks.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch künstlerische und theatrale Tätigkeiten die Autonomie, Lebensfreude und Ausdrucksfähigkeit der betroffenen Menschen gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf eine empirische Darstellung eines eigenen Praxisbeispiels aus der Praktikumszeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden allgemeine Ziele und Techniken der Theaterpädagogik erläutert und anhand eines konkreten Praxisprojekts kritisch reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Theaterpädagogik, ästhetische Erziehung, geistige Behinderung, Prozessorientierung und Partizipation.
Was bedeutet "Prozessorientierung" in diesem Kontext konkret?
Prozessorientierung bedeutet, dass der spielerische Vorgang und die individuelle Erfahrung im Vordergrund stehen, statt auf ein perfektes, leistungsorientiertes Endergebnis hinzuarbeiten.
Warum gab es Schwierigkeiten bei der Aufführung des Stücks?
Die Schwierigkeiten resultierten vor allem aus dem Konflikt zwischen der prozessorientierten Arbeitsweise der Theatergruppe und den normativen Erwartungen der Heimleitung an ein ästhetisch "ansehnliches" Ergebnis.
- Quote paper
- Diplom Pädagogin Mirjam Günther (Author), 2007, Theaterpädagogik als Teilgebiet der ästhetischen Praxis in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130394