Diese Arbeit stellt den Versuch dar, das in der Sozialen Arbeit mittlerweile weit verbreitete Konzept der Lebenslagenanalyse mit dem Ansatz der Intersektionalitätsforschung zu verknüpfen. Eine intersektional ausgerichtete Lebenslagenanalyse kann die Verbindung zwischen einer objektiven Einordnung nach klassischen Sozialstrukturmodellen, der individuellen Sichtweise der Zielgruppe sowie der durch strukturelle Machtverhältnisse geprägten Ebene von Lebenslagen schaffen.
Um diese Verknüpfung im Rahmen einer kleinen Forschung umzusetzen, wird im Folgenden eine intersektional ausgerichtete Lebenslagenanalyse durchgeführt. Als Interviewpartnerin für die Analyse wurde eine Person ausgewählt, auf die die potenziellen Ungleichheitsfaktoren ‚weiblich gelesen‘ und ‚körperbehindert‘ zutreffen.
Die Arbeit beleuchtet den theoretischen Hintergrund von Ungleichheitsforschung. Dabei wird vorerst auf die unterschiedlichen Konzepte der Sozialstrukturmodelle eingegangen, um daran anschließend die Konzepte der Intersektionalitätsforschung sowie der Lebenslagenanalyse vorzustellen. Darauf aufbauend wird eine Operationalisierungsmethode einer intersektional ausgerichteten Lebenslagenanalyse vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Teil I: Theoretischer Hintergrund
2.1 Sozialstrukturmodelle
2.2 Intersektionalität
2.3 Lebenslagenkonzepte
2.3.1 Lebenslagenanalyse in der Frauenforschung
2.3.2 Das Lebenslagenkonzept im Kontext Sozialer Arbeit
3 Teil II: Lebenslagenanalyse
3.1 Quantitativer Teil: Untersuchung (von gesellschaftlichen Ungleichheitsfaktoren auf) der strukturellen Ebene
3.1.1 (Dis-)Ability
3.1.2 Gender
3.1.3 Wechselwirkung zwischen den Faktoren (Dis-)Ability und Gender
3.2 Qualitativer Teil: Untersuchung (von individuellen Spielräumen auf) der Identitätsebene
3.2.1 Methodik der Erhebung und Auswertung
3.2.2 Interviewsetting und Kurzportrait der Interviewten - entfernt
3.2.3 Darstellung der Ergebnisse - entfernt
3.2.4 Nachtrag - entfernt
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verknüpft das Konzept der Lebenslagenanalyse mit der Intersektionalitätsforschung, um die Auswirkungen von gesellschaftlichen Machtverhältnissen auf individuelle Lebensläufe differenziert zu betrachten. Das primäre Ziel ist es, am Beispiel einer körperbehinderten Frau aufzuzeigen, wie unterschiedliche Ungleichheitsfaktoren – hier (Dis-)Ability und Gender – interagieren und die Lebenssituation sowie Identitätskonstruktionen nachhaltig beeinflussen.
- Sozialstrukturelle Konzepte und deren Anwendung in der Ungleichheitsforschung
- Die theoretische Verknüpfung von Intersektionalität und Lebenslagen
- Quantitative Analyse struktureller Ungleichheitsfaktoren (Behinderung und Geschlecht)
- Methodik einer intersektionalen, lebenslagenorientierten Untersuchung
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Wechselwirkung zwischen den Faktoren (Dis-)Ability und Gender
Dem Intersektionalitätsansatz zufolge treten nun diese beiden Kategorien – es könnten noch beliebig viele weitere hinzugezogen werden (bspw. Alter, Hautfarbe, berufl. Setting u.a.) – auf verschiedenen Ebenen in unterschiedlicher Weise in Wechselwirkung. Dabei können sich die beiden Faktoren in ihren Effekten auf die Lebenslage der Menschen sowohl in positiver als auch in diskriminierender Weise gegenseitig verstärken oder auch – zumindest in der Theorie – gegenseitig schwächen bzw. aufheben, da sie sich in entgegengesetzter Weise auf die Lebenslage eines Menschen auswirken.
Insbesondere bei behinderten Mädchen und Frauen wird häufig von einer Mehrfachdiskriminierung gesprochen. In vielen Lebensbereichen sind sowohl Frauen als auch behinderte Menschen auf eine ähnliche Weise von Benachteiligung betroffen, was dazu führt, dass sich diese Diskriminierung bei behinderte Frauen noch stärker auswirkt, als es bei gesunden Frauen oder behinderten Männern der Fall ist (vgl. u.a. Hermes 2015, 253ff.). Die wohl am häufigsten benannte Benachteiligung ist die Gewaltbetroffenheit. Dabei geht es sowohl um sexualisierte Gewalt als auch um andere körperliche Gewaltformen sowie psychische Gewalt. Beeinträchtigte Frauen erfahren im Laufe ihres Lebens beinahe doppelt so häufig (62 %) körperliche Gewalt wie Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (35 %) (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2021, 677).
In ähnlicher Weise kann die Benachteiligung auch in anderen Lebensbereichen kumulieren. Das Risiko für Armut beispielsweise liegt für behinderte Frauen noch höher, als es bei Menschen der Fall ist, auf die nur einer der beiden Faktoren – Behinderung oder Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht – zutrifft. In Bezug auf die möglichen Gründe für Armut – Erwerbstätigkeit in Teilzeitbeschäftigung, berufliche Stellung, Einkommen etc. – lässt sich ein ähnlicher Effekt beobachten. (vgl. Aktion Mensch e.V. und SINUS-Institut 2021, 23–31)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verknüpfung der Lebenslagenanalyse mit der Intersektionalitätsforschung ein und erläutert die Auswahl der Zielgruppe sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Teil I: Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über klassische Sozialstrukturmodelle, die Intersektionalitätsforschung und verschiedene Ansätze der Lebenslagenanalyse.
3 Teil II: Lebenslagenanalyse: Das Hauptkapitel untersucht die Auswirkungen der Faktoren (Dis-)Ability und Gender auf struktureller Ebene sowie die methodische Herangehensweise an eine qualitative Lebenslagenanalyse.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit reflektiert den Erkenntnisgewinn durch die interdisziplinäre Verknüpfung und diskutiert Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung für die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Lebenslagenanalyse, Intersektionalität, Soziale Ungleichheit, Behinderung, Gender, Mehrfachdiskriminierung, Sozialstruktur, Identitätskonstruktion, Soziale Arbeit, Machtverhältnisse, Geschlechterforschung, Lebenswelt, Ressourcen, Teilhabe, Empowerment
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Verknüpfung von Lebenslagenanalysen mit Ansätzen der Intersektionalitätsforschung zur Untersuchung sozialer Ungleichheit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Modellen zur Sozialstruktur, den Konzepten von Geschlecht (Gender) und Behinderung ((Dis-)Ability) sowie deren intersektionaler Verflechtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Mehrwert einer intersektional ausgerichteten Lebenslagenanalyse zu prüfen und aufzuzeigen, wie sich verschiedene Diskriminierungslagen bei behinderten Frauen wechselseitig beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine quantitative datengestützte Analyse der strukturellen Ebene sowie einen problemzentrierten, qualitativen Forschungsansatz basierend auf der Inhaltsanalyse nach Mayring.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine quantitative Untersuchung gesellschaftlicher Einflussfaktoren (Gender und Behinderung) und eine methodische Darlegung zur qualitativen Identitätserforschung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Intersektionalität, Lebenslage, Mehrfachdiskriminierung, Empowerment und soziale Teilhabe.
Was versteht man unter der "Mehrfachdiskriminierung" bei behinderten Frauen?
Dies bezieht sich auf die Beobachtung, dass behinderte Frauen durch die Kombination von Geschlecht und Behinderung komplexeren und oft verstärkten Benachteiligungen (z.B. bei Gewalt oder Armut) ausgesetzt sind als andere Gruppen.
Warum ist die Verbindung von Lebenslagenanalyse und Intersektionalität sinnvoll für die Soziale Arbeit?
Dieser Ansatz ermöglicht es, hinter individuelle Schicksale zu blicken und die strukturellen Machtverhältnisse sowie gesellschaftlich konstruierten Ungleichheitsachsen besser zu verstehen, um passgenauere Hilfen zu entwickeln.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, (Dis-)Ability und Gender als Determinanten sozialer Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1307606