In dem Werk "Wirtschaft und Gesellschaft" von Max Weber aus dem Jahr 1909 versammelt Weber seine grundlegenden Arbeiten zur soziologischen Begriffsbildung und Methodologie, sowie zur Ökonomie, Rechts-, Geschichts-, Religions- und Kulturwissenschaft. Was ist der Unterschied zwischen "Verhalten" und "Handeln", zwischen "Handeln" und "sozialem Handeln" und zwischen "sozialem Handeln" und einer "sozialen Beziehung"? Sind diese Begriffe überhaupt in jeder Situation unterscheidbar?
Zunächst wird der Begriff des Verhaltens näher erläutert. Dieser Terminus ist der einzige der vier zu behandelnden Begriffe, der nicht eindeutig von Weber definiert worden ist. Dennoch bildet er die Grundlage für die weiteren soziologischen Grundbegriffe. Die Formulierungen "Handeln", "soziales Handeln" und "soziale Beziehung" werden anschließend beleuchtet und alle Begriffe werden jeweils an eigenständig konstruierten Beispielen spezifiziert. Anhand realistischer Beispiele, die sich auf alltägliche Situationen beziehen, soll die Problematik der Unterscheidung zwischen den Begriffen verdeutlicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verhalten
3. Handeln
4. Soziales Handeln
5. Soziale Beziehung
6. Problematik der Unterscheidung
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die soziologischen Grundbegriffe Max Webers – Verhalten, Handeln, soziales Handeln und soziale Beziehung – detailliert zu erläutern und ihre gegenseitige Abgrenzung anhand von realitätsnahen Fallbeispielen zu untersuchen.
- Grundlagen der soziologischen Begriffsbildung nach Max Weber
- Differenzierung zwischen individuellem Verhalten und sinnhaftem Handeln
- Definition und Bestimmungsgründe sozialen Handelns
- Konstituierung und Dauer sozialer Beziehungen
- Analytische Herausforderungen bei der praktischen Anwendung der Begriffe
Auszug aus dem Buch
4. Soziales Handeln
Laut Weber soll soziales Handeln ein solches Handeln heißen, welches von subjektiv gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist (vgl. Weber 2005: 3). Auch hier unterscheidet sich Webers Definition von dem, was in der heutigen Zeit unter „sozial“ verstanden wird. Im heutigen alltäglichen Sprachgebrauch meint die Gesellschaft mit „sozial“ normativ gute Sachen, wie zum Beispiel bei den Begriffen der Sozialhilfe oder des sozialen Engagements. Wenn beispielsweise eine Person A eine andere Person B verprügelt, würden wir das heute als „asozial“ oder „nicht sozial“ bezeichnen. Webers Ansicht nach wäre die beschriebene Situation aber soziales Handeln. Entscheidend ist, dass die Handlung bewusst auf ein oder mehrere andere Individuen bezogen ist und auch dementsprechend abläuft. Der subjektiv gemeinte Sinn dieses Handelns kann jeder nur denkbaren Art sein (vgl. Weber 2005: 16). Des Weiteren müssen bei einer sozialen Handlung die anderen Personen nicht unbedingt anwesend sein. Wenn eine Person einen abgebrochenen Ast von der Fahrbahn räumt, damit die nächsten Autos nicht darüberfahren, ist es eine soziale Handlung. Die nächsten Fahrer oder Fahrerinnen erfahren von dieser sozialen Handlung zwar nichts, aber das ist in Webers Sinne auch nicht notwendig. Demnach führt nicht jede soziale Handlung unbedingt zu einer Interaktion zwischen den Handelnden (vgl. Fibich/Richter 2012: o.S.)
Soziales Handeln ist aber nicht identisch mit einem gleichmäßigen Handeln mehrerer (vgl. Weber 2005: 16). Weber nennt hier das Exempel, dass eine Menge von Menschen bei Beginn des Regens gleichzeitig den Regenschirm öffnet (vgl. ebd.). Dabei ist kein Verhalten an dem Verhalten eines anderen orientiert, sondern an dem Bedürfnis des Schutzes vor Nässe. Auch ein Verhalten, das durch das Verhalten von anderen Menschen in einer Masse beeinflusst wird, ist ein Grenzfall des sozialen Handelns. Wenn in einem Fußballstadion ein Gesang angestimmt wird, singt oft kurz darauf ein Großteil der Fans im Stadion mit. Eine reine Nachahmung ist nach Max Weber kein soziales Handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Max Webers Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ ein und formuliert die Leitfragen zur differenzierten Betrachtung seiner soziologischen Grundbegriffe.
2. Verhalten: In diesem Kapitel wird das Verhalten als grundlegende Kategorie definiert, die jedes menschliche Tun ohne subjektiv gemeinten Sinn umfasst.
3. Handeln: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Handelns als menschliches Verhalten, welches vom Akteur mit einem subjektiven Sinn verbunden wird.
4. Soziales Handeln: Hier wird das soziale Handeln definiert, welches sich am Verhalten anderer Menschen orientiert, wobei eine physische Anwesenheit nicht zwingend erforderlich ist.
5. Soziale Beziehung: Dieses Kapitel beschreibt eine soziale Beziehung als ein Aufeinandereingestelltsein mehrerer Akteure, das durch gegenseitige Erwartungshaltungen gekennzeichnet ist.
6. Problematik der Unterscheidung: Das Kapitel veranschaulicht anhand von Fallbeispielen, wie schwierig die trennscharfe Abgrenzung der Begriffe in der empirischen Beobachtung sein kann.
7. Schluss: Diese Zusammenfassung führt die erarbeiteten Definitionen zusammen und reflektiert die methodischen Herausforderungen bei der Anwendung der Weber’schen Begrifflichkeiten.
Schlüsselwörter
Max Weber, Soziologie, Handeln, Verhalten, Soziales Handeln, Soziale Beziehung, Subjektiver Sinn, Begriffsbildung, Methodologie, Sinnrekonstruktion, Zweckrationalität, Wertrationalität, Interaktion, Grenzfälle, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematischen Erläuterung und Abgrenzung der zentralen soziologischen Grundbegriffe von Max Weber anhand von Beispielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definitionen von Verhalten, Handeln, sozialem Handeln und sozialen Beziehungen sowie die Analyse ihrer theoretischen Übergänge.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Begriffe durch Definitionen und konstruierte Alltagsbeispiele so zu verdeutlichen, dass ihre Unterschiede und die Problematik ihrer empirischen Anwendung sichtbar werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine begriffsanalytische Arbeit, die Webers theoretische Ausführungen mit hermeneutischen Fallbeispielen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die schrittweise Definition der vier Grundbegriffe und eine anschließende Diskussion über die praktische Problematik der Unterscheidung dieser Begriffe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Max Weber, soziales Handeln, subjektiver Sinn, Handeln und die soziale Beziehung.
Warum ist die Abgrenzung von „Verhalten“ und „Handeln“ in der Praxis so schwierig?
Die Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass eine außenstehende Person den „subjektiv gemeinten Sinn“ eines Akteurs oft nur interpretieren kann, da dieser nicht direkt beobachtbar ist.
Wie unterscheidet sich die Weber’sche Definition von „sozial“ vom heutigen Sprachgebrauch?
Im heutigen Alltag wird „sozial“ oft normativ positiv verwendet, während Weber den Begriff wertneutral für jedes auf andere Menschen bezogene Handeln benutzt.
- Citation du texte
- Johannes Tenbrink (Auteur), 2021, Max Webers soziologische Grundbegriffe Verhalten, Handeln, soziales Handeln und soziale Beziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1312729