Das Kommunistische Manifest - Politische Philosophie zu Zeiten der Hochindustrialiserung


Essay, 2007

7 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

ESSAY: DAS KOMMUNISTISCHE MANIFEST

Politische Philosophie zu Zeiten der Hochindustrialisierung

DasKommunistische Manifestvon Karl MARX und Friedrich ENGELS aus dem Jah-re 1872 gehört sicherlich auch heute noch zu den „Klassikern“ der politischen Philosophie der Moderne. Besonders in Anbetracht der aktuellen globalen ökonomischen Situation im Sinne von Massenarbeitslosigkeit sowie weitgreifender Unsicherheit erfährt die kritische Philosophie von Karl MARX (1818-1883), die sich im Kommunistischen Manifest wider-spiegelt, ein neues Interesse – sogar weltweit.

Schon seit der Antike, seit den Anfängen bei PLATON und ARISTOTELES, befasst sich die Philosophie auch mit der Politik. Die politische Philosophie geht dabei den Dingen auf den Grund – versucht die Zusammenhänge zwischen Moral, Politik und Gesellschaft so-wie den Menschen näher zu ergründen. Dabei analysiert sie vergangene und aktuelle Ordnungsformen wie beispielsweise die antikePolisoder die RÖMISCHE REPUBLIK und versucht dadurch Rückschlüsse auf die Gegenwart sowie der Zukunft zu ziehen. Inso-fern setzt sich die politische Philosophie mit demseinundsollender menschlichen Ideale in einer Gesellschaft auseinander. Einige solcher Beispiele hierfür wären die Freiheit des Individuums, die Rechtsstaatlichkeit sowie die Sicherheitsfrage oder die Verfassung. Im 19. Jahrhundert, der Zeit der Industriellen Revolution sowie der Hochindustrialisierung, erlangte die politische Philosophie, nicht nur in Bezug auf die Analyse der wirklichen aktu-ellen gesellschaftlichen Verhältnisse und Tendenzen, ihren vorläufigen Höhepunkt in der Moderne.

Scheinbar bis besitzt das Kommunistische Manifest eine solche Aktualität, wodurch es gerade heutzutage für viele Menschen wieder sehr interessant erscheint. Nicht zu-letzt deshalb, weil Karl MARX und Friedrich ENGELS die Entfremdung des Menschen in der neuen Wirtschaftsform des Kapitalismus scharf analysierten und detailliert darstellten. Somit ist ein zentraler Schwerpunkt des Kommunistischen Manifestes die auf Immanuel KANT zurückgehende Gegenüberstellung des Menschen alsSelbstzweckeinerseits und des Menschen alsMittelandererseits.

Für Karl MARX steht fest, dass dieBourgeoisieseit der Neuzeit die alten Traditio-nen der Antike und speziell des christlichen Mittelalters aufgesprengt und somit auch die bis dahin vertrauten Sozialbindungen des Menschen aufgelöst hatte. Die sogenannte Bourgeoisie, das Bürgertum, welche die Produktionsmittel besitzt, war für Karl MARX diejenige Bürgerschicht, die nach den Wirren der Aufklärung in Europa ganz klar die Herr- schaft übernommen hatte. Zwar halfen die einstigen Ideale der Aufklärung, wie bei-spielsweise die Autonomie des Individuums, der Vernunft, die Emanzipation von der erdrückenden Macht der Religion sowie die wissenschaftliche und ökonomische Rationa-lität, die alte Feudalgesellschaft zu überwinden und führte auch in vielen Bereichen der Wirtschaft sowie der Naturwissenschaft zu einer enormen Produktivitätssteigerung, dennoch schaffte diese Entwicklung gleichzeitig auch wieder neue Missstände und Ab-hängigkeiten, die nun im 19. Jahrhundert eindeutig und kraftvoll hervortreten.

Als charakteristische Beispiele greift das Kommunistische Manifest die Zerstörung der feudalen und patriarchalischen Verhältnisse auf. Diese waren für MARX nicht nur idyl-lisch, sondern darüber hinaus – im Gegensatz zum System des Kapitalismus – auch ge-eigneter, damit sich der Mensch besser in die Gesellschaft sowie seiner Umwelt einord-nen konnte, indem er sich an der Natur orientierte. Dabei bezieht sich MARX auf die Epo-che der Aufklärung, in der dieses alte Feudalsystem überwunden wurde und an deren Stelle nun das Ideal der individuellen Freiheit (LOCKE) propagiert wurde. Allerdings wurde den Menschen schon kurz nach der französischen Revolution mehr und mehr klar, dass das einstige LeitbildFreiheit, GleichheitundBrüderlichkeitnicht von allen erreicht werden kann. Nicht zuletzt deswegen, da sich die Werte Freiheit und Gleichheit nicht vereinen lassen, sondern eher ausschließen. Dessen ungeachtet entwickelten sich selbst zu Zei-ten der Restauration die Ideen und Utopien der Aufklärung weiter.

Natürlich besteht heutzutage ein breiter Konsens darüber, dass die feudalen Verhält-nisse unter dem Freiheitsaspekt gesehen keine akzeptablen Bedingungen für eine mora-lische und gerechte Gesellschaftsform sind. Jedoch wollte Karl MARX damit zum Aus-druck bringen, dass das neue kapitalistische System barbarischer ist als das alte feuda-le, welches den Mensch an seine natürlichen Vorgesetzten knüpfte. In der Tat hatten sich die Verhältnisse nicht so entwickelt, wie man sich das noch zu Zeiten der Aufklärung erhofft hatte. Insofern greifen die Thesen des Kommunistischen Manifests die Grund-tendenz der Philosophie der Moderne auf, die diesbezüglich eine Selbstaufklärung der Aufklärung fordert. Denn die gesellschaftlichen Entwicklungen im 19. Jahrhundert mach-ten deutlich, dass die Emanzipation von der Macht der Kirche nun in eine neue Abhängig-keit durch die Machtfaktoren des ökonomischen Systems umgeschlagen ist. Das heißt, aus der angestrebten Autonomie des Individuums wurde letztendlich nur eine neue Ab-hängigkeit von einem rationalen und bürokratischen Obrigkeitsstaat. So entwickelte sich beispielshalber aus dem Ideal der Religionsfreiheit der europäische Antisemitismus. Selbst das große Ideal der kantischen Vernunft, welche sich z.B. auch in den Wissen-schaften, der technischen Entwicklung sowie der Bürokratie eines Staates widerspiegel-te, schaffte es nicht eine Gesellschaft zu verhindern, die zunehmend von Unvernunft geprägt gewesen ist.

Im Zuge der Reformation – ausgelöst durch Martin LUTHER – entwickelten sich die Berufsbilder des Handwerkers und Händlers zu einer gesellschaftlich anerkannten Form des Broterwerbes und wurden zu einer akzeptierten salonfähigen Einnahmequelle. Gerade dem Calvinismus kommt hierbei eine besondere Rolle zu, da in dieser Form der protestantischen Lehre materieller Reichtum und wirtschaftlicher Erfolg als ein Zeichen für Gottes Wohlwollen interpretiert wurden. Ausgehend von den kapitalistischen Anfän-gen in Venedig und den gesellschaftlichen Veränderungen bildete sich in Europa allmäh-lich eine Gesellschaftsform heraus, die sich dadurch auszeichnete, dass man nicht mehr nach Bedarf sowie der natürlichen Bedürfnisbefriedigung produzierte, sondern vielmehr nach dem Leitbild des finanziellen Gewinnstrebens agierte.

Begleitet und verstärkt durch die Strömungen derRationalisierung, desLiberalismus(SMITH) sowie derBürokratisierung, erfuhr die Wirtschaft einen ungeahnten Aufschwung, der sich letztendlich in der Industriellen Revolution sowie der Epoche der Hochindustriali-sierung äußerte. Zwar stieg der Wohlstand der Bevölkerung in den Industrienationenquantitativan, jedoch nichtqualitativ, denn die Schere zwischen Arm und Reich wurde immer größer und die Schicht der Lohnarbeiter, des sogenannten Proletariats, wurde immer größer und verarmte zusehends. DieSoziale Fragewurde somit unausweichlich.

Des Weiteren bedeutet der rasante technische Fortschritt auch neue Unsicherheiten in der Bevölkerung, da besonders die Entwicklung von einer massenhaften Landbevölke-rung hin zu einer massenhaften Stadtbevölkerung enorme soziale Veränderungen mit sich brachte, welche die Menschen aus ihren traditionellen Sozialbindungen regelrecht herausrissen. Insofern fasst Karl MARX diesen enormen Wandel der sozialen Bindung durchaus treffend zusammen. Jedoch bleibt für ihn nur das nackte Interesse der gefühl-losen Barzahlung. Damit meint er nichts anderes als das System des Kapitalismus, wel-ches maßgebend durch Rationalität und Gewinnstreben geprägt ist und den Menschen lediglich als Mittel, als Humankapital und Produktionskraft, behandelt. Die wirtschaftliche Rationalisierung und die egoistische Berechnung ist für MARX das einzige, welches nach der Restauration von den einstigen Idealen der Aufklärung noch übriggeblieben ist, indem es die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei sowie die ritterliche Begeisterung er-tränkt hatte. Die persönliche Würde wurde jetzt durch den Tauschwert abgelöst.

Ferner bezieht sich Karl MARX auch auf die Entfremdung des Menschen von seinem Produkt. In der christlichen Sozialethik z.B. galt das Prinzip des Nullsummenspiels. Es wurde nur das produziert, was auch benötigt wurde. Der Mensch stellte seine von ihm benötigten Güter zu großen Teilen selbst her und hatte somit auch einen direkten Bezug dazu. Jetzt, im Zeitalter der Industrialisierung, verliert er diesen Bezug zu seinem Produkt nahezu vollständig. Anstatt wie zu früheren Zeiten der Gebrauchs- und Nutzwert, steht jetzt der allgemeine Tauschw]ert eines Produktes im Vordergrund. Der Markt änderte sich vom Käufer- zum Verkäufermarkt. Die Produktion und der Gewinn beherrschten zunehmend das wirtschaftliche Denken. Das Ideal des ökonomischen Liberalismus, der kaum staatliche Beschränkungen kennt, wurde nun in Form des Kapitalismus zur neuen Wirtschaftsform der modernen Gesellschaft in Europa. Die religiöse und politische Aus-beutung des Feudalsystems, welches in der Epoche des Aufklärung überwunden gewe-sen schien, wurde durch eine neue, unverschämte Ausbeutung der Produktionskräfte – der Arbeiterklasse – ersetzt. Die Ausbeutung des Menschen erreichte nunmehr eineneue Qualität, da sich die einstigen Leitbilder der Aufklärung, wie Autonomie, Vernunft und Rationalität, nur einseitig entwickelt und durchgesetzt haben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Kommunistische Manifest - Politische Philosophie zu Zeiten der Hochindustrialiserung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Politische Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
7
Katalognummer
V131407
ISBN (eBook)
9783640408634
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest, Kommunistisches Manifest, Kapitalismuskritik, Kommunismus, Hochindustrialisierung, Wirtschaftsethik, Soziale Frage, Marxismus
Arbeit zitieren
André Schmidt (Autor), 2007, Das Kommunistische Manifest - Politische Philosophie zu Zeiten der Hochindustrialiserung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131407

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Kommunistische Manifest - Politische Philosophie zu Zeiten der Hochindustrialiserung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden