Das Brexit Referendum hat zuletzt die Frage aufgeworfen, wie die europäischen BürgerInnen die EU wahrnehmen, wie sie sie bewerten und ob sie mit einer weitergehenden europäischen Integration übereinstimmen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist jedoch nicht nur interessant, wie die BürgerInnen über die europäische Integration denken, sondern auch, warum BürgerInnen die europäische Integration nach wie vor positiv bewerten und andere wiederum zunehmend skeptischer eingestellt sind. Anschließend an die Ergebnisse einer Studie der Universität Mannheim belegt die nachfolgende Untersuchung mit einer multiplen Regressionsanalyse, die sich auf Daten des ESS von 2016 stützt, dass das Vertrauen in Politiker, das Nettohaushaltseinkommen, wie auch die Selbsteinstufung auf der links-rechts-Skala die Einstellung gegenüber der europäischen Integration erklären können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Europäische Integration und Integrationstheorien: Theoretische Einordnung
2.1 Einstellungen der BürgerInnen als Kräfte europäischer Integration
2.2 Einstellungen zur europäischen Integration: Erklärungsansätze und Hypothesen
3. Forschungsdesign
3.1 Daten
3.2 Abhängige und unabhängige Variablen
4. Was erklärt die Einstellung zur europäischen Integration?
4.1 Deskriptive Statistik
4.2 Modellvergleich
4.3 Hypothesentest
4.4 Effektstärken
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Faktoren zu identifizieren und zu analysieren, die die individuelle Einstellung von europäischen BürgerInnen gegenüber der europäischen Integration erklären. Dabei wird eine multiple Regressionsanalyse auf Basis der Daten des European Social Survey (ESS) von 2016 durchgeführt, um zu prüfen, inwieweit sozioökonomische Merkmale, politisches Vertrauen, Ideologie und politische Partizipation die Haltung zur EU beeinflussen.
- Analyse der Bedeutung von Vertrauen in Politik und Parteien für die EU-Integration.
- Untersuchung des Einflusses sozioökonomischer Faktoren wie Nettohaushaltseinkommen und Bildungsgrad.
- Erforschung des Zusammenhangs zwischen politischer Ideologie (Links-Rechts-Skala) und EU-Einstellung.
- Bewertung der Rolle politischer Partizipationsformen bei der Unterstützung oder Ablehnung der europäischen Integration.
- Methodischer Vergleich des entwickelten Modells mit der Referenzstudie der Universität Mannheim.
Auszug aus dem Buch
2. Europäische Integration und Integrationstheorien: Theoretische Einordnung
So vielseitig die Theorien über die europäische Integration sind, so unterschiedlich lassen sich Antworten auf die Frage formulieren, was Integration eigentlich meint (Hüttmann u. Fischer 2012, S.11). Es ist daher unerlässlich, gleich zu Beginn ein Integrationsverständnis festzulegen, dem die Arbeit in ihrem weiteren Verlauf folgt. Um einen größtmöglichen Anschluss aller Theorien der europäischen Integration zu ermöglichen, wird ein weit gefasstes Verständnis der europäischen Integration gewählt. Weitgehend unbestritten ist die Vorstellung, wonach europäische Integration die zunehmende Kooperation der europäischen Staaten, sowie den damit einhergehenden institutionellen Ausbau der Europäischen Union bedeutet (Hüttmann u. Fischer 2012, S.11). Darüber hinaus wird auch die Aufnahme neuer Mitgliedsstaaten in die Gemeinschaft der Europäischen Union unter dem Begriff der europäischen Integration gefasst (Glombowski et al. 2004, S. 17). Auf beide Ansätze, die Vertiefung wie auch die Erweiterung der Europäischen Union, bezieht sich der in dieser Arbeit verwendete Begriff der europäischen Integration.
Deutlich umstrittener ist hingegen die Frage, wie und wodurch der europäische Integrationsprozess angetrieben wird. Nach den Theorien des Intergouvernementalismus sind es die Regierungen der jeweiligen Nationalstaaten, die in Verhandlungen und durch multilaterale Verträge die europäische Integration maßgeblich bestimmen (Schimmelfennig 2015, S. 29). In den Theorien des Neufunktionalismus werden vor allen Dingen auch nicht staatliche Akteure wie Wirtschaftsunternehmen und Verbände als Akteure der Integration identifiziert (Wolf 2012, S.57). Integration schreitet aus Sicht des neofunktionalistischen Ansatzes durch fortwährende grenzüberschreitende Interdependenzen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren voran. Transnationale Probleme seien dadurch besser zu lösen. (Haas 1957, S.110). Ein ähnlicher Ansatz ist dem soziologisch orientierten Föderalismus zuzuschreiben, der auch in zivilgesellschaftlichen Akteuren Triebkräfte der europäischen Integration erkennt (Fischer u. Hüttmann 2012, S.42).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Skepsis gegenüber der EU und formuliert die Forschungsfrage nach den Erklärungsfaktoren für die Einstellung europäischer BürgerInnen zur Integration.
2. Europäische Integration und Integrationstheorien: Theoretische Einordnung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der europäischen Integration und diskutiert theoretische Ansätze zur Erklärung von Integrationsprozessen sowie die Bedeutung individueller Einstellungen.
3. Forschungsdesign: Das Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise, die Datengrundlage des European Social Survey 2016 und operationalisiert die untersuchten abhängigen und unabhängigen Variablen.
4. Was erklärt die Einstellung zur europäischen Integration?: Hier erfolgt die empirische Analyse durch deskriptive Statistik, Modellvergleiche sowie die Durchführung und Interpretation der Regressionsanalyse und Hypothesentests.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bedeutung für die politische Kulturforschung und gibt Ausblicke auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Europäische Union, Politische Kulturforschung, Regressionsanalyse, European Social Survey, Politisches Vertrauen, Politische Partizipation, Haushaltsnettoeinkommen, Links-Rechts-Skala, Systemstabilität, Bevölkerungsmeinung, Einwanderungseinstellung, Modellvergleich, Demokratietheorie, Politische Einstellung.
Häufig gestellte Fragen
Womit befasst sich diese wissenschaftliche Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Determinanten, die die Einstellung von europäischen BürgerInnen gegenüber der fortlaufenden europäischen Integration bestimmen und erklären.
Welche zentralen Themenfelder sind entscheidend?
Zentrale Felder sind das Vertrauen in politische Institutionen, sozioökonomische Faktoren, migrationspolitische Ansichten sowie der Einfluss politischer Ideologien auf die Bewertung der EU.
Welche zentrale Forschungsfrage steht im Fokus?
Die Forschungsfrage lautet: Was erklärt die Einstellung von europäischen BürgerInnen gegenüber der europäischen Integration?
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse angewandt?
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird eine multiple Regressionsanalyse auf Basis der Daten aus der achten Erhebungswelle des European Social Survey (ESS) von 2016 verwendet.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Einordnung, die Beschreibung des Forschungsdesigns, die deskriptive Statistik der Variablen, einen Modellvergleich mit einer Referenzstudie sowie die Durchführung und Interpretation von Hypothesentests.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören europäische Integration, politisches Vertrauen, politische Partizipation, Regressionsanalyse, soziales Vertrauen und die Einstellung zur EU.
Warum reicht das Mannheimer-Modell zur Erklärung der EU-Einstellung aus Sicht des Autors nicht vollständig aus?
Der Autor argumentiert, dass wichtige Einflussfaktoren wie das Einkommen der BürgerInnen im ursprünglichen Modell fehlten, was durch eine Modellverbesserung im "Duisburger-Modell" korrigiert werden sollte.
Welche Rolle spielt das Vertrauen in Politiker im Vergleich zum Vertrauen in Parteien bei der Bewertung der EU?
Die Regressionsanalyse zeigt, dass das Vertrauen in Politiker einen signifikanten positiven Effekt auf die Einstellung zur europäischen Integration hat, während das Vertrauen in Parteien entgegen der Hypothese keinen signifikanten Einfluss zeigt.
Welchen Einfluss hat die politische Selbsteinstufung auf der Links-Rechts-Skala?
Es konnte bestätigt werden, dass Personen, die sich politisch weiter rechts einstufen, die europäische Integration im Schnitt negativer bewerten.
- Arbeit zitieren
- Tobias Hamm (Autor:in), 2018, Europäische Integration. Was erklärt die Einstellung von europäischen BürgerInnen gegenüber der europäischen Integration?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315389