Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten Tyranniskapitel
in der „Politik“ von Aristoteles und geht insbesondere den Fragen nach, ob
es mit seiner Ethik vereinbar ist, dass Aristoteles dem Tyrannen
Ratschläge zum Erhalt seiner Herrschaft gibt und ob er deshalb mit
Machiavelli auf eine Stufe zu stellen ist.
Zunächst ordne ich die Tyrannisabhandlung in die gesamte
Verfassungslehre des Aristoteles ein. Danach versuche ich die
wesentlichen Unterschiede der beiden Alleinherrschaftsformen
Königsherrschaft und Tyrannis aufzuzeigen.
Im Anschluss daran, werde ich die beiden Wege, die Aristoteles zur
Erhaltung der Tyrannis beschreibt näher beleuchten.
Er teilt seine Abhandlung in zwei Teile: Im ersten beschreibt er den
traditionellen, totalitären Versuch eine Tyrannis zu erhalten, während er im
zweiten Teil einen neuen, seinen eigenen Weg beschreibt, mit dem er es
für möglich hält, dass eine Tyrannis über einen längeren Zeitraum als
bisher Bestand hat.
Am Schluss der Arbeit werde ich dann auf die Frage eingehen, ob
Aristoteles den Tyrannen Tipps zur Stabilisierung ihrer Herrschaft geben
darf, obwohl seine Ethik in der „Nikomachischen Ethik“ eindeutig auf
Gerechtigkeit und Glück ausgerichtet ist. Diese Ausrichtung widerspricht
eigentlich der Unterstützung eines Tyrannen. In diesem Zusammenhang
gilt es auch der Frage nachzugehen, ob, wie teilweise behauptet,
Aristoteles deshalb mit Machiavelli und seinen Ausführungen in „Der
Fürst“ vergleichbar ist.
Ich werde versuchen, in meiner Arbeit diese These des
machiavellistischen Aristoteles zu widerlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Tyrannis in der aristotelischen Verfassungslehre
3. Die Gegensätze Königsherrschaft und Tyrannis
4. Theorien zur Erhaltung der Tyrannis
4.1 Die traditionelle Theorie
4.2 Die aristotelische Theorie
5. Darf Aristoteles Tipps zur Erhaltung der Tyrannis geben?
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das sogenannte Tyranniskapitel in der „Politik“ des Aristoteles. Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob die Ratschläge des Aristoteles an einen Tyrannen mit seiner tugendethischen Philosophie vereinbar sind und ob der Vorwurf berechtigt ist, Aristoteles sei ein Vorläufer des Machiavellismus.
- Einordnung der Tyrannis in die aristotelische Verfassungslehre
- Gegenüberstellung von Königsherrschaft und Tyrannis
- Analyse der traditionellen versus der aristotelischen Erhaltungsstrategien
- Kritische Auseinandersetzung mit der These des „machiavellistischen Aristoteles“
Auszug aus dem Buch
4.1 Die traditionelle Theorie
Bei der traditionellen Theorie, die Aristoteles beschreibt, blickt er auf die Strategien zurück, die verschiedene ihm bekannten Tyrannen zur Erhaltung ihrer Herrschaft bereits verfolgt hatten. Am häufigsten verweist er dabei auf Periander.
Aristoteles schreibt, dass sich all die Maßnahmen, der sich Tyrannen in der Vergangenheit zum Erhalt ihrer Macht bedient haben, in drei Kategorien einteilen lassen.
„Die Tyrannis zielt nämlich auf drei Dinge ab, zum einen darauf, daß die Beherrschten kleinmütig denken (denn niemandem dürfte wohl der Kleinmütige nachstellen), zum zweiten darauf, einander völlig zu mißtrauen (denn nicht eher löst sich eine Tyrannis auf, als bis einige einander vertrauen; daher bekämpfen auch die Tyrannen die Anständigen, als seien sie für die Herrschaft schädlich, und zwar nicht nur, weil sie sich nicht despotisch beherrschen lassen wollen, sondern auch, weil sie sich selber und den anderen treu sind und weder sich noch andere anklagen), und zum dritten auf das Unvermögen in Staatsangelegenheiten; keiner nämlich legt Hand an das Unmögliche, demnach auch nicht, eine Tyrannis zu vernichten, wenn die Macht dazu nicht vorhanden ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Tyranniskapitel ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Vereinbarkeit von Aristoteles' Ratschlägen an Tyrannen mit seiner Ethik.
2. Die Tyrannis in der aristotelischen Verfassungslehre: Dieses Kapitel verortet die Tyrannis als entartete Verfassungsform und schlechteste aller Staatsordnungen innerhalb der aristotelischen Systematik.
3. Die Gegensätze Königsherrschaft und Tyrannis: Hier werden die strukturellen Gegensätze zwischen der tugendhaften Königsherrschaft und der instabilen Tyrannis herausgearbeitet.
4. Theorien zur Erhaltung der Tyrannis: Das Kapitel erläutert, dass Aristoteles zwei Wege zur Machterhaltung beschreibt: den traditionellen, repressiven Weg und den eigenen, auf königsherrschaftliche Mimesis ausgerichteten Weg.
4.1 Die traditionelle Theorie: Dieser Abschnitt analysiert die historisch belegten, totalitären Maßnahmen, die darauf abzielen, die Untertanen durch Misstrauen und Ohnmacht gefügig zu machen.
4.2 Die aristotelische Theorie: Es wird dargelegt, wie der Tyrann durch die Annäherung an königsherrschaftliche Tugenden seine Herrschaft stabilisieren und möglicherweise seinen eigenen Charakter wandeln kann.
5. Darf Aristoteles Tipps zur Erhaltung der Tyrannis geben?: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der Barker-These auseinander und widerlegt den Vorwurf eines machiavellistischen Realismus bei Aristoteles.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Aristoteles keineswegs ein Theoretiker des Totalitarismus ist, da sein Ziel die echte ethische Verbesserung des Herrschers ist.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Politik, Tyrannis, Königsherrschaft, Verfassungslehre, Machiavelli, Machiavellismus, Ethik, Tyrannenherrschaft, Staatsform, Macht, Erhaltung, Periander, Tugend, Totalitarismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt das sogenannte „Tyranniskapitel“ aus dem Werk „Politik“ des Aristoteles und untersucht kritisch dessen Ausführungen zur Erhaltung tyrannischer Herrschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die aristotelische Verfassungslehre, die Unterschiede zwischen Königsherrschaft und Tyrannis sowie die Analyse verschiedener Strategien zur Machterhaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob die Ratschläge des Aristoteles für Tyrannen mit seiner ethischen Lehre vereinbar sind und ob der Vergleich zu Machiavellis „Der Fürst“ zulässig ist.
Welche methodische Herangehensweise wird verfolgt?
Die Arbeit basiert auf einer philologisch-philosophischen Analyse der primären Texte des Aristoteles unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur, um die These des „machiavellistischen Aristoteles“ zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung der Tyrannis, die Abgrenzung zur Königsherrschaft und die detaillierte Darstellung von traditionellen versus aristotelischen Strategien zur Herrschaftssicherung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere der Begriff der Tyrannis, das Konzept der Tugend, die Unterscheidung zwischen Schein und Sein in der Herrschaft sowie der Vergleich zu Machiavelli.
Inwiefern unterscheidet sich Aristoteles' Ansatz von dem des Machiavelli?
Während Machiavelli beim äußeren Schein der Machtausübung stehen bleibt, zielt der aristotelische Ansatz darauf ab, durch die Gewöhnung an tugendhaftes Handeln den Charakter des Herrschers tatsächlich zu transformieren.
Warum hält Aristoteles die Tyrannis für die schlechteste aller Staatsformen?
Aristoteles begründet dies mit der Tatsache, dass die Tyrannis die schlimmsten Elemente der extremen Oligarchie und der Demokratie vereint und ihr einziges Ziel der persönliche Nutzen des Herrschers auf Kosten des Gemeinwohls ist.
- Quote paper
- Philipp Vetter (Author), 2003, Das Tyranniskapitel in der Politik des Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13160